Donnerstag, 19. März 2020

Brief 607 vom 31.12.1944


Du mein liebstes Mädel, liebste Frau !                                                                   31.12.44      

Mit diesem Brief werde ich nun unseren Briefwechsel für dieses Jahr beschließen. Es war ein langes und sorgenreiches Jahr, das wir nun in wenigen Stunden abschließen. Aber trotz aller Schwernisse und trotz großer Anforderungen, die an uns gestellt wurden, könne wir heute sagen, daß wir es geschafft haben. Der Weg war hart und steinig, aber wenn wir vielleicht etwas Abstand von diesen großen Ereignissen gewonnen haben, werden wir einmal sagen, es hat sich gelohnt. Im Ungewissen liegt nun das Jahr 1945. Wir erhoffen uns von ihm sehr viel, denn dieses Hinausziehen Jahr um Jahr kann wohl auf die Dauer nicht getragen werden. Was haben nicht allein die vielen bombengeschädigten Familien aufgeben und leiden müssen. Wie viele haben ihr Haus und ihren Hof aufgeben müssen, weil der Krieg an unsere Grenzen herangerückt ist und teilweise diese Grenzen schon überschritten hat. Die Nervenanspannung des Einzelnen von der Arbeit her ist ebenfalls stark, und doch hat es sich gezeigt, daß wir in der Lage sind, unserem Feind die Stirn zu bieten, wenn wir nur unsere Kräfte alle anspannen. Trotz des verstärkten Einsatzes gibt es aber leider auch heute noch Menschen, die Abseits von diesen Dingen stehen und andere den Kopf hinhalten lassen. Solche Schmarotzer wird es immer wieder geben und die muß man packen, wo man sie antrifft. Mit verstärktem Glauben und neuem Vertrauen wollen wir aber in das Neue Jahr hineingehen, denn das, was uns im vergangenen Jahr bekannt geworden ist, liegt zum größten Teil grau hinter uns. Die Zukunft ist zwar nicht rosig, denn sie wird uns manches abverlangen, aber wenn wir fest zupacken, werden wir es meistern. _ Vielmals danke ich Dir für Deine lieben Zeilen vom 19., die mir gestern bei der Postverteilung ausgehändigt wurden. Manche Kleinigkeit erwähnst Du, die mir wieder gefallen haben. Schön ist es, daß Ihr zum Fest doch ein kleines Bäumchen gehabt habt. Es macht das Fest doch gleich stimmungsvoller. Wenn die Gabenverteilung auch nicht groß sein konnte, so gibt solch ein Bäumchen doch gleich einen anderen Rahmen. Du hast ja noch einige Kleidungsstücke für unsere beiden Stromers kaufen können. Das macht ja nicht nur ihnen, sondern auch Dir Freude, weil Du diese Sachen, trotz der Schwierigkeiten, die jetzt bestehen, hast bekommen können.  Was machst Du nur mit Deinem großen Verdienst, den Du im November ausgezahlt erhalten hast? Eins ist mir nicht ganz klar, wenn Du schreibst, Du hättest auch Ferien bis zum 2. Januar? Du gehst doch immerhin noch freiwillig zum Schaffen. Es freut mich, daß Du mich damit tröstest, daß auch an Dir die Jahre nicht spurlos vorübergegangen sind und daß auch Du älter geworden seist. Damit werde ich zwar meine grauen Haare nicht los, aber ich will mir diese Worte als kleinen Trost gelten lassen. Doch es liegt doch durchaus Grund zu meiner Auffassung vor, wenn Du mit Deiner Frisur jünger wirkst, daß ich eben doch wie der Vater von allen aussehen muß. Aber das Jüngeraussehen gehört nun einmal zum Vorrecht einer Frau, und damit will ich mich abfinden.  Du bemerkst weiter, daß die Kinder wieder Ferien haben. Jörg macht doch schon länger frei. Wie steht es denn mit seinem Lernen während dieser freien Wochen? Ich hoffe, daß er sich dahinter setzt während dieser Zeit, das will ich nochmals betonen, muß er mindestens eie Stunde am Tag sich seinen Büchern widmen.  Ich muß sagen, daß sich Frau Dietz immer noch in rührender Weise um unseren Jungen kümmert. Sie vergißt ihn nicht. Hast Du ihr denn auch wieder einmal ein Bild von ihm mitgesandt. Ich erwarte, daß sich unser Junge einmal persönlich bedankt. Er hat jetzt Zeit dafür, da gibt es kein Hinauszögern.  Gestern erlebte ich noch eine weitere Freude, denn ich erhielt von Siegfried einen wirklich netten Brief, den ich Dir mit zugehen lasse, wenn ich ihn beantwortet habe. Ich finde, daß das Verhältnis, das doch in früheren Jahren zwischen mir und ihm nicht immer zufriedenstellend war, das sich das von Jahr zu Jahr gebessert hat. Manchmal könnte ich sagen, daß die Verbindung zwischen uns nicht besser sein könnte, wenn wir Brüder wären. Das freut mich auch, daß ich das in Deiner Gegenwart sagen darf, denn er ist ja schließlich Dein Bruder. Es will ja schon etwas heißen, daß ich im Laufe der Jahre ein solches Verhältnis zu Dir herstellen konnte—aber das gehört ja wieder nicht hierher.  Unter dern letzten Jahresbrief möchte ich einen besonders lieben und kräftigen Kuß zum Abschluß setzen. Die Grüße sollen nicht minder herzlich sein für Dich, die Kinder und Vater. Glück auf ins Neue Jahr. Die besten Wünsche für Gesundheit im Neuen Jahr begleiten auch diesen Brief. Seid immer lieb zueinander und zu Eurem Vaterle und zu 

Deinem Ernst.   

Brief 606 vom 29./30.12.1944


 Du meine liebe, meine gute Annie !                                                                    29.12.44     

Dem Wochenende entgegen. Das Wetter ist hell und sichtig. Frischen Schnee hat es in der vergangen Nacht gegeben. Die Sonne scheint wieder und über unser Gehen durch Granaten und Granatenwerfer hinweg. Man nimmt nicht sonderlich Notiz, denn sie gelten ja nicht uns. Sie sollen den Iwan treffen. Bekämpfung des Feindes wird es genannt. Bis vor wenigen Tagen haben uns die Brüder herübergewinkt und nachts riefen sie uns zu. Sie fragten, wie spät es sei und ähnliches. Seit nun unsere Scharfschützen in den letzten zwei Tagen etwa zehn Mann abgeschossen haben, ist es auf der anderen Seite etwas ruhiger geworden. Zwar in der Nach macht er sich schon bemerkbar, aber da muß man sich vorsehen und den Geschossen aus dem Weg gehen. Die klaren Mondnächte gemahnen doch immer wieder zu gewisser Vorsicht. Zwar unsere weiße Tarnkleidung

 Liebster Schatz !                                                                                             30.12.44
 Aus bestimmten Gründen habe ich meinen gestrigen Brief abbrechen müssen, denn wir hatten noch eine Flasche Cognac hier, die ich mit meinem Feldwebel leergemacht habe. Wenn man sonst ganz und gar aus der Gewöhnung gekommen ist, dann hat man schon zu schaffen. Aber das ist nun auch vorüber, und für uns läuft der Betrieb einmal weiter.  Einen lieben Brief habe ich gestern wieder erhalten, der mir viel Freude bereitet hat. Es ist Dein Brief vom 17.12. Nummer 122. Daß Ihr Euch auch am 3. Advent wieder zusammengesetzt und Lieder gesungen habt, wird auch den Kindern gut gefallen haben. Daß dieses Zusammensein durch Alarm gestört wird, ist sehr schade, aber mit solchen muß man heute rechnen. Froh ist man aber, wenn alles heil vorübergeht. Das war ja auch der Fall. Deine Schilderung über unseren Jungen hat mich ebenso gefreut, denn ich kann mir vorstellen, wie er zu Eurem Leidwesen die Wohnung vollbaut. Die Soldatenlager dehnen sich sehr aus so daß er sie selbst nicht abreißen kann. Das ist für Frauen, die immer saubermachen wollen, nicht verständlich. Aber wie es scheint, hat sich dieser Pimpf durchgesetzt. Er ist doch ein rechter Kuppelbruder. Wo hat er denn schon wieder die anderen Flieger her? Aber in dieser Beziehung war er ja schon immer sehr betriebsam. Er macht sich jedenfalls Gedanken und befaßt sich mit den Dingen. Meist ist es ja so, daß die Kerle besser Bescheid wissen wie die Eltern. Helga kann man ja gratulieren zu ihrem Sammelergebnis. Das ist wirklich ganz beachtlich.  was sie da erreicht hat. Das kann ich mir vorstellen, daß das Ingrid weniger gefreut hat, denn sie ist in dieser Hinsicht recht ehrgeizig. Aber wichtig ist ja, daß ein jeder seine Pflicht tut.  Gestern bekam ich den Auszug aus dem Heeresverordnungsblatt über die Heranziehung der MV-Beamten zu Reserveoffizieren. Es ist mir dabei etwas nicht ganz klar. Ich weiß nicht nicht, ob das auch für mich in Betracht kommt, nachdem ich vorher nicht im Offiziersrang stand. Ich habe bereits eine Rückfrage an den Kameraden Örz gestartet. Ich will sehen, was man zu dieser ganzen Angelegenheit denkt. Im übrigen erwarte ich ja auch noch Deine Ansicht über diese Angelegenheit. Ich habe ja bis jetzt warten können, dann macht es wohl auch nicht weiter aus, wenn ich noch etwas Zeit verstreichen lasse. Es hat eben alles seine zwei Seiten. Ich weiß nicht mehr genau, habe ich Dir schon davon geschrieben, daß ich am 24. zwei Päckchen an Dich abgesandt habe. Sie enthalten Schokolade, Bonbons, Rauchwaren. Morgen kann ich noch ein kleines Päckchen mit einer Dose Fisch an Dich absenden. Neue Päckchenmarken haben wir hier auch erhalten. Ich sende sie Dir heute wieder mit und bitte Dich, daß Du mir einmal ein paar Äpfel schickst. Du mußt zwar obachtgeben, daß sie keinen Frost bekommen, aber ich denke, daß sich das schon machen läßt.  Ich denke wieder mit recht herzlichen Grüßen an Euch. Laßt Euch alle Drei fest und herzlich küssen., Bleibt nur immer gesund für Euer Vaterle und für 

Deinen Ernst.

Brief 605 vom 27.12.1944


Mein liebster Schatz !                                                                                             27.12.44        

Die Feiertage liegen nun hinter uns. Das Essen und alles andere geht wieder seinen Gang, wie wir es gewohnt sind. Ich schrieb ja schon, daß wir froh sind, daß sich unsere Vermutungen  glücklicherweise nicht bestätigt haben, daß uns der Russe hier einen Streich während der Feiertage spielen würde. Auch über die Jahreswende stehen wir noch an unserem alten Platz und hoffen, daß dann gleich hinterher eine Änderung eintritt. Also behalten wir unseren Tritt hinter dem Fluß bei und beobachten. Über die Zimmerangelegenheit habe ich ja gestern ausführlich mit Dir gesprochen. Ich hoffe, daß wir beide uns nun einig sind. Was für Dich noch aufklärenswert wäre. mußt Du mir dann mitteilen, ich werde Dir dann entsprechend meiner Auffassung Bescheid zukommen lassen. Deine Klage bezüglich Vater und seiner Redewendungen kann ich verstehen, denn ich kenne ihn ja von dieser Seite nur zu gut. Es ist nicht nur, daß er so spricht, sondern auch das Lächeln ist mir sehr erinnerlich, das er in solchen Fällen aufsetzt. Daß dies alles zum Widerspruch reizt, ist mir ganz verständlich.  Das, was mich am meisten an dieser Geschichte ärgert ist das, daß er ausgerechnet während der Zeit herummeckert, während der ich nicht da bin. Komme ich dann einmal nach hause, dann erzählt er mir vom Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung. Wenn er früher auch seine Macken gehabt hat, so habe ich doch das Empfinden, daß sich dies alles wieder verschärft hat, seit er zu Paula geht. Paula ist gewissermaßen der böse Geist, der sich gegen uns wendet. Eine Möglichkeit direkt gegen uns zu arbeiten besteht kaum, aber auf diesem Wege läßt sich das anscheinend auch tun.  Früher war unser lieber Kurt das Werkzeug und jetzt nimmt Vater die Stellung ein.  Die Einzelheiten, die Du nun anführst, kann ich zum großen Teil erklären. Die meisten Mullbinden stammen von Deinem Vater. Die extra eingepackten hast Du von mir erhalten. Es liegt also keine Veranlassung vor, daß er sich darüber wundert. Von mir hast Du soviel Schreibpapier erhalten, daß wir auf kein anderes Papier angewiesen sind. Was sonst die anderen Dinge von Kurt anbelangt, so bleibt ja letzten Endes das Verfügungsrecht darüber mir vorbehalten. Die Angelegenheit mit den Büchern geht so ganz und gar in Ordnung, wie Du sie erledigt hast. Ich selbst lege ja keinen großen Wert darauf, wenn mir gänzlich unbekannte Leute in unseren Büchern herumkramen. Bücher, die wir doch teilweise unter recht schweren Opfern und Einschränkungen erstanden haben. Wenn Vater glaubt, daß er in irgendeiner Form benachteiligt ist, dann soll er dies offen und ehrlich äußern, denn wird sich ohne weiteres ein Weg finden, der ihm das zukommen läßt, was er braucht. Ich persönlich bin nicht auf die Sachen angewiesen, die dieser arme Junge uns hinterlassen hat, denn ich habe das, was ich brauche. Von mir aus kann er alles das haben, was von ihm da ist. Ich will aber andererseits nicht, daß wir das Vermächtnis von Kurt mißachten und nun hier irgendwelche Änderungen vornehmen, die nicht in seinem Sinn sind. Ich habe schon immer diesen Standpunkt vertreten, denn Du brauchst ja nur einmal in den letzten Briefen von mir nachblättern, aus denen läßt sich ja heute noch einwandfrei feststellen, daß ich Vater alles zur Verfügung stellen wollte. Daß ich gerne ein Andenken von ihm hätte, das braucht wohl weiter nicht in Frage stehen. Aber eins kann ich nun einmal nicht vertragen und das ist diese Stichelei. Wir haben heute weiß Gott doch andere Sorgen als solches Gekörgele. Wenn er ein alter Nockergreis sein will, dann muß er zusehen, daß er dafür andere Opfer findet.  Die Nerven eines einzelnen sind heute derart angespannt, daß man sich nicht noch solche zusätzlichen Belastungen leisten kann. Ich bitte Dich daher, Vater gegenüber ein etwas bestimmteres Auftreten zu zeigen, denn das ist nach meiner Ansicht das einzige, was er noch einigermaßen respektiert. Eins kann ich aber auf die Dauer nicht dulden, daß Vater immer wieder herumstänkert, denn es ist ja nicht so, daß nur Du die Leidtragende bist. Auch die Kinder versuchen schon Abstand von ihm zu nehmen in der Erkenntnis, daß er doch immer nur wieder etwas zu bemängeln hat. Das geht auf keinen Fall, und das muß unbedingt abgestellt werden. Ich bitte Dich aber diesmal wieder dringend, daß Du mir solche Sorgen mitteilst, damit ich hier nicht eines Tages vor eine vollendete Tatsache gestellt werde und Du hir unter diesen Dingen leidest, was wirklich nicht notwendig ist. Wie gesagt, tritt ihm in bestimmter Form entgegen, behaupte unseren Standpunkt und unser Recht. Daß Du trotzdem korrekt bleibst, das weiß ich sowieso. Deshalb mache ich mir die wenigsten Gedanken.  Gestern ist keine Post angekommen ausser einem Päckchen von Deinem Vater, das er ja mir selbst schon angekündigt hatte. Lotte hat einige Zeilen dazugeschrieben. Ich werde mich besonders noch dafür bedanken. DAs Gebäck ist ja nicht selbstgebacken und ist auch nicht so gut, aber ich habe immerhin den guten Willen gesehen. Ich habe ja genügend zu essen gehabt, das hast Du wohl bereits aus meinen vorhergehenden Briefen ersehen. _ Daß sich die Lage im Westen einigermaßen für uns entspannt hat, ist für mich einigermaßen eine Beruhigung. Wenn wir wahrscheinlich auch keine allzu großen Vormärsche machen werden, so werden wir hoffentlich doch noch soviel Möglichkeiten haben, um uns den Feind vom Leib zu halten und von den Grenzen wegzudrängen. Wenn damit eine Entlastung für die Grenzbevölkerung eintritt, so ist das wirklich eine Notwendigkeit. _ Was es sonst noch zu beantworten gibt, das regle ich in den nächsten Briefen. Eins will ich aber gleich noch erwähnen, daß ich mich über die gemalten Köpfe von Helga gefreut habe, Das sind ja die reinsten edelsten Griechenköpfe, die sie da praktiziert hat. Sie soll nur ihre Sachen so weitermachen. Ich kann es jedenfalls nicht so. Mich freut es, wenn sie sich dafür interessiert und wenn sie dafür Geschick hat. Ich danke ihr für ihre Malerei und sie soll sich nur weiter anstrengen und vervollkommnen.  Ich grüße Dich und die Kinder recht herzlich. Auch diesmal gelten Dir und den Kindern viele Küsse, denn Ihr seid ja meine Lieben, für die ich mich immer einsetzen kann. Bleibt gesund und denkt an Euer Vaterle und an 

Deinen Ernst.


Brief 604 vom 26.12.1944


 Mein liebster Schatz !                                                           26.12.44 am zweiten Weihnachtstag  

 Drei liebe Briefe waren es, die ich gestern von Dir erhielt. Ich habe mir besonders vorgenommen. Unter dem Baum standen noch die Bilder der Familie wie jetzt auch. Die zwei gesandten Kerzen brennen jetzt wieder und nun möchte ich, mit diesem Brief an Dich, die Feiertage ausklingen lassen. Über vieles habe ich mich freuen können, manche Nachricht war mir eine Beruhigung. Doch einiges hat mir Gedanken gemacht. Aber ich werde eins nach dem anderen, der Dringlichkeit nach beantworten. Kurz will ich aber noch auf unsere Weihnachtszuteilungen eingehen, die wir hier erhalten haben. Von der Stolle, dem Gebäck und der Wurst hatte ich wohl schon geschrieben. Etwas Schokolade hatte es auch schon gegeben. Doch zum Heiligabend bekam jeder von uns ein Stück Streuselkuchen im Ausmaß von 25 X 30 cm, vier Mann eine Torte, einige Mann gar eine Flasche Cognac. Außerdem gab es reichlich Rauchwaren. Dies alles ausser der üblichen Verpflegung. Ich habe fast mit dem zu schaffen gehabt. Einige Kameraden hatten das alles in der Nacht gegessen. Am gestrigen Morgen bekamen vier Mann ein Kochgeschirr voll Pudding. Das hat alles mächtig hingehauen. Ich habe wirklich eine Feiertagsstimmung im Magen gehabt. Dies liegt nun hinter uns. Bis jetzt sind wir von vermuteten Ereignissen verschont geblieben. Wir hoffen auch, daß keine Änderung eintreten wird. Der Werktag geht nun wieder los. Bei uns unterscheidet dies sich wohl im großen und ganzen dadurch, daß wir etwas anderes zu essen bekommen. Der Dienst geht in der gewohnten Form weiter. _ Aus Deinen lieben Zeilen muß ich leider feststellen, daß Du vor einiger Zeit viel Ärger und Sorgen gehabt hast. Ich konnte Dir wohl schon meine Ansicht über die Frage kurz erwähnen.  Nun, nachdem diese SAche mehr Staub aufgewirbelt hat, wird es wohl nötig sein, daß ich mich mit den Stellen von hier aus in Benehmen setze, die dafür verantwortlich zeichnen. Bei voller Würdigung der Sachlage und unter Berücksichtigung der schwierigen Verhältnisse komme ich zu folgender Auffassung. Die Wohnfläche für eine dreiköpfige FAmilie, denn ich bin ja jetzt nicht daheim, ist auf keinen Fall zu groß, wenn man unsere Kleinstwohnung betrachtet. Wenn man auch einmal damit rechnen muß, daß ich in Urlaub komme, so kann ich als Frontkämpfer, der nun schon seit Monaten seinen Kopf in vorderster Linie für die große Sache hinhalte, verlangen, daß mein Platz und der mir zustehende Wohnraum nicht noch von fremden Leuten weggenommen wird. Ich sehe nicht ein, daß ausgerechnet ich als Frontsoldat zugun sten der Leute auf meinen Wohnraum verzichten soll, die jahraus jahrein sich daheim herum drücken und nun eine schutzlose Frau, statt daß sie ihr die gebührende Hilfe zukommen lassen, anbrüllen und ihr noch Grobheiten machen. Ich werde jedenfalls Mittel und Wege finden, die einer solchen Ungerechtigkeit steuern. Ganz abgesehen von meinem Recht auf meine Wohnung, muß man noch berücksichtigen, daß die Anordnung der Wohnung einen Dauerzustand niemals zulassen. Wenn Not am Mann ist, dann ist es ohne weiteres vertretbar, wenn man einmal auf einige Tage einen hilflosen Menschen aufnimmt, aber als Dauerzustand kommt eine derartige Regelung auf keinen Fall infrage. Wenn es vorerst keinen anderen Ausweg gibt, daß Du für das erste ein Kind aufnehmen mußt, dann mußt Du auf alle Fälle Deine Nähstunden aufgeben, denn ich kann es nicht dulden, daß fremde Menschen in unserer Wohnung leben und Du bist während dieser Zeit nicht daheim. Ich möchte da von Anfang an gleich klare Linien haben und bitte Dich, daß Du entsprechend meiner Anweisungen handelst. Ich kenne hier nur eins und das ist der Zusammenhalt unsere Familie. Solange nicht die Notwendigkeit geboten ist, daß Du unsere Wohnung verlassen mußt, muß es bei dieser Anordnung bleiben. Käme es einmal anders, dann könnte man nichts machen, wenn andere Leute in unserer Wohnung sich aufhalten, aber im Augenblick muß es bei dieser Meinungsauffassung bleiben. Auf jeden Fall läßt Du Dich nicht ins Boxhorn jagen, denn wir können zumindest verlangen, daß auch wir zumindest standesgemäß untergebracht sind, wie es uns zukommt, denn ich nehme an, daß gerade die Leute mit ihren großen Wohnungen nicht volle Belegung erhalten, derweil man ihnen entsprechend ihrem Wohnbedarf nur Belegungen zuläßt. Wenn Du irgendwelche weiteren Schwierigkeiten hast, dann teile sie mir mit und ich werde mich dann von hier aus entsprechend dahinterklemmen. Laß Dich nur nicht unterkriegen und handle bitte nach meinen Anweisungen. Wenn Du auch einmal Deinem Herzen Luft machen mußt, so tue das nur ohne weiteres, wenn auch einmal etwas mehr darin steht. Man muß sich damit abfinden, daß sowas an die Front geschrieben wird, wenn solche Maßnahmen in der Heimat getroffen werden. Ich hoffe, daß Du nun klar siehst und daß Du nun weißt, wie Du handeln sollst, sofern noch irgendwelche Unklarheiten bestehen. Lasse dich für heute recht herzlich grüßen und vielmals küssen.  In Gedanken bin ich immer bei Dir und den Kindern. Ich bin und bleibe immer 

Dein Ernst.

Brief 603 vom 25.12.1944


Mein liebstes Mädel !                                                                                           25.12.44        

 Ich sitze im Kreis der Kameraden unter dem Weihnachtsbaum. Es ist gerade Mitternacht nach Heiligabend. Unser Troß hat uns wirklich nett beschert. Gestern erhielten wir Frontkämpferpäckchen, Schokolade und Drops und heute erhielt jeder ein großes Stück Streuselkuchen, vier Mann bekamen eine Torte, Zigaretten und Cognac. Es ist wirklich in netter Weise an uns gedacht worden. Ein schöner Tannenbaum, der mit Lametta geschmückt ist, steht auf dem Tisch. Ein jeder hat das Bild seiner nächsten Angehörigen an den Fuß gestellt. Ich habe mir Eure lieben Weihnachtsbrief vorgenommen, der mir viel Freude bereitet hat. Wie viel Liebe spricht aus Euren lieben Zeilen. Du erinnerst auf verschiedene kleine Dinge, die uns früher gemeinsam das Fest sahen und auch unsere Helga schreibt in einer wirklich netten Form. Auf allen Briefen die kleinen Bildchen am Rande haben so recht an das Fest erinnert. Wir haben nun schon verschiedene Besuche von unserem Kompanie und Bataillonsführer, Gruppenführern usw. hinter uns. Jetzt ist nun die Reihe an uns, eine Grabenstreife zu gehen und dabei und dabei bei unseren einzelnen Gruppen vorzusprechen und unsere Wünsche zum Fest auszusprechen. Das Weihnachten an der Front ist eben schon anders wie in der früheren Umgebung. Aber es herrscht laufender Betrieb bei uns, so daß man nicht lange zum Nachdenken kommt.  Unsere Grabenstreife ist beendet. Bei einer unserer Gruppen sind wir längere Zeit mit den Kameraden zusammengesessen. Einer hat Mundharmonika gespielt. Einige Weihnachtslieder und auch Soldatenlieder. Wenn auch nicht die Stimmung aufkommen kann, wie sie einem aus Friedenszeiten bekannt ist, so sind wir doch zufrieden mit dem, was sich hier so ergibt. Die Nacht war anfänglich hell und fast klar. Gegen Mitternacht trat stärkere Bewölkung ein und der Mond hatte sich dann sowieso verzogen. Unsere Wacht am Fluß wurde dadurch erschwert. Leuchtkugeln erhellen hin und wieder das Gelände und einzelne MG-Granaten peitschen über die Eisfelder, sonst ist alles ruhig. Das Eis knackt und reißt höchstens hin und wieder, doch dem gilt ja nicht weiter unsere Aufmerksamkeit. Vom Osten her weht ein scharger Wind, der auch feinen Schnee mitbringt. Es will scheinen, als ob die graue Landschaft nun doch noch ein weihnachtliches Winterkleid anziehen will. Der Posten späht hinaus und achtet auf jedes Geräusch und jeder Bewegung, die sich auf der anderen Seite zeigt gilt seine erhöhte Aufmerksamkeit. Doch der Russe hat sich in seine zweiten Graben zurückgezogen, Von dort aus sendet er hin und wieder einige Gewehr und  MG-Schüsse herüber. Weiße und grüne Leuchtkugeln  erhellen wieder das Gelände. Langsam kühlt durch die dicke Tarnbekleidung  der eisige Wind den Körper aus. Ob das Eis auch immer noch brüchig genug bleiben wird? Das ist ja die Frage des Postens. Doch mit dem Antritt von Schneewetter wird der Frost auch wieder etwas brechen, das hilft dann über einige weitere Tage hinweg. Bald kommt auch die Zeit der Ablösung heran. Der Gedanke an den durchwärmten Bunker ist allein schon verlockend.  Als ich nach Stunden wieder zurückkehre, finde ich Eure lieben Bilder unter unserem Baum. Die beiden roten Kerzen stehen daneben, und die Gedanken wandern wieder zu Euch nach hause. Das Päckchen, das ich mir aufgehoben hatte, wird nun aufgemacht. Die bunten Klebebilder sehen mich lustig an und machen den Inhalt noch verlockender. Ein Griff hinein, und man kann sagen, es lohnt sich. Das Äußere hält bestimmt was es verspricht. Der Heilige Abend liegt nun hinter uns, denn der erste Feiertag ist angebrochen.  Ich habe versucht, ein kleines Stimmungsbild aufzureißen. Ich hoffe, daß ich Euch einen bescheidenen Eindruck gegeben habe. Die Tage werden auch vorübergehen. Wenn es klappt, werden wir am Silvesterabend hier wieder auf einige Tage herauskommen, solange geht es im Wechsel, als man uns hier in Ruhe läßt.  Von Deinem Vater traf noch vorhin ein Rundbrief ein. Ich komme im nächsten Brief noch darauf zurück. Für heute ein frohes Fest, wünsche ich Dir nochmals im Kreise der Kinder. Ich werde auch, wie sonst immer, in den kommenden Tagen in Ge danken bei Euch weilen mit viel Liebe, herzlichen Grüßen und einigen Küssen bin ich immer 

Dein Ernst.

Brief 602 vom 24.12.1944


Meine liebe gute Annie, liebe Helga und mein lieber Jörg!                                         24.12.44

 Am Heiligabend im Bunker am Fluß. Bald fängt es an zu dämmern. Der Abend bricht bald herein. Damit kommt dann auch wieder die Stunde, auf die man als Kind so sehnlich wartete. Denn es ist nur einmal im Jahr Weihnachten. Weihnachten, das Fest der Familie. Wenn wir auch räumlich nicht beieinander sind, so wollen wir uns doch im Geist zueinander setzen. Helga und Jörg werden trotz der Härte der Zeit in froher Erwartung sein.  Mutterle wird die kleinen Geschenke bereitgelegt haben. Vielleicht habt Ihr  ein Bäumchen erstanden, andernfalls wird ein Kranz mit einigen Zweigen die weihnachtliche Stimmung heben. Zum Essen wird es doch einiges Gebackenes geben und für den Feiertag hat Mutterle wohl auch einiges erübrigt. Alles in allem , es ist doch wieder Weihnachten geworden, trotz allen Einschränkungen, die sich nun im alltäglichen Leben jetzt ergeben. In der Stube werdet Ihr Euch versammeln. Helga und Jörg stimmen ein Weihnachtslied an. Einige Kerzen werden die frohe Stimmung im Herzen noch etwas erhellen. Daß Ihr dabei auch an mich denkt, das ist so sicher wie ich im Moment mit Euch beieinander bin. Aber ich stehe hier auch nicht allein, denn ich habe noch Euren Weihnachtsbrief und ein liebes Päckchen von Euch. Mit unserem Küchenfahrzeug kommt dann noch ein Weihnachtsbäumchen und einige Sachen werden sich wohl auch noch einfinden. In dieser Beziehung sind wir hier draußen bestimmt nicht vergessen worden. Im Ofen ballert das Holz und der Bunker ist recht mollig warm. Doch mit dem Antritt der Dämmerung heißt es auf Posten sein, denn gerade der Feind kommt kennt ja unsere Einstellung zum Weihnachtsfest und hofft uns einmal überraschen zu können. Doch soweit lassen wir es nicht kommen. Morgen werden wir auch noch Zeit haben, uns zu besinnen. Aber meine Gedanken weilen in jeder freien Minute bei Euch. Ich habe aber Hoffnung, daß Ihr die Tage in Ruhe verbringen könnt. Vielleicht haben auch wir das Glück.  Bleibt mir nur gesund. Wir hoffen alle auf das kommende Jahr. Vielleicht können wir doch wieder einmal das Fest gemeinsam begehen. Das wäre so schön. Aber vorerst schicken wir uns in das, was uns für jetzt vorbehalten ist.  Recht herzlich grüße ich Euch alle Drei und viele liebe Küsse füge ich hinzu.  Ich bin in Gedanken immer bei Euch und bleibe stets in Liebe Euer Vaterle und 

Dein Ernst.

Brief 601 vom 21./22.12.1944


Mein liebster Schatz !                                                                                 21.12.44      

Die Dämmerung ist hereingebrochen, die ja heute recht zeitig gekommen ist, denn wir haben ja nach dem Kalender den kürzesten Tag. Aber wenn wir auch eine lange Nacht haben, so ist es doch sternenklar, und am Anfang der Nacht scheint uns noch schön der Mond. Es ist schon etwas wert, wenn es nicht ganz so dunkel ist, denn in der Nacht im Graben herumstolpern ist bei völliger Dunkelheit doch keine reine Freude. Wenn die Kälte so anhält und nicht stärker wird, dann geht es ja.  Der Fluß ist wohl gefroren, aber die Tragfähigkeit kann man wohl in Zweifel ziehen.  Wenn wir gerade jetzt vor Weihnachten noch etwas schärfer als bisher aufpassen müssen, so wollen wir hoffen, daß es doch zu keinen größeren Ereignissen kommt.  Eins ist nur gut, daß wir jetzt richtig angezogen sind. Ich schieb ja, daß wir wie richtige Schläger aussehen.

Du mein liebes Mädel!                                                                                   22.12.44
Auch gestern konnte ich diesen Brief nicht zuende bringen. Es ist dies nun binnen kurzer Zeit das zweite Mal. Das geht aber manchmal dumm zu mit der Zeit, daß sie hinten und vorne nicht reicht. Mit dem Schlaf kommt es oft sowieso nicht hin. Das ist aber alles noch verträglich und ich denke, daß Du dafür Verständnis aufbringst, wenn ich an einem Brief einmal zwei Tage schreibe. Ja, mit unserer Bekleidung, da muß man sich wirklich wundern, daß es uns noch möglich ist, die Männer noch derartig einzukleiden. Jeder hat einen zweiteiligen gefütterten Anzugerhalten, ein Paar feste Handschuhe und Kopfschützer. Heute soll es Filzstiefel geben. Es handelt sich bei dem meistens um neue Sachen. Dann erhält jeder einen zweiten Pullover, der aus der Wollesammlung stammt. Meiner muß ein Damenpullover gewesen sein. Der ist schön bunt quergestreift. Doch das macht wohl weiter nichts, denn die Hauptsache ist wohl daß er warm hält. Von den gestrickten neuen Wollunterhosen hatte ich ja auch schon geschrieben. Du siehst also, daß in dieser Hinsicht für uns gesorgt worden ist. Wenn ich schon davon schreibe, daß man sich wundern muß über das, was noch geliefert wird, dann liegt für das Wundern noch eine weitere Veranlassung vor, wenn man die Weihnachtszuteilungen betrachtet. Damit der Mann nicht alles bei sich haben muß, ist uns schon vorgestern ein Teil dieser Sachen ausgehändigt worden. Es gab für den Kopf etwa 30 Stück Gebäck /Keksart), den Tag vorher eine Stolle und gestern bekam jeder eine Wurst von Etwa einem Pfund. Bonbons und Likör wurden außerdem noch zugewiesen. Rauchwaren hat es ebenfalls schon gegeben, doch es soll noch etwas kommen. Ist das nicht allerhand? Ich habe im Moment soviel zu essen, daß ich damit bestimmt nicht durchkomme. Aber ich denke, daß ich es mit der Zeit schon noch schaffen werde. Aber nun erst einmal herzlichen Dank für Deinen Brief Nr. 114 vom 6.12. Heute früh erhielt ich ihn beim Postempfang. Deine Schilderung vom Nikolausabend der beiden Mädels hat mir Spaß gemacht. Ich kann mir denken, daß sie selbst alle Beide Freude daran gehabt haben. Ihre große Freude wird wohl mit darin bestanden haben, daß sie nicht erkannt wurden. Du mußt sie aber auch ziemlich gut hergerichtet haben. Daß nun unser Lümmel ein solcher Herumtreiber ist und sich erst kurz vor Mitternacht heimfindet, das ist auch meine Meinung, daß die Jungs nicht nur bis kurz nach Einbruch der Dunkelheit nach hause gehören, sondern daß sich diese Bengels, die sich Führer nennen, von den anderen absondern und meinen, sie müßten für sich extra etwas tun. Ich habe nur immer wieder die Meinung von unserem Jungen, daß er an sich natürlich denken kann, und das er mit Hilfe des Einflusses des Elternhauses in sich bewahrt und das er sich nicht durch solche Mätzchen verderben läßt.  Vielleicht kann er doch einmal mit seiner gesunden charakterlichen Veranlagung anders wirken, als diese von den anderen bisher bekannt geworden ist. Hauptsächlich aus diesem Grundhabe ich auch nichts dagegen einzuwenden, daß er mitmacht. Ich hoffe nur immer wieder, daß er sich  ein gesundes Empfinden bewahrt und daß er es entsprechend anwendet. DAß die Straßenbengels sich von ihm unterscheiden, siehst Du ja auch schon daran, daß diese sich erst stark fühlen, wenn sie in Gemeinschaft sind. Es sind doch im allgemeinen gesehen große Feiglinge. Ich freue mich deshalb auch, daß sich Jörg nicht in diesem Fahrwasser befindet und daß als Kerl auftreten kann. Wenn das nicht der Fall wäre, würde er sicherlich nicht, nachdem er erst dieses Jahr zu den Pimpfen gekommen ist, zu diesem Führerlehrgang genommen worden sein. Er soll sich seine Art bewahre. Ich glaube, daß er dann ohne viel Schwierigkeiten durchkommen wird.  Von der Gehaltsabrechnung habe ich Kenntnis genommen. Was macht das eigentlich monatlich brutto aus, was ich erhalte? Waren das schon immer 280,RM? Mit der Länge der Zeit kommt man so ganz und gar heraus. Mit dem, was Du abheben kannst, kommst Du doch wohl durch, oder wird es sehr knapp bei den verschiedenen Zahlungen?  Du schreibst, daß Du nichts nach Leipzig schicken kannst, weil Du in diesem Jahr nichts hättest. Wie ist das, hast Du nicht einige Rauchwaren abgesandt? Wenn das noch möglich ist dann kannst Du das ja nachholen. Dein Vater wird sich sicherlich darüber freuen. Ich habe ja auch schon wieder einiges, was ich an Dich absenden kann. Du mußt ja noch einen kleinen Vorrat da haben.  Was hört man denn von Fritz? Ist da bis jetzt noch keine Nachricht von seiner Einheit angekommen? Das würde mich aber schwer wundern. Man muß doch die Frau einmal benachrichtigen. Man kann sie doch nicht im Unklaren lassen. Das wäre doch recht seltsam. Was sagt denn Resi zu allem?  Augenblicklich herrscht bei uns schönes winterliches Wetter. Es ist nur schade, daß man so gut wie nichts davon hat. Am Tage, wenn die Sonne scheint, schläft man, sofern einem Zeit und Gelegenheit dazu gegeben ist. Will man hier laufen, dann kann man sich doch die meiste Zeit nur im Graben bewegen. Nachts ist es ja empfindlich kalt, so daß unser Fluß schon eine ziemlich geschlossene Eisdecke bekommen hat. Es ist aber noch nicht so, daß man schon darauf laufen kann. Hoffentlich bleibt dieser Zustand noch eine Weile so, aber auf die Witterung haben wir ja keinen Einfluß.  Nun lasse mich wieder mit recht herzlichen Grüßen und vielen lieben Küssen schließen. Ihr seid meine lieben Drei mit Seelen (?), denen mein ganzes Streben und meine ganze Liebe gilt. Bleibt gesund und behaltet mich lieb, denn ich bin und bleibe ja immer Euer Vaterle und 

Dein Ernst