Donnerstag, 19. März 2020

Brief 557 vom 10.10.1944


Du liebe gute Annie!                                                                         10.10.44   

Bei der Post geht es anscheinend wieder einmal recht langsam zu.  Auch gestern erhielt ich keine Nachricht von Dir. Umso mehr liegt heute Veranlassung vor, daß ich heute mit einem von Dir rechnen kann. Die Tage scheinen nun ein gewisses Gleichmaß anzunehmen, denn ich bin heute wieder zum Schlafen gekommen, und das will doch schon etwas heißen. Wenn es am Vormittag auch nur wenige Stunden waren, so machte das schon etwas aus, und man freut sich darüber, daß man sich ein bißchen ausruhen kann. Ich habe immer noch soviel freie Zeit gehabt, daß ich dem Tommy und dem einen Kameraden aus Griechenland habe schreiben können. Ob diese Briefe ihren Empfänger erreichen, ist unter den veränderten Verhältnissen eine Frage, aber immerhin, ich will es versuchen. Du weißt ja, wie ungern ich Briefschuld habe und daß ich sie immer möglichst schnell von mir abwälze. _ Das Wetter ist in der letzten Zeitrecht wech selhaft und erinnert dadurch stark an den Herbst. Die Kälte, die hier schon geherrscht hat, hat inzwischen wieder tüchtig nachgelassen, doch regnet es hie und da immer wieder einmal, das ist dann auch nicht gerade angenehm. Ich bin darum froh, daß wir ein Dach über dem Kopf haben. Heizen kann ich ja unsere Unterstände auch, was uns dann sehr zustatten kommt. Am Anfang raucht der Ofen beim anheizen und in der Bude ist nichts mehr zu erkennen, aber das sind nun einmal solche Kleinigkeiten, die man hier in Kauf nehmen muß. Am Tage kann man ja nicht weiter heizen, denn dies würde der Feind bemerken. Ich habe darum in der vergangenen Nacht, als ich nach Erledigung meines Dienstes heim kam, angefangen, unseren Ofen fertig zu machen. Unser Feldwebel lag schon zu Bett, doch wenn ich feuere und etwas warm haben wollte, so mußte ich diese Zeit bewnutzen. Also Frischholz in den Ofen und angebrannt. Es braucht auch nicht lange und ich hatte es soweit, daß bei uns nichts mehr zu erkennen war. Mein Feldwebel, mit dem ich allein hier zusammen bin, wachte dann auch auf, weil er keine Luft mehr bekam, aber trotzdem konnte ich mich trotz wiederholter Ansprüche nicht von meinem Vorhaben lassen. Nach einiger Zeit hatte ich es dann auch geschafft, daß wir unsere Heimstätte, nachdem wir vorher gemeinsam die Flucht ergriffen hatten, wieder aufsuchen konnten. Der Ofen hatt dann eine solche Wärme ausgestrahlt, daß wir uns, ohne viel zuzudecken hinlegen konnten. Gegen Morgen hatte ich es dann wieder geschafft, daß wir uns von unserem Lager wieder erheben mußten, weil wir die Schwitzkur auf die DAuer doch nicht mitmachen wollten, denn es war inzwischen so heiß bei uns geworden, daß man mit Recht sagen konnte, das ist des Guten zuviel. Es ist eben nicht so einfach, das richtige Maß zu finden. Vor allem, wenn man es gut meint. Mit der Wärme, die bei uns eingekehrt ist, sind nun auch die Fliegen wieder gekommen, die sich die ganze Zeit hier nicht mehr wohlfühlebn konnten, weil es zu kalt in unserem Bunker war. So nach und nach kommt eben doch wieder alles in das rechte Gleis. _ Ich hoffe, daß Ihr mir alle gesund seid und daß die Besserung Deines Fußes sich auch weiterhin anläßt. Was macht denn unsere HelgaHausfrau und unser Gärtnerlehrling? Herzlich grüße ich Euch alle Drei und VAter. Laßt Euch von mir recht innig küssen, denn ich bin ja immer 

Dein Ernst.

Brief 556 vom 9.10.1944


Mein liebster un bester Schatz!                                                               9.10.44   

Nach den ersten Tagen der Unruhe und des Einrichtens geht es heute einigermaßen geruhsam bei uns zu. In der Nacht war zwar ein großes Unternehmen bei uns, bei der es viel eisenhaltige Luft gab, aber bei Tag istes desto ruhiger in unserem Abschnitt gewesen. In den vorangegangenen vier Tagen habe ich schätzungsweise fünf Stunden geschlafen. Heute habe ich mich etwas hingelegt und bin tatsächlich fest eingeschlafen und konnte dabei vier zusammenhängende Stunden schlafen. Das hat mich wieder tüchtig gestärkt, so daß ich wieder ganz ordentlich auf Posten bin. Ich hatte ja gestern Dir mitgeteilt, daß ich Dir heute etwas mehr schreiben würde, wenn nichts Besonderes eintritt. Dieses VErsprechen will ich nun einlösen und Dir nach meinen zwei letzten Briefen wieder etwas ausführlicher berichten. Aus dem Absender wirst Du es vielleicht gemerkt haben, daß ich nun schon die erste Stufe des Soldatseins überschritten habe und die zweite erklommen ist. Ich bin Gefreiter geworden. Das ist doch eine Leistung. Ja, bis jetzt ist das ganz formlos vor sich gegangen. Am Sonntag vor achtTagen wurde ein großer Teil von Kameraden befördert. Auch von mir sprach man, doch als es soweit war, da hatte man mich vergessen. mir persönlich hat das nichts weiter ausgemacht, wenn ich das Dir offen sagen soll, denn ich habe beim Barras schon soviel Dinge erlebt, daß mich sowas nicht aus dem Gleichgewicht bringt. Dieser Tage kommt der Spieß in die Stellung und fragt mich, ob ich nicht Gefreiter geworden sei, was ich verneinte. Daraufhin entschuldigte er sich und sagte, daß das sofort rückwirkend nachgeholt würde. Mit ist das Soldbuch abgenommen worden und das war vor wenigen Tagen. Seither habe ich es noch nicht zurückl erhalten. Doch gestern kam unser Rechnungsführer und zahlte mir Geld nach, weil ich doch nun befördert worden sei.  Wenn das schon eingetragen ist, dann muß es anscheinend stimmen, denn das, was mir die Kameraden schon vorher mitgeteilt haben, das kann man doch nicht immer für bare Münze nehmen. Das wäre so alles in diesem Fall. Es kann ja sein, daß man mir das noch offoiziell mitteilt, aber darauf warte ich nicht erst. Ja, so geht das. Ob nun noch etwas nachkommt, wird sich ja zeigen. _ Wie ich aus Deinen Briefen lese, willst Du anscheinend mit Gewalt, daß Du wieder laufen kannst. Ja, mein liebes Mädel, dazu muß man recht viel Geduld aufbringen, das läßt sich nicht erzwingen. Es braucht alles seine Zeit und die muß auch Du abwarten. Ich denke nur daran, wie ich mir vor Jahren den Fuß verknaxt hatte. Es hat lange gedauert, bis das wieder in Ordnung war und dabei hatte ich noch nicht einmal eine Wunde. Also lasse alles richtig ver heilen und verdirb nichts durch zu zeitiges Anstrengen. _ Was machen denn die Hände unserer lieben kleinen Nachfolgehausfrau? Hoffentlich sind sie wieder gesund geworden.  Man merkt eben, daß sie diese Dinge noch nicht gewohnt ist und daß die Hände nocht nicht abgehärtet sind. Das kann man schließlich nicht verlangen. Ich wünsche ihr, wie Dir selbstverständlich auch, recht gute Besserung weiterhin. Mit den Apfelringen habt Ihr ja schon schöne ERfolgeerzielt. Damit kannst Du den Winter über ganz gut etwas anfangen. Das freut mich immer wieder, wenn ich weiß, daß Ihr nicht nur auf das angewiesen seid, was einem so zugeteilt wird. Das Brot wird ja auch wieder gekürzt, das spürt man eben auch . Die Kartoffelzuteilung ist aber auch nicht übermäßig groß. Vielleicht kannst Du von irgendeiner Seite noch welche dazubekommen. Ich denke an Resi. Aber das überlasse ich Dir. Das ist schön von den Kindern, daß sie das Kohlenschichten gleich übernommen haben. Das sind ja alles so Arbeiten, an die Du Dich jetzt noch nicht ranmachen kannst._ Wegen den Zeitungen lauf doch nicht mehr zu den unfreundlichen Menschen. Ich glaube ja, daß sie ein Königreich verschenken. Ich bekomme ja von Leipzig immer die Zeitungen, das genügt ja auch. Es ist ja nicht wegen des Geldes, aber doch wegen des Ärgers, der immer damit verbunden ist. _ Dem Gaugel muß es schon hart ankommen, wenn es so wenig Zigaretten gibt. Du hast ja einen ganz schönen Erfolg gehabt. Denn vier Glas Marmelade ist doch etwas Feines. Daß die Marmelade so fest wird, habe ich mir gedacht. Weißt Du, was besonders gut schmeckt, diese Holderbeeren mit Brombeeren zusammen gekocht. _ Hoffentlich gefällt es Jörg weiterhin an seiner ARbeitsstelle. Es wird schon manchmals etwas gabn, das ihm nicht zusagt, aber da muß er sich hineinfinden und nicht gleich den Kopf hängen lassen.  DAß ihm das Freude gemacht hat, als er etwas mitbekam, das kann ich mir gut vorstellen. _ Helga hat sich nun im Apfel  ? machen versucht, VAter will also dabei behilflich sein. Ich bin auf Deine Nachrichten gespannt, wie das so verlaufwen ist. _ Heute habe ich wieder ganz schön mit Dir pllaudern können. Es ist mir schon fast zu einem täglichen Bedürfnis geworden, und wenn es einmal nicht so klappt, dann fehlt mir an dem Tag etwas. Es geht eben nicht immer so, wie man gern will. Ich grüße Dich recht herzlich und wünsche mir, Dich wieder einmal in die Arme nehmen zu können.  Nimm einen herzlichen und lieben Kuß entgegen und teile alles an die Kinder weiter.  Bleibt mir gesund und denkt immer an Deinen Ernst und Euer 

Vaterle. 

Brief 555 vom 30.9.1944


Du mein allerliebster Schatz!                                                                      30.9.44   69    

 Der Wind weht über das Stoppelfeld und ich sitze hier zwischen einer Strohpuppe, um meinen heutigen Brief für Dich abzufertigen. Zuerst will ich mich für Deine beiden Briefe Nr. 48 und 49 bedanken. Ich erfuhr nun von Dir, daß inzwi schen die Mitteilung darüber eingetroffen ist, daß ich vermißt sei. Der Schrecken mag bei Dir zuerst groß gewesen sein, doch hat sich ja alles als Irrtum herausgestellt und das ist wohl die Hauptsache. Ich erhielt aber von Dir ausserdem noch die Karten von Kamerad Wiesten und den Brief von dem Kameraden Biehl. Der letzte enthielt noch ein Bild von mir, das für mein Soldbuch sein sollte. Ich sende es Dir mit zu, vielleicht willst Du es haben. Dieser Brief enthielt nun noch einen Brief vom Tommy. Über das Gedenken der früheren Kameraden habe ich mich sehr gefreut, waren die Zeilen doch auch herzlich gehalten. Tommy ist im Frühjahr wieder nach Lille zurückversetzt worden. Der (Name ?) der früher mit uns immer zusammen war, sei aver immer so beschäftigt, daß es zwischen den Beiden zu keinem Kontakt mehr gekommen ist. In Douai, wo ich mich doch solange aufhielt, war schon im Frühjahr alles kaputtgehauen worden. Interessant ist, daß mein früherer Ched, der Müller, auch abgehalftert worden ist und zur Truppe zurück sollte. Inzwischen hat es sich aber herausgestellt, daß der Mann so herzkrank ist, daß er nicht mehr in k.v. ist. Das sind doch Schweine. Ich konnte Dir ja früher erzählen, wie er immer das Großmaul hatte und nun, wo er einmal seinen Mut zeigen könnte, da  kneift er. Ich hatte ja diesen Lumpen schon bald entsprechend einzuschätzen gelernt. Schade ist nur, daß ich diesem Schurken nicht in Reih und Gliedbegegnen kann. Es ist ja nicht gesagt, daß diesen Leuten alles immer so glatt geht und damit tröste ich mich. Gewundert habe ich mich, daß Du nichts über die aus Griechenland mitgesandten Bilder erwähnst. Es würde mich schon einmal interes sieren, wie sie geworden sind. Vielleicht schickst Du sie einmal zur Ansicht mit. Wenn sie verloren gehen sollten, so hast Du doch immer noch die Filme da. Von dem Kameraden Biehl erfuhr ich, daß mein Nachfolger wegen Erkrankung nach Hause reisen mußte. Ein weiterer Kamerade von meinem Jahrgang ist seit Juni auch zur Truppe gegangen, während noch bei einigen anderen die Klärung dieser Frage schwebte. Von den verschieden sten Knaben habe ich wieder Bescheid erhalten, was mich recht gefreut hat. _ Bei Durchsicht meines Schriftwechsels fiel mir auch der Rundbrief Nummer 19 in die Hand, den ich bis jetzt noch nicht gelesen hatte. DArin ist auch von der sogenannten Unterschlagung Ernas die Rede. Ich habe zwar die Briefe Deines Vaters nicht in dieser Richtung bersonders beachtet, aber bei dieser Schilderung muß ich auch zu der Überzeugung kommen, daß Siegfried wohl etwas daneben gegriffen hat. Ich weiß zwar nicht, was in Leipzig zwischen Erna und Deinem Vater sonst noch gesprochen worden ist, aber eines steht nun einmal fest, daß gewisse Spannungen zwischen beiden Teilen bestehen. Ob nun Lotte da noch schürt, kann ich zwar nicht beurteilen, es ist wohl bei ihrer Veranlagung anzunehmen. Es kommen manchmal recht unerfreuliche Dinge zutage. Es kann sein, daß auch wir in mancher Beziehung mit Reibereien rechnen müssen, wenn wir in Leipzig wohnen würden. Es ist aber am besten, daß wir diese Sache übergehen und lassen diesen Fall zwischen beiden Teilen selbst ausmachen. _ Ich machen mit immer noch Gedanken, was Du nur haben könntest, weil der Brief, in dem Du mir Deinen Unfall oder was Du gehabt hast, mitteilst. Das ist richtig, daß die Leute gleich mit „guten Ratschlägen“ zur Stelle sind. Wenn dann etwas schief geht, dann wundern sie sich darüber und lehnen selbstverständlich alle Verantwortung dafür ab. Daß es bis zu Deiner Wiederherstellung noch längerer Zeit bedarf, läßt wohl darauf schließen, daß die Verletzung doch nicht ganz einfacher Art ist. Ich will nur hoffen, daß Du nicht gar so große Schmerzen dabei hast und daß Du bald wieder hergestellt bist. Über den Gruß der Kinder habe ich mich sehr gefreut und ich werde versuchen, ihnen in den nächten Tagen persönlich zu schreiben, Ob mein Brief aus Königsberg mit den Marken und auch meine Geburtstagsbriefe angekommen sind, weiß ich ebensowenig. Vielleicht gibst Du mir auch darüber noch einmals Bescheid. DAß sich die kleine Hausfrau zu Deiner Zugfriedenheit entwickelt und daß sie Dir bei Deinem gegenwärtigen Zustand eine tüchtige Hilfe ist, freut mich besonders. Ich grüße Dich nun wieder einmal herzlich und gebe Dir und den Kindern viele liebe küsse. Ich denke immer an Dich und die Kinder und bin und bleibe immer Dein Ernst. An Deinen VAter habe ich gestern und an Nannie habe ich heute geschrieben. Die letzten Briefe von ihnen habe ich mit beigefügt.  Du mein liebes gutes Mädel! Nach der Zurückstellung der Uhr merkt man jetzt doch deutlich, wie die Tage abgenommen haben. Seit einigen Tagen ist es nicht mehr so kalt, was allgemein dankbar verspürt wird. Heute scheint es sich nun einregnen zu wollen. Es regnet zwar nich heftig, aber dauerhaft. Ein Teil der Kameraden befindet sich bei der Kartoffelernte und ich halt e die Stellung in unserem Bunker. Die Fliegen treiben ein schlimmes Spiel mit uns. Man darf sich nicht bewegen, denn sonst treibt man dieses lästi geVolk auf und dann ist ein Summen in der Luft, als seien einige Kampfgeschwader in der Luft. Vorhin haben wir wieder einmal Zeitungen bekommen. Wenn man so den Wehrmachtsbericht und die anderen Artikel liest, dann erfährt man leider wenig erfreuliche Dinge. Auch sonst ist alles auf Zähnezusammenbeißen ausgerichtet. Aber trotz allem darf man das VErtrauen nicht verlieren und man muß sich immer wieder sagen, daß man eine Familie daheim hat, für die man hier draußen seine Pflicht tut. Es ist schon viel Besonderes vom deutschen Volk verlangt worden. Hoffen wir darum, daß dieser Einsatz nicht umsonst ist, und daß wir dies alles gesund überstehen. Die Zeiten bringen den Menschen soweit, daß man erst an sich und seine Familie denkt. Wenn auch das Denken für den Staat heute als das oberste Gesetz halten soll, so kann ich mich gerade aus meiner Gedankenwelt, wie ich sie eben angedeutet habe, schlecht herauslösen.  Post habe ich gestern keine erhalten, doch gar zu lange wird es wohl nicht dauern, bis ein lieber Brief von Dirangeflattert kommt. Gern hätte ich gewußt, was Dir eigentlich mit Deinem Fuß passiert ist, um mir ein Bild von dem machen machen zu können, wie groß die Verletzung gewesen ist. Daß die Mitteilung von der Besserung im Voraus gekommen ist, hat zweifellos etwas für sich, doch in gewisser Hinsicht trappe ich immer noch im Dunkeln. Daß die Tage bei uns wenig Abwechslung bringen, das kannst Du Dir ja selbst vorstellen. Stoff zum Schreiben ist deshalb sehr knapp. Ich schließe deshalb für heute wieder mit recht lieben Grüßen. Einige Küsse füge ich für Dich und die Kinder bei und bin immer Dein Ernst.    Die Karte an Siegfried bitte ich mit seiner Feldpostnummer zu versehenund abzusenden. Deinem Vater habe ich heute ebenfalls eine Karte geschrieben. Einige Bilder, die mir im Weg waren, sende ich mit einigen Briefen ebenfalls zurück. Nochmals lieben Schmatz.


Brief 554 vom 26.9.1944


Mein liebster Schatz, herzliebes Mädel!                                              26.9.44 /7.10. 

Der Wind streicht schon ziemlich rauh über die Stoppelfelder und nun hat er nach lager Regenpause nicht nur den Regen, sondern auch die Frische mitgebracht. Wir haben ja auch einen ordentlichen Bunker, der uns vor den Unbilden des Wetters schützt, aber man merkt es doch schon ziemlich, dass es jetzt aus ist mit dem warmen Wetter. Wenn ich so über die Ackerstoppeln sehe und ich habe die Zeit dazu, dann gucke ich mir auch einmal das an, was dort wächst. Das ist aber nun auch bald vorbei. Einiges unkraut aber auch noch einige Feldblumen sind vereinzelt zu finden. Als Gruß von mir sende ich Dir zwei kleine Blüten mit, die Dich immer an unsere Verbundenheit erinnern sollen. Dieser Sommer ist nun dahin, wenn es sich nur nicht noch über den ganzen Winter hinziehen würde, dann müßte man sich hier schon noch mehr darauf einrichten wie bisher. Unseren neuen Bunker haben wir nun bezogen und eine Nacht habe ich schon darin geschlafen. Schlafen ist wohl schon etwas zuviel gesagt, denn wie schon die Nacht vorher, war ich wieder unterwegs oder es gab sonst etwas zu tun. Am Tage kommt man hier auch nicht zur Ruhe. Aber trotz allem will ich das gern hinnehmen, wenn sich die Dinge nicht schwieriger gestalten, wie sie bis jetzt sind. Wir haben in unserem Bunker sogar ein Fenster und eine richtige Tür. Einen Tisch mit einigen Stühlen ist vorhanden und als Zeichen ganz großen Fortschritts haben wir ein Regal, auf dem wir einen Teil unserer Sachen ablegen können. Leben wir hier nicht bald wieder hier wie Kulturmenschen? Unsere vornehme Einrichtung geht sogar soweit, daß wir uns ein eigenes Waschbecken halten können. Da bist Du sprachlos, ha? Man richtet sich so sein und man lebt so wie es gerade am besten unter den gegebenen Umständen möglich ist. _ In einem Deiner Briefe schreibst Du mir, daß Du Heimweh hattest nach der schönen Zeit des Zusammenseins. Ich kann Dir das vollkommen nachfühlen , denn Du weißt ja, denn ich fühle mich mit Dir ja genau so untrennbar verbunden. Es ist schwer, sich zu trennen und die Überbrückung bis zu dem Zeitpunkt, der einem wieder das Alltagsleben in gewohnter Form erscheinen läßt, ist schwer zu überwinden, aber in solchen Dingen kann eben nur die Zeit helfen. Deine gescheiterten Ansätze, diese Zeit durch verstärkte Arbeit zu überwinden, sind mir deshalb nur verständlich. Ich hoffe aber, dass Du inzwischen in das frühere Gleis gekommen bist. _ DAß Ihr Helgas Geburtstag so nett gefeiert habt, hat mich sehr gefreut.  Das muß sicherlich ganz schön gewesen sein, als Ihr beieinander wart. Daß die Kinder ihr Mutterle nicht vergessen hatten, das konnte ich mir ja denken. Ich bedauere nur, daß mein Geburtstagsbrief nicht zur rechten Zeit angekommen ist. Hoffentlich ist er nicht verloren gegangen. _ Nun können auch die anderen Lehrer nach hause gehen. Jetzt hast Du ja Beide daheim herumsitzen. Die werden recht traurig sein. Für wie lange soll denn das bemessen sein. Hast Du da schon etwas erfahren? Die Kinder kommen ja ganz und gar aus dem täglichen Rhythmus, wenn noch eine Weile hingegangen ist. Dann wird es heißen, daß keine Heizungda sein und daß deshalb wieder schulfrei gemacht werden muß. Ratsam wäre es, wenn unsere beiden Stromer sich täglich mindestens eine Stunde hinsetzen und sich ihre Bücher ansehen, damit sie nicht alles vergessen.  Denn mit der Zeit macht sich das doch irgendwie bemerkbar. _ Daß Du ein solch schönes Teil Zwetschgen bekommen hast, ist doch herrlich. Da hast Du gleich noch die Restgläser füllen können. Hast Du auch auf meine Karte noch Obst bekommen, oder gab es da nichts mehr ? _ Gestern ahbe ich noch an Deinen Vater eine Karte geschrieben, damit er weiß, daß ich seinen Brief erhalten habe. Wenn ich dazu komme, beantworte ich ihm seinen Brief. Uagenblicklich geht es schlecht, denn in erster Linie kommst Du an die Reihe. _ Bleibe gesund und die Kinder auch. Ich grüße Dich und die Kinder recht herzlich und bin mit vielen lieben Küssen immer 

Dein Ernst.

Brief 553 vom 8./9.9.1944 (kam später an!)


 Du meine liebste Annie!                                                         8.9.44/ 9.9.44      

Auch heute kann ich Dir wieder schreiben, weil wir einigemaßen Ruhe haben. Wenn auch hin und wieder geschossen wird, so ist es doch möglich, daß ich mich mit Dir unterhalten kann. Das Wetter ist noch schön trocken und die Arbeit ist zum großen Teil auch beendet. Wir haben nach den harten Kämpfen, die ja auch anscheinend im Wehrmachtsbericht erwähnt wurden, hier eine neue Stellung über dem Fluß eingerichtet. Der Ort heißt nicht, wie ich irrtümlich geschrieben hatte, Grebwo, sondern Osterolennel, nach der deutschen Bezeichnung Scharfenwiese. Man kommt ja nicht immer gleich klar mit diesen verrückten polnischen Namen, weil manchmal ein Ort in den anderen übergeht. _ Es wird nun doch ein Brief, zu dem ich zwei Tage Zeit brauche, denn wir haben gestern abend noch zum Arbeiten antreten müssen, weil für einen Gefechtsstandbau Material herbeigeschafft werden mußte. Auch jetzt müßte ich eigentlich schaffen, aber eine kleine Atempause braucht man schon zwischendurch einmal wieder, die will ich nun gleich benutzen, meinen gestrig begonnenen Brief fortzusetzen. Wie ich hier bei meiner Ankunft feststellen konnte, hatte ich mich auch wieder nicht so sehr beeilen b rauchen, denn der Spieß war froh, daß er mich wiedersah. Ihm war das nicht mitgeteilt worden, daß ich erkrankt war, so daß keiner wußte, wo ich steckte. Er sagte mir, daß nach haus berichtet worden sei, daß ich als vermißt gelten würde. Es sei nun aber gleich wieder geschrieben worden, daß diese Meldung auf einem Irrtum beruhe. Du hast ja auch von mit laufend Nachridht erhalten, so daß dies ja von vorneherein klar sein sollte. Damit hat ja diese Angelegenheit auch ihre Erledigung gefunden. Wie wir bei meiner Abfahrt feststellten, hatte ich doch keine Zahnbürste eingepackt. Das ist so weiter nicht schlimm, denn ich habe inzwischen schon wieder eine kaufen können. Deshalb mußt Du Dir also keine Gedanken zu machen. Auch sonst mit der Verpflegung steht es nich schlecht, denn wir bekommen wirklich ausreichend.  Du weiß ja, daß ich nicht gerade ein großer Esser bin, und wenn dann die anderen Kameraden satt werden und zufrieden sind, dann kannst Du das ja schln glauben. Briefpapier bekommen wir hier auch an die       gebracht. Auch in dieser Richtung besteht dann kein mangel. Von hier aus gab es weiter nichts zu berichten, denn hiergeht der Krieg in unveränderter Form weiter. Wir haben uns hier eingeschanzt. Eine Unterkunft haben wir uns auch geschaffen, so daß wir weiterhin einigermaßen geschützt sind, wenn es regnet. Ob der Russe hier wieder angreift, das kann man ja nicht wissen, ob wir ihn vom Übergang über den Fluß abhalten können, das kann man auch noch nicht beurteilen. Befehlsmäßig muß ja diese Linie im WEsten auf einem gewissen Punkt sich gefestigt haben. Aber wir hoffen trotz allem zuversichtlich. daß es sich für uns noch alles zum Guten wenden wird.   Ich kann Dir nicht sagen, was für ein GEfühl der Dankbarkeit in mir ist, wenn ich daran zurückdenke, daß ich solch schöne Urlaubstagebei Euch erleben konnte. Den Kameraden habe ich es nicht weiter erzählt, nur soweit sie mich danach fragten. Wenn man so hört, was sich alles ereignet hat, wähnred meiner Abwesenheit, dann kann man dem Schicksal dankbar sein. Aber ganz abgsehen davon, bin ich so froh, wenn ich mich der schönen Tage erinnere. So muß ich auch daran denken, wie unser Junge so glücklich war, als er bei einem unserer Walsspaziergänge die Krause Glucke fand und immer wieder bestätigt haben wollte, daß er damit doch was Schönes gefunden habe. Oder wie Helga nie genug bekam, wenn wir beim Baden waren. Immer noch einmal wollte sie ins Wasser und dann ging es ihr nicht wild genug zu. Tauchen und kein Ende. Oder wie Jörg dort auch den Geschmack davon bekam und sich darüber freute, daß er es geschafft hatte. Wie ein kleiner Hund prustete er immer, wenn er wieder tauchte. Ja, das sind soviel kleine Erlebnisse, die einem ins Gedächtnis kommen. Du hast nun noch Deine verschiedenen GArtenarbeiten zu erledigen, die ich Dir zurückgelassen habe. Ich habe mir schon Gedanken gemacht, daß ich Dir die Kartoffeln nicht herausgetan habe und daß ich Dir nicht die Äpfel heruntergeholt habe. Aber wenn ich mir das vorstelle, dann war alles noch nicht ganz soweit, daß man sich mit Ernst dieser Dinge hätte annehmen können Ich glaube auch, daß Du mir darum nicht böse bist. Hast Du noch viel Äpfelringe machen können. Darüber werde ich ja demnächst erfahren. Bis in 10 bis 14 Tagen kann ich ja erst mit dem Eingang von Post von Dir rechnen, denn ich konnte Dir ja erst jetzt die neue Anschrift mitteilen.  Das ist aber nicht so schlimm, ich kann schon warten, vor allem,. wenn ich glauben kann, daß Ihr gesund seid, was ich immer noch annehme. Wenn ich auch nicht ganz im Bilde über die weitere Entwicklung der Dinge bin, so glaube ich doch nicht, daß sich meine Befürchtung, die ich Dir gegenüber aussprach, bewahrheitet hat und daß Ihr noch daheim sein könnt. Ich grüße Dich, mein lieber Schatzu, recht herzlich und die Kinder und Vater ebenfalls. Ich behalte Euch lieb , wie Ihr das ja auch mit mir tut. Jedem von Euch Dreien gebe ich einen lieben Kuß, denn ich denke nur immer an Euch. Von Dir wünschte sich zwar auch gern einen 

Dein Ernst.

Samstag, 29. Februar 2020

Brief 552 vom 16.9.1944

Du mein liebstes Mädel, das ich so gern habe!                                       16.9.44          

Auf den gestern abgehenden Brief konnte ich Dir schon unsere Feldpostnummer angeben. Heute will ich Dir das noch einmal bestätigen. Ich hatte vorgestern unser Regiment gefunden und mußte gleich eine Absetzbewegung mitmachen. Die führte uns bis in den Ort, bis in den Ort, bis zu dem uns noch vor einigen Tagen die Eisebahn gebracht hatte. Da war ja auch alles im Abrücken begriffen, die Herren von der Partei und vom Zoll, die hier vorher sicherlich keine schlechten Tage verlebt hatten, suchten nun das Weite. Wir blieben die Nacht über beim Regiment und am kommenden Morgen hieß es, daß wir unsere Weiterleitung abwearten sollten. Wir hielten uns nun den ganzen Tag im Keller eines der Häuser auf, die hier spe ziell für die Deutschen erst gebaut worden sind. Die hielten auch dem Russenfeuer ganz schön stand. Zur Nacht sind wir dann zu unserm Bataillonweitergeleitet worden. Dort traf ich auch einige der früheren Kameraden wieder. Von unserem früheren Lehrgang habe ich bis jetzt aber noch niemand gesehen. Was aus denen geworden ist und wo die stecken, ist mir bis jetzt noch nicht bekann geworden. Wir wurden mit noch anderen Kameraden als Reserve zurückbehalten und verbrachten einen Teil im Keller eines von diesem Stab besetzten Hauses. Es ließ sich auch erst ganz schön an, das Schlafen auf den STrohhülsen zur Verpackung von Flaschen, doch gegen Morgen setzte unser Feind ein tolles Feuer vor den Laden. Bemerken muß ich, daß wir mit unserer gesamten Einheit einen Brückenkopf über den Fluß gebildet hatten. Die anderen waren schon vorhergehend übergesetzt. Wir wurden jedenfalls gezwungen, uns heute früh wieder abzusetzen. Das war nun insofern wenig angenehm, als wir durch den Fluß Narew mußten. Ein Großteil der Kameraden konnte nicht schwimmen, doch glücklicherweise ließ sich der Fluß an einer Furt durchwaten. Dort ging es an der tiefsten Stelle bis über die Hüften, aber das ist nich weiter schlimm, denn man ist froh, wenn man aus der näheren Gefahrenzone heraus ist. Unangenehm war nun, daß wir die Kleider auf dem Leib trocknen lassen mußten. Das ist jetzt gegen Abend wieder soweit. Es war jedenfalls ein toller Zauber. Wir liegen nun wieder in einer ausgebauten Stellung Westpreußens. Morgen werden wir uns auf etwas gefaßt machen. Doch hoffen wir, daß wir auch alles wieder auferstehen. Das ist so die Lage, die ich hier angetroffen haben. Nach den wunderschönen Urlaubstagen mit Euch zusammen, ist das schon ein ganz großer Kontrast, in den man sich erst wieder hineinfinden muß. Ich glaube aber, daß ich es schon schaffen werde. Soweit es die Lage erlaubt, werde ich mich Deinem Wunsch entsprechend schützen, denn leichtsinnig darf man nicht sein. Man weiß ja nicht, wie lange dieses Theater noch geht. Fast alle Kameradenm, mit denen ich über die Lage schon gesprochen haben, sind der Ansicht, daß der Zeitraum nicht mehr allzulange bemessen sein kann. Also ganz die Meinung, die ich Dir selbst mitteilen konnte.  
 Heute jährt sich nun auch der Tag zum 14.  mal, seit wir die Hochzeitsfeier in Freiburg halten konnten. Wenn wir es zwar auch nicht leicht hatten, aber die Lage war doch für uns immer noch viel viel schöner, als wir sie jetzt mitmachen müssen. Ich denke auch gerade an die Speisekarte, die wir erst kürzlich aus den vielen Sachen mit herauskramten, die Dein Vater uns übersandte. Man konnte doch unbeschwerter leben. Wie schön wäre das, wenn wir diese Zeit erst wieder da hätten,. Na, wir werden noch einmal tüchtig den Daumen drücken. Jetzt weißt Du ja meine neue Anschrift, dann kann ich ja von Dir in einiger Zeit mit Nachricht rechnen. Ich freue mich jedenfalls schon darauf. Hast Do noch die Nummer von der Abwicklungsstelle da, die nach meiner neuen Anschrift fragte?   
Soviel ich noch im Gedächtnis habe, hieß sie 14902 A Abwicklungsstelle. Wenn das stimmt, dann kannst Du sie ja von dort aus auf einer Postkarte mitteilen. Ich werde hier bei meiner Einheit entsprechend Meldung machen, was die Einheit hat wissen wollen.  Wie geht es Euch denn? Geht Helga noch fleißig zur Schule und hat sie für Jörg auch wieder angefangen? Hast Du einmal die Fahrt nach Wallhausen gewagt? Doch darüber berichtest Du mir ja sowieso Ich lege Dir die Papiere von meinem letzten Urlaub mit bei, denn ich benötige sie hier nicht mehr. Du kannst sie ja mit aufheben, wenn Du willst.  Du wwirst Deine ersten Mistfahrten auch hinter Dir haben. Ich hoffe, daß es geklappt hat. 
Mit dem Wetter sind wir wieder so einigermaßen ordentlich dran. Neulich waren wir ja einmal eingeregnet. An diese SAchen muß man sich erst gewöhnen. Ich vergaß Dir noch zu berichten, daß ich in Soldau wieder im Kino war und mir dort den Film „Nora“ angesehen hatte, den Du wohl auch schon sahst. Ich muß sagen, daß er mir sehr gut gefallen hat. Ich glaube, Dir wohl auch.
Meinen heutigen Gruß will ich abschließen mit recht lieben Küssen für Dich, mein liebster Schatz. Gib auch den Kindern jedem einen Batz und einen Kuß und grüße Vater ebenfalls bitte von mir. Bis man dazu kommt, den anderen meine neue Anschrift mitzuteilen, das weiß ich noch nicht. Vielleicht kannst Du da mit etwas abnehmen.  Nochmals Dir einen herzlichen lieben Kuß von 

Deinem Ernst.

Brief 551 vom 1.9.1944


Meine liebste Annie!                                                                            1.9.44  46

Unseren 14. Hochzeitstag haben wir heute. Immer wieder muß ich mich dieses Tages erinnern, als wir uns auf Körben gegenübersaßen und auf unsere Möbel warteten. Wenn auch die Einleitung nicht so formgemäß war, wie man sie sich allgemein vorstellt, so war die Fortsetzung doch immerhin von einer Art, die zur beiderseitigen Zufriedenheit verlaufen ist. Wir haben uns durch schwere Jahre durchgeschlagen und wir waren, wie ich das schon früher wiederholt festgestellt habe, immer ganz glücklich dabei. Wir haben unsere Kinder zu ganz ordentlichen Menschen erziehen können. Sonst sind wir soweit inmmer noch gesund gewesen, was uns manche Schwierigkeiten leichter überstehen ließ. Ich kann Dir nur an dieser Stelle immer und immer wieder meinen Dank sagen für all Deine Liebe und Treue, die Du mir die ganzen Jahre gegeben hast. Dank Deiner Sparsamkeit und Deiner ordentlichen Wirtschaftsführung sind wir immer auch in knappen Jahren, ausgekommen und haben unseren     gehabt.  Wenn ich auch nach Vaters Ansicht „einen Bock geschossen“ hatte, so kann nicht, sondern auch er, feststellen, daß der geschossene Bock nicht schlecht war und daß der Schuß sich dazu auch gelohnt hat. Ich bin all die Jahre zufrieden mit Dir gewesen und soviel ich von Dir weiß, warst auch Du nicht gerade unglücklich mit mir. Ich bin ja schon vor einigen Tagen auf diesen Anlaß eingegangen, doch ich habe mich, nochmals darauf zurück zu kommen. _ Gestern bin ich nun von Königsberg abgefahren. Es war ein nicht zu beschreibender Betrieb auf der Bahn, wie ich ihn sonst nicht kenne. Alles versuchte die Stadt zu verlassen, weil jeder befrüchtete, daß sich noch weitere Angriffe wiederholen würden. Es war fast ein Wunder, daß ich diesen Zug gestern abend noch erwischte. Ich bin erst einmal bis Kurz (?) , vor Mitternacht bis Deutsch Eilau gefahren. Dort habe ich erst einmal  ?  und heute morgen habe ich meine Weiterreise angetreten. Hier habe ich nun befehl bekommen nach Schilfenwiese (?) weiterzurollen.  Die letzten Zeilen waren kaum lesbar  Dieses Nest liegt westlich Lomscha. Ich nehme an, daß dieser Ort auf Deinen Karten eher verzeichnet ist. Dort liegt zwar noch nicht meine Einheit, aber es wird von diesem Ort aus nicht mehr weit sein. Ich werde Dich jedenfalls immer auf dem Laufenden halten. Den Ze itungsartikel habe ich Dir heute mit beigelegt, nachdem ich hier einige Briefumschläge kaufen konnte. Wenn die Dinge wirklich so liegen würden, dann wäre es bestimmt schön, aber wir sind eben doch erst froher, wenn wir die Tatsachen sehen könnten. Denn das Träumen von solchen Dingen ist doch nicht zu ratsam, wenn man sich dann später von einer Wirklichkeit aufwecken lassen müßte. Immerhin ist es ganz interessant zu lesen. _ Hier macht sich schon ein herbstlicher Wind auf, doch ist das Wetter doch noch schön sonnig und warm. Aber hier in dem Kaffeehaus stehen schon Astern auf dem Tisch, die uns schon an den Herbst gemahnen. Allzulange wird er sich nicht verleugnen lassen. 
Was ich noch berichten wollte ist, daß meine Einheit ein Leipziger Regiment ist das Grenadierregiment, das schon früher immer in Leipzig lag. Also auch beim HunderttausendMannHeer. Wenn man einmal zum Ersatztruppenteil  kommen könnte, dann wäre ich immerhin in Leipzig. Aber das sind schließlich Dinge, die man nur am Rand vermerkt. _ Ich schließe nun wieder mit vielen recht herzlichen Grüßen und lieben Küssen an Euch meine drei Lieben. Sobald ich meine neue Anschrift erfahre, gebe ich sie Dir gleich bekannt. Nochmals einen lieben Schmatz für jeden von Euch sendet 

Dein Ernst.