Sonntag, 4. Dezember 2016

Brief 200 vom 4./5.12.1941


Meine liebe Annie!                                                           4.12.41   

Ich habe nun 3 Päckchen wieder an Euch auf den Weg gebracht. In einem das Spielzeug für Jörg Nummer 32, in den anderen beiden Mandarinen und Zigarren mit Tabak. In der Tabakschachtel habe ich das Putzmittel mit verpackt, damit Du dies nicht etwa ungeöffnet weiterschickst. Ich hoffe, daß alles ordentlich und gut ankommt.  Bei dem Spielzeug habe ich für Jörg noch einige Fasanenfedern zugepackt. Ich glaube nicht, daß er keine Verwendung dafür finden kann. 
Von Dir habe ich noch keine Post erhalten. Ich denke zwar, daß das damit im Zusammenhang steht, daß Du der Ansicht gewesen bist, daß ich komme und hast deshalb nicht mehr geschrieben. Ich werde mich darum noch einige Tage gedulden müssen, bis ich wieder Nachricht von Dir bekomme. 
Seit Anfang dieser Woche haben wir hier ein unfreundliches nebliges Wetter. An manchen Tagen war es wie in einer Waschküche. Der Nebel dringt dann durch sämtliche Kleider hindurch, vor allem, wenn es dann noch kalt dazu ist. Das ist schon so dick gewesen, daß man ihn schon im Zimmer gespürt hat. Doch das läßt sich ja alles noch aushalten.  Bis jetzt haben wir noch nicht frieren müssen. Das ist wohl sehr wesentlich.
Ich habe hier bei mir auf der Dienststelle keine Dampfheizung, doch die Öfen, die in den Zimmern stehen, heizen ganz gut durch. Ein Nachteil ist wohl der, daß man vom Fenster hier kalt bekommt und von der anderen Seite warm. Das läßt sich aber noch abstellen, indem man sich noch Vorhänge vor das Fenster machen läßt.  Jetzt bin ich nun in letzter Zeit jede Woche zum OvD herangezogen worden. Mir macht es ja nichts weiter aus, denn wenn ein Kamerad krank ist, muß man schon einmal einspringen.  Doch so geht das nun nicht weiter. Am 6. und 7. bin ich offiziell dran und dann will ich für einige Zeit meine Ruhe haben. Denn normalerweise komme ich nur aller 14 Tage dran.
Eine Abschrift von meinem abgelehnten Gesuch lege ich Dir heute mit bei. Ich habe gleichzeitig noch nach Konstanz und an die Gemeindeverwaltungsschule geschrieben. Damit man von mir aus auch Bescheid erhält. Ich will, daß das dann auch in Ordnung geht. 
Post habe ich gestern noch von der SA erhalten. Wenn man so da liest, kann man wohl feststellen, daß seit dem Anfang des Krieges und jetzt ein erheblicher Unterschied besteht. Man sieht aber wieder den guten Willen, den Faden zwischen den Angehörigen nicht abreißen zu lassen. Ich weiß auch, daß die Leute ihre Arbeit am Tage haben und dann noch diese Sonderaufgaben, also die Betreuung der Angehörigen der Einheit nebenbei haben. Aber es hat eben im Großen und Ganzen alles nachgelassen. Am Anfang mußte doch immer etwas geschickt werden. Das muß jetzt unterbleiben, weil alles rationiert ist und weil jeder selbst gerade so viel hat, wie er für sich braucht. 
Ich sende Dir und den Kindern recht viele herzliche Grüße und Küsse. Ich hoffe, daß Ihr alle gesund seid und daß ich bald wieder etwas von Euch erfahre Dein Ernst.

Meine liebe Frau !                                                    5.12.41

Gestern habe ich noch an Siegfried und an Kurt geschrieben, ebenso an den Oberbürgermeister. Die Durchschläge davon und die Abschrift von der Ablehnung meines Gesuches habe ich aber bei mir in der Wohnung daheim gelassen. Für die Mittagspost reichte es mir heute nicht mehr, so daß Du Dich bis zum nächsten Brief gedulden muß, in dem ich Dir wieder Zeitungen zusenden werde. 
Als ich meinen Brief an Kurt fertig hatte, bekam ich von ihm einen Brief. Ich werde ihm nun gleich noch darauf antworten, dann habe ich das gleich wieder erledigt.
Dann bekam ich noch ein Päckchen vom Oberbürgermeister heute früh ausgehändigt, das ich aber noch nicht geöffnet habe, das wäre nun das erste Weihnachtspäckchen, was ich bekommen habe. Denn sonst hört und sieht man ja nichts von der Stadt das Jahr über. Es sei denn, daß es vorkommt, daß man mir wegen des Lehrgangs oder sonstwie Dienstliches schreiben muß. Aber ich meine, was sollen die auch schon viel schreiben, denn es ist ja eine große Herde, die die Stadt zu betreuen hat. 
Zu berichten hätte ich heute nicht sonderlich viel, denn hier geht halt alles wie bisher. Täglich kleinere oder größere Stänkereien, die nicht ausbleiben, aus denen man sich aber schon nichts mehr daraus macht. Gerade gestern sagte mir der Kriegsverwaltungsrat, dass er es als einen Unsinn betrachtet, wenn man so oft nach hause schreibt. Ich habe ihm aber gleich gesagt, das ist mir schon verständlich. Der eine steht eben zu seiner Familie und der andere so. Darauf zog er sich in seine Gemächer zurück und sagte nichts mehr. 
Beiliegend erhältst Du einige Bilder. Sie sind zwar nicht schön, aber als Erinnerung an meine  Zeit hier  will ich sie aufheben. Der Gefreite ist mein Kamerad Wittenburg und der Feldwebel ist mein Kamerad Brausch, die beide mit mir zusammenarbeiten. Wir hatten diese Bilder vor unserem Umzug gemacht und ich habe sie jetzt erst bekommen. Hebe sie auf  wenn sie Dir auch nicht gefallen sollten.  Ich grüße Dich für heute wieder recht herzlich ebenso die Kinder. Bleibt mir gesund und nehmt viele Küsse entgegen von Deinem Ernst.

Freitag, 2. Dezember 2016

Brief 199 vom 02./03.12.1941


Liebstes Mädel!                                                              2.12.41 

Nun will ich meinen Brief fortsetzen, damit Du heute nicht so kurz wegkommst wie gestern. Ich bin zwar ohne Post geblieben, doch ich kann Dir ja auch einmal etwas anderes schreiben. Von unserem Umzug habe ich wohl schon Dir eine kurze Mitteilung zukommen lassen. Heute kann ich ja eine weitere Rate schreiben.  Für unsere Verhältnisse waren die vorhandenen Räume etwas zu klein, denn einige saßen bei uns gewissermaßen dem anderen auf dem Schoß. In einem Zimmer, das nun nicht gerade sehr groß war, waren 3 Personen untergebracht. Der Kommandant hatte sich anfangs auch immer dagegen gesträubt, doch nun hat er zugegeben, daß wir die neuen Räume beziehen. Diese sind nun schon etwas besser wie die alten. Hier habe ich jetzt mein eigenes großes Büro, das ich mir nun nach und nach einrichte. Bis jetzt ist wohl noch unser Schreibfräulein, vielmehr das ist eine Frau, untergebracht. Wenn dann das Schreibzimmer fertig gestellt ist, zieht sie bei mir aus, so daß ich dann tatsächlich allein bin. Das waren früher Wohnräume eines ziemlich reichen Kauzes, doch er lebt ja nicht mehr. Die einzelnen Räume sind alle frisch hergerichtet.  Mein Zimmer ist beispielsweise 3 bis 4 m im Quadrat. Vorhin habe ich einen schönen großen Teppich hereingelegt bekommen. Einen Klubsessel auch dazu und einen schönen Tisch. Neue Lichtkörper haben wir auch bekommen, so daß das ja anständig aussieht. Die anderen Kameraden sind ebenfalls ganz gut untergebracht. Vor allem hat es jeder ordentlich.
Zu dem Haus gehört so ein kleiner Park, der im Sommer nicht schlecht sein würde. Ich habe mein Zimmer nach der Straßenseite hinaus, an dem sich auch der Kanal befindet. Das ist das Schöne dabei, daß die anderen Häuser nicht direkt gegenüber liegen. Der Blick kann sich dann ein wenig weiten. Aber von meinem Zimmer aus habe ich auch Durchsicht nach dem Garten hinüber.
Was nun unsere Arbeit anbelangt, so ist jetzt, wie ich Dir schon schrieb, eine Aufteilung erfolgt. Mir sind jetzt sämtliche wirtschaftlichen Dinge zugeteilt worden.  Außerdem habe ich Fürsorge und Flüchtlingswesen. Dann Kultur, weiterhin Nachtpassierscheine. Das sei aber nicht genügend, so daß man mir noch etwas anderes zuteilen will. Vorschläge dazu soll ich ja machen. Warten wir also erst noch einige Tage ab. Bis ich mich dann entschieden habe. Aber ich werde eins nach dem anderen erledigen, so wie ich es immer gemacht habe. 
Meinen Mantel habe ich gestern wieder zurück bekommen, den ich mir bei einem Soldaten machen ließ. An diesem Mantel war mir immer der Kragen zu weit gewesen. Jetzt sitzt er ausgezeichnet. Er sitzt so ordentlich, daß einige Kameraden schon gefragt haben, ob ich einen neuen Mantel bekommen hätte. Ich habe mich selbst darüber gefreut. Heute will ich auch meine Feldbluse holen. Ich bin froh, daß ich mit meiner Kleidung wieder etwas in Ordnung bin, denn so auf Dauer mit verbrauchten Sachen herumzulaufen ist doch unangenehm. 
Gestern haben wir wieder schönen Fasanbraten gehabt. In letzter Zeit haben wir ja verschiedentlich Wild gehabt und ich glaube an einem der nächsten Tage, so wie ich gesehen habe, wird es wieder Hasenbraten geben. Ich kann dann immer mit meiner anderen Verpflegung sparen und brauche dann nicht so viel zu kaufen. 
Ich denke, daß ich nun Schluß mache, denn meine Arbeit fordert mich. Ich grüße Dich und die Kinder recht herzlich und hoffe, daß Ihr alle wohlauf seid. Ich sende Euch viele Küsse und bin in der Hoffnung, daß ich heute wieder einen Brief von Dir bekomme Dein Ernst.

Meine beste Annie !                                                   3.12.41

Ich habe gestern Deine beiden Sendungen erhalten. Außer den Tabletten und dem Verpackungsmaterial hattest Du ja noch andere Sachen mit beigefügt. Ich danke Dir für das Gebäck und für die Karte zum Advent. Ich habe gestern Abend das Gebäck gleich noch probiert. Das schmeckt wieder ausgezeichnet und ich will Dir hiermit gleich noch danken. Im Advent sind wir wohl bald drin und wie schnell wird es gehen, dann ist auch Weihnachten wieder vorüber. Ob und wie ich über einen der Feiertage wegkäme ist ja noch nicht bestimmt. Unser Kriegsverwaltungsrat, der hier seine eigenen Ziele verfolgt, denkt ja anders wie ich und der Inspektor. Ich muß nur feststellen, daß sich unsere Meinungen, also die des Inspektors und meine, immer mehr decken. Ich habe gemerkt, daß er bei unserem Kriegsverwaltungsrat nicht im richtigen Fahrwasser ist. Doch jetzt läßt er sich schon besser an.
Ein Urlaubsgesuch habe ich zwar schon geschrieben, doch wie über dieses entschieden wird, weiß ich noch nicht. Ich teile Dir jedenfalls immer rechtzeitig mit, was ich in dieser Sache unternommen habe.
An die Kinder habe ich einen Brief für den Nikolaustag geschrieben. Wenn sie auch nicht mehr daran glauben, so bin ich doch der Meinung, daß sie ihre Freude haben werden. Hoffentlich trifft der Brief noch rechtzeitig ein. Ich wollte nur die Tradition nicht aufgeben, denn bisher haben sie sich doch immer wieder gefreut. Wahrscheinlich hast Du ihnen eine Kleinigkeit besorgen können, denn darüber freuen sie sich ja wieder. Vielleicht sind auch meine letzten Päckchen bis dahin eingegangen, dann steht Dir ja auch noch etwas zur Verfügung.
Mit der nächsten Päckchenpost schicke ich wieder einige Kleinigkeiten weg. Unter anderem das Spielzeug für Jörg, das ich erst einem Kameraden mitgeben wollte, sende ich Dir so zu. Das habe ich nicht nummeriert, doch ich lasse es unter der Nummer 32 laufen. Ich will dann noch ein Päckchen mit Mandeln und eines mit Tabakwaren fertig machen, die ich teils gekauft und teils empfangen habe. Du mußt nun nicht alles Deinem Vater zusenden. Vielleicht sendest Du ihm die Zigarren und den Tabak, den ich diesmal gekauft habe, gibst Du an Vater. Doch das überlasse ich Dir im Einzelnen selbst.
Wichtig ist, daß Du die Sachen da hast, damit Du etwas zum Verteilen hast. Das Verpackungsmaterial, das Du mir gesandt hast, werde ich also bald verbrauchen. Du weißt aber, daß ich auf fertige Kartons keinen besonderen Wert lege, denn die passen meist nicht. Ich baue sie mir ja fast immer aus Kartonstücken zusammen, weil mir das vorteilhaft erscheint. 
Vom gestrigen und vorgestrigen Kino-Abend habe ich Dir noch zu schreiben, daß ich mich zweimal gut unterhalten habe. Am Montag gab es einen lustigen Film „2 mal 2 im Himmelbett“. Es war nicht schlecht. Vor allem hat man dabei wieder lachen können, wenn manches auch eine große Viecherei war.  Der andere Film dagegen war das ganze Gegenteil, er hieß „Dorf im roten Sturm“, früher ist er unter dem Namen „Friesennot“ gelaufen. Das war mir einer der eindrucksvollsten Filme, die ich wohl gesehen habe, abgesehen von der Spannung.  Doch nun zum Schluß. 
Recht herzlich grüße und küsse ich Dich. Gib bitte unseren beiden Stromern jedem einen festen Kuß von mir und grüße auch Vater. Dir selbst nochmals viele herzliche Grüße und Küsse von Deinem Ernst.

Brief 198 vom 01.12.1941


Meine liebe Annie !                                                                                                                  1.12.41     

Vorhin habe ich den Brief an Dich abgeschickt. Ich muß nun feststellen, daß der Brief ein ganz falsches Datum hat. Heute ist ja schon der 1, wie ich festgestellt habe beim Geldholen. Denn Zahltag ist ja bei uns nie am letzten. Ich habe Dir ja früher schon immer geschrieben, was für ein wichtiger Tag das ist. Die Finanzen müssen immer wieder einmal aufgefrischt werden. Das ist auch gut so. 
Die Filzschuhe für die Kinder sind nun schon unterwegs. Hoffentlich passen sie. Ich habe nur 2 Mal die gleiche Nummer bekommen. Ich denke aber, daß sie Jörg schon passen.  Vielleicht versuche ich nochmals für beide ein Paar zu bekommen.  denn unsere Beiden haben doch den neuen Hausschuhen auch bald das Genick gebrochen. Aber ich bin schon froh, daß Ihr jetzt alle soweit mit Schuhen versorgt seid.
Für Dich habe ich noch ein drittes Paar hier liegen, die mit Gummisohlen sind, und auch in der Ausführung meines Erachtens besser aussehen. Sobald ich etwas Passendes habe, was ich noch dazu packe, schicke ich sie Dir mit zu. Du bist dann wohl voll mit Hausschuhen versorgt.
Um den Cognac habe ich ja keine Sorge. Ich weiß ja, daß Du von selbst Dich darüber hermachst. Aber wenn ich ja den Lehrgang einmal mitmachen kann, dann habe ich doch so einen kleinen Vorrat für besondere Notfälle. Aber ich will nicht nur an mich denken. Wenn Dir einmal ein Schluck mit mir zusammen schmecken sollte, dann ist mir das wohl sehr recht.
Wegen der Hosen für Jörg sehe ich in den nächsten Tagen zu, wie ich das mache. Ebenso für die anderen Stoffe. Es ist immer allerhand Geld, was man so für diese kleinen und großen Einkäufe braucht. Bis dann wieder die Zeit herum ist, wundert man sich, wo das Geld geblieben ist. Rechnet man dann aber wieder zusammen, dann stimmt es immer wieder. Ich muß schon sagen, daß ich doch mancherlei Sachen gekauft und heimgeschickt habe, was man vielleicht nicht gehabt hätte und was man doch gebrauchen kann. Es freut mich, wenn ich mir immer wieder sagen kann, in vielerlei Hinsicht brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen. Auch sonst brauchst Du nicht erst lange bitten und warten, bis man Dir Deine Sachen genehmigt. 
Was nun die Sache mit Deinem Vater anbelangt, so sind wir uns wohl beide einig. Sieh, ich bin darüber hinweg. Ich denke nicht mehr daran und es tut mir nicht mehr weh und Deinem Vater ist es ja auch wohler. Du weißt wohl, daß ich mich nicht scheue, wenn es drauf ankommt, ihm auch in dieser Hinsicht die Meinung zu sagen. Doch wenn es sich so machen läßt und solange er mir nicht ehrabschneidend entgegentritt, lasse ich ihn seinen Weg gehen. Ich bin nun einmal der Ansicht, daß wir beide so am besten auskommen.
Was nun Siegfried, Erna und Dein Vater miteinander machen, das kann ja nicht unsere Sache sein. Denn wir haben auch nicht gewollt, daß sich jemand in unsere Sachen hineinmischt.  Hier ist einzufügen, daß Erna nach dem Tod meiner Großmutter meinem Großvater, Papa genannt, den Haushalt führte   Wir werden es deshalb auch nicht bei den anderen tun. Ich hoffe, daß sich am Ende doch alle vertragen. Wenn jeder etwas dazu beiträgt, kann das auch ganz gut gehen. Daß Siegfried und Dein Vater Hitzköpfe sind, ist ja nun eine Angelegenheit, an der wir nicht mehr ändern können. 
Mit den Inspiroltabletten werde ich ja nun auskommen. Ich glaube, daß Du erst einmal aufhörst mit Einkaufen. Ich werde dann schon rechtzeitig wieder welche anfordern. 
Was hier den Kriegsverwaltungsrat anbelangt, so habe ich Dir ja kürzlich verschiedenes geschildert.  Ich kann nur immer wieder feststellen, daß er ein ziemlich unausgeglichener Mensch ist, der heute in Bezug auf die Kameradschaft dahin und ein anderes Mal dorthin neigt. Er ist kein leicht zu behandelnder Mensch, den man schon verstehen muß, um ihn dann auch entsprechend zu nehmen. Interessant ist nur, wie unser Inspektor und er miteinander schaffen. Ich mache mir deshalb keine Sorgen. Ich muß wohl manchmal sagen, daß der Inspektor gesunde Ansichten hat, doch er muß nun einmal zugeben, daß der Kriegsverwaltungsrat sein Vorgesetzter ist. Es ist schon lustig, wie die zwei aufeinander losgehen. Bis jetzt zwar noch nicht direkt gegeneinander, sondern nur immer über dritte Personen. Beispielsweise bei mir. Ich lasse aber beide reden und die sollen sehen, wie sie dann wieder auseinander kommen.
Gestern haben wir wieder unsere Tour auf das Land gemacht. Essen und Trinken war wieder wirklich reichlich und wir sind voll auf unsere Rechnung gekommen. Die Leute können das ja machen, denn der Mann hat, wie ich Dir wohl schon einmal mitteilte, die Metzgerei und Kolonialwaren.  Sonst ist der Mann auch nicht schlecht gestellt, so daß es nicht gerade sehr ins Gewicht fällt. Am Mittag gab es schönen Rinderbraten und am Abend hat es Hühnchenbraten gegeben. Am Nachmittag gab es Kuchen und guten Kaffee. Nach dem Nachtessen wurde dann nochmals kalte Platte mit Schinken und kaltem Fleisch gereicht. Also, wie gesagt, schlecht haben wir nicht gelebt. Unser Kriegsverwaltungsrat hat uns dann mit dem Wagen heimgebracht, so daß uns diesmal der Verdauungsspaziergang vorenthalten wurde. 
Da muß ich Dir noch eine Geschichte erzählen, die mir vorgestern hier passiert ist. Ich habe mir hier eine sehr schöne Portion Hackfleisch besorgen lassen. Ich sage zu unserer Hausfrau, sie soll es mir anrichten mit einem Ei, etwas Öl, Zwiebel, Salz, Pfeffer.  Sie sagt ja und rückt ab. Ich freue mich schon darauf, einmal wieder etwas essen zu können, was den Appetit anregt. Ich kann zwar im Allgemeinen nicht klagen, daß ich etwa keinen Appetit hätte. Ich warte und denke, was die Frau wohl nur macht, gehe in der Zwischenzeit einmal in die Küche, doch ich sehe, wie die Frau wohl arbeitet und verziehe mich. Nach einer Weile trägt sie auf und was denkst Du wohl, was sie mir daraus gemacht hat. Ein Omelett. Drin eingewickelt hat sie mir das Gehackte, richtig angerichtet mit Öl, Zwiebeln, Salz und Pfeffer. Ich war etwas verärgert.
Die Frau beteuerte, daß das sehr gut schmeckt. Ich sagte ihr aber, daß das nicht so gemeint gewesen sei, sondern ich hätte es kalt haben wollen. Ich hatte mir nun nicht auf einmal alles machen lassen, sondern erst die Hälfte. Ich war froh darum.  Ich habe dann also das Obst verdrückt. Um meinem Magen doch noch eine Freude anzutun, habe ich mir dann den Rest auf meine Art zubereiten lassen. Vorsichthalberweise bin ich diesmal dabei geblieben und habe meine Anweisung dazu gegeben. Die Frau hat nur immer wieder den Kopf geschüttelt und gesagt, daß ihr das unverständlich sei, daß man das Fleisch so essen kann. So gehen die Geschmäcker auseinander. Das hat dann aber richtig geschmeckt.  Das kann einem einmal passieren, daß man sich auf etwas freut und daß einem das so daneben gelingt.

Brief 197 vom 28./30.11.1941


Mein liebstes Mädel !                                                28.11.41      

Ich habe gestern den Brief von unserem Jungen bekommen. Hat er denn die Adresse auch selbst geschrieben. Das hat er ja ganz fabelhaft gemacht. Na und die Bilder, die er aus dem Lesebuch abgemalt hat, die sind ganz in Ordnung. Ich habe mich sehr über seinen Fleiß gefreut. Seine Schrift hat schon etwas Gesicht und sieht sehr ordentlich aus. 
Es ist mir nun außerordentlich schwer, Dir heute mitzuteilen, daß ich nicht zum Kurs kommen kann. Ich erhielt gestern die Mitteilung, daß mein Gesuch, das zur Entscheidung an den Militäroberbefehlshaber weitergeleitet wurde, abgelehnt wurde, weil kein Ersatz für mich gestellt werden kann. Das ist ja auch ziemlich klar, daß so ein Gesuch abgelehnt wird, wenn hier mein Chef, also der Kriegsverwaltungsrat nach Brüssel schreibt, daß er mich nur gehen läßt, wenn ein Ersatz für mich gestellt wird. Das wäre wohl die 3 Monate auch gegangen, wenn man hier den Betrieb einigermaßen danach eingerichtet hätte.  Der Inspektor ist ja auch der Ansicht, daß das möglich gewesen wäre. Aber dieser Herr will eben viele Leute um sich haben, die er zur Arbeit anstellen kann, damit möglichst wenig auf einen fällt und er etwas mehr in der Gegend herumfahren kann.  Angeschlossen lasse ich Dir die Abschrift des Schreibens zugehen, das er an mich gerichtet hat. Es muß einem eben nicht zu wohl werden.
Ich war erst so froh, daß ich Gelegenheit hätte, innerhalb eines Jahres die beiden Prüfungen zu machen. Es wären dann genau 12 Monate vergangen, wenn ich zu diesem Lehrgang gekommen wäre. Aber es hat eben so kommen müssen, dank der Einstellung dieses feinen Herren. Ich kann Dir nur sagen, daß ich mich sehr darüber geärgert habe. Aber was nützt alles Ärgern, wenn man doch nichts dagegen machen kann. Dies liegt hier nun einmal so, daß ich keine Möglichkeit habe, etwas dagegen zu tun. Ich bin ja vertröstet worden, daß man mich dann vielleicht zum nächsten Lehrgang freigibt. Doch wann wird er stattfinden.
Ich hatte mich schon so auf ein Wiedersehen mit Euch gefreut. Aber das ist nun alles ins Wasser gefallen. Man weiß auch nicht, wie man es machen soll. Ist man, wie ich in diesem Falle, voreilig, so richtet man Unheil an, denn ich kann mir denken, daß Du Dir wieder ziemlich Gedanken machtest. Ich hatte ja nicht geahnt, daß ich hier nicht wegkäme, vor allem weil ich zum letzten Lehrgang Urlaub bekam. Vom Militärbefehlshaber ist an die Schule und an den Oberbürgermeister geschrieben worden, daß man mich zum nächsten Lehrgang vermerken soll. Ich hoffe, daß es mir wenigstens gelingt, noch in diesem Jahr Urlaub zu bekommen, denn mir steht ja welcher zu. Ich will versuchen, mein möglichstes zu erreichen, liebes Mädel, mach Dir bitte deswegen nicht zu sehr Gedanken, daß ich nun nicht kommen kann. Ich ärgere mich jetzt noch, daß ich so voreilig war und Dir das gleich geschrieben habe. Aber ich freute mich so, daß ich Dir das mitteilen konnte. 
Herzliche Grüße und viele Küsse sendet Dir und den Kindern Dein Ernst. 

Meine liebe gute Annie !                                                   28.11.41

Es tut mir leid, daß ich Dir mit meinem heutigen Brief habe wehtun müssen, denn ich hätte Dir lieber mitgeteilt, ich komme morgen oder an einem der nächsten Tage. Durch das Verhalten des Kriegsverwaltungsrats, denn ich glaube, daß es nur durch sein Schreiben soweit gekommen ist, ist es nicht möglich geworden, daß ich für einige Zeit wieder nach Deutschland kommen kann. Vielleicht ist es möglich, daß ich dann am nächsten Lehrgang teilnehmen kann. Das Schreiben über die Ablehnung habe ich bis jetzt noch nicht erhalten, doch sobald ich es bekomme, sende ich es Dir mit zu. 
Heute Mittag erhielt ich nun Deinen lieben Brief vom 24. Ich danke Dir vielmals Dafür. Ich hoffe, daß Du mir nicht zu sehr böse bist, wenn ich Dir meinen Weihnachtswunsch nicht geschrieben habe. Vielleicht machen wir es so, daß wir uns zusammen einen Radioapparat kaufen. Das ist eine größere Ausgabe und davon haben wir dann alle etwas. Wenn Du aber einen anderen Wunsch für Dich hast, dann teile mit das doch bitte mit. Ich hoffe, daß ich es möglich machen kann, daß ich kurz nach dem Feste in Urlaub kommen kann. Dann müssen wir eben nochmals zusammen feiern.
Das Spielzeug für Jörg, aus dem er je nachdem auch mehrere Kanonen bauen kann, schicke ich durch einen Kameraden mit. Er schickt es dann an Dich weiter. Das war nicht billig, denn es hat immerhin 7,50 RM gekostet. Wenn er es dann zusammengebaut hat, kann er sogar damit schießen. Ich denke, daß es ihm schon gefallen wird.  Schade ist, daß ich für Helga noch nichts Passendes habe.
Wegen des Stoffes werde ich mich noch rechtzeitig umsehen. Nachdem Dora abgelehnt hat, den Stoff zu kaufen, werde ich vielleicht bei Nannie versuchen oder soll ich ihn Erna zur  Hochzeit schicken. Das Muster habe ich zwar nicht mehr, aber Du hast ja noch eins. 
Siegfried fragte bei mir an, ob ich für Erna eine Bluse besorgen könnte. Ich hoffe, daß ich eine bekommen kann. Ich würde mich selbst freuen, wenn ich ihm den gefallen tun könnte. 
Kurt hat sich sicher zuviel nach den anderen gerichtet, um auch allen zu entsprechen. Für die kurze Urlaubszeit kann man sich nun einmal nicht zuviel vornehmen. Für diese wenigen Tage muß man auch einmal an sich denken und etwas Ruhe muß man sich auch gönnen.  Ich kann mir vorstellen, wie Kurt und Vater sich „rumgemacht“ haben. Denn Kurt ist da stur und gibt nicht nach und bei Vater ist es das gleiche. Kurt muß doch aber in Betracht ziehen, daß er sich extra die Mühe gemacht hat und für ihn einen Kuchen gebacken hat. Aber bei Paula will er es nicht verderben. Mir soll es ja gleich sein. Das kann schon möglich sein, daß Kurt nach Rußland kommt. Aber wollen wir erst einmal abwarten. Ich wünsche es ihm zwar nicht, aber man muß eben dort hin, wo man hingestellt wird.  Hoffentlich ist unsere Helga wieder soweit wohlauf. Sie soll sich nur recht vorsehen, damit es keinen Rückfall gibt. Die Lehrerin von Helga hat auf Dich also nicht den besten Eindruck gemacht. Immerhin hast Du aber gehört, daß auch von der Schule eingesehen wurde, daß bei dem Tempo noch keine einwandfreie Leistung verlangt werden kann. Ich denke, daß es Helga aber noch schaffen wird, auch bei der neuen Schrift eine schöne Leistung zu vollbringen.
29.11.41
Ich habe gestern Abend, ganz außer der Reihe, OvD gehabt für einen kranken Kameraden. Ich war aber so müde, daß ich nichts mehr geschrieben habe und mich bald zu Bett gelegt habe. Ich bin auch nicht gestört worden, so daß ich gut durchgeschlafen habe. Ich habe heute zwar auch noch etwas Kopfschmerzen, doch das wird sich schon wieder geben.
Morgen wollen wir zusammen nach auswärts fahren. Zu dem Deutschen, bei dem wir kürzlich einmal waren. Sicherlich wird es einen ganz netten Sonntag geben. Gestern Abend haben wir zwar auch nicht schlecht gelebt, da gab es wieder einmal Hasenbraten. Ich hatte noch einen Fisch bekommen, den habe ich dann noch hinterher gegessen. Vor 3 Tagen hatten wir Fasan gehabt das macht sich dann schon ziemlich bemerkbar, wenn man sich für diese Tage nichts dazu kaufen muß.  Das geht aber nicht immer so, denn das hängt ja auch von den Zufällen ab, ob man immer gerade etwas bekommt. Eier habe ich zwar immer bis jetzt noch bekommen und ich hoffe, daß ich auch weiterhin noch welche erhalte. Ich habe für Dich auch wieder eine Flasche Öl organisiert. Ich denke, daß Du sie gut verwerten kannst. Bei meinem nächsten Urlaub bringe ich sie dann mit.
Ich habe gestern Abend noch 2 Päckchen und zwar die Nummern 30 und 31 fertiggemacht und heute früh mit zur Post gegeben. In einem habe ich Kunsthonig und im anderen einen Käse, der jetzt auch seltener wird und ein Pfund Mandeln, die noch nicht ausgekernt sind, eingepackt. Du kannst die Mandeln verwerten, wie Du es für richtig findest. Also sie auch den Kindern zu Weihnachten anstelle von Nüssen geben. Ich habe zwar noch keine aufgemacht, Du kannst sie aber einmal probieren und sehen, wie sie sind. 
Von unserem Umzug habe ich Dir ja bis jetzt noch nicht berichtet. Wir haben hier neue Geschäftsräume bekommen. Wir sind nicht mehr in der Kommandantur untergebracht sondern ziemlich ein Stück davon entfernt. Wir haben ein eigenes Haus. Ich sitze gegenwärtig mit unserer Schreibkraft zusammen, die aber demnächst aus meinem Zimmer rauskommen soll. Dann habe ich hier ein schönes großes Büro für mich. Wir bekommen nun einen neuen Geschäftsverteilungsplan. Nach diesem soll ich dann sämtliche wirtschaftliche Sachen übernehmen. Für das ganze Gebiet soll mir dann auch die Unterschriftsbefugnis erteilt werden. Unsere ganze Arbeit gliedert sich ja in Verwaltung und Wirtschaft, so daß mir als Referent für unsere Tätigkeit hier die gesamten wirtschaftlichen Fragen zufallen. Ich habe aber durchaus keine Bedenken, denn man muß ja schließlich etwas tun.  Ich habe Dir ja heute wieder etwas mehr geschrieben. Jedenfalls mehr als das normale Maß, aber ich muß ja nachholen, weil ich die Tage vorher nicht gerade übermäßig viel geschrieben habe. Ich grüße Dich und die Kinder recht herzlich und hoffe, daß Ihr gesund seid. Dir sendet noch recht viele Küsse dazu Dein Ernst. 

Meine liebe Frau !                                                             30.11.41

Ich habe gestern Deinen lieben Brief vom 26. bekommen, für den ich Dir vielmals herzlich danke.
Vorgestern erhielt ich den Brief vom 25., so daß Du daraus ersiehst, daß ich in den letzten Tagen wieder laufend mit Post versorgt bin. Ich danke Dir für alle Deine lieben Zeilen, ebenso auch für den Gruß von Helga.
Ich habe gerne von Dir gehört, daß es unsere Helga wieder etwas besser geht. Wenn es auch ziemlich langsam vorwärts geht, so ist es doch eine Beruhigung, wenn man sieht, daß die Gesundung stetig fortschreitet. Hoffentlich hat sie nun inzwischen alles überstanden. Na, und unsrem Jungen geht es ja noch soweit gut, so daß man sich wenigstens wegen ihm keine Sorgen zu machen braucht. Aber beide sind ja sonst kräftige und stramme Kerle, so daß ihnen das nicht gerade viele Schwierigkeiten bereiten wird. Wenn auch einmal so ein Schnupfen dazukommt, so läßt sich das schon eher wieder an, denn den hat man ja normalerweise bald überstanden und dabei gehen viele Krankheitskeime mit weg. Bei der jetzt so ungünstigen Postabschickung komme ich heute schlecht dazu, Dir einen großen Brief zu schreiben, denn einen Gruß sollst Du doch wenigstens heute bekommen. Ich schreibe also heute nichts mehr. Nimm deshalb viele Grüße und Küsse entgegen von Deinem Ernst.

Sonntag, 27. November 2016

Brief 196 vom 27.11.1941


Meine liebe Annie !                                                                                                 27.11.41  

Gestern erhielt ich nun gleich 3 Briefe von Dir und einen von Siegfried. Da hatte ich schon ordentlich zu lesen, doch ich war durchaus nicht böse darum.  Ich will aber gleich vorweg nehmen, daß ich gestern noch 3 Päckchen ab gesandt habe. Es sind dies die Nummern 27 bis 29. In einem sind die Hausschuhe für die Kinder drin. Ich habe nur Nr. 36 bekommen. Dazwischen habe ich noch eine kleine Flasche Cognac gepackt. In einem weiteren ist der Cognac und im dritten Päckchen habe ich die Apfelsinen für die Kinder gesandt. Hoffentlich kommt alles gut an.
Ein Brief mit Zeitungen und etwas Schreibpapier ist auch unterwegs. Für Dich habe ich noch ein Paar Hausschuhe da, die besser sind wie die schon gesandten. Ich glaube, wenn Du diese dann daheim hast, bist Du für die nächste Zeit mit Hausschuhen versorgt.
Wegen meiner Beurlaubung habe ich noch nichts gehört. Hoffentlich kommt bald Nachricht, damit man weiß woran man ist. Es ist ein unangenehmer Zustand, wenn man so gewissermaßen auf der Schippe sitzt.
Wegen des Radioapparats werde ich sehen, wie ich es mache. Hier kosten sie zwar etwas mehr wie Kurt es angegeben hat, doch für 100 RM kann ich hier auch Allstromapparate bekommen. Ich habe ihn bei einem Kameraden festgestellt, daß dieser Apparat schon am Tage viele Stationen heranholt. Der Klang ist schön voll. Ich habe mir wohl noch andere Apparate angesehen, auch deutsche, die sind aber schon entsprechend teurer.  Für die mit gesandten Briefmarken danke ich Dir wieder. Ich kann sie schon wieder brauchen, denn ich bin so ziemlich am Ende gewesen. Das Verpackungsmaterial werde ich mir aufheben, denn das kann man immer wieder gebrauchen.
Für die mit gesandten Grüße von Vater und Kurt danke ich herzlich. Kurt ist ja nun wieder bei seiner Truppe angekommen. 
Daß Du trotz des Aufhörens der Gartenarbeit immer Arbeit hast, kann ich mir sehr gut denken. Denn die Flickarbeiten nehmen immer viel Zeit in Anspruch, doch man muß eben auf die Sachen Obacht geben, damit sie nicht vor der Zeit zerschlissen sind. Wegen der Zigarren für Deinen Vater brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen. Ich habe hier etwa 20 bis 25 Stück wieder liegen, die ich Dir mit zuschicken werde. Dann kannst Du sie ihm ja zusenden.
Wegen Gebäck für Kurt und Siegfried wird es schon etwas schwierig sein. Ich will hier zusehen, daß ich vielleicht einige Pfunde Mehl bekomme. Dies würde ich Dir dann mitschicken, dann kannst Du Dich vielleicht in dieser Beziehung auch etwas regen.
Was Du zwar Erna schenken sollst oder kannst, weiß ich wirklich nicht. Siegfried hat angefragt, ob ich ihm für Erna vielleicht eine Bluse und ein Paar Strümpfe besorgen kann.
Für die Bilder von den Kindern danke ich vielmals. Sie haben sich ja wieder ziemlich angestrengt. Das Spielzeug für Jörg werde ich in diesen Tagen auf den Weg bringen. Ein Kamerad, der in Urlaub fährt, nimmt es mit und schickt es dann von daheim ab.
Was macht denn unsere liebe Helga. Sie muß sich sehr vorsehen. Sie ist in letzter Zeit sehr anfällig. Aber es wird auch sicher wechselhaftes Wetter mit dazu beigetragen, daß sie schon wieder sich hinlegen muß. Ich habe immer noch nicht die Ruhe, um einen Brief richtig zu schreiben, drum scheint es mir wieder, wie wenn ich ihn zusammengestückelt habe. Nimm ihn deshalb so hin, wie er gemeint ist. Nimm aber für heute recht herzlich Grüße und viele Küsse entgegen. Der Helga wünscht gute Besserung und gute Gesundheit Dein Ernst

Dienstag, 22. November 2016

Brief 195 vom 22./24./25./26.11.1941


Meine liebste Frau !                                                  22.11.41     

Ich komme heute nicht dazu, Dir einen großen Brief zu schreiben.  Post habe ich bekommen. Dagegen hab ich aber gestern Abend eifrig Päckchen gemacht. 6 Stück habe ich heute ab gesandt. Die Scheuerlappen für Vater, Cognac für mich, Zahnpasta für Euch in einem anderen Päckchen und so verschieden Kleinigkeiten. Käse habe ich auch noch mitgeschickt Du wirst schon sehen, was dann alles ankommt. Hoffentlich kannst Du alles richtig verwerten und hoffentlich kommt alles auch richtig an.  Ich will heute noch nach Lille fahren, und muß nun plötzlich aber meinen Plan umwerfen. Ich wollte erst am Nachmittag fahren, muß aber schon jetzt den Zug benutzten. Es eilt deshalb heute und ich bitte Dich, mit dem kurzen Gruß Vorlieb zunehmen.  Ich grüße und küsse Dich recht herzlich. Ebenso die Kinder. Bleibt gesund alle zusammen Dein Ernst.

Mein liebes Mädel !                                                      24.11.41

Ich habe heute früh bei meiner Rückkunft von Lille allerlei Post vorgefunden. 3 Briefe von Dir und ein Brief von Dora. Als wichtigsten, abgesehen von Deinen, bekomme ich aber einen Brief vom Oberbürgermeister. Ich soll sofort zum Kurs nach Karlsruhe fahren. Der Kurs dauert 3 Monate bis 26. Februar 42. Es ist der Kurs für die Inspektorprüfung. Ich reiche jetzt mein Urlaubsgesuch sofort ein, damit ich bald fortkomme.  Es hat also gar nicht viel Zweck, wenn ich Dir lange schreibe, denn ich komme ja innerhalb kurzer Zeit nach hause. Das Gesuch habe ich vorhin geschrieben und der Kommandant ist damit einverstanden. Durchschlag von diesem Schreiben lege ich Dir bei.  Ich grüße Dich und die Kinder recht herzlich und sende Dir noch viele Küsse bis zum Wiedersehen Dein Ernst.

Mein liebes Mädel !                                                       25.11.41

Normalerweise mußt Du ja meinen gestrigen Brief schon bekommen haben. Da bist Du doch sicher auch erstaunt gewesen über die Neuigkeit, die ich Dir gestern mitgeteilt hatte. Es ist mir auch sehr plötzlich gekommen, aber wenn ich die Möglichkeit habe, für meine Weiterbildung und für mein späteres Fortkommen tätig zu sein, so will ich das gern tun. Wenn ich es weiter hinausschiebe, hat das keinen Zweck, denn einmal muß ich es doch machen, wenn ich noch etwas erreichen will und zudem wird man ja schließlich älter und damit fällt einem das schwerer.  Der Kriegsverwaltungsrat hat gestern noch mit der Oberfeldkommandantur telefoniert. Man hat mich, wie er mir sagte, erst nicht weggehen lassen wollen. Er hat für mich nun einen Ersatz angefordert. Ich muß nun warten, bis ich Bescheid bekomme. Ich will dann versuchen, erst direkt zu Euch zu kommen. Ich hoffe nun, daß mir hier alles klappt, damit ich bald einrücken kann. Sobald ich also Bescheid bekomme, gebe ich Dir alsbald Mitteilung. Ich will zusehen, daß ich hier noch alles abwickeln kann. Für Jörg habe ich das Spielzeug bekommen. Ich werde es wahrscheinlich gleich mitbringen. Ich sende Dir heute viele herzliche Grüße und viele Küsse, ebenso den Kindern bis zum Wiedersehen. Dein Ernst

Meine liebe Frau!                                                             26.11.41

Gestern und vorgestern habe ich von Dir keine Post erhalten.  Wahrscheinlich werde ich heute etwas bekommen. Durchschläge lege ich Dir bei von den beiden Briefen, die ich gestern geschrieben habe. Ich will vermeiden, daß mir noch hierher geschrieben wird, wenn ich nicht mehr hier bin.  Von Dora fand ich am Montag einen Brief vor. Sie schreibt, daß sie keinen Wert auf Mantelstoff legt und daß sie nur  Interesse  für eine Jacke gehabt habe, wie Du eine hast.  Ich werde ihr keine Angebote mehr machen und im Übrigen kurz treten.  Gestern Abend war ich im Kino wie auch vorgestern Abend.  Am ersten Abend wurde ein Film über „Fallstaff  in Wien“ gespielt. Ein Film, den wir meiner Erachtens zusammen gesehen haben. Gestern wurde einer über Liebesbriefe aus  irgendeinem Ort gespielt. Alle beiden Filme waren ganz nett und unterhaltsam.  Ich habe keine große Stimmung zum Briefeschreiben, weil man nicht weiß, wann und wie man hier wegkommt.
Das geht erst eine ganze Weile bis es genehmigt wird und dann muß alles im Galopp erledigt sein.  Ich hoffe, daß ich Euch alle gesund antreffe und sende bis dahin viele herzliche Grüße und Küsse Dir und den Kindern Dein Ernst

Montag, 21. November 2016

Brief 194 vom 20.11.1941


Meine liebe Annie !                                                    20.11.41   

Heute, wo ich wieder meinen Nachtdienst habe, will ich Dir gleich auf Deinen Brief vom 17.11. danken, der heute einging. Ich freue mich, daß Du die Pakete 15 bis 18 alle richtig erhalten hast. Es ist einem immer wieder eine Erleichterung, wenn man weiß, daß alles richtig angekommen ist. Freude macht es einem dann aber erst noch, wenn man dann liest, daß auch alles paßt. Nach Deinem Schreiben ist das ja nun der Fall.
Die blauen Schuhe sind auch die größere Nummer, doch die schwarzen sind Nummer 40.  Ich denke aber, daß sie sich noch weiten werden, wenn Du sie einige Male trägst. Wechseln kannst Du sie nun genügend. Auch mit den Hausschuhen bist Du nicht nur auf das eine Paar angewiesen.  Der Schuhonkel ist nur noch nicht wieder hier gewesen, sonst hätte ich schon versucht, für die Kinder noch etwas Passendes zu bekommen, vor allem in Hausschuhen. Er ist aber erst nach Paris gefahren und vorhin habe ich gehört, daß er gestern zurückgekommen sein muß. Nun muß ich wieder sehen, daß ich ihn zu Gesicht bekomme und ihm wieder das abjagen, was ich brauche. Vergessen ist das nicht, darauf kannst Du Dich verlassen. genauso wenig wie ich die Scheuertücher für Vater vergessen habe und auch das „Solitär“ zum Putzen Deiner Lackledertasche, so wenig vergesse ich die Taschenlampenbatterien. Das Lederputzzeug habe ich gestern auch bekommen und sende es Dir wahrscheinlich übermorgen mit zu.  Übermorgen werde ich sicher wieder einige Päckchen fertig haben, die ich dann wegschicke.
Ich schrieb Dir ja schon in einem der letzten Briefe, daß ich Cognac eingepackt hatte, den Du mir dann bitte mit aufhebst. Wenn Du zwar einmal probieren wolltest, so steht dem durchaus nichts im Weg. Es ist einer der wenigen Cognacs, die nicht scharf im Geschmack sind, darum will ich ihn auch so bald als möglich los sein, denn die Kameraden haben mich schon wiederholt darum gefragt, ob ich nicht welchen davon noch abgeben würde. Ich habe aber gesagt, daß ich ihn bereits heimgeschickt habe, das muß ich doch nun auch einmal wahrmachen.
Wegen des Stoffes für Jörg und dessen Verwertung habe ich Dir auch bereits geschrieben, so daß ich da nur die Antwort abwarten brauche. Ich denke aber, daß man noch das Innenmaß, im Schritt, haben muß, damit man sich ein Bild von den weiteren Abmessungen machen kann. Ich habe zwar noch nicht mit dem Schneider gesprochen.  Was nun die Stiefel für Dich anbelangt, so geht das nicht, daß Du sie abmißt, denn die Schuhmacher haben ein besonderes Maß.  Doch warte noch einige Tage, bis ich Dir wieder deshalb schreibe.  Für mich bekomme ich allemal noch ein Paar Schuhe, wenn ich welche brauche, wozu ich dann keinen Bezugschein brauche.
Was die Bestätigung des Empfangs der Päckchen anbelangt, so sind wir uns ja einig.
Was das Eiserne Sparen anbelangt, so machen wir es so, wie Du vorgeschlagen hast. Über das Schreiben Deines Vaters denke ich schon lange nicht mehr so schlimm. Ich bin in dieser Beziehung nicht unversöhnlich. Ich finde, daß er es in seinem Schreiben vom 14., das Du mir zur Einsichtnahme mit übermittelt hast, eingesehen hat, daß ihm manches nicht so einerlei ist, verstehe ich wohl und es stimmt, wenn Du schreibst, daß die vermittelnde Hand Deiner lieben Mutter fehlt. Einesteils muß ich Deinem Vater auch recht geben, wenn er schreibt, daß man wissen müßte, was die Erna mitbringt. Wenn es Siegfried aber nicht haben will und er keinen Wert darauf legt, so muß ihm das schon gleich sein. Wir haben uns ja auch mit vielem selbst durchgekämpft. Denn wenn Du nicht noch bei Deiner Mutter etwas Erspartes gehabt hättest, Dein Vater hätte sich doch seinerzeit nicht groß um alles gekümmert. 
Ich bin ja auch nicht an ihn herangetreten und habe ihn gefragt! “Sag mal, was gibst Du eigentlich Annie mit?“ Wir sind auch so durchgekommen und sind sehr zufrieden dabei gewesen. Im Gegenteil, wir sind stolz darauf, daß wir uns allein durchgebissen haben. Doch die beiden Kampfhähne müssen zusehen, wie sie sich auseinander finden. Wenn es Not am Mann ist, muß man dann bei beiden einmal eingreifen. Doch ich hoffe, daß es nicht notwendig werden wird.  Mit den Tabletten habe ich ganz gute Erfahrungen gemacht und ich verwende sie immer wieder. Wie ich Dir schon einmal mitteilte, nehme ich sie vor allem bei ungünstigem Wetter, oder wenn ich hier viel reden muß. Ich teile sie mir aber ein und habe bis jetzt noch nicht eine Schachtel verbraucht. Zuviel nehmen hat ja auch keinen Wert. 
Gestern hat mich der Kriegsverwaltungsrat eingeladen, mit nach Lille zum Konzert zu fahren. Ich hatte dann auch gleich angenommen, obwohl mir zum Essen und etwas umziehen so gut wie keine Zeit verblieb. Als ich dann zum Auto kam, war es bereits durch einen anderen Offizier besetzt. Er bat mich dann um Entschuldigung und fragte mich, ob ich etwa zurücktreten würde. Das habe ich dann auch selbstverständlich getan, denn so notwendig ist mir das dann auch wieder nicht, vor allem, weil mir von einem nahrhaften Abend etwas verlorengegangen wäre. Wir hatten doch gestern unser Entenessen. Er versprach mir gleich eine Flasche Sekt, die ich mir zwar noch holen muß. Auf diese Weise ist mir aber doch der Entenbraten nicht verlorengegangen.  das war doch wirklich etwas Feines.
Der Kriegsverwaltungsrat ist ja nun endgültig aus unserem Haus ausgezogen. Hoffentlich behalten wir nun unsere Ruhe. Ich muß hier bei uns im Dienst immer wieder die Feststellung machen, daß mir der Kriegsverwaltungsrat immer wieder Arbeiten übergibt, die er dem Inspektor nicht gern übergibt und die so aus dem Rahmen des normalen Verkehrs herausfallen. Wenn er diesem Mann eine besondere Arbeit übergibt, so kommt es meist soweit, daß er ihm den Brief mit handschriftlichen Vermerken versieht, so daß er dann wieder abgeändert werden muß.  Ich bin bei diesen Sachen ja immer nur Zuschauer und sage nichts dazu. 

Heute war der Herr Salzmann, der doch jetzt in Metz ist, besuchsweise hier und er hat gleich die Gelegenheit benutzt, mich nochmals auf einen Sprung zu besuchen. Das ist doch ganz nett. Er hat es nur bedauert, daß er nicht länger hierbleibt, damit man wieder einmal zusammen vorgehen kann. Er hat mich gleichzeitig gebeten, ob ich ihm vielleicht einige kleine Besorgungen machen kann. Ich will zusehen, ob sich das einrichten läßt. 
Ich habe dir ja heute wieder reichlich geschrieben. Jedenfalls über das normale tägliche Quantum hinaus. Ich weiß ja, daß Du das ganz gern entgegennimmst. Darum habe ich auch noch nicht gleich nach der ersten Seite aufgehört. Ich grüße Dich und die Kinder herzlich. Sende Dir außerdem noch viele Küsse Dein Ernst.