Dienstag, 18. Dezember 2018

Brief 499 vom 18./19.12.1943


Mein liebster Spatz!                                                                          18.12.43 
             
Recht herzlichen Dank für Deine beiden Briefe vom 11./12. und 13./14.. Beide erhielt ich heute. Es gibt nun wieder einige Sachen zu beantworten, was ich gleich erledigen möchte.  Daß mir dieser Aretz nach so langer Zeit wieder einmal schreibt, nimmt mich wunder. Aus der Feldpostnummer zu schließen, ist er ja bei der Heeresgruppe Süd im Osten. Er kam seinerzeit zu uns auf die Feldkommandantur nach Mirgorod und  von Kaschan aus habe ich den letzten Bescheid con im erhalten. Das ist schon über ein Jahr her. Ich werde abwarten, was er will. Wenn der Brief eintrifft, gebe ich Dir sofort wieder Bescheid, damit Du beruhigt bist.
Mein Brief an die Bausparkasse hast Du ja weitergeleitet, wie ich lese. Inzwischen ist ja von dort eine Erinnerung gekommen.   Du bist ein Dummerle. Ich habe niemals die Absicht, Vater aus diesen Vertrag herauszudrängen. Ich weiß auch, daß Du das von mir nicht angenommen hast, aber es dreht sich ja hier in erster Linie um die Versicherung, die unter Umständen weiterlaufen soll. Nach meinem Dafürhalten ist es zwecklos, wenn wir die Versicherung weiterführen und dieser Schutz tritt dann nur teilweise in Kraft, obwohl wir die volle Prämie entrichten. Mir liegt in erster Linie daran, daß wir durch die Kasse auf diese Weise nicht ausgenutzt werden. Wenn Vater noch dafür in  Frage käme, könnte er von mir aus den ganzen Vertrag haben. Aber ich sehe nicht ein, daß diese Versicherungsgesellschaft nur dadurch einen Gewinn einstecken soll, weil wir uns vielleicht nicht einig würden. Wir werden jetzt abwarten, was für einen Bescheid wir von dort bekommen und dann werden wir weiter sehen.
Die Sache mit den Zigaretten geht dann also klar. Ich hoffe, daß die Leute etwas von sich hören lassen. Je nachdem was sie schicken, kannst Du ja auch etwas hinsenden. Wenn du nicht von dort bekommst, dann ist ja alles hinfällig. Der Kamerad ist inzwischen in Urlaub gefahren. Wenn er wieder zurückkommt, Mitte Januar, dann werde ich ja auch von ihm hören. Wegen des Kinderwagens mußt Du Dir noch keine Gedanken machen. Auch da will ich erst abwarten, was der Kamerad meint, wenn er wieder hier ist. Wie ich sehe, hast Du keine große Lust, ihn herzugeben. Ich muß aber auch feststellen, daß Du, wie es scheint, allerhand vorhast. Wenn das Dein fester Wunsch ist, dann hätten wir uns aber schon dranhalten können. Bis jetzt haben wir aber doch immer davon abgesehen, weil ich nicht haben wollte, daß Du allein bist und weil es vielleicht besser wäre, wenn wir eine größere Wohnung hätten. Für mich wäre es ja zweifellos bequemer, wenn ich die erste Zeit nicht daheim bin, denn dann hätte ich ja meine Ruhe, wenn ich einmal wieder daheim bin und es wäre schon größer. Das sind schon so Altherrenmanieren, die nach Bequemlichkeit aussehen,. Du weißt ja, daß ich noch nicht so wacklig bin und daß ich mir da nicht viel daraus mache. Aber das hat wohl keinen Zweck, daß wir diese ganze Angelegenheit nur auf schriftlichem Wege erledigen. Ich denke, daß ich auch noch dazugehöre.
Daß Du wieder einige Päckchen erhalten hast, freut mich wieder sehr. Es ist schon gut, daß Du die Rosinen alle einmal durchgesehen hast. Wenn sie sich halten, dann ist ja alles in Ordnung. Es wäre ja schade, wenn sie irgendwie schlecht würden. Das Päckchen Nummer 9 ist wohl noch nicht eingetroffen? Es ist ja nur Brot drin und derjenige, der es geklaut haben könnte, würde wohl keine große Freude daran haben. Die Schwämme sind anscheinend ausreichend. Ich habe mir auch erst gedacht, daß sie vielleicht zu klein sein könnten. Vielleicht kaufe ich bei Gelegenheit noch einmal einen größeren, den ich dann verwenden könnte, wenn Ihr zum Bad geht. Wenn sie aber ihren Zweck erfüllen, dann bin ich schon zufrieden.
Was nun das Gewehr von Kurt angelangt, so muß ich schon dazu lachen. Hat doch Paula Sorgen. Sie soll sich nur keine Gedanken um den Waffenschein machen. Wenn Kurt einen Waffenschein erhalten hatte, dann werde ich wohl auch einen bekommen. Ich glaube nicht einmal, daß dazu einer gehört. Ganz abgesehen davon wäre ich unter Umständen bereit gewesen, diese Gewehr herzugeben, wenn sie einmal in anständiger Form gefragt hätte, ob wir das Gewehr ihr als Andenken an unsere Kurt überlassen würden. Ich ärgere mich nur über diese Art, wie sie diese Sache anbringen. Sie hätte sich bestimmt nichts vergeben, wenn sie einmal darum gefragt hätte. Sie kann aber doch nicht erwarten, daß ich von mir aus sage, willst du dieses Gewehr haben. Diese Art und Weise, wie sie es bisher getrieben hat, sagt mir nicht zu und so gebe ich es auch nicht her. Ich habe mich immer korrekt aufgeführt. Ich verlange das aber auch von ihr; zumal weil sie ja schließlich etwas haben will. Ich denken, daß wir in dieser Beziehung alle gleicher Meinung sind. Frage Vater, ob er meine Haltung verständlich findet.

Meine liebste, gute Annie!                                                                    19.12.43  
 
Bemerken will ich gleich, daß ich heute keine Post erhalten habe, nachdem ich gestern die beiden Doppelbriefe von Dir erhielt. Die sind ja auch noch nicht ganz beantwortet, so daß ich schon noch Stoff habe. Du lobst mich schon wieder, daß ich das Öl für Euch besorgt habe. Ich kann Dir sagen, daß es nicht viel ist. Es handelt sich höchstens um einen Liter, aber doch freut es mich, daß ich es habe. Es wäre mir zwar noch lieber, wenn es schon bei Dir wäre. Aber das werde ich auch noch schaffen.
Ja, Du wunderst Dich, dass hier solche Dinge möglich sind und daß sich die Kommunisten so in den Heimen festsetzen konnten. Das ist hier keine Sache, die verwunderlich erscheint. Hier werden aus den Ortschaften am hellen Tag Männer und Frauen von den Kommunisten herausgeholt und werden mit in die Berge verschleppt. Sie müssen dort Dienst leisten und werden nicht erst lange gefragt, ob sie wollen oder nicht. Wer auf der Liste steht, der hat sich zu verantworten, ohne daß wir es hindern können. Da wir uns hier nicht groß in die inneren Verhältnisse einmischen, so haben die hiesigen Organe sich selbst damit zu befassen. Solange wir nicht selbst in Mitleidenschaft gezogen werden, kann es uns nicht weiter stören. _ Heute haben wir nun den letzten Adventssonntag und nächsten Sonntag ist schon Weihnachten. Was werdet Ihr wohl heute am Sonntag treiben? Vielleicht sitzt Ihr zusammen und spielt oder erzählt Euch was. Hier ist es nun wirklich kalt geworden. Seit einigen Tagen haben wir etwas überheizt. Viel ist es nicht, aber man muß nicht direkt frieren. Die Tage vorher war es schon empfindlich kalt, wenn man den ganzen Tag ohne Heizung im Büro sitzen muß. Um eines bin ich immer noch recht froh und das ist der Schlafsack. Wenn man so sagen soll, dann ist das meine Erholung aber auch mein Wärmespeicher. Denn  vom Hotel habe ich eine Decke erhalten und meine beiden Decken habe ich schließlich auch noch. Aber die Betten sind so kalt, daß ich mir unter anderen Umständen daher, wenn ich keinen Schlafsack hätte, mir einen Strohsack wünschen würde, denn der gibt von unten her ordentlich warm. Aber wie gesagt, frieren brauche ich nicht, denn ich kann mich richtig einmummeln. Auf den nahen Bergen lag auf den Höhen Schnee, der aber im Laufe des Tages wieder verschwand. Das kommt einem sonderbar vor, wenn man an den heißen Sommer oder an die heißen Tage  bis noch vor kurzer Zeit denkt. Der Unterschied ist doch auch recht merklich.
Von Deinem Vater bekam ich heute eine Brief, in dem er mir den Eingang meiner Rauchwarensendung bestätigt. Nach seinem Schreiben zu schließen, muß ich ihm ja einen mächtigen Gefallen damit getan haben. Vor Dankbarkeit kann er sich nicht genug fassen. Nun kam diese Sendung gerade nach diesem furchtbaren Erlebnis, dann wog dies doppelt auf. Mit hat es Spaß gemacht, daß ich ihm diesen Gefallen erweisen konnte. Den Brief lege ich Dir mit bei, denn es war sein Wunsch, daß ich ihn Dir gleich zusende. Dieser Angriff muß ihm anscheinend allerhand Nerven gekostet haben, denn aus allen seinen Briefen liest man noch den Schrecken heraus, den sie durchgestanden haben. Ich weiß genau, es ist keine Kleinigkeit und wie er ja selbst schreibt, nutzt uns alles Weichwerden nicht, denn es muß durchgestanden werden. Froh ist man um jeden Tag, an dem man noch gute Nachrichten von daheim erhält, denn die tägliche Sorge ist groß, wenn auch Konstanz gewissermaßen abseits der großen Straße liegt. Aber die vielen Durchflüge sind keine Kleinigkeit und wie es der Fall Liggeringen gezeigt hat, achten diese Lumpen ja nicht weiter darauf, wo sie die Sachen hinwerfen. Aber wir wollen immer das beste hoffen. 
Die Weihnachtssonderzuteilung ist doch ganz ordentlich. Wenn Du für 3 Personen das erhältst, dann kannst Du doch schon eine Kleinigkeit damit anfangen. Weite Sprünge kann man damit nicht machen, aber man freut sich ja darüber. Wie bist Du eigentlich darauf gekommen, Bonbons zu „gießen“, wie Du schreibst? Ist das noch ein Rezept von Deinem Großvater, oder wo hast Du die Anregung dazu her? Ja, die Zuckerbäcker. Die Kinder werden sicherlich das Ergebnis Deiner Künste nicht verschmäht haben. Wenn wieder einmal Frieden ist, werde ich ja in dieser Hinsicht noch allerhand probieren müssen.  Wenn es zu verdauen ist, dann will ich nicht weiter sagen, aber wenn ich mit Vorsicht herangehe, dann musst Du das mir nicht übel anrechnen, das hängt mit meiner Schüchternheit zusammen, und ich bin ja auch sonst vorsichtig. Ich gehe doch mit Dir auch immer sehr vorsichtig und rücksichtsvoll um Ich fuchse Dich doch kaum, und ich versuche es auf alle nur mögliche Art zu vermeiden. Leider läßt es sich nicht immer ganz umgehen, aber dann bin ich immer vorsichtig genug, denn ich müßte ja sonst damit rechnen, daß ich einmal eine fange.
Aber jetzt will ich es genug sein lassen. Bleibt alle schön gesund, meine lieben Drei, laßt Euch auch recht herzlich küssen von Deinem Ernst.
Ich finde dann noch eine Besprechung über den Film, von dem ich Dir neulich schrieb. Vielleicht interessiert sie dich. Die Briefe sind ja alle wieder zum Aufheben.


Brief 498 vom 16./17.12.1943


Mein liebstes Mädel!                                                                           16.12.43 

Deinen Brief vom 7./8.12. hat mich heute erreicht. Vielen herzlichen Dank dafür. Außerdem bekam ich von Deinem Vater heute 3 Briefe, in denen er über den Luftterror unserer Feinde berichtet. Ich habe den Krieg auch gesehen und ich kann mir ungefähr vorstellen, wie das in Leipzig aussieht. Es ist ja grauenhaft, wie dort in der kurzen Zeit gewüstet und gemordet worden ist. Auffallend ist ja, daß fast ausschließlich Wohnstätten und öffentliche Einrichtungen getroffen wurden. Ich kann die Einstellung der Bevölkerung voll und ganz verstehen. Wenn Dein  Vater schreibt, daß er jeden umbringen könnte, dessen er habhaft würde, wenn er sich aus einem abgeschossenen Flugzeug retten wollte, das kann ich ohne weiteres mitfühlen. Das muß ja zwangsläufig ein ungeheures Hassgefühl auslösen. Leider ist es aber so, daß man die Brüder, die dafür verantwortlich zeichnen, nicht erwischt. Wenn man so list, was alles kaputtgeschlagen ist, so ist das ein Jammer. Da kann man nur einen Gedanken haben und zwar den der Vergeltung.  Das kann doch nicht ungesühnt bleiben, daß muß doch diesen Schurken heimgezahlt werden. Man fragt sich nur, wie lange das das deutsche Volk noch hinnehmen muß. Es muß ein Schlag gegen diese Halunken werden, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hat und zur Besinnung müssen sie nicht mehr kommen können. Was ist bei uns an Menschenleben in dieser Hinsicht schon gefordert worden und was für Werte wurden von diesen Verbrechern vernichtet. Auf die Vergeltung, da bin ich ja gespannt, die kann ja nur unsere heißen Rachegefühle kühlen, ersetzen kann man von dem zerstörten Leben und Gut  nichts wieder.  Wie ich aus den beigefügten Durchschlägen Deines Briefes ersehe, hast Du auch Deine Weihnachtspost schon erledigt. Das Bild habe ich von mir nun auch erhalten. Vielen Dank dafür.
Ja, die Vorbereitungen auf Weihnachten, die bringen schon Stimmung in die Wohnung. Die Kinder sind ja sicher wieder eifrig bei der Sache. Das Backen ist ja auch sehr wichtig. Schon das Auslecken allein ist doch ein Fest für sich. Das kann ich mir denken, daß dann unsere Beiden keinen großen Hunger mehr hatte, als Du Deinen Backtag hinter Dir hattest. Man muß schon tüchtig haushalten, wenn man auch über die Feiertage etwas haben will.
An Deinen Vater schickst Du nun doch noch ein Päckchen und auch an Erna. Wenn Du es ermöglichen kannst, dann will ich nichts dagegen haben. Ich denke nur immer wieder, daß es Euch ja selbst kaum reicht. Daß Du keine großen Sendungen machen kannst, das ist ja wohl jedermann jetzt verständlich. Aber immerhin, sie sehen, daß Du den guten Willen hast und das gilt doch auch etwas.
Du schreibst, daß Du für unseren Lauser eine neue Gürtelschnalle für seien Mantel hast kaufen müssen. An meinem alten Trenchcoat war doch auch eine dran. Ich weiß zwar nicht, was damit geschehen ist, aber die läßt sich doch besser verwenden wie die aus Pappe, die Du jetzt  hast kaufen müssen. Das ist eben ein Lausekerl, der überall herumkrauchen muß. Aber solange er selbst noch gesund ist, dann ist das immer noch zu verschmerzen. _ Heute habe ich mir einige Marken gekauft, die ich schon lange erstehen wollte. Sie gehören zu meiner Sammlung deutscher Marken. Der Händler, der gebrochen deutsch spricht, fragte mich, ob ich Frau und Kinder hätte. Das ist meinst eine der ersten Fragen, der man so oft im Ausland begegnet. Mit Hilfe von einigen deutschen Brocken und einigen französischen  denn das spricht er auch nur sehr gebrochen  habe ich ihm seine Frage bejahen können. Als ich dann etwas gekauft hatte, langte er ein kleines Heft heraus mit einigen Marken, wie sie hier als Andenken verkauft werden und sagt: “Für Frau in Deutsch“. Ich würde sie Dir ja gerne schicken, aber mir fehlen einige davon in meiner Sammlung, so daß ich Dir das Heft erst zugehen lassen kann, wenn ich mir die Marken herausgelöst habe, wofür ich mir Dein Einverständnis hierzu vorausnehme. Oder hast Du doch etwas dagegen einzuwenden? _ Ich bitte Dich, schicke mir auch alle übrigen Schweizer Marken mit her. Vielleicht packst Du einmal in 2 oder 3 Briefumschläge nur Briefmarken, denn mit dieser Ware kann ich nur etwas anfangen, wenn ich eine genügende Menge davon habe.
Bleibt mir, meine Lieben, alle recht gesund und seid recht herzlich gegrüßt und viel, vielmals geküsst von Deinem Ernst.

Mein liebstes Mädel!                                                                             17.12.43  
      
Heute hatte ich wieder einmal einen strengen Tag. Aber das ist immer schön, denn die Zeit vergeht dann doch schneller. Der Oberinspektor, mit dem ich zusammenarbeite, geht morgen in Urlaub, so daß ich jetzt hier auf unserer Abteilung allein bin. Gegenwärtig rollen allerhand neune Beamte an. Was dann von mir zu erledigen ist: Die Versetzungen und alles, was damit zusammenhängt, müssen dann von mir verarbeitet werden. Mir macht das ja nichts aus. Der Oberrat, der unserer Abteilung vorsteht, hatte erst Bedenken, weil er sich nicht sicher ist. Ja, in der Militärverwaltung ist nicht mehr der Schwung drin, wie ich ihn von früher her gewohnt war. Es macht sich schon sehr bemerkbar, daß jetzt zum größten Teil nur noch ältere Beamte in der Verwaltung sich befinden, die auch veraltete Ansichten haben und denen der Kalk durch die Adern rieselt. Für mich ist da ja kein Anlass mehr, mich darüber aufzuregen, denn von mir aus sollen die Brüder anregen und anordnen, was sie wollen. Unser Oberrat Klaasen in Charkow, der war schon von Fall zu Fall ängstlich, aber gegen diese Kerle kann er fast als leichtsinnig bezeichnet werden. Doch wie gesagt, mir persönlich kann es gleichgültig sein.
 Vorhin traf auch schon Dein Weihnachtsbrief ein. Ich werde ihn ebenfalls, wie die Päckchen, aufheben und dann am Heiligen Abend lesen.  Vielen Dank dafür. Weitere Post ist sonst nicht eingetroffen. Von Deinem Vater kam noch eine Zeitungssendung an. Das war alles. Aber ich will schon so zufrieden sein. Vielleicht kommt morgen wieder etwas. Man muß sich immer wieder trösten, dann kommt man am besten darüber hinweg.
Über die Mittagszeit habe ich mich einmal meiner Marken angenommen. Ich habe schon gestern Abend mit ein provisorisches Album aus einem Schnellhefter gemacht. Dann habe ich die Marken, die ich schon hatte, alle fein der Reihe nach angeklebt. Das hat dann bis gegen ein Uhr gedauert. Dann bin ich schlafen gegangen. Heute habe ich dann mit den doppelten, die Du mir gesandt hast, einen Händler aufgesucht, der sie mir gegen hiesige Marken  zum gleichen Katalogpreis umgetauscht hat. Die Marken, die Du mir gesandt hattest, haben einen Wert von 40,-RM gehabt. Mit diesen Marken habe ich nun schon die verschiedenen Lücken ganz schön auffüllen können. Wenn ich dann wieder etwas habe, dann kann ich mir dort noch mehr besorgen. Vielleicht kann ich auf diese Weise dieses Land ziemlich komplettieren. In einer Schachtel muß ich auch noch doppelte Marken vom Saargebiet haben. Auch für diese habe ich Verwendung. Auf diese Weise kann ich einmal meinen Bestand an doppelten Marken ausmisten, denn die liegen mir doch nur herum. So gibt es doch wieder einmal etwas Platz. Ich bin nicht mehr genau im Bilde, was in dieser einen Blechschachtel noch alles herumliegt. Wahrscheinlich aber noch einige Marken von Europa, die Du mir ebenfalls mit zugehen lassen kannst. In erster Linie schicke mir aber die deutschen, die in den Briefumschlägen sind. Da sind ja noch ziemliche Mengen da. Du wirst denken, daß ich wieder einmal den Briefmarkenfimmel bekommen habe. Es ist aber auch fast so. Wenn ich gerade jetzt die Gelegenheit habe, so günstig meine Marken tauschen zu könne, dann will ich diese Gelegenheit auch ausnützen. Ich wollte Dich erst noch bitten, mir meine griechischen Marken aus dem Album herauszunehmen und mit herzu schicken, damit  ich weiß, was mir fehlt. Das lasse ich wohl am besten sein.  Sieh doch einmal nach, wie viele ich von Griechenland habe. Du brauchst mir nur die Anzahl zu nennen. Für Deine liebe Mithilfe danke ich Dir wieder bestens.
Auf einer der letzten Zeitungen hattest Du geschrieben, daß Jörg das eine Bild haben wollte. Ich habe es ihm ausgeschnitten. Ich finde aber, daß es schon etwas ramponiert war, darum habe ich es nochmals in meiner Zeitung gesucht und ihm ausgeschnitten. Ich hoffe, daß er mit seinem Vater zufrieden ist. Dabei fielen mir noch einige andere Bilder in die Hände, von denen ich dachte, daß er daran Spaß hätte. Ich lege sie auch noch mit bei.
Mit einem knallenden Schmatz für Dich und die Kinder schließe ich wieder und bin mit vielen herzlichen Grüßen Dein Ernst.

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Brief 497 vom 12./15.12.1943


Mein liebstes Mädel!                                                                            12.12.43

Schon wieder ist die Post ausgeblieben. Vorläufig werden hauptsächlich die Weihnachtspäckchen herangebracht. Dann ist es aber auch so, daß die Wetterverhältnisse für die Flugverbindung nicht besonders günstig ist. Ich habe mir heute nun einmal verschiedene Sachen vorgenommen, die schon länger einmal gemacht werden sollten. Und im Laufe der Woche legt man so manches hin mit der Absicht, es bald in Ordnung zu bringen. Meist kommt man aus diesen oder jenen Gründen nicht dazu, oder man hat keine Lust dazu, weil diese Dinge doch nicht eilen. Aber einmal hat man diese Bummelei satt und dann macht man sich doch darüber her. Jetzt habe ich für eine Weile wieder Ordnung in meinen Sachen. Das kommt ja auch im wesentlichen mit daher, weil man sich früher um solche Dinge nicht hat kümmern brauchen. Du als Hausfrau hast geordnet, was zu ordnen war, aber hier fehlt diese ordnende Hand. Manchmal komme ich mir vor, wie ein verlotterter Junggeselle. Ich mache ja auch verzweifelte Anstrengungen, diesem bedauerlichen Zustand abzuhelfen, aber Du siehst ja, wie ich Dir oben schon ausführte, wie kläglich das meist ausfällt. Bis man sich dann aufrafft, darüber vergeht dann schon einige Zeit. Wenn ich dann einmal für immer nach hause komme, dann ist auch dieser Kummer für mich vorbei.
Am Samstag und Sonntag, da sind für mich immer die Tage, an denen ich mich immer wieder durchfuttere. Im Soldatenheim, da kann ich meist nichts mehr erhalten, weil unsere Dienststunden dazu zu ungünstig liegen. Zudem ist der Andrang außerordentlich stark, wenn es etwas Ordentliches zu futtern gibt. Ich gehe dann meist hier ins Offiziersheim, dort bekomme ich meist noch etwas. Gestern gab es Makkaroni mit Soße und Wein kann man auch trinken, so daß man zufrieden sein konnte. Manchmal gibt es einen guten Wermutwein, von dem ich gerne einmal einige Flaschen für Dich hätte. Ich denke, daß er Dir schmecken würde, denn er ist süß. Aber auch der Samoswein, den man aber nur mit Hilfe guter Freunde erhält, ist sehr trinkbar. Das sind aber so die einzigen Sachen, die uns hin und wieder zugänglich sind.
In der vergangenen Woche war ich auch wieder im Kino. Da wurde ein Film gebracht, der immerhin ein ganz interessanten Versuch ist,. Es wird das Problem der französischen Jungend behandelt, die auf Abwege geraten, weil sie nicht richtig verstanden, eingespannt und behandelt werden. Der Film wurde in Frankreich gedreht und heißt „Das unheimliche Haus“.  Immerhin ist er sehenswert. Ich muß, weil ich gerade vom film spreche, nochmals auf den Film, „Das Bad in der Tenne“ zurückkommen. Du schriebst, daß er ziemlich frei sei und später teiltest Du mir mit, daß er wegen seiner Unmoral in der Schweiz verboten worden wäre. Wenn ich ihn gelobt habe, so haben mir vor allem die schönen bunten Bilder der damaligen Trachten gefallen, die doch wirklich sehr schön wirken. Daß manche Szenen sehr frei sind, das stimmt wohl, doch da kann man nach meinem Dafürhalten ohne weiteres darüber hinwegsehen.
Nach den kühlen Tagen, die wir vor kurzem hatten, ist es jetzt etwas merklich wärmer geworden, doch der Steinboden in unsren Räumen läßt keine Wärme aufkommen. Aber kalt ist es im eigentlichen Sinne nicht. Ich habe mir beispielsweise mit kaltem Wasser die Haare gewaschen. Das läßt sich ohne weiteres machen. Daheim kann man das bei Euch nicht riskieren, dann hat man seine Erkältung weg. Wenn ich wieder richtig auf Deck bin, dann will ich einmal ein Bad im Meer versuchen, das soll jetzt noch gut möglich sein.
Was werdet Ihr heute zum 3. Adventsonntag gemacht haben? Bei Euch wird es schon immerhin winterlicher sein. Wenn auch kein Schnee liegt, so hat doch alles einen anderen Charakter. Bald werden die Weihnachtsbäume aufmarschieren, vielleicht hast du auch schon einen erstanden. Hier wird dies nicht so leicht sein.
Recht herzlich grüßt Dich und die Kinder, ein fester Kuss gehört selbstverständlich auch dazu von Deinem Ernst.

Liebster Schatz!                                                                                 15.12.43      
      
Gestern habe ich meinen Weihnachtsbrief an Euch fertiggestellt, so daß ich nicht dazu kam, den täglichen Brief zu schreiben. Post erhielt ich auch nicht, so daß ich eigentlich auch nichts zu beantworten habe. Heute erhielt ich nun nach langem Warten wieder einen Brief von Dir, über den ich mich recht freute. Wenn man eine zeitlang regelmäßig seine Post erhielt, dann ist man eben verwöhnt und man glaubt, daß das immer so weitergehen muß. Man weiß aber nach einigem Warten die Post noch viel mehr zu schätzen, wie man das sonst täglich so automatisch abläuft. In Deinem Brief vom 5./6. teilst Du mir nun mit, wie es beim Theaterspiel und am Nikolaustag zugegangen ist. Alles ist ja nach Deiner Schilderung zufrieden gewesen, und geklappt hat auch alles. Ich bedauere nur, daß mein Brief an die Kinder nicht rechtzeitig angekommen ist oder sollte er auch wie im vergangenen Jahr verloren gegangen sein?
Wenn Du so Mangel an Backpulver hast, dann will ich zusehen, daß ich hier vielleicht noch einmal welches erhalte, doch versprechen kann ich es Dir leider nicht. Sage einmal, kannst Du denn nicht mit Hefe backen, oder läßt sich das nicht machen. Davon verstehe ich ja fast nichts, weil ich mich nie darum gekümmert habe. Aber wie gesagt, wenn es sich machen läßt, dann werde ich mein Heil versuchen.
Du fragst diesmal auch wieder wegen den Briefmarken an. Wo ich die „Pro Juventute“ Marken habe, kann ich auch nicht mehr genau sagen. Es kann sein, daß sie in einer Blechschachtel mit liegen, aber bestimmt weiß ich es jetzt auch nicht. Für die laufende Übersendung der anderen Marken danke ich Dir. Bis jetzt habe ich noch nicht viel damit anfangen können, weil ich erst noch eine Übersicht gewinnen will. Wenn ich dann mehr hier habe, will ich einmal auf den Tausch gehen. Von den Marken mit Überdruck „Ukraine“ „Elsaß und Lothringen“ schicke mir einmal, was da ist. Aber evtl.  musst Du Obacht geben, daß sie auch im Album vorhanden sind. Ich verlange jetzt recht viel von Dir, denn Du mußt dich da mit Dingen befassen, die Dir eigentlich nicht liegen bzw. für die Du kein besonderes Interesse bisher gehabt hast. Aber ich weiß ja, daß Du dies gern für mich machst, deshalb trete ich auch ungehindert mit dieser Bitte an Dich heran.
Bei uns ist es aber jetzt doch merklich kühl geworden, so daß man gern den Pullover anzieht. Ich habe ihn mir heute vorgeholt, was nun recht mollig ist. Spaßig ist das hier, wie man erst von den kurzen Hosen überwechselt zu langen. Wie man dann erst eine dünne Feldbluse anzeiht, und dann auch diese mit der dicken vertauscht. Dann holt man sich die Unterhosen heraus. Handschuhe und Mantel fehlen noch, aber dann sind auch wir hier jetzt winterlich angezogen.
Vorhin am Nachmittag kamen alle Deine Päckchen schon an. Ich denke, daß es alle sind. 4 Stück habe ich erhalten. Das war ein Hallo bei den anderen Kameraden, als dieser Schwung ankam. Ich trage sie nun in mein Hotel und hebe sie auf, bis die Feiertage bzw. der Heilige Abend kommt. Dann wrde ich sie aufmachen so wie ich es die Jahre vorher auch getan habe, Denn das war ja immer so, daß wir uns die Überraschung bis zur Bescherung vorbehalten haben. Doch heute schon will ich Dir dafür recht herzlich danken. Ich bin froh, daß alles schon rechtzeitig angekommen ist, denn Du machst Dir doch sicherlich auch Gedanken, ob ich Deine Sachen alle erhalten habe.
Gestern habe ich noch an Siegfried, Deinen Vater und an Alfred geschrieben, die Durchschläge von diesen Schreiben habe ich wieder beigefügt. Damit habe ich fast alle meine Weihnachtspost erledigt. An Nannie habe ich nicht geschrieben, denn sie hat ja erst Post von mir bekommen und sie hat ja mir schon solange nicht geantwortet. Ich wüsste nicht, an wen ich noch schreiben sollte. Meine Kameraden haben von mir alle Bescheid, bis auf zwei, die hier aber in nächster Nähe liegen. Das läßt sich noch gut nachholen. Fritz Bautz hat auch noch nichts von sich hören lassen. Dem kann ich aber zu seinem Geburtstag und zum Jahrewechsel schreiben. Durch die verschiedenen Kameraden, die ich im Laufe der Jahre kennen gelernt habe, hat sich mein Kreis ziemlich erweitert. Doch bis jetzt habe ich es noch glatt geschafft. Wenn ich zwar alles mit der Hand schreiben müßte, dann wäre das schon etwas schwerer.
Ich schließe diesen Brief wieder, indem ich Dir eine Gute Nacht wünsche. Einen recht lieben, herzhaften Kuß füge ich noch bei und grüße Dich, mein Schatz, in Liebe. Dein Ernst.

Brief 496 vom 9./11.12.1943


Mein liebster Schatz!                                                                      9.12.43       
      
Mit der Postzuteilung ist es jetzt hier allgemein so eine Sache. Heute ist wieder nichts gekommen. Nun warten wir wieder auf morgen. Der Weihnachtsverkehr wird sich auch geltend machen, denn die Päckchen belasten doch ziemlich. Gestern erhielt ich von Erna noch ein Päckchen, was mich sehr überrascht hat. Das hätte ich bestimmt nicht erwartet. Sie schickt etwas Gebäck, einen Apel, Rasierklingen und Zahnpasta. Was kann man sich im 5. Kriegsjahr schicken. Es ist ja schwierig. Aber wie gesagt, ich habe mich über diese Überraschung sehr gefreut. Das Gebäck habe ich mir in Vorweihnachtsfreude einverleibt. Der Rest muß auch bald daran glauben.
An Frau Frick habe ich auch wieder geschrieben, denn wenn ich jetzt diese Sachen beantworte, dann kann ich meine Weihnachtsgrüße immer noch anfügen, so daß ich dafür nicht besonders schreiben muß. Durchschlag meines Schreibens liegt wieder bei. Auf Nachricht von Leipzig warte ich nun auch, denn ich will doch wissen, ob unsere Angehörigen diesen Terrorangriff gut überstanden haben. Wie ich bis jetzt erfahren konnte, soll vor allem Plagwitz in Mitleidenschaft gezogen worden sein,. Unter den gegenwärtigen Umständen halte ich es für angebracht, wenn Erna mit dem Kind zu ihren Eltern gehen würde, denn es ist ja nicht ausgeschlossen, daß sich ein solcher Angriff wiederholt, Ich denke zwar, daß sich die ganze Familie Michel während des Angriffs in Rehau zu Besuch befand. Ich will erst einmal abwarten, was ich höre, denn werde ich entsprechende Vorschläge machen. Ich denke doch, daß Erna bei ihren Eltern unterkommen kann. Denn bei uns ist es ja dafür zu eng, oder bist Du anderer Meinung? Es ist vielleicht gut, wenn Du mir Deine Meinung darüber mitteilst.
Die letzten, Dir übersandten Zigaretten hebe doch einmal mit auf. Vielleicht kannst Du sie zu Tauschzwecken verwenden, die ich in Vorbereitung habe. Ich will erst abwarten, was sich zeigt. Wenn es sich lohnt, und wenn es Zweck hat, dann schicke ich noch mehr Zigaretten. Ich habe nun auch eine Quelle, wo ich immer einmal welche bekomme. Doch Du wirst verstehen, daß man erst jetzt für das leibliche Wohl sorgen muß, ehe man seine Leute mit Glimmstengeln versorgt. Es fallen für diese auch immer wieder einmal welche ab. Daß wir diese nun ausschließlich zur Verfügung stellen, das kann ich nicht einsehen. Ich habe für meinen Tausch bedarf auch noch welche hier, da liegt keine Veranlassung vor, daß Du Dir darüber Gedanken machst. An dem Adventskalender unseres Jungen habe ich jeden Tag immer meinen Spaß. Die Miniaturen sind zum Teil ganz nett gemacht. Bei ihm weiß ich zwar nicht ganz, was er gewollt hat, aber dadurch ist der Phantasie freier Spielraum gelassen. Ich kann ihm also nochmals bestätigen, daß er einen netten Einfall gehabt hat, und daß er mir mit seiner Arbeit schon manchen Morgen eine Freude gemacht hat, denn gleich früh muß doch das neue Fenster geöffnet werden.
Gerade bekomme ich von Alfred wieder einige Zeilen. Er läßt doch immer von Zeit zu Zeit von sich hören. Er schreibt, daß er 14 Tage auf Bornum gewesen sei. Für diese Soldaten, die in der Heimat eingesetzt sind, ist es in dieser Hinsicht recht günstig, wie man daran wieder feststellen kann.
Als ich von daheim wegfuhr, fragtest Du mich, ob ich vielleicht eine Flasche Cognac mitnehmen wollte. Ich sagte, daß das wohl nicht nötig sei, denn ich würde schon wieder zu alkoholischen Getränken kommen. Ich schrieb Dir ja vor längerer Zeit, daß wir allgemein eine Zuteilung erhalten hätten. Dieser Liter ist nun im Laufe der vergangenen Wochen so nach und nach alle geworden. Gestern habe ich mir den letzten Rest einverleibt. Ich hatte immer die stille Hoffnung, daß sich schon bei Gelegenheit eine Türöffnern würde. Tatsächlich hat mich meine Hoffnung nicht getäuscht. Heute habe ich 3 Flaschen Cognac erhalten. Ist das nicht schön? Ich muß Dir sagen, daß man den um diese Jahreszeit gut gebrauchen kann, denn Heizung haben wir hier nicht und irgendwie muß man sich ja einmal aufwärmen. Wenn ich ihn richtig einteile, dann reicht er wieder eine Weile hin. Wenn man etwas Glück hat, dann tut sich zu gegebener Zeit immer wieder einmal etwas auf.
Du fragst, wie der eine Landser dazu kam, mit Briefmarken zu schenken? Ich stehe an einem offenen Verkaufsstand und sehe mir die Marken an. Es waren keine besonderen Sachen und zu teuer waren sie mir auch. Mit einem Mal spricht mich ein Soldat an und sagt, ich solle doch den Griechen das schwere Geld nicht hinwerfen. Das, was er zu verkaufen hätte, das könnte er mir schenken. Das habe ich mir selbstverständlich nicht zweimal sagen lassen. Er sagte, daß er für seinen Bruder jede Marke einmal haben will und die anderen könnte ich erhalten. Ich hätte ihm gern einige Zigaretten dafür gegeben, aber ich hatte leider keine bei mir. Es hatte ihm aber auch so Spaß gemacht, mir damit eine Freude zu bereiten. War das nicht nett?
Mit recht herzlichen Grüßen und vielen Küssen beschließe ich meinen heutigen Brief. Ich denke oft und gern an Euch alle. Dein Ernst. 

Meine liebe kleine Frau!                                                                11.12.1943  
         
Dein lange erwarteter Brief traf heute ein. Ich denke, dass ungünstiges Wetter die Heranbringung von Post mir dem Flugzeug verursacht. Aber immerhin habe ich doch wieder einmal Nachricht von Euch. Durch diesen sonst regelmäßigen Postverkehr sind wir Beide etwas verwöhnt, und dann macht sich das Ausbleiben leicht doppelt bemerkbar. Dein Brief ist vom 4.12.. Ich habe mich sehr darüber gefreut.
Du mußt Dich nicht grämen, daß Du die Uhr schon abgeschickt hattest, und daß Du das Tauschheft nicht mehr beilegen konntest. Das ist ja kein Beinbruch. Es wird sich schon einmal wieder eine Gelegenheit bieten, bei der Du mir diesen Wunsch erfüllen kannst.  Das Haarwaschpulver ist also auch eingetroffen. Das kannst Du doch sicher gebrauchen.  Vielleicht bekomme ich bei Gelegenheit wieder welches. Es sind ja alles nur Kleinigkeiten, aber es sind meist Kleinigkeiten, auf die man schon lange hat verzichten müssen. Deshalb freut man sich dann besonders darüber.  Wenn Du das Tauschheft einmal schicken einmal schicken kannst, dann lasse nur die Marken drin stecken, vielleicht kann ich sie hier irgendwie vertauschen. Du fragst mich, ob es mein Sammlerherz freut, daß ich mir einige Marken kaufen kann. Diese Frage muß ich Dir dahingehend beantworten, daß ich nicht sehr vom Kaufen erbaut bin. Nur wenn mir etwas günstig erscheint, und ich habe das Geld dafür, dann erstehe ich mir das. Du weißt ja, daß ich in meine Sammlung nicht gerne Geld hineingesteckt habe, weil es im Grunde genommen doch totes liegendes Kapital ist. Soviel haben wir ja doch nicht übrig, daß wir uns diesen Luxus leisten können. Ich habe aber auch an den Marken, die ich bis jetzt beisammen habe, immer meine Freude gehabt. Das weißt Du ja. Wenn ich damit auch keine Kapitalien in Großmaß sammle, so habe ich doch diese Freude und mehr braucht es schließlich nicht zu sein. Du kannst ja mir der Aushändigung der Marken an Kuster noch zuwarten, denn ich habe einige Sätze wieder günstig bekommen. Deinem Vater werde ich davon später welche schicken. Du kannst sie ja erst einmal aufheben.
Das ist doch fein, daß Du für unsre Große die Schuhe erhalten hast, die ihr zustehen und die sie ja dann auch noch später v erwenden kann, weil Du sie schon auf Zuwachs gekauft hast. Daß die Leute uns noch als Kunden begrüßen, das wundert mich, denn allzu viel haben wir doch dort nicht gekauft. Aber wenn man in dieser Hinsicht als das behandelt wird, dann ist es immerhin vorteilhaft.
Die Zeit vor Weihnachten verlangt doch manche Arbeit, die sonst im Laufe des Jahres nicht herantritt. Das Kostüm für das Theater spielen hast Du auch noch selbst machen müssen. Das ist ja schon viel verlangt. Aber ich weiß ha, daß Du in dieser Beziehung gleich zur Hand bist. Da wird Helga froh gewesen sein, daß Du ihr das Kleid dazu fertiggemacht hast. Unser Tannenbaum. Unser Tannenbaum, das ist sie ja auch im wahrsten Sinne des Wortes, unsere überlange Latte, wird ja sehr stolz gewesen sein, als Du ihr das angefertigt hattest.
Wenn Ihr Euch schon selbst als Menschenfresser bezeichnet, dann muß es wohl an dem sein. Aber wenn Ihr Euch Euren Nikolaus mit den Rosinen habt noch schmackhafter habt machen können, dann macht mir das auch noch heute Spaß, daß ich Euch diese habe dazu schicken können. Ich bin auch der Ansicht, daß sie bestimmt besser geschmeckt haben werden  wie die gekauften.
Unsere große Tochter muß ja nach den Strafarbeiten zu schließen, ein großer Rüpel in der Schule sein. Wie es nach Deinem Schreiben aussieht, kann man schnell zu einer Strafarbeit kommen. Ich sage mir immer wieder, wenn sie nichts Ehrenrühriges anstellt, dann ist weiter nichts dabei, wenn sie einmal einen Streich spielen oder sich sonst etwas leisten würde. Darum finde ich es gut, wenn unser Bengel soviel gesundes Empfinden hat und merkt, daß es böse ist, wenn ein Kind sich dem Lehrer gegenüber so flegelhaft benimmt. Meist merkt er es aber nicht, daß er sich daheim vielfach genauso benimmt. Aber aus Deinem Beispiel kann man aber klar erkennen, wie es gut ist, wenn ein Kind in der Gemeinschaft aufwächst. Aber ein kleiner Kerl ist er doch noch, denn er wie auch Helga, sie sitzen zu gern auf dem Schoß oder lassen sich wieder einmal bemuttern.
Für die von Vater übermittelten Grüße danke ich . Richte ihm auch von mir wieder welche aus. Was macht er denn? Seine Erkältung wird wohl nun vorbei sein. Ich habe jetzt etwas Schnupfen, aber das ist ja hier kein Wunder, wenn man den ganzen Tag in der kalten Bude sitzen muß. Wenn ich weiter keine Beschwerden habe, will ich noch froh sein.  Mir fehlt ja auch tatsächlich nichts weiter.
Was ich Dir noch schreiben wollte. Mit dem Stopfen der Strümpfe brauche ich Dich nicht weiter mehr zu belasten. Ich weiß, daß Du es gern getan hast, nur war das hin und hersenden etwas umständlich. Ich kann das hier bei der Einheit machen lassen, was ja entschieden bequemer für beide Teile ist. Ich wollte Dir dies nur mitteilen, damit Du nicht etwas auf den Gedanken kommst, ich hätte mit irgendwelcher Absicht diese Zusendungen eingestellt. Das ist also nicht der Fall. Herzlich grüße ich Dich und die Kinder. Einen herzlichen Kuss für Jeden von Deinem Ernst.

Brief 495 vom 7./8.12.1943


Mein liebster Schatz!                                                                        7.12.43    
      
Recht vielen Dank für Deine beiden lieben Briefe vom 30.11/1.12.  und 2.12., die ich heute erhielt. Ich habe mich sehr darüber gefreut und nochmals innigen Dank dafür. Die beiden Zeichnungen unseres Sohns sind ja gut ausgefallen. Hat er das aus sich selbst heraus gemalt, oder hat er das irgendwo abgezeichnet. Die Haltung der Skifahrer ist wirklich untadelig gemacht, ebenso der Weihnachtsmann. Dafür muß ich ihm schon meine Anerkennung aussprechen. Ich habe ja jetzt täglich Gelegenheit, seine Zeichenkunst zu bewundern an dem schönen Adventskalender, den er mir zusammengebastelt hat. Jeden Morgen freue ich mich immer wieder über seine Einfälle, die er dabei gehabt hat. Jetzt, wo Dir Helga auch einen Kalender zurechtgemacht hat und Du ihnen auch, dann mangelt es bestimmt nicht an solchen Sachen. Heute erhielt ich noch weitere Post von Finnessen, meinem Kameraden aus dem Osten, dann von Deinem Vater einen Durchschlag einer an Dich gerichteten Mitteilung und dann noch vom Standesamt Neusalza eine Sterbeurkunde, die ich Dir gleich mitsende, nachdem ich sie bei mir vermerkt habe. Wenn einige Tage eine Stockung eintritt, so kommt dann immer ein Schwung an, wenn sie behoben ist. Mit Bedauern habe ich vernommen, daß unsere Helga über Kopfweh klagt. Das mag wohl stimmen, daß sie sich überanstrengt hat mit den vielen Proben. Wie ich aber aus Deinen späteren Zeilen lese, hat es sich dank Deiner Fürsorge wieder behoben. Ich denke, daß sie ihr Spiel hat mitmachen können. Man kann sagen, was man will, aber die Kriegsjahre machen sich bei den Kindern mehr oder weniger doch bemerkbar, denn die Kost kann man doch nicht so einrichten, wie es immer gerade nötig wäre. Diese jungen Körper sind im Aufbau und dazu brauchen sie mehr wie nur das, was man gerade so bekommt. Ich bin froh, daß wir immer noch das zusammenbekommen haben, um ihnen einiges zu bieten und zu ersetzen, was jetzt mangelt. Mit so einer kleinen „Krankheit“ hat sie ihren ersehnten Wunsch erfüllt erhalten, einmal in meinem Bett schlafen zu dürfen. Wenn es ihr zur Besserung mit verholfen hat, dann ist es ja gut.
Daß die Stadt keinen Gehaltszettel jetzt schickt, ist ja in Ordnung solange die Zahlungen monatlich unverändert sind. Das ist ja unnötige Papierverschwendung. Ich habe mich schon immer gewundert, daß das immer noch geschieht.
Wenn du Helga bei schlechtem Wetter nicht mit dem Rad fahren läßt, so finde ich das durchaus richtig. Nachdem sie jetzt die ganze Zeit den Omnibus nicht benutzt hat, kann sie es ja nun eher machen, denn das Geld hast Du ja diese Zeit über gespart. Wichtiger ist aber, daß sie sich nicht unnütz erkältet.
Die Geschichte mit dem Lehrer gefällt mir auch nicht sonderlich. Ich habe auch schon überlegt, was man da machen soll. Ich kann mir vorstellen, daß ein Kind zapplig wird, wenn solch ein Grobian von „Erzieher“ dahintersteht und womöglich seine Glossen dazu macht. Warte doch erst noch einmal zu, bis nach den Feiertagen. Wenn die Schule dann wieder angefangen hat und er gibt sich immer noch von dieser Seite, dann muß man schon den Rektor darauf aufmerksam machen. Schließlich haben ja auch die Väter, die draußen im Feld sind, Sorge um ihre Kinder, nachdem sie ihnen der direkten Aufsicht entzogen sind. Man hat ja nicht Lust, sich seine Kinder auf diese Weise verderben zu lassen, ganz abgesehen davon, daß man ja noch das teure Schulgeld zahlt. Andererseits muß man die Angaben von Resi immer mit einer gewissen Vorsicht behandeln, denn sie neigt nun einmal zu gern zu gewissen Übertreibungen. Wenn Du etwas unternimmst, dann ist es ja nicht erforderlich, daß Du mit jemanden darüber sprichst. Du machst das einfach mit einem Besuch beim Rektor ab, damit kannst Du ja vorerst den Fall als erledigt betrachten. Sollte sich dann herausstellen, daß von der Schule die Sache falsch angepackt wurde, dann gibst Du mir bescheid mit Angabe des Namens des Lehrers, der mich auch schon vorher interessiert. Dann werde ich diesen Heinis etwas geigen. Ich denke, daß diese Sache nun klar ist. Wie ich sehe, wirst auch Du oftmals schlecht mit Post versorgt. Ich habe das Gefühl, daß dies allgemein der Fall ist.
Das Päckchen Nummer 20 habe ich heute an Dich auf den Weg gebracht. Ich habe einige Apfelsinen und etwas Schuhcreme für Euch eingepackt. Du schriebst doch neulich, daß Du so hast darum laufen müssen. Ich habe hier zufällig welche bekommen. Ich hoffe, daß Du auch trotzdem noch Verwendung dafür haben wirst. Die Zusammenstellung des Päckchens sieht ja nicht gewählt aus, aber das ist eben eine Zeiterscheinung. Man nimmt das, was man bekommt.
Ich muß mich schon wundern, was doch Siegfried für ein Glück hat. Er hat es also geschafft, in Urlaub zu kommen. Man könnte fast neidisch werden, aber das hilft ja keinem.
Die restlichen Sachen beantworte ich Dir morgen mit, wenn ich wieder an Dich schreibe. Lasse Dich recht herzlich grüßen und vielmals küssen von Deinem Ernst.

Meine liebste Annie!                                                                             8.12.43  
         
Ich will erst einmal den Rest Deiner letzten Briefe beantworten, bevor ich auf andere Dinge eingehe. Bezüglich des Brottrocknens will ich erst einmal einen Irrtum von Dir klarstellen. Ich kann mir nicht erklären, wie Du darauf kommst, daß ich das Brot in Zukunft in Scheiben schneiden soll. Das habe ich doch seit Anfang getan. Dafür trage ich bestimmt keine Schuld, daß das Brot sich wieder zusammengebacken hat. Das, was sich zwar schlecht zu Scheiben schneiden läßt, das sind die Kanten oder wie man in Leipzig sagte, Renfte. Ich glaube, Du willst mich auf den Arm nehmen? Gestehe es, oder es passiert ein Unglück. Weiterhin stellst Du mich in Deinem letzten Brief als einen großmächtigen Schwindler hin. Das ist nicht der Fall und das läßt sich auch ganz klar widerlegen. Ich habe die erste Zeit überhaupt nichts vom Essen geschrieben. Weiterhin kann ich keinen Hunger in dem Maße gehabt haben, denn sonst hätte ich trockenes Brot auch gegessen. Da ich das nicht getan habe, konnte ich es ja nicht anders vernichten, als daß ich es trocknete und Dir zuschickte. Brot habe ich immer ausreichend gehabt, daran hat es nicht gemangelt.  Außerdem muß ich Dir erklären, daß ich von der Verpflegung vom Osten her verwöhnt war.  Du kannst Dich wohl noch an meinen letzten Urlaub erinnern, wo ich immer über das Wenige gespottet habe, was Ihr zugeteilt erhaltet. Siehst Du, das war die Strafe dafür, denn diese Portionen gleichen etwa denen, die in der Heimat gegeben werden. Aber diesen Umschwung spürt jeder, und ich höre das allgemein, daß der eine oder andere schon wegen der Verpflegung ganz gern wieder nach dem Osten ginge. So, das hatte ich zu diesem Thema zu sagen. Damit Du siehst, daß wir auch Weihnachten hier nicht hungern müssen, will ich Dir einmal mitteilen, was wir bekommen sollen. 250g Pfeffernüsse, 250g Nüsse, 50g Schokolade, 250g Äpfel, 250g Apfelsinen, 1 Packung Keks, 4 Rollmopse, 1 Weihnachtsstollen, 20 Zigaretten 1/4l Branntwein. Da bist Du wohl leicht erschüttert, was? Ja, wenn wir das alles bekommen, dann ist es ja gut. Die Getränke sind zwar etwas knapp. Vielleicht erhalten wir von anderer Seite noch einen kleinen Zuschuss. Dann erwarte ich noch Deine Päckchen und das ist doch auch keine Kleinigkeit, soviel ich Dich kenne.  ein weiteres Missverständnis liegt darin vor, daß Du der Meinung gewesen bist, ich hätte einen Katalog. Das ist so zu verstehen, daß ich ihn hier bei einem Briefmarkenhändler einsehen kann, das läßt sich daher nur mit einigen Schwierigkeiten bewerkstelligen, daß ich ihn Dir hinschicke. Ich müsste den Inhaber einmal eine Weile rausschicken und dann fortgehen. Vielleicht merkt er es nicht. Ja, man kann es nicht wissen. Ich hätte ja auch schon folgendes vorgeschlagen, daß Du den einen Katalog zertrennst und mir die entsprechenden Anweisungen einträgst. Vorerst warte erst noch zu, bis ich Dir endgültigen Bescheid gebe.
Das finde ich ganz in Ordnung, daß Du unseren Herrn Sohn hast einmal aufsitzen lassen. Wenn er merkt, daß Du ihn einmal auf die Gefahr hin, daß er zu spät in die Schule kommt, machen läßt wie er es für richtig findet, dann wird er schon selbst auf den richtigen Trichter kommen.
Die Lebensmittelzuteilungen, die Ihr anstelle der ausgefallenen Kartoffellieferung erhaltet, ist insofern ganz erfreulich, weil man doch nicht damit gerechnet hat. Es ist nicht die Masse, aber man nimmt es gern mit. 
Unseren Burschen möchte ich schon ganz gern einmal in seinem Aufzug sehen. Das muß ja auch eine ganz wirkungsvolle Bekleidung sein. Der Trainingsanzug, die Skimütze, der Gürtel und dazu ein Dolch und noch ein Fernglas. Ich kann mir denken, daß das sehr kriegerisch wirkt. In diesem Alter haben Jungens ja eine  rege Phantasie. Daß die Sachen nach solch anstrengendem Dienst nicht mehr sauber sind, das unterliegt ja keinem Zweifel. Und unser Äffchen, wie Du schreibst, gefällt sich in anderen Sachen. Daß es ihr Spaß macht mit meinem Rad zu fahren, weil es andere nicht haben und weil dann die Leute hinsehen, das entspricht ihrem Geltungsbedürfnis, das ich an ihr schon kenne. In der Form, wie es bei ihr ausgeprägt ist, ist es ja  zu ertragen. Ich glaube, daß man da nicht weiter zügeln muß. Der Wärmestein oder die Flasche wäre auch bei mir jetzt nicht übel. Die Witterung ist nicht kalt, das kann man nicht sagen. Doch nachdem den ganzen Tag über nicht geheizt wird und man nun die ganze Zeit in der Bude hockt ohne Bewegung, dann freut man sich, wenn man wenigstens etwas Warmes hat. Ich kann Dir sagen, daß ich unter diesen Umständen froh bin, daß ich den Schlafsack hier habe. So werde ich wenigstens des nachts warm und kann mich ordentlich ausschlafen und ausruhen. Wenn man am Tage laufen kann, dann lässt es sich schon ganz gut aushalten, denn dazu ist das Wetter wirklich passend. Doch lasse es für heute wieder gut sein. Ich gebe Dir im Geiste recht herzliche Küsse und viele Grüße füge ich hinzu Dein Ernst.

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Brief 494 vom 4./6.12.1943


Mein liebster Schatz!                                                                               4.12.43  
 
Auch diese Woche ist nun wieder abgerollt. In 3 Wochen ist schon Weihnachten und bald fangen dann die Tage an länger zu werden. Wie ich Dir schon einmal mitteilte, merkt man hier in diesem Land nicht, daß es stramm auf Weihnachten zugeht. Wenn nicht, wie am vergangenen Sonntag, im Offiziersheim etwas Adventsstimmung geschaffen würde, dann gingen diese Tage vorüber wie jeder andere Tag auch.  In einer Beziehung ist es ja ganz gut, wenn man nicht allzu viel von der Vorweihnachtszeit merkt, denn in diesen zwei Feiertagen kommt es einem dann doch wieder stark genug zum Bewusstsein, daß man allein ist. Es ist eben immer etwas eigenes und normalerweise gehört man mit seiner Familie zusammen. Doch alles Hadern mit dem Schicksal hilft dabei nichts, es muß durchgestanden werden. _ Ich wollte Dich schon immer einmal danach fragen, ich vergaß es nur immer wieder. Kannst Du eigentlich den Gürtel verwenden und passt er überhaupt, den ich Dir in München kaufte? Du hast nie etwas darüber verlauten lassen.
Post habe ich heute von Dir auch nicht erhalten. Außer einigen Zeitungen, die von Deinem Vater angekommen sind, traf nichts weiter ein. Nun hoffe ich wieder auf morgen. Das wäre zum Sonntag recht schön, wenn ich von Dir Post bekommen würde.
Gerade höre ich, daß in der vergangenen Nacht Leipzig angegriffen worden sei. Ich bin nun etwas in Unruhe, weil man nicht weiß, wie stark sich das ausgewirkt hat. Heute nacht will einer der Kameraden , der von Leipzig ist, anrufen, vielleicht werde ich dann morgen schon Näheres erfahren. Ich denken mir, daß Siegfried und selbstverständlich auch Du, Ihr werdet Euch Gedanken machen, was sich nun ereignet hat.
Ich hatte wieder einmal eine günstige Gelegenheit gehabt, für Euch Korinthen zu erstehen. Ich werde sie mit verpacken und Dir dann zugehen lassen. Wenn Du ab und zu Einkehrgäste hast, dann mußt Du ja Deine Vorräte auch einmal auffrischen. Wenn ich mich recht erinnere, sind Korinthen im allgemeinen besser zum Backen. Doch das weißt Du ja wohl besser. Sie sind wohl nicht ganz so sauber wie Rosinen, aber Du siehst sie Dir doch gleich durch, wenn Du sie auspackst. Vielleicht verwendest Du sie auch eher als die anderen Sachen. Ich weiß ja nicht, ob die Ankündigungen, die in der Zeitung immer stehen, auch stimmen. Ich füge sie Dir am besten mit bei, dann kannst Du es selbst lesen. Das sind nach meiner Ansicht mehr oder weniger billige Reklametricks, denn sonst müssten ja Deine Vorräte auch schon längst verdorben sein.
Ich hatte immer vergessen, Dir den einen Zeitungsausschnitt, den ich Dir schon einmal angekündigt hatte, beizufügen. Diesmal will ich es aber nachholen.
Jetzt bin ich tatsächlich wieder einmal am Ende meiner Erkenntnisse. Ich bitte Dich darum, für heute mein Schreiben beschließen zu können. Mit recht vielen lieben Grüßen an Dich und die Kinder bin ich wie immer Dein Ernst.

 Mein liebster Schatz!                                                                          6.12.43
           
Gestern zum Sonntag habe ich einmal nicht geschrieben. Post war keine angekommen. Es gab für mich also nicht zu beantworten. Wichtiges hatte ich nicht zu berichten und sonst fiel mir auch nichts Schlaues ein. Doch heute muß ich wohl schon schreiben, weil es dann passiert, daß Du tagelang ohne Post bist. Aber ich kann Dir ja etwas vom Ablauf meines Sonntags erzählen. Das ist ja auch etwas. Ich habe ja bis jetzt noch keine Briefe erhalten, so daß ich auf nichts eingehen kann. 
Für unsere Helga war der große Tag, Ich habe oft an Euch gedacht, daß Ihr bei der Vorstellung gewesen sei. Ich werde ja von Euch hören, wie sie sich dabei gehalten hat. Ich kann mir denken, daß sie froh ist, daß das nun wieder überstanden ist. Sie hat ja einen gewissen Stolz, daß sie auf die Bühne darf und den Leuten etwas vorspielen kann. Das sind so kleine Eitelkeiten, die Ihr eigen sind. Ich denke dabei daran, wie sie es gern sah, wenn im Bad die anderen Leute auf sie sahen, wenn sie ins Wasser sprang. Ein klein wenig Ehrgeiz kann bestimmt nichts schaden. Unser Herr Sohn könnte davon auch etwas vertragen, denn bis jetzt ist er durch solche Sachen nicht zu fesseln,. Wenn man nur wüsste, wo man ihn in dieser Beziehung packen kann, dann wären wir in mancher Hinsicht ein Stück weiter mit ihm vorwärts. Ich meine, daß er ja gut lernt und soviel ich sehe, gerade in der Schule keine Schwierigkeiten weiter hat.  Aber wenn er etwas mehr Ehrgeiz hätte, dann wäre er manchmal leichter zu lenken.  Froh wollen wir sein, daß sie beide gesund sind. Na, darüber brauchen wir uns bei ihm ja auch nicht beklagen, daß er etwa nicht jungenhaft wäre. Das äußert sich ja ohne viel Umstände für ihn manchmal recht rüpelhaft.
Jetzt nun weiter vom gestrigen Tag,.  Am Nachmittag war ich im Stadion und auf einem daneben liegenden Berg. Die Sonne schien so herrlich, daß ich mich dort eine ganze Weile hingesetzt habe. Das war ganz angenehm, denn die Witterung ist im allgemeinen etwas kühl geworden. Es ist zwar immer noch zum Aushalten, aber unangenehm ist dabei, daß nirgends geheizt ist. Wenn man dann den ganzen Tag im Zimmer sitzt, dann ist das doch spürbar. Anschließend bin ich dann durch die Anlagen gelaufen, die ich mir einmal gründlich angesehen habe. Da es ja jetzt bald dunkel wird, so habe ich mich nur bis gegen ½ 5 Uhr dort aufhalten können, weil dann geschlossen wird. Aber die reifen Apfelsinen, die an den Bäumen hängen, hatten mich die ganze Zeit gereizt. Ich habe bei uns schon Äpfel oder sonstiges Obst stibitzt, aber Orangen noch nicht. Diese Gelegenheit , die ja erst Diebe machen soll, habe ich benutzt und habe mir eine gepflückt. Ich habe nun die Absicht, sie auch mit meinem nächsten Päckchen zuzusenden. Gesetzt den Fall, daß Ihr Euch getraut, eine Apfelsine aus einem königlichen Park zu essen. Ich mache mir deshalb keine Gewissensbisse, denn da hängen noch soviel, daß es da auf einige wenige nicht ankommt. Dann hatte ich mich später mit meinem Arbeitskameraden ins Offiziersheim verabredet. Wir haben dort unseren Kuchen eingenommen, den es dort ab und zu gibt. Er war diesmal nicht so überzeugend im Geschmack, aber schließlich, wenn man Hunger hat, dann macht man ja auch keine Umstände. Später sind wir ins Kino gegangen und nach dem Kino hatten wir uns noch eine Flasche Bier reservieren lassen. Das wäre so mein Tagesprogramm von gestern gewesen. Als gute Hausfrau interessieren Dich ja immer noch Rezepte. Kohlrouladen wurden bei uns doch nie verschmäht. Man braucht dazu ja Fleisch, was in Friedenszeiten kein Problem weiter ist. Ich habe nun gestern feststellen können, daß man dem auf einfache Weise bequem Abhelfen kann. Weißt Du wie? Ja, da mußt Du schon einmal raten. Statt Fleisch nimmst Du einfach Graupen und füllst sie zwischen die Kohlblätter. Der Erfolg ist verblüffend. Ich bin gewillt, in Zukunft auf alle Kohlrouladen  zu verzichten, wenn ich noch mehr von dieser Sorte essen muß. Ich komme gestern in das Hotel. Dort steh angeschlagen, Krautrouladen als zusätzliche Verpflegung. Dem Preis nach hätte es immerhin etwas sein können.  Du kannst Dir unser Überraschung vorstellen, als wir diese Dinger vorgesetzt bekamen. So kann man auf den Leim gehen.
Jetzt bekam ich gerade Deinen Brief vom 26./27.11., über den ich mich herzlich gefreut habe. Vielen Dank dafür. Gleichzeitig trag auf meine Anfrage in Neusalza eine Antwort ein. Ich bin erstaunt, was für Daten Dein Vater zusammengetragen hat. Ich glaube, das hat er einfach so hingeschrieben, ohne überhaupt etwas davon in der Hand zu haben. Ich will jetzt versuchen, diese Sachen einmal ins reine zu bringen, soweit die Unterlagen erreichbar sind, dürfte das keine Schwierigkeiten bereiten. Du wirst dich wundern, was alles dabei herauskommt.  Hast Du unser liebes altes Amselhain noch in Erinnerung? Von dort soll der Johann David Jubisch stammen. Findest Du das nicht eigenartig? Ich will das aber noch genau feststellen. Doch nun zu Deinem lieben Brief, der mir wieder wehr gefallen hat. Mit den Schilderungen von den Kindern, die Du ja nicht jeden Tag auftischen mußt, kommt doch etwas mehr Frische in unseren ganzen Briefwechsel. Es sind doch zwei liebe Schlawiner, unsere beiden Lauser. Ich habe immer wieder das Empfinden, daß es ja gerade das ist, was uns an ihnen immer richtig scheint, daß sie lebhaft und keine Duckmäuser sind. Aber über die mitgesandte Vergrößerung von uns Beiden habe ich mich mächtig gefreut. Ist das nicht ein Wunder, wie wir so einträchtig den Beschauer ansehen? Wir sind doch sonst nicht so. Wenn wir uns in den Briefen schon so fuchsen, wie dann erst , wenn wir beieinander sind. Das muß aber auch so sein, denn das braucht doch nicht jeder zu wissen. Bist Du etwa anderer Meinung?
Daß das Päckchen Nr. 42 noch nicht angekommen ist, ist ja sehr schade, aber man muß sich damit abfinden, denn trotz der hohen und schweren Strafe, die darauf steht, wird noch nund noch geklaut. Ich sage ja immer, daß ich immer erst richtig froh bin, wenn ich die Ankunft meiner Sendungen von Dir bestätigt erhalte. Ich habe heute wieder vier Päckchen an Dich abgesandt. Die Nummern lauten 16/19. In einem ist Brot und in den anderen drei Päckchen befinden sich Korinthen und Zigaretten. Ich habe die Sendungen deshalb nummeriert, weil ich befürchten muß, daß man es auf Zigaretten abgesehen hat, denn die wiegen ja ziemlich leicht, obwohl das Volumen im Verhältnis recht groß ist. Die Korinthen muß Du gleich auseinander tun, denn die sind nicht ganz so sauber wie es mir schien. Ich habe ja keine Übersicht, wie viel Du jetzt von diesen Sachen daheim hast. Wenn Du meinst, daß es sich verantworten läßt, dann kannst du ja Erna von den blauen Kartons einen zuschicken. Ebenfalls an Deinen Vater kannst Du einen absenden, wenn du selbst genügend Vorrat hast. Aber wie gesagt, das überlasse ich ganz Deinem Ermessen. Du weißt ja, wie schwer diese Sachen immer zu bekommen sind, und daß ich froh bin, wenn ich für Euch wieder etwas ergattert habe.
Vorhin habe ich noch nach Bautzen, Böhmisch Kamnitz, Amelshain und nach Neusalza geschrieben, um die Familienforschung weiter zu treiben. Ich werde ja sehen, was ich für Auskunft noch erhalte. Wie Du siehst, ergibt sich immer wieder etwas Neues. So bleibt doch wenigstens alles im Fluss.
Ich schließe mein heutiges Schreiben wie immer mit besten und herzlichen Grüßen an Euch Drei. Viele liebe Küsse füge ich dazu und bin Dein Ernst.

Brief 493 vom 02./03.12.1943


Mein liebstes Mädel!                                                                          2.12.43     
   
Nun ist schon der vierte Tag, an dem ich keine Post von Dir erhalten habe. Heute war zwar auch kein ordentlicher Posttag, denn es ist erst Freitag. Hoffe ich also wieder auf morgen. Ich habe heute einmal eine Sache erledigt, die mir schon lange auf der Seele gelegen ist, das ist das Schreiben an die Bausparkasse. Es handelt sich dabei in dieser Beziehung um die Lebensversicherung. Ich kann mir nicht erklären, ob das richtig ist, was die uns in ihrem Schreiben vorerzählen. Jedenfalls liegt mir daran, schwarz auf weiß zu sehen, auf welche Bestimmung sich diese Ansicht stützt, die doch im Vertrag irgendwie festgelegt werden müsste. Wenn ich auch an sich Wert darauf legen würde, daß bei einer evtl. Übertragung des Bausparvertrags auf meinen Namen die Lebensversicherung ebenfalls für mich aufrecht erhalten würde, so bleibt doch zu überlegen, ob das unter den angeführten Umständen überhaupt Zweck hat,. Denn was nutzt schließlich eine Lebensversicherung und die Familie bekommt nichts, wenn einem tatsächlich einmal etwas zustößt. Das ist ja schließlich der Sinn der Sache. Ich weiß, daß die Lebensversicherungen sich darauf umgestellt haben, ihren Versicherungsschutz auch dann antreten zu lassen, wenn dem Betreffenden im Kriege etwas passiert. Ich denke, daß Du die Sache einmal mit Vater besprichst in dem Sinne, wie ich es meine. Wenn der Fall mit der Versicherung geklärt ist, dann wäre ja Vater nicht einbegriffen. Ich dachte mir, daß ich von ihm die Zustimmung erlange, daß der ganze Bausparvertrag auf meinen Namen übertragen wird. Wir könnte ja in einer privaten Abmachung festlegen, daß ihm selbstverständlich die Hälfte zusteht. Mit ist es nur darum zu tun, daß die Bausparkasse nicht aus diesem Vertrag allein den Nutzen zieht, sondern wir, die wir das Geld zahlen. Ich bin auch gern bereit, die monatliche Prämie zu bezahlen, wenn Vater nicht mehr weiter bezahlen will. Wenn Du aber mit ihm nicht darüber reden willst, so teile mir das nur mit, dann werd ich ihm das schriftlich auseinandersetzen, was zwar etwas komplizierter geht. Ich denke aber, dass ich mich Dir gegenüber verständlich ausgedrückt habe. Auf jeden Fall lässt Du erst einmal das Schreiben so abgehen. Den einen Durchschlag habe ich für Euch gedacht. Ich habe für mich auch einen hier.  Zu Deiner Bedienung lege ich wieder zwei Paketmarken bei, die ich noch außer der Reihe gekommen habe. Für mich haben sie ja keine Bedeutung. Gestern und heute kamen Zeitungen von Dir sowie von Deinem Vater an. Ich muß sagen, daß ich damit ziemlich eingedeckt worden bin. Ich muß jetzt tatsächlich einmal aussortieren, was ich schon gelesen habe und was ich noch lesen muß. Zu allem Überfluss kommt nun noch die Leipziger Tageszeitung von Deinem Vater an, die mir wirklich nicht viel Neues bieten kann. Die wenigen Notizen, die von Leipzig selbst drinstehen, die haben doch nicht für mich mehr die Bedeutung. Zudem erhalte ich ja hier eine Tageszeitung, so daß ich über die laufenden Dinge dauernd unterrichtet bin. Ich habe das ja Deinem Vater auch in meinem letzten Brief mitgeteilt.  An Dich habe ich heute wieder ein Heft abgehen lassen, sowie ein Sammelsurium von anderen Dingen, die ich hier nicht verwenden kann. Mit diesem Brief sende ich nun den vorletzten Schnitt der Bilder von München mit, dann hast Du sie also bald alle wieder in Besitz. Ich hatte mich sehr darüber gefreut und danke Dir hiermit nochmals für die Übersendung.
Lasse mich mein heutiges Schreiben wieder abschließen mit recht herzlichen und lieben grüßen und Küssen an Euch alle. Dein Ernst.

Meine liebe Annie!                                                                               3.12.43   
    
Gespannt bin ich, ob ich heute Post erhalten werde. Ich will Dir aber vorher noch etwas schreiben, was vom Posteingang unabhängig ist. Ich habe doch noch einige hundert Zigaretten daheim, für die ich jetzt ganz nützliche Verwendung hätte. Ich habe mich gestern mit einem Kameraden besprochen, der mir hier immer Wurst oder Käse und andere Sachen  ab und zu zukommen lässt. Der fährt in den nächsten Tagen in Urlaub und will daheim regeln, daß Du für diese Zigaretten irgendwelche Lebensmittel erhältst. Ich bitte Dich darum, tritt jetzt einmal etwas kurz mit der Übersendung von Zigaretten an Deinen Vater. Wann und wie viel Du abschicken musst, das schreibe ich Dir dann zu gegebener Zeit. Sage einmal, wie sieht denn unser Kinderwagen aus, den könnten wir auf diese Weise und bei dieser Gelegenheit loswerden. Unten die eine Feder war doch gebrochen. Aber sonst ist er doch noch ganz brauchbar. Das ist noch nicht positiv, aber im Wege steht er uns ja schon die ganze Jahre.  Schreibe mir bitte auch darüber, was Du denkst.
Ich hatte dieser Tage einmal die Gelegenheit, Esskastanien zu bekommen. Früher konnte man sie bei uns daheim auch kaufen.  Ich weiß nicht, ob sie jetzt noch angeboten werden. Wenn ja, dann würde ich Dir einmal empfehlen, sie zu probieren. Wenn sie heiß sind, dann schmecken sie ganz ordentlich. Wenn Du roh welche bekommst, dann musst Du sie daheim auf die große Herdplatte legen und dann rösten lassen, bis sie aufplatzen oder bis die Schale dunkel wird. Unsere Kinder sind ja in Bezug auf solche Dinge immer recht heikel. Aber was soll ich mich erst des langen darüber verbreiten, wenn Ihr doch diese dort nicht mehr erhaltet.  Heute mache ich wieder ein Päckchen für Dich fertig mit getrocknetem Brot und ein weiteres in dem ich Käse in Tuben, einige Zwiebeln für Vater und noch ein Päckchen Maismehl verpackt habe. die beiden Päckchen haben die Nummern 15 und 16.
Ich habe mir vorhin das Antwortschreiben des Pfarramtes von Bautzen nochmals genau angesehen. Ich hatte es erst flüchtig gelesen. Nun muß ich feststellen, daß mir von dort geschrieben wird, daß die Louise Mirsch, die am 28.5.1805 in Bautzen geboren sein soll, in den Kirchenbüchern nicht aufzufinden ist. Sieh doch bitte einmal nach, wo wir diese Angaben haben. Es kann sein, daß sie noch aus den Aufzeichnungen vom Kurt Michel stammen, es ist aber auch möglich, daß sie von Deinem Vater stammen. Bevor ich in dieser Sache weitermache, will ich erst einmal Deine Antwort abwarten. In meinem nächsten Schreiben an Deinen Vater werde ich dort mit darauf zurückkommen. 
Vorhin habe ich nun wieder einen Brief von Dir bekommen. Es ist Dein Schreiben vom 28.11., das ich wieder dankbar entgegennehme. Die anderen Briefe vom 26. und 27. fehlen jetzt noch. Ich denke aber, dass sie auch bald ankommen werden. Es kam dann auch noch die Anfrage des Wehrmeldeamts in Konstanz über mich. Es handelt sich um die Vervollständigung der Unterlagen, die dort über mich gefertigt werden.
Wie ich aus Deinem Brief sehe, bist Du anscheinend auch wieder eine ganze Zeit ohne Nachricht von mir. Das ist dumm, daß man nicht genau weiß, wann die Flugpost weggeht, denn dann brauchte man die Briefe dort mitzugeben. Es liegt wohl aber auch an der Beförderung daheim. Übermorgen ist nun der Theatertag unserer Helga. Da wird sie heute und morgen noch in Spannung sein. Es ist schon gut, wenn sie dann ihren geregelten Tagesablauf hat, denn sie muß ja in der Schule auch lernen. Theaterspielen ist ganz schön, aber die ewigen Proben und das viele Laufen vorher stellt doch ziemliche Anforderungen an solch ein Mädel.
Das Gedränge auf der Messe an den wenigen Ständen kann ich mir vorstellen. Im allgemeinen werden gerade Spielwaren nicht angeboten und wenn sich dann solch eine Bude zeigt, dann wird sie gestürmt. Ich kenne ja die Konstanzer. Ich erinnere mich nur an den einen Kinobesuch während meines Urlaubs. Dann hast Du mir ja kürzlich auch wieder von einem derartigen Erlebnis berichtet. Man sieht aber auch, was eine Mutter für ihre Kinder alles macht. Ich meine, mit welcher Todesverachtung Du Di in das Gedränge gestürzt hast. Unsere Beiden werden glücklich  gewesen sein, als sie Dich heil und ganz mit Deinen Errungenschaften wieder auftauchen sahen.
Die Aussprüche der Kinder geben manchmal schon Veranlassung zum Lachen. Die Ausdrücke, wie sie nun einmal im ?  deutsch erscheinen, weichen vom normalen ab, so daß ein Kind schon fragen kann, ob sie die Hochburg erst gebaut hätten,.  Aber sie wissen, wie man sich auf geschickte Art und Weise an etwas heranmachen kann, was unter normalen Umständen nicht immer so leicht erreichbar wäre. Nachdem Du den ?  Gästen die Rosinen verabfolgt hast, war doch das gewollte Ziel erreicht. Ja, es sind schon Schlauberger.
Unser Oberlauser ist doch manchmal ein ziemlicher Querkopf. Es ist schon gut, wenn Du ihn immer wieder in die Schranken zurückweist. 
Lasse mich mit herzlichen Grüßen und vielen Küssen an Dich und die Kinder schließen. Bleibt gesund und denkt an Euer Vaterle.