Samstag, 22. September 2018

Brief 455 vom 12./13.09.1943


Meine liebe Annie!                                                                                        12.9.43

 Jetzt kann es ja nicht mehr lange dauern, bis ich von Dir Post erhalte. Ich freue mich schon sehr darauf, denn es ist einem doch erst wieder wohler, wenn man die Verbindung mit zuhause wieder hat. Auf die Dauer gesehen, ist es nicht immer leicht, so tagtäglich aus dem Gedächtnis zu schreiben, ohne daß einem ein Anstoß oder eine Anregung gegeben wird. Ich will Dir nichts vorlamentieren, denn dazu habe ich keine Veranlassung und mir fehlt ja sonst nichts.
Hast Du schon einmal etwas von Balkonhühnern gehört? Das glaube ich nicht. Ich habe sie schon gesehen. Das erste Mal sah ich sie in Charkow. Auf einem Balkon hielten sich die Besitzer der dazugehörigen Wohnung ein Huhn. Damit es ihnen nicht wegfliegt oder nicht vom Balkon herunterfällt, hat man ihnen ein Bindfaden an den Fuß gebunden. Ich habe das nirgends wiedergesehen. Ich dachte, daß diese Erscheinung einmalig sei. Als ich nach Belgrad kam, konnte ich auf den verschiedenen Balkons Balkonhühner wieder sehen. Diese Bezeichnung stammt von mir, ist aber vollkommen zutreffend. Entsprechend dem Aktionsradius des Bindfadens können sich diese Tiere nun bewegen. Futter bekommen sie wohl, aber sonst führen diese Viecher wirklich ein Dasein, daß für diese Tiere bestimmt nicht beneidenswert ist. Das schönste ist, daß sie auch noch Eier legen sollen. Da sieht man aber, auf welche Ideen die Leute verfallen, wenn ihnen die Lebensmittel zugemessen werden. Auf jedem nur freien Platz haben sich die Leute dort Hühner gehalten. Auf dem Platz beim Parlament habe ich Leute beobachtet, die ihre Hühner dort grasen und scharren lassen. Abends kommen sie und packen sie ein. Am anderen Morgen werden sie auf ihre Weide geführt. Es macht schon einen drolligen Eindruck. Aber die ganze Hühnerhaltung führt nun dazu, daß man, wenn man, wie ich, auf die Zeit achten muß und dadurch leicht schläft, daß diese Biester störend wirken. Früh um 4 Uhr kräht der erste und das geht dann solange, bis man aufsteht. Ich kann nicht sagen, daß ich besonders nervös sei, aber wenn man sich noch nicht daran gewöhnt hat, dann kann einem das schon auf die Nerven fallen. Aber nicht nur Hühner, sondern auch für die Ernährung andere nützliche Viecher halten sich die Leute. Im Balkon hat das Schwein wegen seiner Genügsamkeit und seiner Nützlichkeit eine ganz besondere Bedeutung. Jeder der irgendeinen Platz hat und es irgendwie machen kann, der hält sich ein Schwein. Zur Verbesserung seiner Ernährung ist das äußerst wichtig. Leute, die es früher nicht nötig gehabt haben, sich mit der Schweinefütterung zu befassen, widmen sich ihr. So tritt durch die Kriegsverhältnisse manche Änderung ein, an die manche Leute früher nicht gedacht haben.
Heute Nachmittag war ich beim baden. Das war mein Sonntagsvergnügen. Das schöne Sonnenwetter muß man ausnutzen, den der Winter ist dann wieder so lang. Ich hatte mir etwas zu lesen mitgenommen. Am Vormittag hatte ich mir Pflaumen gekauft, um mir den Sonntag auch etwas schmackhaft zu machen. Ich kann ja noch zufrieden sein, daß ich mir das hier so einrichten kann. Was man hier im Winter an solchen Tagen anstellt, das könnte ich mir noch nicht vorstellen. Es bleibt einem dann weiter nichts übrig, als die ganze Zeit zu lesen. Aber dafür ist noch nicht der Zeitpunkt gekommen, daß ich mir darüber Gedanken mache, denn alles zu seiner Zeit.
Hast du das Geld schon an Finnessen nach Posen geschickt? Wenn Dir die Adresse nicht mehr geläufig ist, dann schreibe ich sie Dir hiermit noch auf. Erika Finnessen, Posen, Friedensstraße 19, Wohnung 6. Das Geld mußt Du deshalb an die Frau senden, weil er selbst ja nicht daheim ist und das Geld womöglich wieder zurückkäme. Der Betrag lautet über 15,-RM. Weiteres habe ich heute nicht zu erledigen. Das genügt ja nun auch, was ich wieder von Dir alles verlangt habe. 
Nimm viele liebe Küsse entgegen und sei recht herzlich gegrüßt von Deinem Ernst.

  Mein liebes, gutes Mädel !                                                                         13.9.43 
        
Wenn ich Dir in der Pause, in der für mich keine Briefe ankommen, schreiben will, so muß ich mir jedesmal die Frage vorlegen, von was ich Dir dann eigentlich berichten soll. Recht gleichmäßig wickelt sich für mich das Leben hier ab.  Den Stundenplan ließ ich Dir ja schon zugehen. Mit ziemlicher Gleichmäßigkeit und ohne große Unterbrechung läuft dieses Leben hier nun Tag für Tag ab. Über die Mittagszeit werfe ich mich in die Schwemme, denn das Wetter ist immer noch gleichbleibend schön. Übermäßig ist der Besuch des Bades nicht. Unterhaltsam ist hier, daß verschiedene schwimmfähige Gegenstände sich im Wasser befinden. Unter anderem ist ein großer Holzdeckel von 1 ½ m Durchmesser. Auf den kann man sich legen, der trägt eine höchstens zwei Personen. Wie das nun bei Männern ist, so fängt man meistens gleich an, Unfug zu machen. Liegt man ganz friedlich darauf und lässt sich sonnen, dann kommt nach einiger Zeit einer und versucht, für sich auch noch einen Platz zu ergattern. Lässt man ihn friedlich darauf, und er zeigt sich auch friedlich, dann fängt man schon selbst an, ihn wieder loszubekommen. Bei einiger Gewichtsverlagerung kommt der Friedfertige bestimmt mit dem Kopf unter Wasser. Damit fängt es dann meist an. Es kann aber auch passieren, daß man von hinten ins Wasser gezogen wird. Dann fängt der Kampf eben auch an. Jeder versucht nun, seinen Platz zu behaupten, was sehr abwechslungsreich ist.
Als ich hier mein Gepäck von der Bahn in mein Quartier besorgte, da bekam ich den Fiaker der Kommandantur zugewiesen. Ich fuhr also damit zum Bahnhof. Der Wagen ist bespannt mit zwei Pferden. Dann hat er Gummibereifung. Fährt man nun durch den Ort, dann grüßen die Soldaten und auch die Leute ziehen den Hut. Als ich so das Pferdegetrappel hörte, mußte ich unwillkürlich an meine Kindheit denken. Wenn ich in Dessau zu Besuch war, dann hörten wir abends oft die Kutsche vom Großherzog durch die abendliche Straße fahren. Das Pferdegetrappel und die gummibereiften Räder ließen das immer erkennen. Wir machten uns dann als Kinder den Spaß und klatschten dann mit unseren Händen den Takt auf unseren Schenkeln mit, wenn wir im Bett lagen. Wenn es dann klappte, dann war uns das eine große Freude, kam der andere aus dem Takt, dann wurde er ausgelacht. Dieses Experiment wurde dann aber auch sonst geübt, wenn es uns einfiel. Durch solche Anregungen kommen einem dann die Erinnerungen an diese Dinge wieder.
Von den hiesigen Preisen habe ich schon einmal andeutungsweise geschrieben. Über alle die Länder, über die der Krieg hinweggegangen ist, hat sich das Bild wesentlich geändert gegenüber den Friedensjahren. Meist war es so, daß das Lohnniveau im Verhältnis zu den Preisen entsprechend war. Dadurch, daß die Soldaten Geld mit in das Land bringen und umsetzen, ändert sich das Bild zusehends. Die Soldaten fragen nicht nach dem Geld und geben es aus so wie sie es bekommen. Sie zahlen anstandslos das, was die Leute verlangen, und meistens sagen sie noch dazu, daß es billig sei. Das sind alles Momente, die mit preisbestimmend sind. Selbstverständlich spielt die Bewirtschaftung eine große Rolle und der damit verbundene Schwarzhandel, der diesen Preissteigerungen Tür und tor öffnet. Ich konnte in Belgrad eine Handtasche sehen, die Du hast. Die erste Überraschung erlebte ich, als ich in eine Wirtschaft ging und mir dort einen Wermutwein geben ließ. Ich verlangte die Rechnung und mußte 3,30 RM bezahlen. Ich war froh, daß ich nicht zwei verlangt hatte, denn das ist eine doch zu kostspielige Sache.  Recht schöne Grüße sende ich Dir für heute wieder und bin mit vielen Küssen wie immer Dein Ernst.

Brief 454 vom 10./11.09.1943


Meine liebste Frau !                                                                           10.9.43      
  
Wie es sich einmal nicht anderes einrichten läßt, so muß ich auf Post von Dir warten. Es ist ja schon sehr oft so gewesen, daß man meinen konnte, daß man sich daran gewöhnt hätte. Aber immer wieder fängt man an mit den Tagen an zu rechnen, wie lange es wohl noch dauern kann, bis die erste Nachricht von daheim eintrifft,. Die ersten Tage geht das ganz gut, denn dann weiß man ja, daß ein Bescheid noch nicht eintreffen kann. Je näher aber der Termin der mutmaßlichen Postankunft rückt, umso kribbliger wird man. Jetzt besonders nach dem Urlaub und den Tagen des Zusammenseins wäre mir eine Nachricht von daheim doppelt lieb. Aber es lässt sich nicht erzwingen und daher muß ich mich bescheiden, bis Deine ersten Briefe eintreffen.
Von meiner Fahrt bis nach Belgrad hatte ich Dir schon geschrieben, auch von den Eindrücken, die ich dort hatte. Daß ich mit meiner Weiterfahrt Pech hatte, weiß Du auch. Ich hatte dann gleich mein Gepäck versorgt. um dann am anderen Morgen ungehindert reisen zu können. Das ging dann auch ganz gut, denn ich hatte nur meinen Waschbeutel und den Schlafsack und die Gasmaske, die mir von der Aufbewahrung nicht angenommen wurde. Für die ersten Stationen war der Zug sehr besetzt. Nach und nach leerte es sich und bei der Umsteigestation, da hatten wir ganz schön Platz.  Das Wetter war ziemlich warm geworden. Die Tage vorher hatte es immer etwas geregnet. Aber auf den Feldern war es doch noch sehr trocken. Die Getreideernte ist ja nun schon eine zeitlang vorüber. Der Mais wurde abgeerntet, und die Leute sind auch teilweise dabei, die Kartoffeln zu roden. Die Landschaft ist ziemlich bergig und erinnert schon etwa an unsere Gegend. Teilweise sind die Hänge bewaldet und soweit keine Wiesenwirtschaft besteht, sind sie mit Obstbäumen oder Reben bepflanzt. Ich habe aber gefunden, daß die Abhänge sehr oft kahl sind, so daß darauf zu schließen ist, daß sie für die Bebauung nicht zu verwenden sind. Sonst gibt es aber allerhand Früchte, so daß man sich bei dem starken Angebot über die hohen Preise wundern muß. Ich hatte keine Verpflegung in Belgrad gefasst und dachte, bald nach dem Mittagessen an meinem Bestimmungsort zu sein. Dadurch, daß ein Zug ausfiel und der Anschluss erst am Abend möglich war, machte sich in meinem Magen ein Hungergefühl bemerkbar. Während der Fahrt wurden Trauben an den Bahnhöfen angeboten, das Gewicht stand nicht fest, nur die Preise. Es war eine große Traube, die kostete 40 Dinar = 2, RM. Als ich dann in den Ort ging, bekam ich dann 1 kg für 60 Dinar. Das war dann für die hiesigen Verhältnisse sehr preiswert, aber immerhin bedeutet das doch ein Kapital, was man dafür anlegen muß. Darüber hilft nicht einmal der Teuerungszuschlag hinweg, den wir hier erhalten. Es nimmt einem darum nicht wunder, wenn die Landser anfangen zu handeln und zwar entsprechend den hiesigen Preisen.
Ich habe wieder einen Badeplatz gefunden und von dort komme ich gerade her. Es ist für die Jahrezeit noch eine sehr warme Witterung und dazu ist das Wetter wirklich schön. Ich hatte gehört, daß hier ein Badebecken ist, das nur noch für die Wehrmachtsangehörigen da ist. Bei den kurzen Entfernungen hier am Ort hat man es ja bald geschafft. Es ist zwar keine überragende Angelegenheit, aber man freut sich. Ich hatte dazu ein nettes Buch zum Lesen, das ich hier in unserer Bücherei  fand. „Der liebe Augustin“ heißt es. Es ist der Roman vom Bodensee, so daß ich mich richtig unbeschwert fühlen konnte, denn der Kleider war ich ja ledig. Dabei konnte ich mich noch, angeregt durch das Buch, in die Tage des Urlaubs hinein träumen. Ich musste an unsere gemeinsamen Badetage denken und welche Freude wir dabei haben konnten. Speziell die letzten Tage, die wir im Bad zubrachten, waren doch recht lustig. Auch die Kinder bereiteten uns viel Freude während dieser Tage. Auch heute kann ich mich noch von der eingeheimsten Freude zehren. Wie fröhlich war es doch, als wir zum Balken hinausgeschwommen waren. Meist war unser Strolch als erster draußen oder die Helga. Er ließ es sich nicht nehmen, trotz des Bibberns oder Zitterns noch ein Stück zu schwimmen, wenn das Wasser etwas frischer war. Helga sprang unentwegt hinein und versuchte immer wieder ihren Startsprung, der ihr am Ende nicht schlecht gelang. Aber Du konntest bei einigermaßen annehmbarer Temperatur nicht mehr den Weg ans Ufer finden. So tauchen immer wieder die Erinnerungen an die so schön verbrachten Tage auf. Auch bei Euch wird wohl immer noch die Rede von dieser schönen Zeit sein.
Vor drei Tagen war hier Kino. Es lief der Film, den ich schon einmal gesehen hatte „Zwei in einer großen Stadt“. Ich hatte ihn mir noch einmal angesehen, weil er mir damals nicht schlecht gefiel. Heute läuft nun der Film „Harmonie“ Ich werde ihn mir ansehen, denn er wird wohl gut sein.  Im allgemeinen verlaufen hier die Tage ziemlich regelmäßig und bieten keine große Abwechslung. Es ist nur gut, daß wir eine umfangreiche Bücherei haben, die ich fleißig benutze. Wenn ich nichts weiter zu tun habe, dann lese ich bis 10 Uhr. Das, was ich noch an eigenen Heften habe, ist nicht mehr übermäßig viel, so daß ich mir das in Reserve halte, wenn ich dann die Gelegenheit habe, mir einige Sachen der Weltliteratur zu Gemüte zu führen, die ich noch nicht kenne, so nehme ich selbstverständlich diese Gelegenheit wahr.  Mit vieler Liebe denke in an Euch alle und grüße Euch recht herzlich. Auch an Vater wieder herzliche Grüße. Dich aber umarme ich und küsse Dich dabei recht oft, leider nur nicht persönlich. Dein Ernst.

Meine Liebste !                                                                                    11.9. 43   
        
Vor 3 Wochen war ich noch in Konstanz, vor 14 Tagen befand ich mich in München und wartete auf Dich, und vor einer Woche kam ich hier an, nachdem ich in Belgrad Gelegenheit hatte, über die Vergänglichkeit der schönen Tage nachzudenken. Ob ich noch in der nächsten Woche hier sitze, könnte fast fraglich sein, aber das überlasse ich dem Schicksal. Es ist ja doch zwecklos, sich Gedanken über eine Sache zu machen, die man nicht ändern kann. Am Samstag geht der Dienst hier bis 6 Uhr und morgen wird ja nur von 10 bis ½ 1 Uhr gearbeitet. Dadurch gibt es ja ziemlich Freizeit, die ich mit Lesen überbrücken werde. Der tägliche Schlaf kommt bei der „großen körperlichen Belastung“, die ich hier auszustehen habe, nicht zu kurz. Die Verpflegung ist hier ja nicht so, wie ich sie in letzter Zeit gewohnt war. Wir bekamen nun neulich einige Eier, die ich Dir restlos zugesandt habe. Auch die erste Butterzuteilung ließ ich Dir ganz zugehen. Gestern erhielten wir nochmals ein Quantum Butter, das ich nun zur Ergänzung meiner Verpflegung  verwende. Ich habe mir zwar Gedanken gemacht, daß ich das noch nicht an Euch abgesandt habe, aber zu meiner Beruhigung habe ich erfahren, daß wir nochmals welche bekommen sollen. Die erhältst Du dann wieder. Es würde mich interessieren, wie viel das gewesen ist, was ich Dir zuletzt gesandt habe, ich hoffe, daß das richtig in Deinen Besitz kommt.
Es fällt mir gerade ein, daß ich Dir wegen des Geldes noch eine Mitteilung geben wollte. Von dem Geld, das ich hinterlassen habe, bitte ich dich, wieder einmal 100,RM mit auf die Kasse zu tun. Auf welches Konto Du es legst, ist mir gleichgültig. Den Rest hebst Du auf, bis ich Dir wieder einmal Anweisung dazu gebe. Man kann ja nicht wissen, ob wir das Geld nicht noch einmal brauchen können. Die Uhren kannst Du wohl nun auch abholen. Ich bin gespannt, ob sie nun wieder laufen. Die eine Sportuhr, die ich mitgebracht hatte, kannst Du von mir aus tragen. Hoffentlich macht sie Dir Freude. Das Band muß etwas genäht werden, aber das ist ja keine Schwierigkeit für Dich. _ Und was mir außerdem auf dem Balkan aufgefallen ist, ist die Tatsache, daß wir vor dem Krieg einen ganz bedeutenden Export nach Jugoslawien gehabt haben müssen. Geht man an den Schaufenstern vorbei, so entdeckt man überall die Anpreisung von Waren, die ihren Ursprung in Deutschland haben. An erster Stelle sind die Medikamente zu nennen. Optische Erzeugnisse wie auch die Namen von Agfa usw. tauchen auf.  Aber man sieht auch alle möglichen anderen Sachen . Uhren von Junghans oder Kienzle werden angeboten, daneben gibt es Odol Zahnpasta und Mundwasser. Aber das war mir wieder ein Wink der Heimat. als ich ein Schild sah von Allweiler Pumpenfabrik Radolfzell. Es wären noch sehr viele zu nennen, die uns in Deutschland tagtäglich begegnen. Französisches Kapital war anscheinend stark investiert. Verschiedene Gebäude weisen schon aufgrund ihres Namens darauf hin. Ich habe aber auch hier schon gesehen, daß französisches Geld in der Wirtschaft steckte. Ein einziges Schild wies auf englische Artikel hin. Ich kann nur sagen, daß Deutschland am Import des Landes den größten Anteil gehabt haben muß. Daß die Einfuhr von Fertigwaren für ein Land, was als Agrarstaat aufgebaut ist, von nicht unerheblicher Bedeutung ist, das kann man hier sehr gut anhand dieser Beispiele feststellen. _ Über Mittag war ich wieder baden. Es war ganz schön. Es ist jedenfalls besser, wenn ich mich bei dieser passenden Witterung ins Freie lege, als daß ich mich zwei Stunden aufs Ohr lege. Man muß sich nur immer das nützlichere heraussuchen. Solange ich noch hier bin und das Wetter dazu angetan, werde ich dies immer so halten.
Recht viele und herzliche Grüße vom Wochenende sendet Dir und unseren lieben Kerlchen Dein immer an Euch denkender Ernst.

Brief 453 vom 08.09.1943


Mein liebstes Mädel !                                                                             8.9.43    
   
Mir schien es, als wären nun die Briefe an Siegfried und an Deinen Vater fällig. Ich habe sie mir gleich heute über die Mittagszeit vorgenommen. Die Durchschläge lege ich Dir wieder bei. Ich habe ja vor allem Wert daraufgelegt, daß meine neue Feldpostnummer bekannt wird und das ist ja damit geschehen. An meine alte Einheit hatte ich bereits vor einigen Tagen die neue Nummer aufgegeben. Falls dort Post eingegangen sein sollte, dann weiß man dort ja nun Bescheid. Von Dir werden ja noch einige Sachen dort angekommen sein, die ich ja auch gern hier hätte. An Nannie müßte ich in diesen Tagen auch schreiben, weil sie am 25. Geburtstag hat. Da habe ich noch eine Frage. Kannst Du mir mitteilen, wann Erna Geburtstag hat. Den Heiratstag habe ich mir wohl vorgemerkt, aber der Geburtstag ist mir nich geläufig. Ebenso der Geburtstag von der kleinen Ursula. Das waren wieder die Familienangelegenheiten, die aber auch einmal sein müssen.
Mit meinem Bericht von der Reise war ich wohl bis zu meiner Ankunft in Belgrad gekommen und auch darüber hatte ich schon geschrieben, wie ich untergebracht war. Ich hatte es dort ziemlich leicht mit der Verständigung, da die Frau sehr gut deutsch sprach. Ich war sehr verwundert, fand dort auch eine sehr umfangreiche Bücherei vor, aus der vor allem ersichtlich war, daß sie Bücher in einheimischer Sprache enthielten. Aber auch verschiedene Bücher in deutscher und einige in französischer Sprache. Wie ich dann hörte, stammten die Leute aus dem Banat, wo ja auch meines Wissens viel deutsch gesprochen wird. Das war natürlich sehr angenehm, wenn man mit der Verständigung wenig Schwierigkeiten hat. Das ist aber das erste Mal seit ich mich im Ausland herumtreibe, daß ich es so antreffe. Am Abend aß ich mit im Kasino. Die Dienststelle ist im Parlament untergebracht. Ich muß schon sagen, daß die Leute sich dort schon allein in diesen Zimmern wohlfühlen können. In den Gängen lagen Teppiche, da wird also niemand, wenn schon einmal einer über den Gang läuft, gestört. Außerdem hat jedes Zimmer Doppeltüren. Die einzelnen Herren leben dort eine beruhigte Zeit.  Ich glaube nicht, daß sie in der Heimat etwas mehr leisten müßten, wenn sie daheim wären. Die Anschauungen sind dort überhaupt etwas seltsam, über die ich mich manchmal wundern müßte. Als ich dann, nicht durch mein Verschulden, nicht an dem betreffenden Tag abreiste, da wollte man mich zwingen, daß ich noch am gleichen Tag wegfuhr und dann auf irgend so einem kleinen Kaff hier übernachtete, wo es keine Gelegenheit dazu gibt. Ich konnte das noch abbiegen und dadurch die Reise, wenigstens für hiesige Verhältnisse, normal antreten. Am Abend bin ich nach dem Essen nach hause. Als ich ins Freie kam, mußte ich zu meiner Verwunderung feststellen, daß die Straßen hell erleuchtet waren. Das war ein Bild wie im Frieden. Obwohl das bei uns ja auch noch ein Teil von diesem Friedensbegriff geblieben ist  Anmerkung: während des Kriegs war Konstanz-Stadt (linksrheinisch) nicht verdunkelt wegen der Grenze zur Schweiz; d.h. einfliegende Flugzeuge sollten nicht die Grenze ausmachen können  So habe ich noch einen kleinen Gang in die Stadt unternommen. Ich habe schon manchen Stadtbummel gesehen. In Konstanz auf der Kanzleistraße, in Leipzig auf der Petersstraße, in Lille auf der rue de Bethune, in Douai auf der rue Bellain, in Charkow auf Summskaja und in Mirgorod wie auch in Dnjepropetrowsk auf der Terasia. Überall war immer mächtiger Betrieb. Ich muß aber sagen, solch einen Aufmarsch von Menschen wie hier um die Abendzeit ist mir noch nicht vorgekommen. Das könnte ja an einem Tage eine Ausnahme sein. Dem war aber nicht so, denn wie ich mich am folgenden Abend davon überzeugen konnte, war da der gleiche Betrieb. Eine weitere Feststellung konnte ich treffen und bei der ich mir wünschte, daß ich Besitzer einer Farbenfabrik sei, denn da muß man ein mächtiges Geschäft machen können. Die Frauen sind hier angemalt in einem Maße, das das in Frankreich wohl noch übertrifft. Ich will damit nicht sagen, daß es so ungeschickt aussieht wie in Rußland. Da sahen die Frauen aus, als kämen sie aus der Mehlkiste, aber die Art ist doch etwas übertrieben. Es fällt aber angenehm auf, wenn man sieht wie die Leute hier alle ordentlich angezogen gehen. Das Bild vom Osten haftet noch zu sehr im Gedächtnis, so daß man glaubt, es gibt nur noch schlecht gekleidete Menschen. Aber ich habe immer wieder sehen müssen, daß der Unterschied zwischen arm und reich in Deutschland nie so weit auseinander liegt wie in all den Ländern, die ich bis jetzt gesehen habe. Dies einschließlich Rußland. Einen Mittel stand, wie wir ihn in Deutschland kennen, finden wir nirgends weiter ausgeprägt. Höchstens nur ganz leicht ist er angedeutet und tritt dadurch kaum in Erscheinung. Ich habe hier auf den Landgemeinden, durch die wir durchgefahren sind, malerische Gestalten gesehen. Ich weiß nicht, ob ich über sie noch lachen soll, wenn ich an diese Figuren denke oder soll man sie bedauern. Die Lumpen, die sie anhaben, sind mit anderen Lumpen geflickt. Es ist aber diesen Leuten nicht möglich, ihre Blößen damit zu decken. , denn überall sieht die Nacktheit wieder durch. Wie diese Sachen unter sich zusammenhalten, ist mir etwas rätselhaft. Die Leute leben und schaffen dabei. Du kannst daran erkennen, daß es hier nicht nur reiche Menschen gibt. Aber eines kann ich sagen, daß hier in diesem Agrarland das Leben vor dem Krieg wohl leichter gewesen ist wie bei uns. Was waren wir doch für arme Schlucker und haben es nie so gemerkt, weil wir nichts anderes gesehen haben. Wir brauchen dem wohl nicht weiter nachzutrauern, aber man sieht daran, daß wir wirklich Habenichtse waren. Trotz des leichteren Lebens, das hier wohl zweifellos bestand, ist eben Deutschland Deutschland. Ich kaufte mir hier die Zeitschrift „Die Woche“. In ihr ein Bild vom Hohentwiel. Das führt einem doch etwas ganz anderes vor Augen als was sich einem hier zeigt. Ich habe mich unseres letzten Besuchs dort oben gern dabei erinnert. Daß wir Vater mit dorthin bekommen hatten, hatte mich besonders gefreut. Ich glaube auch, daß ihm das ganz gut gefallen hat. Ich kann mich nur noch wundern, wie er alles so widerspruchslos hingenommen hatte. Nicht einmal beim Mittagessen hat er reklamiert. Daß er auch das Hemd gleich so annahm und anzog setzte mich in begreifliche Verwunderung, weil er doch früher immer in dieser Beziehung so anders war. Ja, der Urlaub war doch sehr schön.
Für heute lassen wir es wieder einmal genügen. Recht herzlich grüße ich Euch alle meine Lieben. Unseren beiden Lausern gib doch einen lieben Kuß. Du selbst sollst aber recht herzlich und fest geküßt sein von Deinem Ernst.

Mein gute, liebes Mädel !                                                                                   8.9.43     
      
Die heutigen Nachrichten haben nun das wahre Gesicht unserer Verbündeten gezeigt. Jetzt wissen wir nun, woran wir mit ihnen sind. Diese Haltung kommt ja einem Verrat gleich. Nach dem Rücktritt von Mussolini konnten wir ja keine Ehrlichkeit mehr von den Italienern mehr erwarten. Der König hat uns im letzten Krieg schon einmal so mitgespielt. Ganz unerwartet kam mir dieser Schritt nicht, daß aber diese feige Gesellschaft sich bedingungslos ergibt, das hätte ich doch nicht erwartet.  Hoffen wir trotz allem weiter, daß es sich für uns doch wieder zum Guten wendet. Es kann ja nun sein, daß ich jetzt wieder eine feste Tätigkeit bekomme. Aber abwarten ist immer das beste Mittel. _ Mein Fahrschein nach Belgrad liegt meinem heutigen Schreiben bei. Außerdem habe ich noch den Nachturlaubschein beigefügt, den ich mir für den Tag oder besser gesagt für die Nacht besorgt hatte, in der Du ankamst. Lege diese kleinen Dinge mit zu den anderen Sachen, die ich immer noch mit aufgehoben habe. Ich kann mich in Erinnerung an diese Tage immer wieder nur freuen und Dir recht herzlich danken für Deinen lieben Besuch. Es ist nur gut, daß die Kinder schon so verständig sind, daß man sie allein lassen kann. Ich danke Dir also nochmals für die schönen Stunden, die Du mir mit Deiner Anwesenheit bereitet hast. Wie ich Dir schon einmal schrieb, wird mir diese kurze Zeit immer in schöner Erinnerung bleiben.  Ich weiß ja, daß Du die gleichen Empfindungen gehabt hast und das freut mich umso mehr. Ich sagte Dir doch, als wir dort zusammen waren, daß man mir meine Rechnung für die gekauften Schulterstücke in München nicht bezahlen sollte. Das Geld habe ich schon in der Tasche. Ich habe hier gesagt, daß ich für meine neue Feldbluse diese neuen Schulterstücke gebraucht habe und da ich nicht Selbsteinkleider bin, ist das mir zu erstatten. In München hatte ich keine Gelegenheit, dies zu regeln und schon hat es geklappt. Die Gepäckaufbewahrungskosten, wie wir in München hatten, habe ich auch angefordert. Du hast sie ja bezahlt. Wenn ich sie ersetzt bekomme, dann muß ich Dir wohl das Geld zusenden. Ich weiß zwar nicht, was Du bezahlt hast, aber vorsichtshalber habe ich einschließlich Gepäckträger 2.20 RM verlangt. Das ist doch nicht zu wenig. Man muß eben zusehen, daß man nicht zu kurz kommt.
Froh ist man hier, daß man wieder jemand gefunden hat, der hier OvD mitmachen kann. Für heute bin ich dazu eingeteilt worden. Ich denke, daß aber nicht viel dabei zu tun sein wird, wie das meist üblich ist. Gleich nach meiner Ankunft bin ich auch schon hier geimpft worden. Diesmal wurde gleich von der Spritze jetzt die Hälfte genommen, so daß ich gegen Ruhr und Cholera wieder geeicht bin. Typhus kommt nun auch bald dran, so daß ich dann wieder komplettgeimpft bin. Das sind unsere Freuden, die uns immer vorbehalten bleiben. Bonbons gibt es zwar nicht, aber dafür erhalten wir immer wieder Atebrin-Tabletten, die vor Malaria schützen sollen. Damit es uns nicht zu wohl wird, so hat man diesen Tabletten einen gallebittren Geschmack geben. Aber man gewöhnt sich an so vieles.
Durch die Abreise der Italiener aus diesem Raum, die ich hier auf meiner Herfahrt beobachten konnte, wurde mir schon klar, daß sie nicht mehr lange mitmachen würden. Sie waren ja in diesem Raum hier ziemlich stark vertreten. Daß hier bulgarische Einheiten liegen, das war mir früher nicht bekannt. Ich war erstaunt, doch soviel Soldaten von den Bulgaren hier anzutreffen. Sie machen zwar auch einen billigen Eindruck. Wie sie sich sonst benehmen, wenn es einmal schießt? So wird man immer mit neuen Völkern auf diese Weise bekannt. Aber nicht nur das, auch Leute aus der früheren Heimat laufen einem über den Weg. Di Kommandantur hier besteht vorwiegend aus Sachsen. Das ist das erste Mal, daß ich mit ihnen in verstärktem Maße zusammentreffe. Ich kann aber nichts dafür, ich habe sie nicht in mein Herz geschlossen. Die Sprache ödet mich an und auch der Charakter dieser Leute sagt mir nicht zu. Unter sich sind sie sehr uneinig und mögen sich selbst nicht riechen. Einer schimpft auf den anderen. Von einer Gemeinschaft kann hier nicht die Rede sein. Es ist noch ein Wunder, daß man mich an den Zuteilungen, die hier den einzelnen Leuten zukommen, teilhaben lassen. Wenn ich mich nicht gerührt hätte und es dem Spieß persönlich wäre, hätte ich wahrscheinlich nichts bekommen. Ich bin aber trotzdem froh und dankbar für alles, was ich Euch zukommen lassen kann. Es sind zwar immer nur Kleinigkeiten, aber so kommt uns dann wenigstens nicht die Polizei ins Haus.  
(Anmerkung: Er bezieht sich wahrscheinlich auf das Ereignis, daß die Gestapo zu uns in die Wohnung kam, weil wir angezeigt worden waren wegen der vielen Pakete und Päckchen)  Nun wir brauchen wirklich keine Bedenken zu haben, denn das, was ich schicke, ist ehrlich erworben und wir können es nicht ändern, wenn sich andere Leute darüber ärgern. Lassen wir sie dabei und ich versuche weiterhin, das für Euch zu bekommen, was mir möglich ist. Recht liebe und herzliche Grüße und viele, viele Küsse sendet Dir und den anderen in Liebe Dein Ernst.

Brief 452 vom 07.09.1943


Mein liebes, gutes Mädel !                                                                             7.9.43        
   
Gleich beim Aufwachen heute früh gedachte ich Deines Geburtstags, den Du heute begehst. Ich denke, daß Ihr alle frisch und munter seid. Die Kinder werden sich schon angestrengt haben und werden versuchen, Dir soweit es ihnen möglich ist, einige kleine Freuden zu bereiten. Ich wäre auch an diesem Tag gern dabei. Mit Deinem Geburtstag schließen wir ja immer unsere Familienfestwoche, die ja mit dem 1.9. immer beginnt. Wenn Du auch nicht vorhast, etwas besonderes zu machen, weil Du Helgas Geburtstag mehr begehen willst, so glaube mir, daß ich, soweit ich dienstlich nicht davon abgehalten wurde, immer an Dich gedacht habe, was Du wohl heute machen würdest. Vor einer Woche mussten wir früh wieder voneinander verabschieden. Wie schnell doch die Zeit dahinschießt. Es ist ja gerade Mittagspause und ich habe mich hingesetzt, um Dir gleich zu schreiben. Es ist 3 Uhr. Die Uhr, die Dir so gut gefiel, habe ich auf meinem kleinen Tisch vor mir noch untergebracht. Um diese Zeit warst Du in der vergangenen Woche schon bald in Konstanz und ich dagegen hatte um diese Zeit bald die Reichsgrenze erreicht. Ich glaube bestimmt, daß schon mein erstes Schreiben bei Dir eingegangen ist. Dann weißt Du erst einmal, wie es mir geht und daß ich mein erstes Zwischenziel erreicht habe.
Zu meiner Freude kann ich Dir mitteilen, daß ich wieder ein Päckchen an Dich auf den Weg bringen kann. Ich habe hier Butter erhalten, die Euch morgen gleich mit zugehen wird. Die Preise sind hier eben wesentlich höher wie im Osten. Doch darüber schreibe ich einmal gesondert, weil Dich das wohl auch interessieren wird. Wie immer, werde ich ja mit meinem Brot nicht fertig. Ich werde es so machen, wie wir es besprachen, ich versuche es zu trocknen und schicke es Dir dann mit zu. Es wäre vielleicht doch ratsam , wenn Du mir dann von den Kartons wieder einige zugehen lassen würdest, ebenso von dem Packpapier und etwas con dem alten Bindfaden. Ich weiß wohl nicht, wie lange ich es hier aushalte, doch das wird mir ja auf alle Fälle nachgesandt. Du wirst dann schon etwas damit anzufangen wissen und ich müsste es dann hier nur herschenken und das würde doch zu schade dazu.
Inzwischen ist es Nach geworden und mein neues Quartier habe ich jetzt auch bezogen. Zum Gedenken an Deinen Geburtstag und gewissermaßen zur Einweihung habe ich einen Schluck aus der kleinen Flasche genommen, aus der wir gemeinsam getrunken hatten, als wir uns in dem Zimmer in München verabschiedeten. Ich habe sie nun bald leer. Ich hoffe, daß ich hier bei Gelegenheit neuen Stoff bekommen kann. Wenn das nicht der Fall ist, dann ist das auch nicht weiter schlimm. Wenn Du jetzt nicht gerade an mich schreibst, oder wenn Vater nicht bei Dir sitzt, was wohl heute der Fall sein wird, dann könntest Du schon in Deinem Bett sein. Ich habe vorhin noch meine Sachen ein wenig auseinander sortiert, denn sie verdrücken sich zu sehr, wenn man sie die ganze Zeit im Koffer liegen lässt. Das sind alles so Arbeiten, die man selbst vornehmen muß, wenn man allein ist. Das habe ich während der langen Jahre schon reichlich Gelegenheit gehabt. Da fällt mir übrigens ein, die ganze Fahrt bis hierher, habe ich immer meine Mappe mit meinem Schreibmaterial gesucht. Ich dachte schon , mein Füllhalter und die Mappe seien in München verloren gegangen. Ich konnte mir erst nicht denken, wo sie abgeblieben sein könnten. Wie ich hier nun meinen Waschbeutel einmal richtig auseinander packe, da finde ich ihn wieder. Ich wollte schon an meine frühere Einheit schreiben, ob ich diese Sachen vielleicht dort gelassen hätte.  Aber so geht es, wenn man seine Sachen nicht selbst einpackt, dann weiß man doch nicht so Bescheid. Du wirst lachen, was ich für Sorgen manchmal habe, zum Glück erweisen sie sich als nicht so tragisch. Aber wenn man so einen Schwung Gepäck hat, dann will man nicht erst alles auseinander packen. Glücklicherweise sprechen die Kinder, die immerhin schon erwachsen sind, der Quartierleute deutsch. So habe ich es in dieser Hinsicht nicht so schwer. Mein gegenwärtiger Tagesplan geht nun wie folgt.  Früh zwischen 6 und ½ 7 Uhr aufstehen. Zwischen ¼ und ½ 8 Uhr gehe ich zum gemeinsamen Kaffeetrinken. Der Dienst beginnt 8 Uhr und geht bis ½ 1 Uhr. Dann gehe ich zum Mittagessen und habe dann anschließend Pause bis 4 Uhr. Von da ab läuft dann der Dienst bis 7 Uhr. Die Zeit wird ziemlich penibel eingehalten, so daß ich immerhin ganz schön Freizeit habe. Am Sonntag wird nur von 10 bis ½ 1 Uhr gearbeitet. Das ist ziemlich entgegenkommend und nicht mit der Arbeitszeit bei der Heeresgruppe zu vergleichen. Ich kann es schon dabei aushalten. Nimm viele liebe und recht herzliche Grüße und Küsse entgegen von Deinem Ernst. 

Brief 451 vom 05./06.09.1943


Mein liebes, gutes Mädel !                                                                             5.9.43 
      
Heute am Sonntag sitze ich nun in dem Kaff, wo es mich nun vorl äufig hin verschlagen hat. Es ist bereits Nachmittag, denn ich hatte doch erst aller hand Formalitäten zu erledigen. Wie das nun so einmal ist, wenn man zu einem anderen Haufen kommt. Ich sollte, wie ich Dir das mitteilte, vorgestern hierher reisen. Vergeblich hatte ich zu der abgemachten Zeit auf das Fahrzeug gewartet. Ich musste doch wieder zeitig aufstehen, damit ich meine Sachen fertig hatte und mit dem Zuge mitkam. Das war dann ärgerlich. Wie ich jetzt hier erfahre, hat der Fahrer die richtige Adresse nicht  gehabt und mein Quartier nicht gefunden. Dort hat er zwar seinen Vorgesetzten gegenüber geäußert, daß sich niemand gemeldet hätte. Das sind so kleine Zwischenfälle, die sich hin und wieder ergeben. Ich habe mich dann noch den einen Tag in Belgrad aufgehalten. Bin nochmals zur Burg gegangen, die ich am vorhergehenden Abend gefunden hatte und habe mir alles angesehen, was man sich ansehen konnte, denn ein Teil wird dienstlich verwendet und ist daher nicht zugänglich. Unterhalb befindet sich ein Tierpark, in dem bin ich dann anschließend auch noch gewesen, so daß der Nachmittag reichlich ausgefüllt war. Vorsichtshalber hatte ich mein Gepäck gleich am Vormittag zur Bahn bringen lassen, damit ich am nächsten Morgen nicht wieder die gleichen Schwierigkeiten hatte. Ich weiß nicht, ob ich Dir davon geschrieben hatte, daß ich am vorhergehenden Tag im Kino war und mir den Film „Münchhausen“ angesehen habe.  Das war für mich der erste größere Farbfilm. Er war wirklich ganz nett und ist in seiner Art sehr gegenwartnah gemacht worden. Ich glaube, bei Euch ist er wohl noch nicht gelaufen. Über meine sonstigen Eindrücke von Belgrad werde ich Dir in den kommenden Tagen berichten. Ich will Dir erst einmal in großen Zügen schildern, wie es mir sonst gegangen ist. Festern früh bin ich dann gestartet. Rechtzeitig bin ich von daheim weggegangen. Wie ich auf den Bahnhof komme, da waren nach der Uhr erst 10 Minuten vergangen, obwohl der Weg bald ½ Stunde dauert. Ich bekam dann noch einen Platz und habe mir mein immerhin umfangreiches Gepäck herübergeholt. Aller Aussicht nach hätte ich am zeitigen Nachmittag hier sein sollen. Wir kamen gegen 11 Uhr in der Um steigestation an. Dort hieß es, ja der Zug, der fährt erst wieder ½ 5 Uhr. Das war ja wenige erfreulich, aber da hilft ja kein Schimpfen, da ist es schon besser, man schickt sich in die Umstände und wartet geduldig, bis es weitergeht. Es ging dann tatsächlich mit ¾ Stunde Verspätung ab, so daß ich gegen 7 Uhr hier ankam. Auf der Dienststelle war ja niemand mehr anwesend. Verpflegung hatte ich in Belgrad nicht mehr erhalten, so daß ich mit reichlich leerem Magen hier eintraf. Ich habe mich darum zuerst einmal um etwas Essbares gekümmert, das ich dann auch erhielt. Ich trag dann auch nicht den Spieß, mit dem ich mich über die anderen Dinge unterhielt. Ich erfuhr auch gleich bei der Gelegenheit, daß ich hier auf dem Quartier-Amt Verwendung finden sollte. Ich muß schon sagen, daß ich davon weniger erbaut wr, denn dafür brauche ich mich nicht 3 ½ Jahre als Militärverwaltungsbeamter herumzudrücken. Ich war mir dann auch bald im klaren, was ich da zu tun hätte. Denn das ließ ich mir nicht bieten, daß einfach in der Form über mich verfügt wurde. Die kleinen Sticheleien, wie ich sie von Douai her kenne, schei nen hier auch schon wieder anzufangen. Ich glaube aber, dass die Herren da nicht viel Glück mit mir haben werden. Früh mit den Männern Antreten und ähnliche Mätzchen, das wird wohl auf die Dauer gesehen flachfallen. Es ist nur gut, daß ich hierher kom mandiert bin, denn wenn ich hierher versetzt worden wäre, dann könnte ich jetzt schon für die Dauer meines Hierseins einen permanenten Krieg voraussehen. Ich werde deshalb nicht ganz so scharf vorgehen und die Dinge schon so schaukeln, wie ich sie gerne haben will. Heute früh wurde ich dem Kommandanten vorgestellt, der mir dann auch gleich seine Absicht über meine Verwendung mitteilte. Ich habe ihm dann erklärt, daß ich schließlich Beamter sei und daher auch anders verwendet werden müsste. Er versuchte meine Bedenken zu zerstreuen. Ich habe dann scheinbar nachgegeben, weil ich hörte, daß er in Urlaub fährt. Später habe ich mit dem Verwaltungsgruppenleiter über die ganze Angelegenheit Rücksprache genommen, der dann durchaus meinen Standpunkt teilte. Er will mit dem  nunmehr zuständigen Hauptmann die Angelegenheit in meinem Sinn regeln. Ich bin gespannt, wie alles herauskommt. Ich werde mich aber schon durch setzen. Sorgen brauchst Du Dir bestimmt keine zu machen, denn ich werde mir schon helfen.  Schließlich habe ich ja auch die ganzen Jahre hindurch etwas gelernt. Zur Zeit bin ich vorübergehend in einem Hotel untergebracht. Hotel ist wohl etwas reichlich übertrieben, wenn man deutschen Maßstab anlegt, aber im Osten war es ja in dieser Hinsicht noch schwieriger. Ein Bett ist vorhanden. Denk mal, nicht einmal Wanzen habe ich hier. Als ich aber gestern Abend hereinkam, da liefen einige Schwaben über den Fußboden, die habe ich mit hartem Tritt beseitigt. Das ist zwar sehr roh, aber ich bin in dieser Beziehung einmal kein Tierfreund. Ein kleiner Tisch ist vorhanden. Wenn ich mich daran setze und mit den Ellenbogen auflehne, dann ist er voll. Dann hat kaum noch etwas Platz. Aber trotzdem versuche ich hier meinen Brief darauf zusammen zu bekommen. Als höchster Komfort ist ein Waschbecken mit fließendem Wasser vor handen. Das finde ich auch einfach fabelhaft, denn das hätte ich nicht erwartet.   Ein Spiegel befindet  sich auch an der Wand und ein Stuhl ist ja auch vorhanden, denn  sonst könnte ich  nicht sitzen. Ich lasse mir nicht weiter hier besorgen, weil ich  doch bald anders untergebracht  werde. Wenn ich mich so hier in diesem Zimmer umsehe, dann muß  ich denken,  wie nett wir doch in München untergekommen waren. Es waren so  schöne, in sich  abgeschlossene Tage, daß ich nur immer wieder mit einer stillen  Freude daran zurückdenken  muß. Wie hattest Du Dich gefreut, als Du nach Deiner Reise, die  so plötzlich einen  ungewollten Abschluss fand, Dich dann richtig ausstrecken konn test. Mir selbst war  es eine Freude, Dich dort einzuweisen. Daß wir zwei so nett und  von den Kriegsverhältnissen  abgesehen, sorglose Tage verbringen konnten, war mir insofern  eine doppelte Freude,  weil wir doch zusammen ohne Kinder seit unserer Verheiratung nie  hinausgekommen  sind. Nachdem Dein Urlaub selbst auf zwei Tage nur gemessen war, ist es auch gegangen, daß Du für diese kurze Zeit den Haushalt allein lassen konntest, zumal die Kinder immerhin so groß sind, daß man sie sich schon einmal allein behelfen lassen kann. Ich hoffe, daß soweit alles auch gut abgegangen ist und glaube, von Dir, wenn auch nicht mehr im Laufe dieser, so doch Anfang der dann kommenden Woche von Dir zu hören. Auch davon werde ich dann erfahren, wie Du mit Deinem ganzen Gepäck nach hause gekommen bist. Meine Gedanken waren auf der ganzen Fahrt bei Dir. Immer konnte ich mir vorstellen, wo Du Dich ungefähr befandest, denn die Kenntnis der Strecke erleichtert einem ja diese Vorstellung. Wie haben Dich die Kinder empfangen? Ob sie wohl am Schiff waren und rechtzeitig Deine Karten erhalten haben? Über die Dinge von München werde ich sicherlich noch ab und zu zu sprechen kommen. Da fand ich im VB eine Filmbesprechung, die Dich wohl auch interes sieren wird, weil es sich um einen Film handelt, der in München gedreht wurde. Wenn er bei Euch läuft, wird es Dich sicherlich interessieren, die Bilder, die von der Stadt mit dabei sind, wieder zu sehen. Ich finde noch einen angefangenen Brief, den ich Dir schrieb, ehe ich das Telegramm wegsandte. Ich sende ihn Dir mit zu. Ich denke und ich weiß aber auch, daß Du über meinen Entschluss, Dich doch noch nach München kommen zu lassen, nicht böse gewesen bist. Deine beiden Briefe, die ich noch dort erhielt, habe ich während der Fahrt gelesen, und ich muß sagen, daß Du mir besonders mit dem einen langen eine recht große Freude gemacht hast. Ich danke Dir sehr dafür. Daß Du Dir Gedanken gemacht hast, weil Du mich angeblich einige Male während des Urlaubs geärgert hättest, das ist doch bestimmt nicht nötig gewesen. Du weißt ja  selbst, daß ich nicht nachträglich in diesen Dingen bin. Also deshalb kannst Du beruhigt schlafen. Schön hast Du mir mit Deinem Schreiben nochmals die Tage des Urlaubs vor Augen geführt und für mich selbst habe ich nochmals lachen müssen, als Du mir beschriebst, wie ich Dir ankündigte, daß ich auf 3 Wochen mit nach hause komme. Anmerkung: Wir waren meinem Vater auf sein Telegramm hin nach Stuttgart entgegengekommen; wir hatten im Warteraum übernachtet. Wir waren der Meinung, daß er weiterfahren müßte und wollten ihn auf diese Weise wenigstens wieder einmal sehen. Stuttgart war zu dieser Zeit schon größtenteils zerstört, ich kann mich vor allem an die Königsstraße erinnern.  Die Tunnelfahrten hast Du auch nicht vergessen. Denk einmal an, daran hatte ich erst nicht einmal mehr gedacht. Wenn Du mit hierher gekommen wärst, dann hätten wir wieder Gelegenheit gehabt, das nochmals auszuprobieren. In  ?  war ein besonders langer, was man da wohl hätte alles anstellen können? Du hast nun auch Deine Tätigkeit im Garten und das Leben daheim wird Dich nun wieder voll in Anspruch nehmen. Heute früh dachte ich besonders daran, daß Ihr nun unserer Helgas Geburtstag begeht. Erstens dachte ich auch an die Zeit, wo sie geboren wurde. Mir stand damals eine neue Arbeitslosigkeit bevor. Aber auch all der Jahre mußte ich gedenken, die nun dazwischen liegen. Sie waren für uns doch immerhin ein Aufstieg. Der ging zwar nicht rapide, abr doch schön stetig. Wir haben uns manches geschaffen und auch einiges erreicht. Was hat sie wohl zu ihrem Hut gesagt, den Du ihr mitgebracht hattest? _ Der Auftakt für eine neue Schreibperiode ist nun wieder getan, denn die anderen Schreiben waren bisher doch nur kurze Berichte. Ich hatte auch nicht die nötige Ruhe dazu. Ich glaube, daß sich das einrenken wird. Ich glaube auch, vorerst Zeit dazu zu finden. Meine Feldpostnummer hatte ich Dir ja schon mitgesandt. Vorsichtshalber schreibe ich sie Dir nochmals, damit alles seine Ordnung hat. Sie lautet 17090. Über die kleinen Verdrießlichkeiten, die sich hin und wieder ergeben, mußt Du Dir keine Kopfschmerzen machen, denn ich werde mich schon durchbeißen. Im übrigen bin ich schon an solche Dinge gewöhnt und meine Ruhe verliere ich deshalb bestimmt nicht. Mein lieber Schatz, bleibe recht gesund. Grüße und küsse die Kinder von mir recht herzlich. Wie ich Dich auch bitte, an Vater einen schönen Gruß auszurichten. Du selbst wirst, aber nur im Geist diesmal leider nur, ganz fest abgedrückt und lasse Dich dazu recht herzlich grüßen von Deinem Ernst. 

Mein liebster Schatz !                                                                              6.9.43 
         
 

Nach den Nachrichten, die ich heute im Radio hörte, bin ich in großer Sorge um Euch, weil es wohl sehr gut möglich ist, daß auch Ihr bei diesen Kämp fen, von denen da die Rede war, in Mitleidenschaft gezogen worden seid. Es ist wirklich kein angenehmes Gefühl, in solcher Ungewissheit zu schweben. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß Ihr, meine Lieben, alle gesund und heil geblieben seid. Ich könnte mir jedenfalls nicht vorstellen, in welcher Verfassung ich eine schlimme Nachricht aufnehmen würde. Ich will aber immer noch das beste hoffen und erwarte bald recht gute Mitteilungen von Dir. Ich habe mir dies gleich während des Dienstes vorgenommen, Wie Du siehst, ist das Papier hier schlecht, was ich bekommen konnte. Das ist aber dabei ja nicht ausschlaggebend. Ich hatte heute hier Glück und konnte einige Eier erhalten. Es sind zwar nur 6 Stück, die ich mir verpackt habe und die morgen an Euch mit abgehen. Nehmt sie gesund in Empfang. Meinen gestrigen Brief konnte in Urlaubern gleich mitgeben, was mir sehr angenehm war, denn dadurch kommst Du ja schneller in den Besitz der  ersten Nachrichten von mir. Die Dinge nehmen hier ihren weiteren Fortgang. Ich habe das Gefühl, daß hier sich das Verhältnis so entwickelt wie in Douai. Es ist hier in einer Abteilung dem einen Herren über den Kopf gewachsen, und ich soll die Angelegenheiten ins Reine bringen. Daß ich da keinen großen Gefallen daran habe, das kannst Du Dir ja vorstellen. Die Herren von der der Verwaltungsabteilung haben aber anscheinend auch keine große Lust, sich gegen die Anordnung des Kommandanten zu stellen, so daß ich mit meiner Ansicht allein dastehe und sie wohl auch allein durchfechten muß. Mache Dir aber bitte keine Gedanken darüber. Ich teile Dir das nur mit, damit Du siehst, wie hier für mich alles seine Entwicklung nimmt. Es wäre ja nicht richtig, wenn ich nach der Einleitung in meinem anderen Brief, jetzt auf einmal nichts mehr schreiben würde. Wie ich Dir schon schrieb, hatte ich von München aus eine recht schöne Bahnfahrt, Ich fuhr über Rosenheim, Salzburg. Das Wetter war sehr bewölkt, daß es aussah, als wollte es jeden Augenblick anfangen mit reg nen. Die Berge kamen teilweise sehr nahe bis an die Bahn heran. Vorher sah ich den Chiemsee, der halb im Dunst und halb im Sonnenschein dalag. Man wußte nicht so recht, wie sich das Wetter entscheiden würde. Ich kannte ja die Fahrt schon von früher her, als ich aus dem Protektorat damals zu Euch kam. Nach Salzburg wandte sich die Strecke von der Wiener Strecke ab. Durch Hallein kam ich durch und mußte dabei daran denken, wie Du vor Jahren dort gewesen bist. Herrlich war es, wie die Berge von den Wolken eingehüllt waren, wie sie teilweise wieder hervortraten. Es war wunderschön, das anzusehen. Nach Bad Gastein, das früher der Aufenthaltsort von Kaiser Franz-Josef war, kamen wir durch einen recht langen Tunnel. Die Bahn erreichte dort eine Höhe von 1052 m und ist damit um über 200 m höher wie die Schwarzwaldbahn, die nach meinem Wissen 832 m in Sommerau überwindet. Als wir diesen Tunnel passiert hatten, fanden wir auf der anderen Seite ganz herrliches Sonnenwetter vor, was einem sichtlich überraschte. Es boten sich dann von Zeit zu Zeit wunderschöne Durchblicke. Ich wünschte mir nur dabei, daß Du mit dabei gewesen wärst. Am Spätnachmittag überfuhren wir die frühere Reichsgrenze und fast pünktlich kamen wir in Marburg an. Gegen das Reich war die Grenze mit Barrieren gesichert. Längs der Bahn floss die Drau. Auch diese Strecke war wirklich sehr reizvoll. Am Abend kamen wir noch an die kroatische und später an die ungarische Grenze. Durch die Verhältnisse bedingt, wurden im Zuge Sicherungen ausgestellt. Für die Nacht hatte ich mir meine Decken unter gelegt und den Schlafsack als Kopfkissen. Die anderen Kameraden, die im Zuge waren, hatte sich im Gepäcknetz und auf dem Boden Platz gemacht, so daß wir alle Schlafgelegenheiten hatten. Vorfälle ereigneten sich nicht, so das wir in dieser Hinsicht nicht gestört wurden. Am anderen Morgen ist man wohl etwas steif, wenn man aufwacht, doch das gibt sich ja dann bald wieder. Zum Frühstück wie auch am Vortag zum Abendbrot, hatte ich ja einen Apfel verdrückt, die Dir die Kinder mitgegeben hatten. Sie sind jetzt bis auf zwei zusammengeschmolzen. Ich will hierzu noch bemerken, daß Du sehr Obacht geben mußt, daß sie Dir nicht schlecht werden. Ein Teil fängt von innen heraus an zu faulen. Manche haben Maden, so daß sie auch bald schlecht werden würden. Wenn Du sie nicht halten kannst, so esst sie bitte mit auf. Vielleicht hast Du die Möglichkeit durch die Resi welche zu bekommen, die Du aufheben kannst. Ich weiß zwar nicht, ob Du das gerne machst. Das soll von mir nur eine Anregung sein. Ich schrieb Dir ja schon, daß wir erst 10,45 Uhr in Belgrad ankamen. Die Fahrt selbst war nicht weiter interessant, denn die Landschaft ist nicht besonders abwechslungsreich. Als ich dort ankam, mußte ich mich erst um die Versorgung meines Gepäcks kümmern. Ich erkundigte mich dann nach der Dienststelle. Erst wurde ich verkehrt gewiesen. Später fand ich aber doch noch das, was ich suchte. Dort wurde für ein Quartier für mich gesorgt, das ich in einem Hause fand, was noch ziemlich neu und auch sehr sauber war. Die Familie stellte mir das Musikzimmer zur Verfügung, in dem eine Couch stand. Dort habe ich mich mit meinem Schlafsack eingerichtet. Wie Du siehst, habe ich schon wiederholt ganz gut von ihm Gebrauch machen können. Das Haus hatte Bad, und weil ich im fünften Stock wohnte, war der Fahrstuhl ganz günstig. Wenn man aber keinen Schlüssel dazu hat, dann war das schon ein Pech, denn dann war es mit der Benutzung Essig. Das Schlafen war dort ganz ordentlich, ich konnte mich ja auch ganz gut behelfen. Die Möglichkeiten sind hier ja schon wesentlich besser wie im Osten. Über die anderen Dinge werde ich dann morgen berichten. Heute ist unser zweiter Hochzeitstag  Bemerkung: der erste ist am 1.9., der standesamtliche, und der zweite am 6.9. der kirchliche, gewesen  Ich habe schon an ihn gedacht. Diesmal aber ohne daß es dazu eines Anstoßes bedurfte. Vor einer Woche waren wir noch schon beieinander, da konnten wir immerhin noch recht sorglos sein. Wir werden wohl noch recht oft an diese schönen Stunden denken. Am Vormittag waren wir doch reichlich müde geworden, als ich nicht genau wusste, welcher Turm das war, der beim Karlsturm. Was machen eigentlich die Verletzungen unserer Kinder? sind sie schon besser geworden? Hoffentlich sind keine Schwierigkeiten dazwischen gekommen. Bleibt, meine Lieben, alle recht gesund und seid alle recht herzlich gegrüßt und geküßt. Besondere Grüße und Küsse gelten, wie immer, Dir mein liebstes Mädel. Dein Ernst. 

Brief 450 vom 01./02.09.1943


Mein liebster Schatz !                                                                     1.9.43    
 
Du bist nun bereits wieder einen Tag daheim, während ich hier in einer Wirtschaft in Belgrad sitze, um wenigstens niederzuschreiben, daß ich hier angekommen bin. Die  Fahrt hat, entgegen der und erteilten Auskunft, bis 11 Uhr gedau ert. Bis ich nun das Gepäck abgegeben habe und die Durchfragerei bis zur Dienststelle, bei der ich mich melden soll, beendet war, ist viel Zeit vergangen. Die Herren haben keine Zeit, mich zu empfangen, denn wie ich höre, sitzt sie bei einer Flasche Wein, bei der sie nicht gestört werden wollen. Wie es aussieht, bleibe ich nicht hier im Ort. Ich werde zu irgendeiner Kommandantur kommen. Das werde ich aber nachher noch erfahren. Über die Art und Weise bin ich wieder sehr verärgert, denn die Leute spüren hier sehr wenig vom Krieg. Gestern  habe ich den ganzen Tag an dich gedacht, wie Du nach hause gefahren bist. Wenn man die Strecke kennt, dann kann man sich an der Zeit ungefähr zusammenreimen, wo sich der Zug oder das Schiff befin det. Die Fahrt bei mir war ja sehr schön, vor allem das ganze Stück durch die Ost mark. In Salzburg hat es nicht einmal geregnet. Das soll doch dort zum guten Ton gehören. Aber es fehlte nicht viel, dann hätte es gereicht. Das Wetter war bis Bad Gast ein sehr auf Regen eingestellt. Es kam aber nicht soweit. Wir fuhren dort durch einen sehr langen Tunnel, und auf der anderen Seite der Berge war dann das herrlichste Wetter. Es war dann ein wunderbarer Anblick, als wir dann auf halber Höhe des Berges über einem Tal fuhren. Schöne weiße Wolken standen am Himmel und dagegen standen dann die dunklen Berge. Im Tale dann der Fluss. Es war einfach ein herrliches Bild.  Es war nur bedauerlich, daß ich diese Fahrt allein machte. Wie schön hätten wir über diese Dinge sprechen und uns zusammen darüber freuen können. Deine lieben beide Brie fe, die ich in München erhielt, habe ich dann gelesen. Ich kann Dir nur sagen, daß ich mich mächtig über Deine lieben Zeilen gefreut habe. Ich bin bis jetzt aber noch nicht in der richtigen Stimmung, um Dir ausführlich über alles zu berichten. Mich hat hier manches beeindruckt, was ich erst hinter mir haben muß, dann wird es wieder besser gehen. Ich bitte Dich aber um eines, mache Dir um mich keine Sorgen, denn ich werde es schon schaffen. Inzwischen ist es Nacht geworden. An Helga habe ich einen Geburtstagsbrief geschrieben, damit sie sieht, daß ihr liebster Vater trotz der verschiedenen Wirrnisse an sie gedacht hat. Ich hatte vergessen, Dir zu sagen, daß sie ja auch noch 20,-RM bekommt wie Jörg, damit sie mit ihrem Sparbuch nicht so weit hinterherhinkt.  Auch heute Nachmittag habe ich nichts erreicht. Der Herr war wieder nicht da, obwohl er mich bestellt hatte. Ich habe nun am Abend etwas zu essen bekommen, denn satt sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Ein Quartier habe ich auch bei Privatleu ten, dann ist alles nicht so ängstlich. Mein Gepäck wurde mir mit dem Wagen geholt, so daß dann in dieser Beziehung alles seine Ordnung hat. Morgen werde ich nun erfahren, was jetzt mit mir geschieht. Manchmal geht einem der Gaul durch, aber es ist schon so, man muß eben Warten lernen. Sobald man diesem Grundsatz beim Militär untreu wird, dann rächt sich das alles. Mir soll es wieder gleich sein, denn das geht ja doch vom Krieg ab . Meine neue Anschrift weiß ich noch nicht, sobald ich sie habe, lasse ich sie Dich wissen. Mein Schatz, lasse Dich recht herzlich grüßen und sei vielmals geküßt von Deinem Ernst, der viel an dich denkt.  




Mein liebster Schatz !                                                                                   2.9.43     
 
 

Jetzt ist es vorläufig soweit. Heute habe ich nun den Bescheid erhalten, daß ich hier zu einer Kreiskommandantur, wie man so schön sagt, zur Einarbei tung beordert bin. Als erstes habe ich gleich die neue vorläufige Feldpostnummer erfragt. Sie lautet jetzt 17090. Wie lange ich mich dort aufhalten werde, das ist noch unbestimmt und hängt ganz und gar von der Entwicklung der weiteren Verhältnisse ab. alle die weisen Erklärungen,  die mir hier mitgegeben worden sind, kamen mir zum Teil reichlich lächerlich vor. Ich kenne doch nun die Militärverwaltung seit über 3 Jahren und bin schließlich kein Neuling. Ich habe das diesen Herren auch erklärt. Aber manche kommen sich dabei sehr klug und weise vor und hören sich gern reden. Aber davon werde ich Dir in meinen späteren Schreiben berichten. Auch über die anderen Dinge, die ich hier erlebt habe und die Eindrücke, die ich hier gewonnen habe, werde ich später mehr schreiben. Ich habe hier nicht die nötige Ruhe und auch nicht die richtige Gelegen heit. Gedulde Dich bitte bis dahin. Morgen früh geht es 6,37 hier ab und wenn alles klappt, dann habe ich meinen Bestimmungsort um 15,31 erreicht. Das Nest heißt Kragnjevace und liegt südlich von Belgrad. Ob Du das Kaff auf einem Plan findest, wird wohl sehr fraglich sein. Mein recht liebes Mädel, Dir zum Geburtstage ! Gern wäre ich an Euren beiden Geburtstagen mit dabei gewesen.  Aber das Wollen und das Können sind eben zwei Dinge, die sich meist sehr schwer auf einen Nenner vereinen lassen. Wir haben ja reichlich Gelegenheit gehabt, uns in der letzten Zeit ausführlich über diese Dinge zu unterhalten. Du selbst hast ja bei meiner Abreise so einen kleinen Vorgeschmack bekommen, wie das in solchen Fällen zugeht. Ich hätte Dir, wenn ich nicht unterwegs wäre, wie gegenwärtig, besonders geschrieben und zugesehen, daß das Schreiben auch rechtzeitig angekommen wäre. Du kennst ja all die besonderen Umstände, so daß ich mich wohl nicht weiter zu entschuldigen brauche.  Meine Wünsche, die ja unser beider Wünsche sind, habe ich Dir ja bereits in München ausgesprochen. Ich möchte sie aber nochmals kurz zusammenfassen. Ich wünsche Dir, daß Du mit im kommenden Jahr gesund bleibst und vor allem, daß mit Deinem Herzen doch so eine Besserung eintreten möge, daß Du keine Schwierigkeiten und keine Komplikationen bekommst. Wirtschaftlich haben wir ja keine Sorgen weiter, so daß sich meine Wünsche daraufhin erstrecken brauchen. Ich wünsche Dir aber außerdem, daß du während meiner Abwesenheit viel Freude an den Kindern hast und daß sie Dir in mancher Beziehung eine Stütze sind. Ich weiß wohl, daß Du nicht alles mit ihnen besprechen kannst, aber doch immerhin können sie Dir in vieler Hinsicht ein Trost sein.  Was uns alle betrifft, das wäre der Wunsch für einen Urlaub oder noch besser, baldige gesunde Heimkehr nach einem gewonnenen Krieg. Wenn ich Dir auch nichts weiter auf den Tisch legen kann, so bitte ich Dich, verfüge über 50,-RM von dem bei Dir hinterlassenen Geld für Deine Zwecke. Ich kann leider jetzt nichts weiter tun. Mein liebster Schatz, hoffen wir, daß sich diese Wünsche erfüllen mögen, so wie sie darge bracht sind. Nimm viele liebe Küsse und recht herzliche Grüße entgegen. Ich bin in Gedan ken immer bei Euch , meine Lieben. Dein Ernst.

Brief 449 vom 26./27.08.1943


Mein lieber Schatz !                                                                              26.8.43  
 
Die Zeit rinnt einem nur so durch die Finger. Der schöne Urlaub liegt nun wieder hinter mir. Zurückblickend kann ich sagen, daß mir diese Tage mit die schönsten waren, die ich je im Urlaub erlebt habe. Nicht unwichtig dabei war zweifellos, daß das Wetter so schon war und die Jahreszeit, zu der ich diesmal den Urlaub geschnappt habe, spielt dabei auch eine ziemlich gewichtige Rolle. Wenn wir auch im 4. Kriegsjahr mit dem Essen nicht solche Sprünge machen konnten wie in früheren Jahren, dann liegt ja keine Veranlassung vor, sich zu wundern. Eines wundert mich nur, daß Du es immer mit Geschick fertiggebracht hast, daß alle Mäuler satt wurden. Ich habe allen Grund, Dir dafür nochmals recht herzlich zu denken. Daß Du mir die Tage immer so nett gestaltet hast und immer lieb zu mir gewesen bist, ist ein weite rer Grund meines Dankes. Eine große Freude war es mir, daß auch ich Euch die Tage mit verschönern helfen konnte. Dieser Gedanke macht mir die Trennung von Euch etwas leichter. In erster Hinsicht Dir und dann auch den Kindern dafür meinen inni gen Dank. Ich habe ein paar sorglose Wochen bei Euch verbringen können. Daß dies möglich war, dazu habt Ihr Euren Teil mit beigetragen. Daß ich dir manches während dieser Zeit helfen konnte, macht mich noch recht froh. Also nochmals für alles in allem recht, recht herzlichen Dank. _ Gestern Nach bin ich mit einigen Minuten Verspätung hier eingetroffen. Im Zuge habe ich erst noch die schöne Aussicht genossen, später, als dann das Abteil ziemlich leer war, konnte ich mich sogar langlegen. Der Schlaf sack war mir dabei schon sehr nützlich, denn er diente mir dabei als Kopfunterlage.  Meinen Koffer habe ich gleich auf der Bahn aufgegeben und erwischte dann gerade noch die letzte Straßenbahn. Bei der Dunkelheit hatte ich einige Sorge, daß ich an der richti gen Haltestelle aussteige. Zum Glück traf ich noch einige Kameraden von unserer Einheit, so daß ich dann keine Schwierigkeiten hatte. Ich war dann doch froh, die Reise wieder hinter mir zu haben, wenn sie diesmal auch nicht so lang gegangen ist, wie ich es bisher gewohnt war. Die erste Nacht habe ich in einem fremden Bett zugebracht, dabei habe ich gleich meinen Schlafsack verwenden können. Heute früh habe ich nun die Lage gleich gepeilt, damit ich darüber im Klaren bin, was mit mir geschieht. Ich habe beim OKW anrufen lassen. Dort hieß es, daß es noch dabei bleibt, daß ich nach Serbien fahre. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß ich zu diesem Haufen zurückkehre.  Der Oberinspektor hat mich gefragt, ob ich angefordert werden soll, wenn hier der Betrieb wieder losgeht. Ich habe ihm daraufhin gesagt, daß ich ihm schon mitteilen werde, wie es mir dort geht. Ich kann mich dann immer noch danach einrichten, was ich dann machen will. Hier ist es gegenwärtig alles in Abmarschbereitschaft. Die Leute sind nicht wiederzuerkennen. Alle haben sie die neue Bekleidung. Ich habe sie mir auch gleich besorgt, denn ich habe mir gedacht, daß ich keine Veranlassung habe, mich noch länger mit dieser dicken Kluft herumzudrücken. Ich lasse sie erst noch richtig in Ordnung bringen, dann kann ich mich an der neuen Dienststelle sehen lassen. Ob die dort genau so angehost sind, das weiß ich zwar noch nicht, das spielt aber auch keine Rolle. Meine alte Einheit, die rückt nun nächste Woche ab an den Gardasee in der Nähe von Verona. Dort wird dann in Zelten gelebt. Wie ich es nun antreffen werde, das ist ja noch ungewiss. Ich werde mich dann schon einzurichten wissen. Darüber brauche ich mir auch weiter keine  Sorge zu machen. Wann ich genau abreise, kann ich Dir heute noch nicht sagen, unser Oberinspektor sagte, ich könnte mich hier solange aufhalten, wie es mir recht sei. Wenn Anfang der kommenden Woche der Verein hier auch abrollt, dann sind mir in dieser Hinsicht schon gewisse Grenzen gesetzt. Was nun die Dinge anbelangt, die mir von dem Sonderführer mitgeteilt wurden, so kann ich Dir zur Beruhigung mitteilen, daß alles glatt abgelaufen ist. Der Oberinspektor, der erst so große Töne hier gemacht hat, sagte zu mir so gut wie nichts. Ich habe ihm bewiesen, daß das, was er hier in die Gegend posaunt hat, nicht zutrifft. Er hat auch klein beigegeben und die Dinge gehen vollkommen in Ordnung. Das wäre eigentlich alles, was ich heute mitzuteilen hätte. Dem Jörg kannst Du sagen, daß ich seine Äpfel unterwegs verdrückt habe mit dem von Dir zurechtgemachten Brot. Wie  seid Ihr nun heimgekom men? Doch das werde ich wohl bald erfahren. Unsere Helga wird heute Abend fleißig Rad fahren üben, denn das Wetter ist ja bei Euch auch wieder klar geworden. Ich habe mein Gepäck noch nicht hier, darum muß ich heute mit diesem Blaustift schrei ben. Das ist wohl etwas ermüdend, auch für Dich, wohl zum Lesen. Ich kann es aber leider nicht ändern. Haltet weiterhin den Kopf oben und denkt daran, daß auch uns wieder einmal eine andere Zeit blüht. Grüße Vater bitte von mir. Ich wünsche, daß Ihr gesund bleibt und sende Euch Dreien in dieser Erwartung recht herzliche Grüße und viele liebe Küsse . In Liebe Dein Ernst.

Mein liebes Mädel !                                                                       München, 27.8.43 
        
 

Diesen Brief fange ich gleich heute früh an, Ich komme soeben vom Baden. Gleich hier in der Nähe ist ein Hallenbad, das ich mit einigen Kameraden schon um 8 Uhr aufgesucht habe. Das war dann sehr erfrischend. Ich hatte zwar in dieser Nacht wesentlich besser geschlafen wie die vorhergehende, in der ich mich noch nicht so an das harte Bett gewöhnen wollte. In die Verhältnisse daheim findet man sich doch eher hinein. Die erste Nacht kam ich nicht so richtig zum Einschlafen, denn in den ganzen Betrieb muß man sich erst wieder hineinfinden. Zudem war gleich nebenan die Unterkunft von 40 Mann, die die ganze Nacht nicht zur Ruhe kamen. Wie ge sagt, umgekehrt findet man sich in die Gepflogenheiten daheim eher hinein. Ich hatte erst die Absicht, mich einige Tage hier noch aufzuhalten, um Dich evtl. herüberkommen zu lassen. Heute morgen wurde ich aber schon so komisch gefragt, wann ich abfahre.  Weiß Du, das lasse ich mir nicht gern sagen, daß ich irgendwo lästig bin. Wenn es auch nicht direkt gesagt wird, so genügt das schon, wenn man es einem auf diese Weise merken läßt. Es sind eben alles Menschen, die erst an nichts denken. Macht man es aber auch einmal so, dann wird man schon schief angesehen. Ich sage mir darum, einmal muß ich doch fort. Warum soll ich das alles noch hinauszögern. Ich halte es deswegen am besten, wenn ich bald abrücke, denn auf die Dauer ist dieser Zustand doch nicht angenehm. Ich will mir nur die neue Bekleidung in Ordnung bringen lassen. Das wird aber bald geschehen sein. Dann geht es hier ab. Ich werde Dich noch genau unterrichten, wann und wie ich genau fahre. Ich denke, daß es aber Sonntag oder Montag sein wird.  Später wahrscheinlich auf keinen Fall.   
(mit Handschrift : unvollendet und durch Deine Ankunft überholt.) Das war doch so besser.