Donnerstag, 19. März 2020

Brief 554 vom 26.9.1944


Mein liebster Schatz, herzliebes Mädel!                                              26.9.44 /7.10. 

Der Wind streicht schon ziemlich rauh über die Stoppelfelder und nun hat er nach lager Regenpause nicht nur den Regen, sondern auch die Frische mitgebracht. Wir haben ja auch einen ordentlichen Bunker, der uns vor den Unbilden des Wetters schützt, aber man merkt es doch schon ziemlich, dass es jetzt aus ist mit dem warmen Wetter. Wenn ich so über die Ackerstoppeln sehe und ich habe die Zeit dazu, dann gucke ich mir auch einmal das an, was dort wächst. Das ist aber nun auch bald vorbei. Einiges unkraut aber auch noch einige Feldblumen sind vereinzelt zu finden. Als Gruß von mir sende ich Dir zwei kleine Blüten mit, die Dich immer an unsere Verbundenheit erinnern sollen. Dieser Sommer ist nun dahin, wenn es sich nur nicht noch über den ganzen Winter hinziehen würde, dann müßte man sich hier schon noch mehr darauf einrichten wie bisher. Unseren neuen Bunker haben wir nun bezogen und eine Nacht habe ich schon darin geschlafen. Schlafen ist wohl schon etwas zuviel gesagt, denn wie schon die Nacht vorher, war ich wieder unterwegs oder es gab sonst etwas zu tun. Am Tage kommt man hier auch nicht zur Ruhe. Aber trotz allem will ich das gern hinnehmen, wenn sich die Dinge nicht schwieriger gestalten, wie sie bis jetzt sind. Wir haben in unserem Bunker sogar ein Fenster und eine richtige Tür. Einen Tisch mit einigen Stühlen ist vorhanden und als Zeichen ganz großen Fortschritts haben wir ein Regal, auf dem wir einen Teil unserer Sachen ablegen können. Leben wir hier nicht bald wieder hier wie Kulturmenschen? Unsere vornehme Einrichtung geht sogar soweit, daß wir uns ein eigenes Waschbecken halten können. Da bist Du sprachlos, ha? Man richtet sich so sein und man lebt so wie es gerade am besten unter den gegebenen Umständen möglich ist. _ In einem Deiner Briefe schreibst Du mir, daß Du Heimweh hattest nach der schönen Zeit des Zusammenseins. Ich kann Dir das vollkommen nachfühlen , denn Du weißt ja, denn ich fühle mich mit Dir ja genau so untrennbar verbunden. Es ist schwer, sich zu trennen und die Überbrückung bis zu dem Zeitpunkt, der einem wieder das Alltagsleben in gewohnter Form erscheinen läßt, ist schwer zu überwinden, aber in solchen Dingen kann eben nur die Zeit helfen. Deine gescheiterten Ansätze, diese Zeit durch verstärkte Arbeit zu überwinden, sind mir deshalb nur verständlich. Ich hoffe aber, dass Du inzwischen in das frühere Gleis gekommen bist. _ DAß Ihr Helgas Geburtstag so nett gefeiert habt, hat mich sehr gefreut.  Das muß sicherlich ganz schön gewesen sein, als Ihr beieinander wart. Daß die Kinder ihr Mutterle nicht vergessen hatten, das konnte ich mir ja denken. Ich bedauere nur, daß mein Geburtstagsbrief nicht zur rechten Zeit angekommen ist. Hoffentlich ist er nicht verloren gegangen. _ Nun können auch die anderen Lehrer nach hause gehen. Jetzt hast Du ja Beide daheim herumsitzen. Die werden recht traurig sein. Für wie lange soll denn das bemessen sein. Hast Du da schon etwas erfahren? Die Kinder kommen ja ganz und gar aus dem täglichen Rhythmus, wenn noch eine Weile hingegangen ist. Dann wird es heißen, daß keine Heizungda sein und daß deshalb wieder schulfrei gemacht werden muß. Ratsam wäre es, wenn unsere beiden Stromer sich täglich mindestens eine Stunde hinsetzen und sich ihre Bücher ansehen, damit sie nicht alles vergessen.  Denn mit der Zeit macht sich das doch irgendwie bemerkbar. _ Daß Du ein solch schönes Teil Zwetschgen bekommen hast, ist doch herrlich. Da hast Du gleich noch die Restgläser füllen können. Hast Du auch auf meine Karte noch Obst bekommen, oder gab es da nichts mehr ? _ Gestern ahbe ich noch an Deinen Vater eine Karte geschrieben, damit er weiß, daß ich seinen Brief erhalten habe. Wenn ich dazu komme, beantworte ich ihm seinen Brief. Uagenblicklich geht es schlecht, denn in erster Linie kommst Du an die Reihe. _ Bleibe gesund und die Kinder auch. Ich grüße Dich und die Kinder recht herzlich und bin mit vielen lieben Küssen immer 

Dein Ernst.

Brief 553 vom 8./9.9.1944 (kam später an!)


 Du meine liebste Annie!                                                         8.9.44/ 9.9.44      

Auch heute kann ich Dir wieder schreiben, weil wir einigemaßen Ruhe haben. Wenn auch hin und wieder geschossen wird, so ist es doch möglich, daß ich mich mit Dir unterhalten kann. Das Wetter ist noch schön trocken und die Arbeit ist zum großen Teil auch beendet. Wir haben nach den harten Kämpfen, die ja auch anscheinend im Wehrmachtsbericht erwähnt wurden, hier eine neue Stellung über dem Fluß eingerichtet. Der Ort heißt nicht, wie ich irrtümlich geschrieben hatte, Grebwo, sondern Osterolennel, nach der deutschen Bezeichnung Scharfenwiese. Man kommt ja nicht immer gleich klar mit diesen verrückten polnischen Namen, weil manchmal ein Ort in den anderen übergeht. _ Es wird nun doch ein Brief, zu dem ich zwei Tage Zeit brauche, denn wir haben gestern abend noch zum Arbeiten antreten müssen, weil für einen Gefechtsstandbau Material herbeigeschafft werden mußte. Auch jetzt müßte ich eigentlich schaffen, aber eine kleine Atempause braucht man schon zwischendurch einmal wieder, die will ich nun gleich benutzen, meinen gestrig begonnenen Brief fortzusetzen. Wie ich hier bei meiner Ankunft feststellen konnte, hatte ich mich auch wieder nicht so sehr beeilen b rauchen, denn der Spieß war froh, daß er mich wiedersah. Ihm war das nicht mitgeteilt worden, daß ich erkrankt war, so daß keiner wußte, wo ich steckte. Er sagte mir, daß nach haus berichtet worden sei, daß ich als vermißt gelten würde. Es sei nun aber gleich wieder geschrieben worden, daß diese Meldung auf einem Irrtum beruhe. Du hast ja auch von mit laufend Nachridht erhalten, so daß dies ja von vorneherein klar sein sollte. Damit hat ja diese Angelegenheit auch ihre Erledigung gefunden. Wie wir bei meiner Abfahrt feststellten, hatte ich doch keine Zahnbürste eingepackt. Das ist so weiter nicht schlimm, denn ich habe inzwischen schon wieder eine kaufen können. Deshalb mußt Du Dir also keine Gedanken zu machen. Auch sonst mit der Verpflegung steht es nich schlecht, denn wir bekommen wirklich ausreichend.  Du weiß ja, daß ich nicht gerade ein großer Esser bin, und wenn dann die anderen Kameraden satt werden und zufrieden sind, dann kannst Du das ja schln glauben. Briefpapier bekommen wir hier auch an die       gebracht. Auch in dieser Richtung besteht dann kein mangel. Von hier aus gab es weiter nichts zu berichten, denn hiergeht der Krieg in unveränderter Form weiter. Wir haben uns hier eingeschanzt. Eine Unterkunft haben wir uns auch geschaffen, so daß wir weiterhin einigermaßen geschützt sind, wenn es regnet. Ob der Russe hier wieder angreift, das kann man ja nicht wissen, ob wir ihn vom Übergang über den Fluß abhalten können, das kann man auch noch nicht beurteilen. Befehlsmäßig muß ja diese Linie im WEsten auf einem gewissen Punkt sich gefestigt haben. Aber wir hoffen trotz allem zuversichtlich. daß es sich für uns noch alles zum Guten wenden wird.   Ich kann Dir nicht sagen, was für ein GEfühl der Dankbarkeit in mir ist, wenn ich daran zurückdenke, daß ich solch schöne Urlaubstagebei Euch erleben konnte. Den Kameraden habe ich es nicht weiter erzählt, nur soweit sie mich danach fragten. Wenn man so hört, was sich alles ereignet hat, wähnred meiner Abwesenheit, dann kann man dem Schicksal dankbar sein. Aber ganz abgsehen davon, bin ich so froh, wenn ich mich der schönen Tage erinnere. So muß ich auch daran denken, wie unser Junge so glücklich war, als er bei einem unserer Walsspaziergänge die Krause Glucke fand und immer wieder bestätigt haben wollte, daß er damit doch was Schönes gefunden habe. Oder wie Helga nie genug bekam, wenn wir beim Baden waren. Immer noch einmal wollte sie ins Wasser und dann ging es ihr nicht wild genug zu. Tauchen und kein Ende. Oder wie Jörg dort auch den Geschmack davon bekam und sich darüber freute, daß er es geschafft hatte. Wie ein kleiner Hund prustete er immer, wenn er wieder tauchte. Ja, das sind soviel kleine Erlebnisse, die einem ins Gedächtnis kommen. Du hast nun noch Deine verschiedenen GArtenarbeiten zu erledigen, die ich Dir zurückgelassen habe. Ich habe mir schon Gedanken gemacht, daß ich Dir die Kartoffeln nicht herausgetan habe und daß ich Dir nicht die Äpfel heruntergeholt habe. Aber wenn ich mir das vorstelle, dann war alles noch nicht ganz soweit, daß man sich mit Ernst dieser Dinge hätte annehmen können Ich glaube auch, daß Du mir darum nicht böse bist. Hast Du noch viel Äpfelringe machen können. Darüber werde ich ja demnächst erfahren. Bis in 10 bis 14 Tagen kann ich ja erst mit dem Eingang von Post von Dir rechnen, denn ich konnte Dir ja erst jetzt die neue Anschrift mitteilen.  Das ist aber nicht so schlimm, ich kann schon warten, vor allem,. wenn ich glauben kann, daß Ihr gesund seid, was ich immer noch annehme. Wenn ich auch nicht ganz im Bilde über die weitere Entwicklung der Dinge bin, so glaube ich doch nicht, daß sich meine Befürchtung, die ich Dir gegenüber aussprach, bewahrheitet hat und daß Ihr noch daheim sein könnt. Ich grüße Dich, mein lieber Schatzu, recht herzlich und die Kinder und Vater ebenfalls. Ich behalte Euch lieb , wie Ihr das ja auch mit mir tut. Jedem von Euch Dreien gebe ich einen lieben Kuß, denn ich denke nur immer an Euch. Von Dir wünschte sich zwar auch gern einen 

Dein Ernst.

Samstag, 29. Februar 2020

Brief 552 vom 16.9.1944

Du mein liebstes Mädel, das ich so gern habe!                                       16.9.44          

Auf den gestern abgehenden Brief konnte ich Dir schon unsere Feldpostnummer angeben. Heute will ich Dir das noch einmal bestätigen. Ich hatte vorgestern unser Regiment gefunden und mußte gleich eine Absetzbewegung mitmachen. Die führte uns bis in den Ort, bis in den Ort, bis zu dem uns noch vor einigen Tagen die Eisebahn gebracht hatte. Da war ja auch alles im Abrücken begriffen, die Herren von der Partei und vom Zoll, die hier vorher sicherlich keine schlechten Tage verlebt hatten, suchten nun das Weite. Wir blieben die Nacht über beim Regiment und am kommenden Morgen hieß es, daß wir unsere Weiterleitung abwearten sollten. Wir hielten uns nun den ganzen Tag im Keller eines der Häuser auf, die hier spe ziell für die Deutschen erst gebaut worden sind. Die hielten auch dem Russenfeuer ganz schön stand. Zur Nacht sind wir dann zu unserm Bataillonweitergeleitet worden. Dort traf ich auch einige der früheren Kameraden wieder. Von unserem früheren Lehrgang habe ich bis jetzt aber noch niemand gesehen. Was aus denen geworden ist und wo die stecken, ist mir bis jetzt noch nicht bekann geworden. Wir wurden mit noch anderen Kameraden als Reserve zurückbehalten und verbrachten einen Teil im Keller eines von diesem Stab besetzten Hauses. Es ließ sich auch erst ganz schön an, das Schlafen auf den STrohhülsen zur Verpackung von Flaschen, doch gegen Morgen setzte unser Feind ein tolles Feuer vor den Laden. Bemerken muß ich, daß wir mit unserer gesamten Einheit einen Brückenkopf über den Fluß gebildet hatten. Die anderen waren schon vorhergehend übergesetzt. Wir wurden jedenfalls gezwungen, uns heute früh wieder abzusetzen. Das war nun insofern wenig angenehm, als wir durch den Fluß Narew mußten. Ein Großteil der Kameraden konnte nicht schwimmen, doch glücklicherweise ließ sich der Fluß an einer Furt durchwaten. Dort ging es an der tiefsten Stelle bis über die Hüften, aber das ist nich weiter schlimm, denn man ist froh, wenn man aus der näheren Gefahrenzone heraus ist. Unangenehm war nun, daß wir die Kleider auf dem Leib trocknen lassen mußten. Das ist jetzt gegen Abend wieder soweit. Es war jedenfalls ein toller Zauber. Wir liegen nun wieder in einer ausgebauten Stellung Westpreußens. Morgen werden wir uns auf etwas gefaßt machen. Doch hoffen wir, daß wir auch alles wieder auferstehen. Das ist so die Lage, die ich hier angetroffen haben. Nach den wunderschönen Urlaubstagen mit Euch zusammen, ist das schon ein ganz großer Kontrast, in den man sich erst wieder hineinfinden muß. Ich glaube aber, daß ich es schon schaffen werde. Soweit es die Lage erlaubt, werde ich mich Deinem Wunsch entsprechend schützen, denn leichtsinnig darf man nicht sein. Man weiß ja nicht, wie lange dieses Theater noch geht. Fast alle Kameradenm, mit denen ich über die Lage schon gesprochen haben, sind der Ansicht, daß der Zeitraum nicht mehr allzulange bemessen sein kann. Also ganz die Meinung, die ich Dir selbst mitteilen konnte.  
 Heute jährt sich nun auch der Tag zum 14.  mal, seit wir die Hochzeitsfeier in Freiburg halten konnten. Wenn wir es zwar auch nicht leicht hatten, aber die Lage war doch für uns immer noch viel viel schöner, als wir sie jetzt mitmachen müssen. Ich denke auch gerade an die Speisekarte, die wir erst kürzlich aus den vielen Sachen mit herauskramten, die Dein Vater uns übersandte. Man konnte doch unbeschwerter leben. Wie schön wäre das, wenn wir diese Zeit erst wieder da hätten,. Na, wir werden noch einmal tüchtig den Daumen drücken. Jetzt weißt Du ja meine neue Anschrift, dann kann ich ja von Dir in einiger Zeit mit Nachricht rechnen. Ich freue mich jedenfalls schon darauf. Hast Do noch die Nummer von der Abwicklungsstelle da, die nach meiner neuen Anschrift fragte?   
Soviel ich noch im Gedächtnis habe, hieß sie 14902 A Abwicklungsstelle. Wenn das stimmt, dann kannst Du sie ja von dort aus auf einer Postkarte mitteilen. Ich werde hier bei meiner Einheit entsprechend Meldung machen, was die Einheit hat wissen wollen.  Wie geht es Euch denn? Geht Helga noch fleißig zur Schule und hat sie für Jörg auch wieder angefangen? Hast Du einmal die Fahrt nach Wallhausen gewagt? Doch darüber berichtest Du mir ja sowieso Ich lege Dir die Papiere von meinem letzten Urlaub mit bei, denn ich benötige sie hier nicht mehr. Du kannst sie ja mit aufheben, wenn Du willst.  Du wwirst Deine ersten Mistfahrten auch hinter Dir haben. Ich hoffe, daß es geklappt hat. 
Mit dem Wetter sind wir wieder so einigermaßen ordentlich dran. Neulich waren wir ja einmal eingeregnet. An diese SAchen muß man sich erst gewöhnen. Ich vergaß Dir noch zu berichten, daß ich in Soldau wieder im Kino war und mir dort den Film „Nora“ angesehen hatte, den Du wohl auch schon sahst. Ich muß sagen, daß er mir sehr gut gefallen hat. Ich glaube, Dir wohl auch.
Meinen heutigen Gruß will ich abschließen mit recht lieben Küssen für Dich, mein liebster Schatz. Gib auch den Kindern jedem einen Batz und einen Kuß und grüße Vater ebenfalls bitte von mir. Bis man dazu kommt, den anderen meine neue Anschrift mitzuteilen, das weiß ich noch nicht. Vielleicht kannst Du da mit etwas abnehmen.  Nochmals Dir einen herzlichen lieben Kuß von 

Deinem Ernst.

Brief 551 vom 1.9.1944


Meine liebste Annie!                                                                            1.9.44  46

Unseren 14. Hochzeitstag haben wir heute. Immer wieder muß ich mich dieses Tages erinnern, als wir uns auf Körben gegenübersaßen und auf unsere Möbel warteten. Wenn auch die Einleitung nicht so formgemäß war, wie man sie sich allgemein vorstellt, so war die Fortsetzung doch immerhin von einer Art, die zur beiderseitigen Zufriedenheit verlaufen ist. Wir haben uns durch schwere Jahre durchgeschlagen und wir waren, wie ich das schon früher wiederholt festgestellt habe, immer ganz glücklich dabei. Wir haben unsere Kinder zu ganz ordentlichen Menschen erziehen können. Sonst sind wir soweit inmmer noch gesund gewesen, was uns manche Schwierigkeiten leichter überstehen ließ. Ich kann Dir nur an dieser Stelle immer und immer wieder meinen Dank sagen für all Deine Liebe und Treue, die Du mir die ganzen Jahre gegeben hast. Dank Deiner Sparsamkeit und Deiner ordentlichen Wirtschaftsführung sind wir immer auch in knappen Jahren, ausgekommen und haben unseren     gehabt.  Wenn ich auch nach Vaters Ansicht „einen Bock geschossen“ hatte, so kann nicht, sondern auch er, feststellen, daß der geschossene Bock nicht schlecht war und daß der Schuß sich dazu auch gelohnt hat. Ich bin all die Jahre zufrieden mit Dir gewesen und soviel ich von Dir weiß, warst auch Du nicht gerade unglücklich mit mir. Ich bin ja schon vor einigen Tagen auf diesen Anlaß eingegangen, doch ich habe mich, nochmals darauf zurück zu kommen. _ Gestern bin ich nun von Königsberg abgefahren. Es war ein nicht zu beschreibender Betrieb auf der Bahn, wie ich ihn sonst nicht kenne. Alles versuchte die Stadt zu verlassen, weil jeder befrüchtete, daß sich noch weitere Angriffe wiederholen würden. Es war fast ein Wunder, daß ich diesen Zug gestern abend noch erwischte. Ich bin erst einmal bis Kurz (?) , vor Mitternacht bis Deutsch Eilau gefahren. Dort habe ich erst einmal  ?  und heute morgen habe ich meine Weiterreise angetreten. Hier habe ich nun befehl bekommen nach Schilfenwiese (?) weiterzurollen.  Die letzten Zeilen waren kaum lesbar  Dieses Nest liegt westlich Lomscha. Ich nehme an, daß dieser Ort auf Deinen Karten eher verzeichnet ist. Dort liegt zwar noch nicht meine Einheit, aber es wird von diesem Ort aus nicht mehr weit sein. Ich werde Dich jedenfalls immer auf dem Laufenden halten. Den Ze itungsartikel habe ich Dir heute mit beigelegt, nachdem ich hier einige Briefumschläge kaufen konnte. Wenn die Dinge wirklich so liegen würden, dann wäre es bestimmt schön, aber wir sind eben doch erst froher, wenn wir die Tatsachen sehen könnten. Denn das Träumen von solchen Dingen ist doch nicht zu ratsam, wenn man sich dann später von einer Wirklichkeit aufwecken lassen müßte. Immerhin ist es ganz interessant zu lesen. _ Hier macht sich schon ein herbstlicher Wind auf, doch ist das Wetter doch noch schön sonnig und warm. Aber hier in dem Kaffeehaus stehen schon Astern auf dem Tisch, die uns schon an den Herbst gemahnen. Allzulange wird er sich nicht verleugnen lassen. 
Was ich noch berichten wollte ist, daß meine Einheit ein Leipziger Regiment ist das Grenadierregiment, das schon früher immer in Leipzig lag. Also auch beim HunderttausendMannHeer. Wenn man einmal zum Ersatztruppenteil  kommen könnte, dann wäre ich immerhin in Leipzig. Aber das sind schließlich Dinge, die man nur am Rand vermerkt. _ Ich schließe nun wieder mit vielen recht herzlichen Grüßen und lieben Küssen an Euch meine drei Lieben. Sobald ich meine neue Anschrift erfahre, gebe ich sie Dir gleich bekannt. Nochmals einen lieben Schmatz für jeden von Euch sendet 

Dein Ernst.

Sonntag, 30. Juni 2019

Brief 550 vom 28.06.1944


Mein lieber guter Schatz!                                                                        28.6.44

 Mit meinem heutigen Brief kann ich Dir den Eingang von 4 Briefen bestätigen, die gestern Abend von Dir eingingen. Außerdem erhielt ich noch drei Zeitungssendungen.  die mich ebenfalls erfreut haben. Über die ersten mitgesandten Bilder habe ich mich mächtig amüsiert. Sie sind alle samt und sonders gut gelungen und recht treffende Momentaufnahmen. Das war doch eine kraftvolle Bombe, die Du in die Luft gejagt hast. (Es ist das Bild, wo meine Mutter den Fußball kickt) Du siehst ihr selbst ganz erstaunt nach. Daß ich Dir auf dem einen Bild eine Fratze schneiden wollte, das ist mir zwar  gar nicht mehr in Erinnerung, aber wenn Du es noch weißt, dann wird es wohl so sein Die aufnahmen von meiner gärtnerischen Tätigkeit sind auch gut geworden. Ich muß ja überhaupt sagen, daß Deine fotografischen Fähigkeiten innerhalb unserer Familie unangefochten dastehen.  Auch die anderen Bilder von dem unvergesslichen Nachmittag auf der Wiese im Wald sind sehr nett, denn sie spiegeln so richtig die frohe Stimmung wieder, die bei uns dabei herrschte. Sie werden uns immer eine dauernde Erinnerung an diese Urlaubstage sein und bleiben. Die anderen Bilder werden ja in den nächsten Tagen auch ankommen, auch auf diese bin ich wieder gespannt. Wie gesagt, ich bin recht zufrieden damit. Wenn zwei nichts geworden sind, so ist das nun einmal so, daß man mit solchen Ausfällen rechnen muß. Im allgemeinen sind sie einmal etwas anderes wie sonst und das macht sie wieder interessant.
In einem dieser Briefe erwähnst Du, daß es wohl nicht so üppig zuginge. Im Gegensatz zu Griechenland sind die Mahlzeiten reichlicher bemessen. Auch im Zubrot komme ich ganz gut hin. Das liegt wohl auch mit daran, daß wir ab und zu uns extra etwas besorgen. Gestern erhielten wir jeder acht Eier und ein Viertel Butter. Alles zusammen kostet zwar sechs RM, aber das hilft ja alles mit, die normale Verpflegung aufzubessern. Wie ich Dir schon einmal schrieb, Gedanken mußt Du Dir nicht um mich machen, denn ich helfe mir schon.
Wenn Du Deine Briefe nicht mit Tinte schreibst, so macht mir das wenig aus, im Gegenteil, denn ich weiß, daß Dir das eine gewisse Erleichterung verschafft., dann man zu. Aber ich habe ja schon kürzlich darauf hingewiesen, daß Du ebenso mit der Maschine schreiben kannst, wenn Dir das leichter ist.  Vater soll doch noch einmal in Freiburg nachfragen, wenn die Rentenangelegenheit noch nicht erledigt sein sollte. Er muß es nur nicht gar zu lange hinausschieben, denn es könnte vielleicht der Eindruck entstehen, er braucht es nicht. _ Deine Frage wegen der Ruhe nach der Sauna ist wohl berechtigt, aber die Ruhe danach kommt mir nicht in Frage. Wenn die Badezeit herum ist, dann geht es eisern weiter mit dem Dienst. Schöner wäre es zwar anders, aber man muß sich eben in die Verhältnisse schicken. Daß wir nicht so zum Schlafen kommen, ist wohl bei den dienstlichen Anforderungen nicht anders durchführbar, aber etwas stellt sich der Körper auch darauf um.  Daß sich die Kartoffeln so gut herausgemacht haben, ist ja sehr erfreulich. Dann kannst Du doch immerhin mit einer ordentlichen Ernte rechnen, wenn sic h nicht sonst etwas ereignet. Die Erdbeeren leiden eben gleich unter dem vielen Regen. Vielleicht hat sich das Wetter doch noch soweit gemacht, daß Du immerhin noch einiges davon ernten konntest.
Daß Du nun Deine Sommerschuhe erhalten hast, ist Dir selbst wohl auch eine Beruhigung. Dadurch ist es Dir doch möglich, die anderen Schuhe zu sparen, denn es wird ja immer schwieriger statt leichter.
Unser kleiner Ingenieur hat sich also wieder einmal ein Geschütz gebaut. Nach Deiner Zeichnung muß es ganz ordentlich geworden sein. Das ist nun einmal sein Element. Da kann er sich stundenlang damit beschäftigen.  Basteln und Zusammenbauen, da kann er seine Erfindungsgabe frei spielen lassen. Es ist gut, daß er da immer freien Spielraum hat, um seine Ideen zu entwickeln.
Erwähnen will ich noch, daß ich gestern an Dich ein Päckchen Nummer 3 abgesandt habe. Ich teilte Dir ja schon vor einigen Tagen den Inhalt mit. Nachdem ich gestern von Deinem Vater einigen Bindfaden erhielt, konnte ich es fertig machen. Ich hoffe, daß es gut in Deine Hände kommt. Es sind verschiedene Kleinigkeiten, für die Du Verwendung haben wirst. Die übrigen noch zu beantwortenden Dinge, erledige ich mit meinem nächsten Brief. Dich und die Kinder grüße ich recht herzlich. Viele liebe Küsse schließe ich an und bin wie immer Dein Ernst.
Stelle doch bitte vorerst einmal die Zusendung von Feldpostbriefen ein, denn ich habe schon zuviel davon hier, was mich belastet. Ich schreibe dann schon wieder einmal darum.



Dieser Brief wurde erst am 24.07. eingeworfen und der nächste datiert tatsächlich erst vom 01.09.1944.


Brief 549 vom 22.06.1944


Du mein liebstes Mädel!                                                                        22.6.44     

Recht mächtig habe ich mich gefreut, als ich heute früh Deine beiden Briefe vom 6. und 7.6. sowie Deine drei Zeitungssendungen erhielt. Ich habe wieder aus Deinen Zeilen ersehen können, daß Ihr wohlauf seid und daß es Euch den Zeitumständen entsprechend geht. Von Deinem Vater erhielt ich den Rundbrief 14. Das war alles zusammen eine willkommene Abwechslung. Ich hatte zwar reichlich Beschäftigung, denn wie ich Dir gestern schon mitteilte, ist für mich wieder einmal der Waschtag herangekommen. Das muß nun einmal sein. wenn man nicht ganz und gar verludern und verdrecken will. Es ist nur schade, daß man die Sachen nicht bügeln kann. Wenn ich die Sachen auch nicht kochen kann, es hilft mir das heiße Wasser doch recht viel. Wenn, wie heute, die Sonne scheint, dann kann ich die Sachen bleichen lassen, dann kommt das schon so einigermaßen hin. Das Wetter ist seit einigen Tagen etwas beständiger geworden, so daß man tagsüber recht ins Schwitzen kommen kann. Nachts ist es aber trotz der Wärme am Tage beträchtlich kühl. Man muß sich öfter umziehen, um die jeweils gemäße Kleidung anzuhaben. Der laufende Dienst zwingt ja dazu, daß man auch damit seine Ordnung hat, denn am Tage kann man die dicke Feldbluse nicht ragen, da nimmt man dann den Drillichrock, für die Nacht braucht man schon die dicke re Bluse und den Pullover.
Ich kann Dir nur sagen, daß ich über das Verhalten von Resi sehr erstaunt bin. Die Bindungen waren früher nicht schlecht, aber doch recht lose und das besonders in letzter Zeit. Jetzt mit einem Male läßt sie das aufleben, was einem schon in Verwunderung versetzen kann, weil es so plötzlich geht. Mit selbst ist das schon wegen Dir sehr recht, wenn Du dadurch etwas Ablenkung und Abwechslung erfährst. Daß sie Dich zum Strümpfe stopfen einlädt, ist doch ganz nett. So sitzt du doch nicht Abend für Abend allein daheim oder hast als einzigen Unterhalter Vater da. Etwas kannst Du Dich doch bei den Arbeiten auch unterhalten. Was vor allem gut ist, ist, daß sie nicht so weit weg von uns wohnt, dann bist Du doch bei Alarm oder überhaupt bald wieder daheim. Helga und Ingrid sind ja z.Zt. so Clowns, die ich mir gut vorstellen kann, wenn sie ihren Verkleidungsnachmittag haben. Ich denke nur daran, wie wir sie im Wagen nach Wollmatingen fuhren und wie sie immer etwas zu ?  hatten, und wie plötzlich trat die Ernüchterung ein, als sie aus dem Wagen fielen, als er umkippte. Daß Vater sich über meinen Brief gefreut hat, ist ja recht und das sollte ja schließlich auch der Zweck sein.   Du erwähnst, das Wollgras in Deinem letzten Brief. Ich habe schon einige Tage wieder ganz aufgeblühtes Wollgras in meinem Notizbuch, das ich Dir heute mit zusenden kann. Es sieht sehr schön aus. die Wiesen haben große weiße Flecken, wo das Gras blüht. Es sieht schön aus.  Mit dem zusätzlichen Essen hast Du ja vollkommen recht. Es ist wiederholt vorgekommen, daß wir hier Quark erhalten haben. Den kann man mit Ei und Zucker anrühren, dann hat man ein kräftiges Zubrot, damit kann man wieder seine Butterration sparen und man hat doch etwas anderes im Magen. Jetzt haben wir wieder Gelegenheit gehabt, Öfter Magermilch zu bekommen. Das trifft dann fest einen Liter pro Mann. Ich habe mir jetzt einige Male die Hälfte davon sauer werden lassen, das ist dann auch ein prima Essen mit trockenem Brot. Man muß sich die Sachen nur recht einteilen.
Wie ich aus Deinem Schreiben entnehme, sind die großen Ferien diesmal recht reichlich bemessen, allerdings unter der Berücksichtigung dessen, daß die Pfingst- und Herbstferien ausfallen. Wenn das so ist, dann kann Jörg wohl getrost einige Zeit mit zu dem Lager nach dem Vorarlberg gehen, denn dann hast Du ihn ja noch eine Weile daheim. Der Auszug aus Doberlug  ist nun doch noch angekommen. Das Geld ist allerdings schon von mir ausbezahlt worden. Ich sandte es seinerzeit von Athen nach dorthin. Wir müssen einmal sehen, daß wir vielleicht dort noch eine Urkunde anfordern können. Ich nehme jedenfalls an, daß Du das Geld inzwischen nach dort gesandt hast.
An Deinen Vater habe ich vor einigen Tagen ein Päckchen mit Tabak und heute auch wieder eins abgesandt. Das hat mir 10,RM gekostet. Nun habe ich hier wieder eine Menge Tabakwaren, die mir viel Geld kosten, was ich nicht habe. Ich habe vielleicht an 60,RM ausgegeben, die ich mir besser für Verpflegung kaufen einsetzen könnte. Ich kaufe diese Sachen gern, weil ich weiß, daß ich damit jemand eine Freude bereiten kann. Aber hier ist das doch schwierig mit dem Geld, vor allem, wo doch mein Wehrsold jetzt sowieso viel knapper bemessen ist wie früher. Denn ich erhalte ja jetzt nur noch die Hälfte von dem, was ich früher bekam. Ich weiß nun nicht, soll ich das Deinem Vater in Rechnung stellen oder was rätst Du mir zu tun. Auf alle Fälle bitte ich Dich, daß Du mir so nach und nach 30/40 Rm zusendest. Stecke sie in Deine Briefe in Raten, denn auf die Dauer komme ich sonst nicht aus. _ Ich lege Dir heute einige Marken mit bei, die Du jetzt nach Belieben verwenden kannst. Ich glaube, daß das so ziemlich alles wäre, was ich Dir heute zu erzählen hatte. Ich hoffe Euch meine Lieben immer gesund und füre meinen Zeilen wie immer recht herzliche Grüße und viele liebe Küsse bei. In treuem Gedenken Dein Ernst. Liebste Frau, meine liebste Annie! Auch der heutige Sonntag hat wenig Änderung in unserem täglichen leben gebracht. Nach Mitternacht kan ich von der Streife nach hause und um 4 Uhr mußte ich schon wieder auf Posten stehen. Das geht hier so hier wie an Wochentagen. Kleine Erlebnisse und Beobachtungen bringen hier eigentlich die Abwechslung im täglichen Einerlei. Radio oder Kino haben wir ja nicht, was uns etwas ablenken könnte.  Andererseits ist es so, daß man froh ist, wenn man sein Bisschen Freizeit dazu verwenden kann, um die immer anfällige Post zu erledigen und daß man das, was noch übrig bleibt in Schlaf anlegt. Bei der Eigenart des Postenstehens läßt es sich einrichten, daß man hin und wieder aus der Zeitung einen Abschnitt lesen kann, doch diesen Posten steht man ja nicht regelmäßig, aber man hat immerhin Zeit, daß man sich darauf einrichten kann. Heute früh hatte ich von meinem Standort aus beobachtet, wie ein Elsternpaar (denkst Du noch an die Libelle, wie jener kluge Leipziger einmal sagte ?) in meiner Nähe immer hin und herflog und ihr nicht gerade schönes Gekreisch ertönen ließ. Diese Biester gibt es hier ja in rauen Mengen. Außerdem sind sie ja im Zusammenleben mit der anderen Vogelwelt nicht besonders nützlich. Bekanntlich sind sie ja Nesträuber. Als die eine der Beiden in Schussnähe kam, hatte ich erst einmal angelegt, um sie abzuschießen, doch bis ich mein Gewehr entsichert hatte, flog sie wieder weg.  Doch kurze Zeit danach kam sie noch näher zu mir heran und sie setzte sich auf ein Telegrafenmast. Ich hatte mein Gewehr sofort in Anschlag gebracht und Knall, hatte ich sie getroffen. Sie kugelte durch die Luft und plumpste herunter. Das war auf eine Entfernung von 30 m. Wie es scheint, ist es mit meiner Schießerei doch nicht so schlecht bestellt, wie ich mir immer einbilde. Es ist dies mein erstes Tier, das ich abgeschossen habe. Man spricht von einem Jagdfieber, was einem da packt. Wenn das die Spannung ist, die einem packt zwischen Anlegen und Abschießen, so muß ich sagen , daß das ein eigenartiges Gefühl ist, denn wenn man sich schon einmal dazu entschlossen hat, zu schießen, dann will man ja auch treffen. Man lebt dann in dem Glauben, daß der Vogel gerade in dem Moment wegfliegt, wenn man abdrückt. Ich weiß nicht, ob das allen Menschen so geht, doch ich konnte mich dieses Gefühls nicht erwehren. Vor einigen Tagen saß etwas weiter von diesem Standort aus ein Hase in meiner Nähe. Ich hatte auch die Absicht, ihn zu schießen, damit man einmal seine Mahlzeit strecken kann. Aber von mir aus gesehen kam unglücklicherweise ein Schienenfahrzeug, so daß ich diesen Schuss unterlassen mußte. Du mußt nun nicht denken, daß mich jetzt die Jagdleidenschaft packt. Aber immerhin, für mich war es ein Erlebnis. Schade ist nur, daß man die Elster nicht essen kann, oder besser gesagt, daß es sich nicht lohnt, sie fertig zu machen. Am Vormittag war ich nun noch arbeiten und über die Mittagszeit hatte ich wieder Streife und nachdem ich mein Mittagessen fertiggemacht hatte, habe ich seit etwa 16 Uhr Freizeit. Um 20 Uhr geht es wieder auf Streife, so daß ich auch diesen Sonntag herumgebracht habe.
Ich habe wieder einige Kleinigkeiten bekommen, so daß ich in meinem Päckchen Nr. 3, was ich schon seit einigen Tagen vorbereitet habe, einige kleine Umgruppierungen vorgenommen habe Ich habe zwei Zahnbürsten erhalten und auch etwas Zahncreme. Eine von den Bürsten hebe bitte für mich auf. Die andere kannst Du bei Eintreffen und Bedarf verwenden. Es mangelt mir nur an Bindfaden, dann könnte es schon längst weggehen. Ich denke aber, daß von Deinem Vater bald etwas ein treffen wird, denn ich hatte ihm kürzlich darum geschrieben. Ich habe auch noch allerhand Rauchwaren hier liegen, die ich gern lossein will. Man weiß ja nicht, was plötzlich kommen kann, dann möchte ich mein Lager gern geräumt haben. Die Ereignisse hier in unserer Gegend sind ja nach dem Wehrmachtsbericht auch nicht gerade rosig anzusehen. Das Gedonner ist ja auch seit einigen Tagen recht deutlich zu hören, doch die Zuversicht brauchen wir trotz allem noch nicht verlieren. Ich grüße Euch Drei und auch Vater recht herzlich. Laßt es Euch wohl gehen und bleibt nur immer gesund. Meine Gedanken lenke ich täglich zu Euch, denn mit Eurer Umgebung bin ich so vertraut und verwachsen, daß mir alles gegenwärtig ist. Dir mein Schatz schnipse ich einen lieben Kuss zu und gebe noch einen festen Schmatz drauf, den Kindern ebenfalls. Das ist immer Dein Ernst.

Brief 548 vom 21.06.1944


Du mein liebster Schatz!                                                   21.6.44      

Das ist in den vergangenen Tagen ein Betrieb bei uns. Ich bin einfach nicht zu Schreiben gekommen. Wenn ich heute Abend nicht wieder Wache bei uns im Pumpwerk hätte, dann würde es mir auch zu diesem Brief nicht reichen. Die Kleider bekommen wir schon seit über einer Woche nicht mehr vom Leib herunter. Die Schuhe dürfen wir nicht ausziehen, der Dienst geht in solch scharfer Form, daß wir kaum zum Schlafen kommen. Seit vorgestern früh, das sind 60 Stunden, haben wir etwa 8  9 Stunden geschlafen. Wenn es gut geht, dann kann ich in dieser Nacht vier Stunden mich hinlegen. Durch erhöhte Alarmbereitschaft ist es schon wiederholt vorgekommen, daß wir von unserer Streife nicht abgelöst werden konnten und daß wir, nach dem wir über sechs Stunden Nachtstreife gestanden hatten, gleich zur Tagesstreife mit einer Stunde Zwischenpause übergehen mußten. Am Tag war auch keine Zeit zum Schlafen, aber ich muß schon sagen, daß mir von dem stundenlangen Marschieren auf den Eisenbahnschwellen die Füße doch schmerzen. Vielleicht gibt sich das in einigen Tagen, denn das muß man nun einfach überstehen. Ich habe zwar einiges vor für die Zeit der Wache hier im Pumpwerk, denn meine Wäsche ist auch wieder dran, denn ich kann ja nicht wie ein Igel herumlaufen. _ Außer Deinem Luftpostbrief vom 11., den ich vorgestern erhielt, habe ich seit einiger Zeit keine Post mehr von Dir erhalten. Die gegenseitigen Besuche mit Resi scheinen sich wohl einzuspielen. Ich freue mich nur, wenn Du Dich dabei etwas nett unterhalten kannst und Dich schließlich auch etwas ablenkst. Auch die Kinder haben ja etwas davon, denn ich muß sagen, Ingrid mag sonst sein wie sie will, aber Helga hat doch in ihr so die einzige Spielgefährtin. Jörg hat es ja etwas leichter, denn mit den Jungens auf der Straße kommt er doch ganz gut hin. 
Ich teile auch durchaus Deine Ansicht, daß es jetzt das Wichtigste ist, daß ich an einem Offizierslehrgang teilnehme. Wichtiger ist, daß ich gesund wieder zu Euch zurückkehren kann. Das habe ich auch in ähnlicher Form in meinem Brief an Nannie zum Ausdruck gebracht, denn es ist ja nicht ausgeschlossen, daß Paula ihr Mitteilung gegeben hat von dem, was ihr Vetter davon erzählt hat. Ich habe gleich vorgebeugt, denn es kann ja möglich sein, daß sie es wieder zurückschreibt. Mit den Fotos warte ich selbstverständlich solange, bis sie fertig sind, denn ich kann ja nichts beschleunigen. Ich hoffe, daß es mir möglich ist, morgen wieder zu schreiben. Ich wollte Dich aber nicht unnütz warten lassen, denn Du sollst doch bald wieder Nachricht von mir bekommen.
Dir, den Kindern und Vater einen recht herzlichen Gruß. Euch Dreien aber jedem einen herzlichen Kuss von Deinem Ernst.