Donnerstag, 19. März 2020

Brief 564 vom 21.10.1944


 Meine liebste, liebe gute Annie!                                                                         21.10.44 

Diesmal kann ich mich gleich wieder für zwei Briefe von Dir bedanken, die ich gestern erhielt. Es handelt sich um Deine beiden Briefe von 9. und 10.  Solche lieben Nachrichten sind mir immer ein Lichtblick in unserem grauen Alltag. Grau ist schon das Wetter. Die Spätherbstnebel vermischt mit Regen und den sonstigen unangenehmen Begleiterscheinungen, lassen wenig Wärme im Herz und auch rein körperlich aufnehmen.  Trotz allem habe ich keinen Anlaß zu Murren, denn ich sage mir, wenn wir in unserem Abschnitt in keine größeren Kampfhandlungen verwickelt werden, dann will ich herzlich froh sein, denn ich kann mir vorstellen, daß es wenig angenehm ist, jetztin eine rückwärtige Stellung zurückzumüssen, in der sich keine Bunker befinden, dann ist die Vorstellung nicht unbedingt rosig. Vorläufigliegt ja auch noch keine Veranlassung für solche Gedanken vor, und wenn es tatsächlich einmal soweit kommen sollte, dann wird man sich damit auch wieder zurechtfinden müssen. Von Deinem Vater erhielt ich gestern den Rundbrief Nummer 21, der ja inzwischen auch in Deine Hände geraten ist. Ich habe mich im Wesentlichen darüber gefreut, doch eines stößt mir immer wieder auf, wenn er schreibt, daß sich andere Frauen einfach hinlegen würden, wenn sich sich das Bein verletzt hätten Seine Lotte dagegen opfert sich asuf und schafft für ihren geliebten Mann weiter. Wenn man die Frau nicht kennen würde, dann könnte man das glauben, aber wenn man mit ihr schon zusammengekommen ist, dann kann man wohl schon mit Recht behaupten, daß da selbst die Hühner lachen, wenn mann so etwas liest. Ich werde das selbstverständlich nicht zum Anlaß einer Kritik ihm gegenüber nehmen, denn ich habe nicht Lust, solch einen Streitvom Zaune zu brechen wie Siegfried, bei dem man sich gegenseitig ärgert, und bei dem am Ende doch nichts herauskommt. So lassen wir ihn in seinem Glauben, daß er doch mit seiner Frau den besseren Teil erwählt hat. Bei dem Brief, den Siegfried an Deinen VAter geschrieben hat, beklagt Siegfried sich doch darüber, daß die Zeitungen immer noch an den Sanitätsgefreiten, nicht an den Feldwebel gerichtet sind. Daß er sich vorkommt, als sei ere degradiert worden. Die Art und Weise, dies zu bemängeln, finde ich etwas kleinlich, doch wenn ich hier sehe, was für Funktionen die Herren hier ausüben und wie wichtig sie sich vorkommen, dann kann ich diese Redewendung schon verstehen. Ich will mich bestimmt nicht als Musterknabe hinstellen, aber was soll ich nur sagen, was ich mit meiner Rückversetzung mitgemacht habe. Wenn das schließlich auch nicht auf einer Stufe liegt, so kann man ja ohne weiteres auf solche Gedanken kommen und man muß sich sagen, was seid ihr doch für kleine Würstchen. Die Frage Deines Vaters an mich, ob ich noch nicht befördert sei und ob die Vwersprechungen, die uns frühergegeben wurden, nicht eingehalten würden, zeugen ja vbon einer gewissen Anteilnahme, doch ich habe Dir ja meine Stellungnahme zu diesem Offiziersproblem anläßlich meines letzten Urlaubs mit Dir durchgesprochen. Ich habe hier wiederholt Gelegenheit gehabt, diese Leute zu beobachten. Wenn ich so sehe, wie die zu allen möglichen Dingen hingezogen werden, dann bin ich doch liebe in meiner gegenwärtigen Stellung, als daß ich mir noch um andere Dinge Kopfschmerzen mache.  Deine Mitteilung über Vater, daß er immer noch an dem Schuppen arbeitet, hat mich doch etwas in Verwunderung versetzt. Daß er sich nicht sonderlich beeilt hat, das weiß ich. Aber daß er fast zehn Wochen dazu braucht, bis er das bißchen Schuppen fertig bekommt, das ist doch für meine Begriffe etwas zuviel. Wenn  er mit solchen Arbeiten sein Brot verdienen müßte, dann ging es aber verdammt knapp bei ihm zu. Nun kann ich mir auch erklären, warum er Dir während Deines Krankseins nicht hat behilflich sein können. Wir müssen uns eben damit abfinden, daß er so ist und wir machen ihn auch nicht mehr anders. Ich sende Dir heute gleich wieder die Bilder von Athen mit zurück. Ich habe hinten daraufgeschrieben, was es ist, damit man darüber immer im Bilde ist. Das eine wurde anläßlich meines Abschieds abends gemacht. Aus diesem Grund sitze ich auch gleich mit in vorderster Front. Das andere Bild ist ja etwas flau, aber immerhin kann man ja erkennen, wer es ist. Mein Feldwebel hat etwas Augen gemacht und wollte eine lakonische Bemerkung dazu machen, doch er hat es sich doch nicht so ganz getraut. Einige Zulassungsmarken für Päckchen habe ich auch beigelegt. Ich habe sie vor einigen Tagen erhalten. Ich bitte Dich aber aufrichtig, schicke mir keine Eßwaren, denn ich habe hier reichlich und ich könnte das Gesandte nich in Ruhe genießen, ohne dabei daran zu denken, daß IhrEuch das von Eurem Wenigen abgespart habet. Sei bitte brav. _ Die Feldpostnummer von Siegfried habe ich mit notiert, ich werde ihm in diesen Tagen auch einmal schreiben. _ Wenn Du jetzt mit Deinem Fuß‘ einigermaßen wieder in Ordnung kommst, so bitte ich Dich, Helga nicht gleich zum Arbeitseinsatz weggehen zu  lassen, denn Du sollst Dich nicht gleich überanstrengen. Was für Arbeit müßte sie dann denn machen? Eins habe ich Dich auch noch fragen wollen. Du hast mir immer geschrieben, daß Dir die Grabgabel durch den Fuß gegangen sei, aber welcher Fuß eigentlich getroffen wurde, das hast Du mir nicht mitgeteilt. _ Dein Verhalten gegenüber den Leuten, die Dir die Leiter geborgt haben, billige ich voll und ganz. Die können doch nicht erwarten, daß man ihnen nun die kleine Apfelernte in den Hals wirft. Wenn sie nicht wollen, dann gibt es schließlich auch noch andere Möglichkeiten. Schließlich kann man ja auch im Notfalle im Gutshof danach fragen. Wenn Du dem Mann einige Zigaretten gibst, dann kommst Du ent schieden weiter, wie in diesem Fall. Doch das ist ja nun erledigt. _ Daß Du Dich nun auch der Schulaufgaben annimmst und mit den Kindern rechnest, freut mich sehr. Sie selbst werden ja gemerkt haben, daß sie ganz aus der Übung gekommen sind und daß die Wiederholung notwendig ist. Wenn sie das Gelernte immer wieder einmal auffrischen, dann bleiben sie doch in einem gewissen Training. Wenn Du mit Helga immer etwas Eng lisch sprechen kannst, so macht sich doch das, was Du einmal in früheren Jahren gelernt hast, bezahlt, wenn man so sagen soll. Die große Rechnung, die Du mir aufgeschrieben hast, ist mir noch in blasser Erinnerung aus der Schulzeit her. Ich muß nur fest stellen, daß ich für diese Art zu rechnen bisher noch keine Verwendunghatte, aber ich bin bald drtaufgekommen, wie das läuft, und nachgerechnet habe ich auch und ich habe die erstaunliche Feststellung treffen müssen, daß sie stimmt. Helga ist ja an sich nicht so dumm, daß sie nicht daraus profitieren würde. Es ist mir nicht um das Geld, das man an Privatstunden geben könnte, ab er ich glaube, daß ihr das auch genügt. Zudem ist es so, daß sich Resi nicht so darum kümmert wie Du und das darf man dabei nicht ausser Acht lassen. _Recht herzlich grüße ich Dich und die Kinder und füge viele liebe Küsse für Dich und die Kinder bei. Ich bin in Liebe immer 

Dein Ernst.

Brief 563 vom 18.10.1944


Du meine liebe gute Frau!                                                                                  18.10.44    

Die Tage der Erholung sind nun wieder vorbei und der Soldatenalltag fängt wieder für mich an Geltung zu bekommen. Mit dem heutigen Tag ist die kurze Spanne dieser Tage abgeschlossen, doch ich bin dafür dankbar, weil ich doch aus all dem, was mich sonst umgeben hat, herausgehoben war. Man hat sich einmal ausruhen und ausschlafen können, sattgegessen habe ich mich hier auch einmal tüchtig. Ich muß mich selbst wundern, was ich für einen Appetitentwickelt habe. Das Essen ist aber auch sehr schmeckhaft gewesen, zudem reichlich. Zum Frühstück verzehre ich so an die sechs Scheiben Brot, mittags lange ich auch kräftig zu. Gegen 4 Uhr gibt es zum Kaffeetrinken wieder Brote und das abendessen ist auch wieder so viel und gut, daß man nicht weiß, wann man aufhören soll. Zum ersten Mittagessen gab es grüne Klöße mit Rouladen und am Abend schon Kartoffelsalat. Das ist doch etwas. Am folgenden Mittag Kartoffeln und Fleisch. Alles immer gut zubereitet. Das kann heute unter normalen Verhältnissen keiner mehr bieten. Gestern abend war nun ein Kameradschaftsabend fällig, bei dem der Regimentskommandeur anwesend war. Es ist auch etwas Alkohol geflossen, aber sonst in ruhiger und ordentlicher Weise ist alles verlaufen. Morgen werde ich mich bis gegen Mittag bei unserem Troß aufhalten, um dann mit unserem Küchenfahrzeug wieder voran in die Stellung zu rutschen. So ist eben alles vergänglich, und das hoffen wir ja auch von diesem Kriege. _ Ich habe heute nicht viel zu berichten, denn die Post ist seit einigen Tagen ausgeblieben, weil sie wahrscheinlich mit vor in den Graben gegangen ist. Bleibt mir schön gesund und nehmt viele liebe Grüße und recht herzliche Küsse entgegen von Deinem Ernst.          ./. Bitte Rückseite beachten. Was sagst Du nun dazu, daß ich hier zu sll dem Schönen, was ich hier erleben konnte, auch noch Post von Dir erhielt. Es waren Deine lieben Briefe vom 6./7. und 8.10., für die ich Dir recht herzlich danke, und die ich Dir morgen mit beantworten werde. Von Deinem VAter erhielt ich eine kurze Karte, die ich mit beifüge und einige Zeitungen. Das ist doch recht fein. Vom heutigen Mittagessenkann ich gleich noch erwähnen, daß es Hammelbraten, Kartoffeln und Leipziger Allerlei gab. Zum Abschluß werden nun noch Kartoffelpuffer gemacht. Da bist Du doch sprachlos über einen solch reichhaltigen Küchenzettel. Unser Appetit wird hier mit Gewalt wachgehalten. _ Viele liebe Küsse und Grüße nochmals von 

Deinem Ernst.


Brief 562 vom 17.10.1944


Du mein liebstes und bestes Mädel!                                                               17.10.44  

Jetzt möchte ich sagen, dasß ich wieder einmal alle notwendigen Briefe geschrieben habe und das ist mir schon eine Erleichterung, wie ich sie in dieser Hinsicht gerne verspüre. Ich habe wieder einmal an unsere beiden Trabanten geschrieben, denn die haben ja schon längere Zeit nichts mehr von mir gehört. Man muß doch auch hin und wieder einmal seine väterlichen Pflichten genügen und sich mit seinen Kindern auseinandersetzen, damit sie merken, daß sich ausser ihrem Mutterle auch sonst noch jemand um sie kümmert. Gegenwärtig habe ich ja Muße dazu, und ich weiß nicht, wann ich dafür die Zeit wieder aufbringen werde. Sie hatten mir zwar nur immer kurze Grüße unter Deine Briefe geschrieben, doch habe ich das immer so gewertet, daß sie jetzt durch Deine Verwundung mehr in Anspruch genommen werden als früher. Aber trotz allem würde ich mich freuen, wenn sie sich zu einem Brief aufraffen würden. _ Daß die Schweizer von den von ihnen angebetenen Amerikanern heimgesucht wurden, ist ja immerhin bezeichnend für die Absichten der Hunde. Wir wollen froh sein, daß es nicht Menschen von uns getroffen hat, denn soweit ist man nun gekommen, daß man in erster Linie an sich denkt und dann erst an die anderen.  Die andere Seite hält es ja auch so. Hoffen wir, daß die Ankündigung von Göbbel, daß wir in nächster Zeit die Luftherrschaft in gewisser Hinsicht wiederbekommen würden, wahr ist. _ Wenn Du so vom Drachenbasteln schreibst, so muß ich an meine Kindheit denken. Mein Vater hatte uns einen Drachen gebaut, der so groß war wie wir selbst. Der war ziemlich schwer, denn er war mit Packpapier überzogen. Wir sind dann damit hinter dem Volksgarten gewesen und versuchten, den steigen zu lassen. Das erste Mal war er nicht richtig ausgewogen. Dann später haben wir unser Glück wieder probiert und er ging auch ganz schön in die Höhe. ER zog und zog, doch wir hatten nicht damit gerechnet, daß unsere Schnur solchen Anforderungen nicht gewachsen sein konnte. mit einem Mal gab es einen Riß und wir hatten den Rest unserer Drachenschnur in der Hand. Er selbst hatte sich selbständig gemacht. Ich bin dann über die Acker gesprungen, um den Ausreißer wieder einzufangen. Als ich dann glücklich an Ort und Stelle war, hatte sich schon ein anderer Liebhaber eingefunden. Dem habe ich aber bald unser Eigentum streitig gemacht. Da wir keinen besseren Faden bekommen konnten, mußte unser Drachen abgebaut werden. _ Wie ich aus Deinem letzten Brief vom 3.10. lese, haben die Kinder an einem Tag 60 Pfund Kartoffeln und 36 Pfund Äpfel geerntet. Das ist wirklich eine beachtliche Leistung. Daß es da viel Arbeit gibt, kann ich mir schon ausmalen. Daß unsere beiden Stromer auf dem Baum herumgeklettert sind, mag Dich beim Zusehen mit Bange erfüllt haben. Ich nehme doch an, daß sie Kinder ihres Vaters sind und ihm in dieser Hinsicht keine Unehre antun. Ich hoffe aber auch, daß ihnen nichts passiert b ei den weiteren ERntearbeiten. Ob Ihr einen ganzen Zentner insgesamt pflücken könnt? _ Eure erste Kartoffelzuteilung habt Ihr nun erhalten. Mit dem, was Ihr selbst geerntet habt, könnt Ihr ja die nächste Zeit durchkommen. Es wird sich dann schon wieder etwas ergeben. _ Manchmal kann ich hier das so richtig beobachtem, es ist nicht schwerer zu ertragen, wie eine Reihe von guten TAgen, weil es seine Bedeutung hat. Ich persönlich brauche das zwar nicht für mich in Anspruch zu nehmen. Solange ich noch zu schreiben habe und solange es etwas zu lesen und das Radio gibt, kommt bei mir keine Langeweile auf. Wenn ich laufen könnte wie ich gern möchte, dann fiele das sowieso flach. Ich kann mich auch einmal eine ganze Weile mit meinen eigenen Gedanken beschäftigen, doch das ist wohl dem größten Teil der Kameraden nicht möglich. _ Bleib gesund und lasse Dich mit den Kindern recht herzlich grüßen. Viele Küsse füge ich in Liebe bei und bin in treuem Gedenken 

Dein Ernst.

Brief 561 vom 16.10.1944


 Zu Dir mein lieber Schatz                                                                                  16.10.44   

 wandern heute wieder meine Gedanken und meine besten Grüße. Ich sitze hier in unserem Erholungsheim und lasse es mit gut sein. Etwa 15 km hinter der Front befindet es sich und liegt mitten im Wald. Herrlich wohltuend wäre die Ruhe und man könnte sich direkt in Friedenstage hineinträumen, wenn nicht immer wieder das Gerummse aus der Ferne daran erinnern würde, daß wir uns unweit der Front befinden. Trotz allem kann man sich hier ausruhen und man kann sich einmal andere Gedanken sammeln als die, die uns sonst bewegen. Milde scheint die Herbstsonne zum Fenster herein und leichter Wind bewegt die wenigen Blätter, die noch auf den Bäumen verblieben sind. Ein säuerlicher Rauch liegt in der Luft und läßt mich an Tage gedenken, die wir früher gemeinsam den herbstlichen Wald durchstreifend ver brachten. Ich habe vor einem oder vor zwei Jahren schon einmal an unsere gemeinsame Fahrt über den Schienerberg nach Stein erinnert. Es war zwar noch einige Tage später, aber nach dem Nebel hatten wir auch so einen sonnigen Tag bekommen. Der sich absetzende Nebel hing in den gelben Blättern und nach und nach tropften sie sich ab. In Stein merkten wir dann zu guter letzt, daß wir nicht genügend Fahrgeld hatten, darum fuhren wir bloß bis Tägerwilen. Aber noch einsgibt mir heute Anlaß zu solchen Gedan ken, denn mir fiel hier ein Buch von dem allemannischen Dichter Hermann Busse in die Hand. „Allemanische Geschichten“, das gleich mit seiner ersten Geschichte in Konstang anfängt. Muß man dann in dieser Umgebung nicht solche Gedanken, wie ich sie eben schildere, bekommen? Es gibt aber noch einiges andere zu schreibben. So habe ich erst gestern noch an Erna zum Hochzeitstag geschrie en. Somit habe ich wieder aller Festlichkeiten gedacht, die in der nächsten Zeit im näheren Kreis fällig sind. Dein Vater wird hoffentlich zufrieden sein, wenn ich an den Geburtstag gedacht habe, den seine Frau in den nächsten Tagen hat. _ Deine Mitteilung, daß REsi von Fritz immer noch keine Nachricht hat, tut mir aufrichtig leid. Nach Lage der Verhältnisse muß man schließlich damit rechnen, daß seine Einheit kassiert worden ist. Im allgemeinen hört man ja jetzt, daß unsere Leute in Gefangenschaft meins ordentlich behandelt werden. Zwar ist das unterschiedlich, aber ich habe mit Kameraden, die schon in Gefangenschaft waren, gesprochen, die mir erzählten, daß sie ordentlich behandelt worden sind. Daß man nun schon in Petershausen davon spricht, daß ich vermißt sei, das hängt ja nur mit der Schwatzhaftigkeit des Ortsgruppenleiters zusammen. Aber Du siehst ja in dieser Beziehung gleich klar.  Das Äpfeltrocknen ist ja nun ein voller Erfolg geworden. Wenn ich lese, daß Ihr sechs Säckchen  voll habt und daß es jetzt noch frische Äpfel gibt, dann kann man wirklich dankbar um den Baum sein. Dazu haben wir noch das viele Apfelmus schon während meiner Urlaubszeit gehabt. Ich hoffe, daß Ihr alle in Ruhe genießen könnt. _ Ich schließe für heute wieder mit recht herzlichen Grüßen und bin in getreuem Gedenken und mit vielen lieben Küssen immer Dein Mann und 

Dein Ernst.

Brief 560 vom 15.10.1944


 Du mein liebster Schatz!                                                                              15.10.44 

Es ist heute wirklich ein richtiger sonniger Sonntag. Von fern hört man wohl das Explodieren von Granaten und Bomben, doch durch solche ferne Eindrücke lassen wir uns hier im Fronterholungsheim nicht weiter beeindrucken. Wie ich Dir zum Besuch des Erholungsheims vorgeschlagen und gestern Nacht bin ich mit unserem Küchenfahrzeug aus der Stellung zurück zum Troß gefahren, denn einen langen Marsch kann ich meinem Bein doch noch nicht tztrauen. Einen Teil der Nacht habe ich schlafend auf dem Fahrzeug verbracht und den REst im Heu. Beizeiten bin ich dann aufgestanden, wurde aber gleich noch zum Kartoffelschälen herangezogen, aber dann konnte ich mir meine Papiere fertigmachen lassen, um dann nach hier zu starten. Zur Einleitung des Tages habe ich als erstes Deine beiden Briefe vom 2. und 3. Nummer 61 und 62 gelesen, die mich recht erfreut und gleich in die richtige Sonntagsstimmung gesetzt haben. Sie enthielten auch einige nette SAchen, über die man sich wirklich freuen konnte. Aber vorher will ich mir erst noch Deine Briefe vornehmen, den ich vorgestern erhielt, denn aus dem gibt es noch einiges zu beantworten. Da habe ich vor allem darüber lachen müssen, wie unser Stromer eine Prämie aussetzen mußte, , um Euch zum Langustenessen zu bewegen. Helga hat sich also überwinden können, womit sie sich den ausgesetzten Preis verdient hat. Daß es unserem Jungen aber geschmeckt hat, das ist ja die Hauptsache, denn es wäre ja schade, wenn diese Sachen umkämen. Doch deshalb braucht man sich ja nun keine Sorge mehr zu machen. Daß die Dir in  ?  gekauften Bastschuhe so treffliche Dienste leisten, ist mir durchaus recht, doch damals konnte man ja bestimmt nicht ahnen, daß Du sie gerade unter diesen Umständen so gut gebrauchen kannst. _ Es besteht ja keine Veranlassung, daß Du Dich für ein Päckchen bedankst, das noch nicht bei Dir eingetroffen ist. Für mich ist es erst eine richtige Freude, wenn ich weiß, daß Du meine Sendung erhalten hast. Hoffentlich gehen die gesandten Sachen nichtverloren. Heute habe ich nochmals ein Päckchen an Dich feertigmachen können. Es trägt die Nummer fünf und enthält eine Fischdose, einige Zigarren und einen kleinen Beutel Bonbons. Es sind ja alles nur Kleinigkeiten, aber Du siehst daran, daß ich alles das, was ich nur für Euch für verwendbar ansehe, aufhebe und zuschike. Deine Frage, ob ich die Rauchwaren gegen etwas anderes bei den Kameraden eintauschen kann, kann von mir nur dahingehend beantwortet werden, daß ich schon sämtliche Zigaretten herschenke. Dafür kann ich aber nichts verlangen, denn was soll ich da verlangen, denn die Männer bekommen ja auch nichts weiter als das, was mir zugeteilt wird. Die Bonbons des einen Kameraden erhalten ich ja ganz automatisch, wie er von mir die Zigaretten bekommt. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn ich kann nur sagen, daß ich bisher immer vollauf satt geworden bin, ud daß wir uns schon manchmal gesagt haben, wenn unsere Angehörigen in der Heimat nur manchmal solche Essen hingestellt bekommen würden. Was macht es dabei aus, wenn es auch einmal Pferdefleisch gibt, Das ist in der heutigen Zeit bestimmt nicht weiter von Bedeutung. Wenn man genügend zum Essen bekommt und das ist kräftig, dann besteht keine Veranlassung, daß man sich noch nach etwas anderem umsehen muß. Es gibt ja auch hin und wieder Süßwaren und Schnaps wird uns auch von Zeit zu Zeit zugeteilt. Was will man jetzt noch mehr. Es kann natürlich nicht jeden Tag so sein, wie es hier der Fall ist, daß einem grüne Klöße auf den Tisch gestellt werden und dazu zwei große Rouladen. Dazu wurde uns noch ein Bier kredenzt. Ist das nicht wunderbar? Radio können wir hier den ganzen Tag hören und am heutigen Nachmittag ist sogar ein Kinobesuch vorgesehen. Alles ist auf Erholung abgestimmt und man kann es auch brauchen. Die Möglichkeit des Besuchs dieses Heimes betrachte ich immerhin als eine Auszeichnung für meinen erfolgreichen Einsatz, den ich in letzter Zeit zwar weniger in kämpferischer Hinsicht aber für meine sonstigen Bemühungen in jeder Beziehung. Daß das anerkannt worden ist, das freut mich doppelt. _ Die Meldung, die gerade durchs Radio bekannt gegeben worden ist, daß Athen geräumt wurde, kommt mir zwar nicht unerwartet, doch mußte man nach dem Lauf der Ereignisse damit rechnen. Der eine Kamerad von mir schrieb es Dir ja in seiner Karte. Vor einem Jahr war daran noch nicht zu denken. Wenn ich mir so überlege, dann sind meine sämtlichen Dienststellen, bei denen ich während des Krieges war, augegeben worden. Lille, Douai, Charkow und Kiew, und wie jetzt, Athen. Ob wir wohl noch einmal dorthin müssen, ehe wir den Krieg gewinnen? Es sieht wolh alles noch sehr kritisch aus, aber warum sollen wir den Kopf hängen lassen und das Spiel verloren geben, solange wir uns noch rühren können? _ Ich grüße Dich und die Kinder recht herzlich in der Hoffnung daß Ihr gesund seid und gebe Euch in herzlicher Umarmung einen lieben Kuß und bin immer 

Dein Ernst.

Brief 559 vom 13.10.1944


 Mein liebes gutes Mädel!                                                      13.10.44  

Das war gestern eine Freude für mich, als ich mit einem Mal gleich drei Briefe von Dir erhielt. Vor allem habe ich wieder lesen können, daß Du mit der Gesundung ganz gut vorwärts kommst. Es ist vollkommen richtig, wenn Du systematisch Dein Bein an Anstregnungen gewöhnst und es nicht mit Gewalt versuchst, die alte Gebrauchsfähigkeit wiederherzustellen. Gib nur Obacht, daß Du nicht nachträglich noch Schwierigkeiten damit bekommst. Gefreut hat mich auch Deine Mitteilung, daß die Kinder so fleißig Kartoffel herausgemacht haben. Wenn man so überschlägt, dann ist der Ertrag doch ganz ordentlich. Im vergangenen Jahr war das doch die ganze Ernte, was Ihr bis jetzt herausgemacht habt.. Ich schrieb Dir ja schon, daß ich nicht verwundert bin, daß sich mein Vater nicht einmal gezeigt hat und Dir ein paar Kartoffeln heraus gemacht hat. Er hat doch Zeit und wäre wohl auch dazu imstande gewesen. Ich weiß ja, daß Du froh bist, daß Du ihn in dieser Beziehung nicht in Anspruch zu nehmen brauchtest und es hätte ja schon genügt, wenn er den guten Willen  gezeigt hätte. Die Kinder haben ja auch mit den Äpfeln angefangen und nette Erfolge erzielt. Daß das nun nicht so geht, wie bei einem Erwachsenen, ist ja ganz klar, aber man sieht doch, daß sie sich Mühe geben. Wenn manches nun nicht so geht, wie man gern möchte, so muß man das mit inkauf nehmen. Froh wollen wir nur sein, daß mit Dir alles noch so verlaufen ist und daß keine Komplikationen dazugekommen sind.  Die Angelegenheit zwischen Erna und Deinem Vater hat wohl vorläufig auch ihre Erledigung gefunden. Entgegen unserer Annahme, hat sich Lotte nun doch dazu aufgerafft und hat den entscheidenden ersten Schritt getan. Eines steht fest, daß Dein Vater das nicht so gemeint hat und wenn man das nicht weiter beachtet hätte, hätte kein Hahn mehr danach gekräht. Er glaubt immer, Berechtigung zur Kritik zu haben und die anderen sollen dazu schweigen. Das stimmt wohl, aber es ist wohl in dieser Beziehung so, daß man ihm Gewährung geben muß. ERna trägt zweifellos auch einen Teil Schuld, denn sie kann auch etwas nachgeben. Wenn Dein Vater immer wieder bemängelt, daß ausser ihm niemand niemand ans Grab kommt, so finde ich das jedenfalls bezeichnend. Erna liest doch auch diese Briefe. Wenn sie sich nur immer mit dem Kind entschuldigt, so kann ich das für mein Teil nicht voll gelten lassen. Wenn Erna tatsächlich so an Deiner Mutter gehangen hat, dann wird sie im Laufe des Jahres immerhin zwei Stunden Zeit finden, um einen Gruß hinauszubringen. Entweder läßt sie das Kind auf diesen Sprung bei anderen Leuten, oder sie nimmt sie mit hinaus, denn soviel kann das Kind doch schon laufen. _ Wenn ich so aus Deinem Brief lese, nun gehen wir wieder ins Bett und die Kinder freuen sich darauf, denn es gibt zum ersten Mal wieder die Federdecke, da muß ich an unsere Verhältnisse hier denken. Praktisch ist es doch so, daß ich meine Sachen nicht mehr vom Leibe herunter bekommen habe. Die Schuhe und die Mütze habe ich auch immer an, wenn es ins Bett geht. Vorhin habe ich einmal meine Schuhe und Strümpfe ausgezogen. Man fürchtet sich vor sich selbst. Verschmutzt und verdreckt ist alles und stinken tut man, das ist nicht mehr heilig. Aber solange man noch laufen kann, dann geht das noch.  Du schreibst dann, daß ich das komisch finden würdem wenn ich Deine vielen Briefe an die verschiedenen Verwandten und Bekannten so gesehen über einen Leisten sind. Das finde ich durchaus verständlich, denn mir geht es in einzelnen Fällen genau so. Daß Du nun gleich mit meiner   ?   operierst, dagegen kann ich schließlich auch nicht weiter einwenden, da Du meinen Weg zum  ? Platz so romantisch schilderst und mich so als halben Held hinstellst, das finde ich für mich komisch, wenn ich das lese. Es mag schon alles so stimmen, aber ich sehe die Dinge etwas anders, nüchterner. Es war doch alles so, wie es sein mußte. Aber Ihr empfindet das vielleicht anders. Das spielt ja letzten Endes auch keine Rolle. Zum Ende meines Briefes grüße ich Dich und die Kinder recht herzlich. Haltet Euch gesund und bleibt stark im Herzeh wie immerdar. Laßt Euch oftmals küssen, denn ich bin ja immer bei Euch. So oft sich unsere Gedanken finden, so treu wollen wir zusammenhalten. In innigem Gedenken an Euch bin ich immer 

Dein Ernst.

Brief 558 vom 11.10.1944


Du meine liebe Annie!                                                            11.10.44  

Das ist heute ein Wetter, bei dem man wenig Lust verspürt, ins Freie zu gehen. Es wird nun einmal nicht lange danach gefragt, ob man will oder ob man keine Lust verspürt. Aber da ja nicht lange gefackelt wird, heißt es für uns heute Nacht wieder marschieren. Wir sollen uns nach Süden verschieben und dort neue Stellungen beziehen. Das macht nun wenig Spaß für uns, denn jetzt hatten wir uns hier eingerichtet und dort wissen wir nicht, was wir vorfinden. Jetzt waren wir soweit gewesen, daß wrir uns auch einmal eine Stunde Ruhe hatten gönnen können, wenn uns der Iwan Zeit dazu gegeben hatte. Aber das darf ja nicht sein. Das ist nun einmal Landserschicksal und da hilft alles Jammern nichts. Also, wir werden befehlsgemäß marschieren. Es scheint sich einregnen zu wollen. Das paßt alles ganz gut zu unserem Vorhaben. Damit ich meine Rauchwaren nicht auch noch mit mir herumschleppen muß, habe ich gleich ein Päckchen gepackt, das die Nummer viwr trägt. Ich will hoffen, daß ich es noch los werde. Es enthält außer den Rauchwaren noch eine Dose Fisch und eine Rolle Bonbons. Hoffentlich kommt alles gut an,. _ Hat denn Resi von Fritz inzwischen wieder einmal Bescheid erhalten, oder weiß sie, was sonst los ist? Von Deinem VAter bekam ich gestern eine Postkarte, in der er mir seinen neuen Rundbrief ankündigt und den Erhalt meiner ersten Karte bestätigt. Ausserdem erhielt ich noch einige Zeitungwen von ihm. Ich muß ja sagen, daß er da mit einer ziemlichen Pünkt lichkeit arbeitet und es nicht vergißt, mir etwas zum Lesen zukommen zu lassen. Was macht wohl Dein Fuß? Hoffentlich kannst Du bald wieder laufen, damit Deine Geduld nicht auf eine harte Probe gestellt wird. Doch dreinfinden mußt Du Dich, daran läßt sich auch nichts ändern. Ich grüße Euch, meine lieben Drei, recht herzlich. Haltet Euch gesund und nehmt viele liebe Küsse entgegegn von 

Deinem Ernst.