Samstag, 22. September 2018

Brief 451 vom 05./06.09.1943


Mein liebes, gutes Mädel !                                                                             5.9.43 
      
Heute am Sonntag sitze ich nun in dem Kaff, wo es mich nun vorl äufig hin verschlagen hat. Es ist bereits Nachmittag, denn ich hatte doch erst aller hand Formalitäten zu erledigen. Wie das nun so einmal ist, wenn man zu einem anderen Haufen kommt. Ich sollte, wie ich Dir das mitteilte, vorgestern hierher reisen. Vergeblich hatte ich zu der abgemachten Zeit auf das Fahrzeug gewartet. Ich musste doch wieder zeitig aufstehen, damit ich meine Sachen fertig hatte und mit dem Zuge mitkam. Das war dann ärgerlich. Wie ich jetzt hier erfahre, hat der Fahrer die richtige Adresse nicht  gehabt und mein Quartier nicht gefunden. Dort hat er zwar seinen Vorgesetzten gegenüber geäußert, daß sich niemand gemeldet hätte. Das sind so kleine Zwischenfälle, die sich hin und wieder ergeben. Ich habe mich dann noch den einen Tag in Belgrad aufgehalten. Bin nochmals zur Burg gegangen, die ich am vorhergehenden Abend gefunden hatte und habe mir alles angesehen, was man sich ansehen konnte, denn ein Teil wird dienstlich verwendet und ist daher nicht zugänglich. Unterhalb befindet sich ein Tierpark, in dem bin ich dann anschließend auch noch gewesen, so daß der Nachmittag reichlich ausgefüllt war. Vorsichtshalber hatte ich mein Gepäck gleich am Vormittag zur Bahn bringen lassen, damit ich am nächsten Morgen nicht wieder die gleichen Schwierigkeiten hatte. Ich weiß nicht, ob ich Dir davon geschrieben hatte, daß ich am vorhergehenden Tag im Kino war und mir den Film „Münchhausen“ angesehen habe.  Das war für mich der erste größere Farbfilm. Er war wirklich ganz nett und ist in seiner Art sehr gegenwartnah gemacht worden. Ich glaube, bei Euch ist er wohl noch nicht gelaufen. Über meine sonstigen Eindrücke von Belgrad werde ich Dir in den kommenden Tagen berichten. Ich will Dir erst einmal in großen Zügen schildern, wie es mir sonst gegangen ist. Festern früh bin ich dann gestartet. Rechtzeitig bin ich von daheim weggegangen. Wie ich auf den Bahnhof komme, da waren nach der Uhr erst 10 Minuten vergangen, obwohl der Weg bald ½ Stunde dauert. Ich bekam dann noch einen Platz und habe mir mein immerhin umfangreiches Gepäck herübergeholt. Aller Aussicht nach hätte ich am zeitigen Nachmittag hier sein sollen. Wir kamen gegen 11 Uhr in der Um steigestation an. Dort hieß es, ja der Zug, der fährt erst wieder ½ 5 Uhr. Das war ja wenige erfreulich, aber da hilft ja kein Schimpfen, da ist es schon besser, man schickt sich in die Umstände und wartet geduldig, bis es weitergeht. Es ging dann tatsächlich mit ¾ Stunde Verspätung ab, so daß ich gegen 7 Uhr hier ankam. Auf der Dienststelle war ja niemand mehr anwesend. Verpflegung hatte ich in Belgrad nicht mehr erhalten, so daß ich mit reichlich leerem Magen hier eintraf. Ich habe mich darum zuerst einmal um etwas Essbares gekümmert, das ich dann auch erhielt. Ich trag dann auch nicht den Spieß, mit dem ich mich über die anderen Dinge unterhielt. Ich erfuhr auch gleich bei der Gelegenheit, daß ich hier auf dem Quartier-Amt Verwendung finden sollte. Ich muß schon sagen, daß ich davon weniger erbaut wr, denn dafür brauche ich mich nicht 3 ½ Jahre als Militärverwaltungsbeamter herumzudrücken. Ich war mir dann auch bald im klaren, was ich da zu tun hätte. Denn das ließ ich mir nicht bieten, daß einfach in der Form über mich verfügt wurde. Die kleinen Sticheleien, wie ich sie von Douai her kenne, schei nen hier auch schon wieder anzufangen. Ich glaube aber, dass die Herren da nicht viel Glück mit mir haben werden. Früh mit den Männern Antreten und ähnliche Mätzchen, das wird wohl auf die Dauer gesehen flachfallen. Es ist nur gut, daß ich hierher kom mandiert bin, denn wenn ich hierher versetzt worden wäre, dann könnte ich jetzt schon für die Dauer meines Hierseins einen permanenten Krieg voraussehen. Ich werde deshalb nicht ganz so scharf vorgehen und die Dinge schon so schaukeln, wie ich sie gerne haben will. Heute früh wurde ich dem Kommandanten vorgestellt, der mir dann auch gleich seine Absicht über meine Verwendung mitteilte. Ich habe ihm dann erklärt, daß ich schließlich Beamter sei und daher auch anders verwendet werden müsste. Er versuchte meine Bedenken zu zerstreuen. Ich habe dann scheinbar nachgegeben, weil ich hörte, daß er in Urlaub fährt. Später habe ich mit dem Verwaltungsgruppenleiter über die ganze Angelegenheit Rücksprache genommen, der dann durchaus meinen Standpunkt teilte. Er will mit dem  nunmehr zuständigen Hauptmann die Angelegenheit in meinem Sinn regeln. Ich bin gespannt, wie alles herauskommt. Ich werde mich aber schon durch setzen. Sorgen brauchst Du Dir bestimmt keine zu machen, denn ich werde mir schon helfen.  Schließlich habe ich ja auch die ganzen Jahre hindurch etwas gelernt. Zur Zeit bin ich vorübergehend in einem Hotel untergebracht. Hotel ist wohl etwas reichlich übertrieben, wenn man deutschen Maßstab anlegt, aber im Osten war es ja in dieser Hinsicht noch schwieriger. Ein Bett ist vorhanden. Denk mal, nicht einmal Wanzen habe ich hier. Als ich aber gestern Abend hereinkam, da liefen einige Schwaben über den Fußboden, die habe ich mit hartem Tritt beseitigt. Das ist zwar sehr roh, aber ich bin in dieser Beziehung einmal kein Tierfreund. Ein kleiner Tisch ist vorhanden. Wenn ich mich daran setze und mit den Ellenbogen auflehne, dann ist er voll. Dann hat kaum noch etwas Platz. Aber trotzdem versuche ich hier meinen Brief darauf zusammen zu bekommen. Als höchster Komfort ist ein Waschbecken mit fließendem Wasser vor handen. Das finde ich auch einfach fabelhaft, denn das hätte ich nicht erwartet.   Ein Spiegel befindet  sich auch an der Wand und ein Stuhl ist ja auch vorhanden, denn  sonst könnte ich  nicht sitzen. Ich lasse mir nicht weiter hier besorgen, weil ich  doch bald anders untergebracht  werde. Wenn ich mich so hier in diesem Zimmer umsehe, dann muß  ich denken,  wie nett wir doch in München untergekommen waren. Es waren so  schöne, in sich  abgeschlossene Tage, daß ich nur immer wieder mit einer stillen  Freude daran zurückdenken  muß. Wie hattest Du Dich gefreut, als Du nach Deiner Reise, die  so plötzlich einen  ungewollten Abschluss fand, Dich dann richtig ausstrecken konn test. Mir selbst war  es eine Freude, Dich dort einzuweisen. Daß wir zwei so nett und  von den Kriegsverhältnissen  abgesehen, sorglose Tage verbringen konnten, war mir insofern  eine doppelte Freude,  weil wir doch zusammen ohne Kinder seit unserer Verheiratung nie  hinausgekommen  sind. Nachdem Dein Urlaub selbst auf zwei Tage nur gemessen war, ist es auch gegangen, daß Du für diese kurze Zeit den Haushalt allein lassen konntest, zumal die Kinder immerhin so groß sind, daß man sie sich schon einmal allein behelfen lassen kann. Ich hoffe, daß soweit alles auch gut abgegangen ist und glaube, von Dir, wenn auch nicht mehr im Laufe dieser, so doch Anfang der dann kommenden Woche von Dir zu hören. Auch davon werde ich dann erfahren, wie Du mit Deinem ganzen Gepäck nach hause gekommen bist. Meine Gedanken waren auf der ganzen Fahrt bei Dir. Immer konnte ich mir vorstellen, wo Du Dich ungefähr befandest, denn die Kenntnis der Strecke erleichtert einem ja diese Vorstellung. Wie haben Dich die Kinder empfangen? Ob sie wohl am Schiff waren und rechtzeitig Deine Karten erhalten haben? Über die Dinge von München werde ich sicherlich noch ab und zu zu sprechen kommen. Da fand ich im VB eine Filmbesprechung, die Dich wohl auch interes sieren wird, weil es sich um einen Film handelt, der in München gedreht wurde. Wenn er bei Euch läuft, wird es Dich sicherlich interessieren, die Bilder, die von der Stadt mit dabei sind, wieder zu sehen. Ich finde noch einen angefangenen Brief, den ich Dir schrieb, ehe ich das Telegramm wegsandte. Ich sende ihn Dir mit zu. Ich denke und ich weiß aber auch, daß Du über meinen Entschluss, Dich doch noch nach München kommen zu lassen, nicht böse gewesen bist. Deine beiden Briefe, die ich noch dort erhielt, habe ich während der Fahrt gelesen, und ich muß sagen, daß Du mir besonders mit dem einen langen eine recht große Freude gemacht hast. Ich danke Dir sehr dafür. Daß Du Dir Gedanken gemacht hast, weil Du mich angeblich einige Male während des Urlaubs geärgert hättest, das ist doch bestimmt nicht nötig gewesen. Du weißt ja  selbst, daß ich nicht nachträglich in diesen Dingen bin. Also deshalb kannst Du beruhigt schlafen. Schön hast Du mir mit Deinem Schreiben nochmals die Tage des Urlaubs vor Augen geführt und für mich selbst habe ich nochmals lachen müssen, als Du mir beschriebst, wie ich Dir ankündigte, daß ich auf 3 Wochen mit nach hause komme. Anmerkung: Wir waren meinem Vater auf sein Telegramm hin nach Stuttgart entgegengekommen; wir hatten im Warteraum übernachtet. Wir waren der Meinung, daß er weiterfahren müßte und wollten ihn auf diese Weise wenigstens wieder einmal sehen. Stuttgart war zu dieser Zeit schon größtenteils zerstört, ich kann mich vor allem an die Königsstraße erinnern.  Die Tunnelfahrten hast Du auch nicht vergessen. Denk einmal an, daran hatte ich erst nicht einmal mehr gedacht. Wenn Du mit hierher gekommen wärst, dann hätten wir wieder Gelegenheit gehabt, das nochmals auszuprobieren. In  ?  war ein besonders langer, was man da wohl hätte alles anstellen können? Du hast nun auch Deine Tätigkeit im Garten und das Leben daheim wird Dich nun wieder voll in Anspruch nehmen. Heute früh dachte ich besonders daran, daß Ihr nun unserer Helgas Geburtstag begeht. Erstens dachte ich auch an die Zeit, wo sie geboren wurde. Mir stand damals eine neue Arbeitslosigkeit bevor. Aber auch all der Jahre mußte ich gedenken, die nun dazwischen liegen. Sie waren für uns doch immerhin ein Aufstieg. Der ging zwar nicht rapide, abr doch schön stetig. Wir haben uns manches geschaffen und auch einiges erreicht. Was hat sie wohl zu ihrem Hut gesagt, den Du ihr mitgebracht hattest? _ Der Auftakt für eine neue Schreibperiode ist nun wieder getan, denn die anderen Schreiben waren bisher doch nur kurze Berichte. Ich hatte auch nicht die nötige Ruhe dazu. Ich glaube, daß sich das einrenken wird. Ich glaube auch, vorerst Zeit dazu zu finden. Meine Feldpostnummer hatte ich Dir ja schon mitgesandt. Vorsichtshalber schreibe ich sie Dir nochmals, damit alles seine Ordnung hat. Sie lautet 17090. Über die kleinen Verdrießlichkeiten, die sich hin und wieder ergeben, mußt Du Dir keine Kopfschmerzen machen, denn ich werde mich schon durchbeißen. Im übrigen bin ich schon an solche Dinge gewöhnt und meine Ruhe verliere ich deshalb bestimmt nicht. Mein lieber Schatz, bleibe recht gesund. Grüße und küsse die Kinder von mir recht herzlich. Wie ich Dich auch bitte, an Vater einen schönen Gruß auszurichten. Du selbst wirst, aber nur im Geist diesmal leider nur, ganz fest abgedrückt und lasse Dich dazu recht herzlich grüßen von Deinem Ernst. 

Mein liebster Schatz !                                                                              6.9.43 
         
 

Nach den Nachrichten, die ich heute im Radio hörte, bin ich in großer Sorge um Euch, weil es wohl sehr gut möglich ist, daß auch Ihr bei diesen Kämp fen, von denen da die Rede war, in Mitleidenschaft gezogen worden seid. Es ist wirklich kein angenehmes Gefühl, in solcher Ungewissheit zu schweben. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß Ihr, meine Lieben, alle gesund und heil geblieben seid. Ich könnte mir jedenfalls nicht vorstellen, in welcher Verfassung ich eine schlimme Nachricht aufnehmen würde. Ich will aber immer noch das beste hoffen und erwarte bald recht gute Mitteilungen von Dir. Ich habe mir dies gleich während des Dienstes vorgenommen, Wie Du siehst, ist das Papier hier schlecht, was ich bekommen konnte. Das ist aber dabei ja nicht ausschlaggebend. Ich hatte heute hier Glück und konnte einige Eier erhalten. Es sind zwar nur 6 Stück, die ich mir verpackt habe und die morgen an Euch mit abgehen. Nehmt sie gesund in Empfang. Meinen gestrigen Brief konnte in Urlaubern gleich mitgeben, was mir sehr angenehm war, denn dadurch kommst Du ja schneller in den Besitz der  ersten Nachrichten von mir. Die Dinge nehmen hier ihren weiteren Fortgang. Ich habe das Gefühl, daß hier sich das Verhältnis so entwickelt wie in Douai. Es ist hier in einer Abteilung dem einen Herren über den Kopf gewachsen, und ich soll die Angelegenheiten ins Reine bringen. Daß ich da keinen großen Gefallen daran habe, das kannst Du Dir ja vorstellen. Die Herren von der der Verwaltungsabteilung haben aber anscheinend auch keine große Lust, sich gegen die Anordnung des Kommandanten zu stellen, so daß ich mit meiner Ansicht allein dastehe und sie wohl auch allein durchfechten muß. Mache Dir aber bitte keine Gedanken darüber. Ich teile Dir das nur mit, damit Du siehst, wie hier für mich alles seine Entwicklung nimmt. Es wäre ja nicht richtig, wenn ich nach der Einleitung in meinem anderen Brief, jetzt auf einmal nichts mehr schreiben würde. Wie ich Dir schon schrieb, hatte ich von München aus eine recht schöne Bahnfahrt, Ich fuhr über Rosenheim, Salzburg. Das Wetter war sehr bewölkt, daß es aussah, als wollte es jeden Augenblick anfangen mit reg nen. Die Berge kamen teilweise sehr nahe bis an die Bahn heran. Vorher sah ich den Chiemsee, der halb im Dunst und halb im Sonnenschein dalag. Man wußte nicht so recht, wie sich das Wetter entscheiden würde. Ich kannte ja die Fahrt schon von früher her, als ich aus dem Protektorat damals zu Euch kam. Nach Salzburg wandte sich die Strecke von der Wiener Strecke ab. Durch Hallein kam ich durch und mußte dabei daran denken, wie Du vor Jahren dort gewesen bist. Herrlich war es, wie die Berge von den Wolken eingehüllt waren, wie sie teilweise wieder hervortraten. Es war wunderschön, das anzusehen. Nach Bad Gastein, das früher der Aufenthaltsort von Kaiser Franz-Josef war, kamen wir durch einen recht langen Tunnel. Die Bahn erreichte dort eine Höhe von 1052 m und ist damit um über 200 m höher wie die Schwarzwaldbahn, die nach meinem Wissen 832 m in Sommerau überwindet. Als wir diesen Tunnel passiert hatten, fanden wir auf der anderen Seite ganz herrliches Sonnenwetter vor, was einem sichtlich überraschte. Es boten sich dann von Zeit zu Zeit wunderschöne Durchblicke. Ich wünschte mir nur dabei, daß Du mit dabei gewesen wärst. Am Spätnachmittag überfuhren wir die frühere Reichsgrenze und fast pünktlich kamen wir in Marburg an. Gegen das Reich war die Grenze mit Barrieren gesichert. Längs der Bahn floss die Drau. Auch diese Strecke war wirklich sehr reizvoll. Am Abend kamen wir noch an die kroatische und später an die ungarische Grenze. Durch die Verhältnisse bedingt, wurden im Zuge Sicherungen ausgestellt. Für die Nacht hatte ich mir meine Decken unter gelegt und den Schlafsack als Kopfkissen. Die anderen Kameraden, die im Zuge waren, hatte sich im Gepäcknetz und auf dem Boden Platz gemacht, so daß wir alle Schlafgelegenheiten hatten. Vorfälle ereigneten sich nicht, so das wir in dieser Hinsicht nicht gestört wurden. Am anderen Morgen ist man wohl etwas steif, wenn man aufwacht, doch das gibt sich ja dann bald wieder. Zum Frühstück wie auch am Vortag zum Abendbrot, hatte ich ja einen Apfel verdrückt, die Dir die Kinder mitgegeben hatten. Sie sind jetzt bis auf zwei zusammengeschmolzen. Ich will hierzu noch bemerken, daß Du sehr Obacht geben mußt, daß sie Dir nicht schlecht werden. Ein Teil fängt von innen heraus an zu faulen. Manche haben Maden, so daß sie auch bald schlecht werden würden. Wenn Du sie nicht halten kannst, so esst sie bitte mit auf. Vielleicht hast Du die Möglichkeit durch die Resi welche zu bekommen, die Du aufheben kannst. Ich weiß zwar nicht, ob Du das gerne machst. Das soll von mir nur eine Anregung sein. Ich schrieb Dir ja schon, daß wir erst 10,45 Uhr in Belgrad ankamen. Die Fahrt selbst war nicht weiter interessant, denn die Landschaft ist nicht besonders abwechslungsreich. Als ich dort ankam, mußte ich mich erst um die Versorgung meines Gepäcks kümmern. Ich erkundigte mich dann nach der Dienststelle. Erst wurde ich verkehrt gewiesen. Später fand ich aber doch noch das, was ich suchte. Dort wurde für ein Quartier für mich gesorgt, das ich in einem Hause fand, was noch ziemlich neu und auch sehr sauber war. Die Familie stellte mir das Musikzimmer zur Verfügung, in dem eine Couch stand. Dort habe ich mich mit meinem Schlafsack eingerichtet. Wie Du siehst, habe ich schon wiederholt ganz gut von ihm Gebrauch machen können. Das Haus hatte Bad, und weil ich im fünften Stock wohnte, war der Fahrstuhl ganz günstig. Wenn man aber keinen Schlüssel dazu hat, dann war das schon ein Pech, denn dann war es mit der Benutzung Essig. Das Schlafen war dort ganz ordentlich, ich konnte mich ja auch ganz gut behelfen. Die Möglichkeiten sind hier ja schon wesentlich besser wie im Osten. Über die anderen Dinge werde ich dann morgen berichten. Heute ist unser zweiter Hochzeitstag  Bemerkung: der erste ist am 1.9., der standesamtliche, und der zweite am 6.9. der kirchliche, gewesen  Ich habe schon an ihn gedacht. Diesmal aber ohne daß es dazu eines Anstoßes bedurfte. Vor einer Woche waren wir noch schon beieinander, da konnten wir immerhin noch recht sorglos sein. Wir werden wohl noch recht oft an diese schönen Stunden denken. Am Vormittag waren wir doch reichlich müde geworden, als ich nicht genau wusste, welcher Turm das war, der beim Karlsturm. Was machen eigentlich die Verletzungen unserer Kinder? sind sie schon besser geworden? Hoffentlich sind keine Schwierigkeiten dazwischen gekommen. Bleibt, meine Lieben, alle recht gesund und seid alle recht herzlich gegrüßt und geküßt. Besondere Grüße und Küsse gelten, wie immer, Dir mein liebstes Mädel. Dein Ernst. 

Brief 450 vom 01./02.09.1943


Mein liebster Schatz !                                                                     1.9.43    
 
Du bist nun bereits wieder einen Tag daheim, während ich hier in einer Wirtschaft in Belgrad sitze, um wenigstens niederzuschreiben, daß ich hier angekommen bin. Die  Fahrt hat, entgegen der und erteilten Auskunft, bis 11 Uhr gedau ert. Bis ich nun das Gepäck abgegeben habe und die Durchfragerei bis zur Dienststelle, bei der ich mich melden soll, beendet war, ist viel Zeit vergangen. Die Herren haben keine Zeit, mich zu empfangen, denn wie ich höre, sitzt sie bei einer Flasche Wein, bei der sie nicht gestört werden wollen. Wie es aussieht, bleibe ich nicht hier im Ort. Ich werde zu irgendeiner Kommandantur kommen. Das werde ich aber nachher noch erfahren. Über die Art und Weise bin ich wieder sehr verärgert, denn die Leute spüren hier sehr wenig vom Krieg. Gestern  habe ich den ganzen Tag an dich gedacht, wie Du nach hause gefahren bist. Wenn man die Strecke kennt, dann kann man sich an der Zeit ungefähr zusammenreimen, wo sich der Zug oder das Schiff befin det. Die Fahrt bei mir war ja sehr schön, vor allem das ganze Stück durch die Ost mark. In Salzburg hat es nicht einmal geregnet. Das soll doch dort zum guten Ton gehören. Aber es fehlte nicht viel, dann hätte es gereicht. Das Wetter war bis Bad Gast ein sehr auf Regen eingestellt. Es kam aber nicht soweit. Wir fuhren dort durch einen sehr langen Tunnel, und auf der anderen Seite der Berge war dann das herrlichste Wetter. Es war dann ein wunderbarer Anblick, als wir dann auf halber Höhe des Berges über einem Tal fuhren. Schöne weiße Wolken standen am Himmel und dagegen standen dann die dunklen Berge. Im Tale dann der Fluss. Es war einfach ein herrliches Bild.  Es war nur bedauerlich, daß ich diese Fahrt allein machte. Wie schön hätten wir über diese Dinge sprechen und uns zusammen darüber freuen können. Deine lieben beide Brie fe, die ich in München erhielt, habe ich dann gelesen. Ich kann Dir nur sagen, daß ich mich mächtig über Deine lieben Zeilen gefreut habe. Ich bin bis jetzt aber noch nicht in der richtigen Stimmung, um Dir ausführlich über alles zu berichten. Mich hat hier manches beeindruckt, was ich erst hinter mir haben muß, dann wird es wieder besser gehen. Ich bitte Dich aber um eines, mache Dir um mich keine Sorgen, denn ich werde es schon schaffen. Inzwischen ist es Nacht geworden. An Helga habe ich einen Geburtstagsbrief geschrieben, damit sie sieht, daß ihr liebster Vater trotz der verschiedenen Wirrnisse an sie gedacht hat. Ich hatte vergessen, Dir zu sagen, daß sie ja auch noch 20,-RM bekommt wie Jörg, damit sie mit ihrem Sparbuch nicht so weit hinterherhinkt.  Auch heute Nachmittag habe ich nichts erreicht. Der Herr war wieder nicht da, obwohl er mich bestellt hatte. Ich habe nun am Abend etwas zu essen bekommen, denn satt sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Ein Quartier habe ich auch bei Privatleu ten, dann ist alles nicht so ängstlich. Mein Gepäck wurde mir mit dem Wagen geholt, so daß dann in dieser Beziehung alles seine Ordnung hat. Morgen werde ich nun erfahren, was jetzt mit mir geschieht. Manchmal geht einem der Gaul durch, aber es ist schon so, man muß eben Warten lernen. Sobald man diesem Grundsatz beim Militär untreu wird, dann rächt sich das alles. Mir soll es wieder gleich sein, denn das geht ja doch vom Krieg ab . Meine neue Anschrift weiß ich noch nicht, sobald ich sie habe, lasse ich sie Dich wissen. Mein Schatz, lasse Dich recht herzlich grüßen und sei vielmals geküßt von Deinem Ernst, der viel an dich denkt.  




Mein liebster Schatz !                                                                                   2.9.43     
 
 

Jetzt ist es vorläufig soweit. Heute habe ich nun den Bescheid erhalten, daß ich hier zu einer Kreiskommandantur, wie man so schön sagt, zur Einarbei tung beordert bin. Als erstes habe ich gleich die neue vorläufige Feldpostnummer erfragt. Sie lautet jetzt 17090. Wie lange ich mich dort aufhalten werde, das ist noch unbestimmt und hängt ganz und gar von der Entwicklung der weiteren Verhältnisse ab. alle die weisen Erklärungen,  die mir hier mitgegeben worden sind, kamen mir zum Teil reichlich lächerlich vor. Ich kenne doch nun die Militärverwaltung seit über 3 Jahren und bin schließlich kein Neuling. Ich habe das diesen Herren auch erklärt. Aber manche kommen sich dabei sehr klug und weise vor und hören sich gern reden. Aber davon werde ich Dir in meinen späteren Schreiben berichten. Auch über die anderen Dinge, die ich hier erlebt habe und die Eindrücke, die ich hier gewonnen habe, werde ich später mehr schreiben. Ich habe hier nicht die nötige Ruhe und auch nicht die richtige Gelegen heit. Gedulde Dich bitte bis dahin. Morgen früh geht es 6,37 hier ab und wenn alles klappt, dann habe ich meinen Bestimmungsort um 15,31 erreicht. Das Nest heißt Kragnjevace und liegt südlich von Belgrad. Ob Du das Kaff auf einem Plan findest, wird wohl sehr fraglich sein. Mein recht liebes Mädel, Dir zum Geburtstage ! Gern wäre ich an Euren beiden Geburtstagen mit dabei gewesen.  Aber das Wollen und das Können sind eben zwei Dinge, die sich meist sehr schwer auf einen Nenner vereinen lassen. Wir haben ja reichlich Gelegenheit gehabt, uns in der letzten Zeit ausführlich über diese Dinge zu unterhalten. Du selbst hast ja bei meiner Abreise so einen kleinen Vorgeschmack bekommen, wie das in solchen Fällen zugeht. Ich hätte Dir, wenn ich nicht unterwegs wäre, wie gegenwärtig, besonders geschrieben und zugesehen, daß das Schreiben auch rechtzeitig angekommen wäre. Du kennst ja all die besonderen Umstände, so daß ich mich wohl nicht weiter zu entschuldigen brauche.  Meine Wünsche, die ja unser beider Wünsche sind, habe ich Dir ja bereits in München ausgesprochen. Ich möchte sie aber nochmals kurz zusammenfassen. Ich wünsche Dir, daß Du mit im kommenden Jahr gesund bleibst und vor allem, daß mit Deinem Herzen doch so eine Besserung eintreten möge, daß Du keine Schwierigkeiten und keine Komplikationen bekommst. Wirtschaftlich haben wir ja keine Sorgen weiter, so daß sich meine Wünsche daraufhin erstrecken brauchen. Ich wünsche Dir aber außerdem, daß du während meiner Abwesenheit viel Freude an den Kindern hast und daß sie Dir in mancher Beziehung eine Stütze sind. Ich weiß wohl, daß Du nicht alles mit ihnen besprechen kannst, aber doch immerhin können sie Dir in vieler Hinsicht ein Trost sein.  Was uns alle betrifft, das wäre der Wunsch für einen Urlaub oder noch besser, baldige gesunde Heimkehr nach einem gewonnenen Krieg. Wenn ich Dir auch nichts weiter auf den Tisch legen kann, so bitte ich Dich, verfüge über 50,-RM von dem bei Dir hinterlassenen Geld für Deine Zwecke. Ich kann leider jetzt nichts weiter tun. Mein liebster Schatz, hoffen wir, daß sich diese Wünsche erfüllen mögen, so wie sie darge bracht sind. Nimm viele liebe Küsse und recht herzliche Grüße entgegen. Ich bin in Gedan ken immer bei Euch , meine Lieben. Dein Ernst.

Brief 449 vom 26./27.08.1943


Mein lieber Schatz !                                                                              26.8.43  
 
Die Zeit rinnt einem nur so durch die Finger. Der schöne Urlaub liegt nun wieder hinter mir. Zurückblickend kann ich sagen, daß mir diese Tage mit die schönsten waren, die ich je im Urlaub erlebt habe. Nicht unwichtig dabei war zweifellos, daß das Wetter so schon war und die Jahreszeit, zu der ich diesmal den Urlaub geschnappt habe, spielt dabei auch eine ziemlich gewichtige Rolle. Wenn wir auch im 4. Kriegsjahr mit dem Essen nicht solche Sprünge machen konnten wie in früheren Jahren, dann liegt ja keine Veranlassung vor, sich zu wundern. Eines wundert mich nur, daß Du es immer mit Geschick fertiggebracht hast, daß alle Mäuler satt wurden. Ich habe allen Grund, Dir dafür nochmals recht herzlich zu denken. Daß Du mir die Tage immer so nett gestaltet hast und immer lieb zu mir gewesen bist, ist ein weite rer Grund meines Dankes. Eine große Freude war es mir, daß auch ich Euch die Tage mit verschönern helfen konnte. Dieser Gedanke macht mir die Trennung von Euch etwas leichter. In erster Hinsicht Dir und dann auch den Kindern dafür meinen inni gen Dank. Ich habe ein paar sorglose Wochen bei Euch verbringen können. Daß dies möglich war, dazu habt Ihr Euren Teil mit beigetragen. Daß ich dir manches während dieser Zeit helfen konnte, macht mich noch recht froh. Also nochmals für alles in allem recht, recht herzlichen Dank. _ Gestern Nach bin ich mit einigen Minuten Verspätung hier eingetroffen. Im Zuge habe ich erst noch die schöne Aussicht genossen, später, als dann das Abteil ziemlich leer war, konnte ich mich sogar langlegen. Der Schlaf sack war mir dabei schon sehr nützlich, denn er diente mir dabei als Kopfunterlage.  Meinen Koffer habe ich gleich auf der Bahn aufgegeben und erwischte dann gerade noch die letzte Straßenbahn. Bei der Dunkelheit hatte ich einige Sorge, daß ich an der richti gen Haltestelle aussteige. Zum Glück traf ich noch einige Kameraden von unserer Einheit, so daß ich dann keine Schwierigkeiten hatte. Ich war dann doch froh, die Reise wieder hinter mir zu haben, wenn sie diesmal auch nicht so lang gegangen ist, wie ich es bisher gewohnt war. Die erste Nacht habe ich in einem fremden Bett zugebracht, dabei habe ich gleich meinen Schlafsack verwenden können. Heute früh habe ich nun die Lage gleich gepeilt, damit ich darüber im Klaren bin, was mit mir geschieht. Ich habe beim OKW anrufen lassen. Dort hieß es, daß es noch dabei bleibt, daß ich nach Serbien fahre. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß ich zu diesem Haufen zurückkehre.  Der Oberinspektor hat mich gefragt, ob ich angefordert werden soll, wenn hier der Betrieb wieder losgeht. Ich habe ihm daraufhin gesagt, daß ich ihm schon mitteilen werde, wie es mir dort geht. Ich kann mich dann immer noch danach einrichten, was ich dann machen will. Hier ist es gegenwärtig alles in Abmarschbereitschaft. Die Leute sind nicht wiederzuerkennen. Alle haben sie die neue Bekleidung. Ich habe sie mir auch gleich besorgt, denn ich habe mir gedacht, daß ich keine Veranlassung habe, mich noch länger mit dieser dicken Kluft herumzudrücken. Ich lasse sie erst noch richtig in Ordnung bringen, dann kann ich mich an der neuen Dienststelle sehen lassen. Ob die dort genau so angehost sind, das weiß ich zwar noch nicht, das spielt aber auch keine Rolle. Meine alte Einheit, die rückt nun nächste Woche ab an den Gardasee in der Nähe von Verona. Dort wird dann in Zelten gelebt. Wie ich es nun antreffen werde, das ist ja noch ungewiss. Ich werde mich dann schon einzurichten wissen. Darüber brauche ich mir auch weiter keine  Sorge zu machen. Wann ich genau abreise, kann ich Dir heute noch nicht sagen, unser Oberinspektor sagte, ich könnte mich hier solange aufhalten, wie es mir recht sei. Wenn Anfang der kommenden Woche der Verein hier auch abrollt, dann sind mir in dieser Hinsicht schon gewisse Grenzen gesetzt. Was nun die Dinge anbelangt, die mir von dem Sonderführer mitgeteilt wurden, so kann ich Dir zur Beruhigung mitteilen, daß alles glatt abgelaufen ist. Der Oberinspektor, der erst so große Töne hier gemacht hat, sagte zu mir so gut wie nichts. Ich habe ihm bewiesen, daß das, was er hier in die Gegend posaunt hat, nicht zutrifft. Er hat auch klein beigegeben und die Dinge gehen vollkommen in Ordnung. Das wäre eigentlich alles, was ich heute mitzuteilen hätte. Dem Jörg kannst Du sagen, daß ich seine Äpfel unterwegs verdrückt habe mit dem von Dir zurechtgemachten Brot. Wie  seid Ihr nun heimgekom men? Doch das werde ich wohl bald erfahren. Unsere Helga wird heute Abend fleißig Rad fahren üben, denn das Wetter ist ja bei Euch auch wieder klar geworden. Ich habe mein Gepäck noch nicht hier, darum muß ich heute mit diesem Blaustift schrei ben. Das ist wohl etwas ermüdend, auch für Dich, wohl zum Lesen. Ich kann es aber leider nicht ändern. Haltet weiterhin den Kopf oben und denkt daran, daß auch uns wieder einmal eine andere Zeit blüht. Grüße Vater bitte von mir. Ich wünsche, daß Ihr gesund bleibt und sende Euch Dreien in dieser Erwartung recht herzliche Grüße und viele liebe Küsse . In Liebe Dein Ernst.

Mein liebes Mädel !                                                                       München, 27.8.43 
        
 

Diesen Brief fange ich gleich heute früh an, Ich komme soeben vom Baden. Gleich hier in der Nähe ist ein Hallenbad, das ich mit einigen Kameraden schon um 8 Uhr aufgesucht habe. Das war dann sehr erfrischend. Ich hatte zwar in dieser Nacht wesentlich besser geschlafen wie die vorhergehende, in der ich mich noch nicht so an das harte Bett gewöhnen wollte. In die Verhältnisse daheim findet man sich doch eher hinein. Die erste Nacht kam ich nicht so richtig zum Einschlafen, denn in den ganzen Betrieb muß man sich erst wieder hineinfinden. Zudem war gleich nebenan die Unterkunft von 40 Mann, die die ganze Nacht nicht zur Ruhe kamen. Wie ge sagt, umgekehrt findet man sich in die Gepflogenheiten daheim eher hinein. Ich hatte erst die Absicht, mich einige Tage hier noch aufzuhalten, um Dich evtl. herüberkommen zu lassen. Heute morgen wurde ich aber schon so komisch gefragt, wann ich abfahre.  Weiß Du, das lasse ich mir nicht gern sagen, daß ich irgendwo lästig bin. Wenn es auch nicht direkt gesagt wird, so genügt das schon, wenn man es einem auf diese Weise merken läßt. Es sind eben alles Menschen, die erst an nichts denken. Macht man es aber auch einmal so, dann wird man schon schief angesehen. Ich sage mir darum, einmal muß ich doch fort. Warum soll ich das alles noch hinauszögern. Ich halte es deswegen am besten, wenn ich bald abrücke, denn auf die Dauer ist dieser Zustand doch nicht angenehm. Ich will mir nur die neue Bekleidung in Ordnung bringen lassen. Das wird aber bald geschehen sein. Dann geht es hier ab. Ich werde Dich noch genau unterrichten, wann und wie ich genau fahre. Ich denke, daß es aber Sonntag oder Montag sein wird.  Später wahrscheinlich auf keinen Fall.   
(mit Handschrift : unvollendet und durch Deine Ankunft überholt.) Das war doch so besser.

Mittwoch, 1. August 2018

Brief 448 vom 1.8.1943


Mein liebster Schatz !               1.8.43           


Soeben habe ich ein Telegramm an Dich aufgegeben, weil bei uns alles ganz und gar unklar geworden ist Seit 22.7. habe ich nicht mehr an Dich ge schrieben, da ich der Hoffnung war, daß wir uns persönlich sprechen können. Ich hatte vorhin versucht, dich telefonisch zu erreichen damit ich Dich wenigstens wieder einmal hören würde, aber bei Webers war sicherlich keiner zuhause, denn es meldete sich niemand. Wir sind am vergangenen Montag von unserem alten Aufenthaltsort abgerollt. Dort hatten wir verladen und seitdem befinden wir uns auf dem Waggon. Es war mir alles so unfassbar, daß wir nun wieder in Deutschland sein sollen, aber wie es scheint, wird sich alles wieder anders gestalten. In meinem Telegramm habe ich Dir ja mitgeteilt, daß ich versuchen will, Dich übermorgen anzurufen. Ich hoffe, daß das klappt. Vorsichtshalber will ich Dir aber gleich noch Bescheid geben, damit Du nicht gar zu lange ohne Bescheid von mir bist. Wir hofften, daß wir südlich von Wien nach Neukir chen kommen würden, aber gestern Abend bekamen wir einen anderen Marschweg angewie sen, der aber gewissermaßen nur von Station zu Station weitergehen wird. Gegenwärtig halten wir uns im Donautal auf und ich denke, daß wir im Lauf des kommenden Tages nach München abrollen dort wird aber auch nicht entladen werden, so daß sich alles noch klären wird, wenn wir dort oder in unsrem nächsten Ankunftsort ankommen. . Es ist ein bedrückendes Gefühl, so nahe bei Euch zu sein, und sich nicht in der Weise bemerkbar machen zu können, wie man es gern möchte. Ich habe ja nun Deinen letzten Brief vom 1.7.  in Händen, die andere Post befindet sich bei der Dienststelle, die sie gesammelt haben wird. So vieles interessiert mich und manches hätte ich auch zu erzählen, aber die nötige Ruhe fehlt mir, um mich zu einem ordentlichen Brief zu konzentrieren. Hoffentlich machst Du Dir keine allzu großen Gedanken, denn das ist wirklich nicht nötig. Ich hoffe, daß sich die Dinge doch noch so wenden werden, daß sie für mich günstig sind. die Hoffnung darf man eben nicht aufgeben. Zu gern will ich doch unserem Jungen zum Geburtstag meine Wünsche persönlich aussprechen. Ich denke, daß sich das noch einrichten läßt. Ich hatte mir das unterwegs in Gedanken so schön ausgemalt, aber man muß sich vorher nicht zu sehr freuen. Ich habe meine Gedanken nicht so beisammen, wie es zum Schreiben nötig ist. Sei mit diesem Gruß, mein liebes Mädel, in Liebe entgegen, denn es ist das erste Schreiben, das ich in der Heimat verfertigte.  Bleibe gesund und halten wir den Daumen, daß alles klappt. Recht festen Kuß und viele Grüße von Deinem Ernst.