Donnerstag, 23. Juli 2015

Brief 30 vom 18.7.1940


Meine liebe Annie!                                                   L. den 18.7. 1940

In Bezug auf die Post könnte ich fast vergleichsweise singen „Ich steh im Regen und warte auf Dich“. Ich will nun nicht hoffen, daß Du auch so lange warten mußt. Bei mir macht ja das nicht so viel aus, denn ich habe ja beim Kommis Disziplin gelernt. Ich habe ja, wie man unter jetzigen Verhältnissen das verstehen muß, meine Ordnung. Früher haben wir immer uns gewünscht einmal auswärts essen zu können. Jetzt muß ich dies jeden Tag tun. Mittags ist ja bei mir von Amtswegen festgelegt. Zum Abend habe ich auch so eine Art Stammlokal ausfindig gemacht, wo sich Preis und Gegenleistung einigermaßen vereinbaren lassen. Mit dem Frühstück habe ich noch so meine Schwierigkeiten, weil die entsprechenden Lokale, die mir einigermaßen zusagen, zu weit aus dem Weg liegen und die übrigen bieten mir nicht das, was ich wünsche. Man kann sich so nach und nach in das Innenleben eines Junggesellen einfühlen. Was für mich aber von großer Bedeutung ist, ich weiß erst wieder wie schön es ist, die Füße unter den Tisch zu stellen und sich das Essen vorsetzen zu lassen. Ich werde mich in dieser Beziehung weiter so durchschlängeln. Ich denke, daß es wieder einmal eine Zeit geben wird, wo wir wieder zusammen sein können. Warten wir also weiter ab und überlassen wir alles andere wieder der Zukunft. Was unsere Urlaubsfrage anbelangt, so kann ich bis jetzt noch keine weitere Auskunft geben, da ich noch nichts wieder gehört habe.
Heute habe ich wieder etwas ganz fabelhaftes für Dich gesehen. Es handelt sich dabei um einen Pelzmantel. Er ist sehr billig, doch ist mir nur die Hauptsorge, wie ich diese Sachen heim bekomme. Gekauft habe ich ihn zwar noch nicht, aber vielleicht werde ich es noch tun. Jedenfalls war ich ganz begeistert darüber, was ich da gesehen habe. Man könnte hier vieles kaufen, weil man hier so vielseitig angeregt wird. Es ist nur gut, daß auch unserem Wehrsold eine Grenze gesetzt ist. Ich habe bei dieser Kauferei eigentlich nur den einen Wunsch, Dir dabei eine Freude zu machen. Da wir aber soweit voneinander getrennt wind, kann man dies ja nur so durchführen, daß man im Rahmen des Päckchenkontingents solche kleine Aufmerksamkeiten schickt.
Auf unserer Suche nach geeigneten Speiselokalen sind wir wieder auf ein neues gestoßen. Da kann man sich ungehindert richtig satt essen. Es geht dort nicht kleinlich zu. Die Inhaberin ist durch ihre Heirat Deutsche geworden. Sie verpflegt deutsche Soldaten, die wie wir ja auch, in freier Verpflegung  stehen. Die meisten sagen zu dieser Frau, die wahrscheinlich Witwe ist, Mutti. Daraus kann man doch ersehen, wie die Frau für die Männer sorgt. Wenn man die Sorgfalt, mit der man doch daheim sonst umgeben  ist, hier nur, wie oben geschildert, im Abglanz verspürt, so ist man ja schon ganz zufrieden. Vor allem auch deshalb, weil die Leute deutsch sprechen und die ganze Aufmachung mehr unseren Gewohnheiten entspricht. Doch genug davon.
Wie geht es Euch dreien, was mach Vater?
Kurt und die Eltern werden sicher wieder geschrieben haben. Siegfried sicherlich auch. Kommst Du so mit der Gartenarbeit mit? Laß lieber etwas liegen und überarbeite Dich nicht so. Wenn es möglich ist, so nutzt bitte die Badezeit aus, der Winter ist immer so lang. Ihr habt Euch dann wenigstens dadurch etwas gekräftigt.
Nachdem ich nun schon einmal hier oben sitze, will ich versuchen, einmal an das Meer zu kommen. Boulogne, Calais oder Dünkirchen würde ich dabei als Ziel ins Auge fassen. Sehen muß ich dann erst, welcher Wunsch dabei in Erfüllung geht. Sei Du diesmal wieder vielmals herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst. Herzliche Küsse von mir gib unseren Kindern, sage ihnen aber gleichzeitig, sie sollen brav sein.

Brief 29 vom 17.7.1940


Meine liebe Frau!                                                                        O.U.. den 17.Juli 1940

 Bis heute immer noch keine Post. Du wirst sicher selbst denken, wann hört denn einmal dieser Stoßseufzer auf. Wenn man aber wartet, scheint einem alles länger zu dauern. Ich werde mich aber weiter gedulden.
Wie es scheint, habe ich mit der Urlaubsangelegenheit etwas voreilig geschrieben. Es tut mir leid, daß ich in dieser Beziehung schon wieder eine halbe Absage schreiben muß. Unser Chef ist der Ansicht, daß wir nicht in Urlaub wollten, nachdem wir ja erst kurz hier seien. Wir müssen nun sehen, wie diese ganze Frage behandelt wird. Zu gegebener Zeit werde ich Dir also darüber wieder schreiben.
Von mir selbst könnte ich augenblicklich nichts weiter berichten als das, was ich ja schon in den letzten Tagen geschrieben habe, daß unser Tagwerk so ziemlich festgelegt ist und abgesehen von kleinen Abänderungen, die sich ja immer ergeben, normal abläuft.
Ich könnte Dir heute höchstens über die Belegschaft etwas schreiben. Wir sind hier bei der „Mairie“ zu Deutsch, Bürgermeisterei, elf Männer und eine Dame als Schreibfräulein. Unser Chef ist im Zivilleben Bürgermeister von Würzburg. Wenn ich ihn charakterisieren soll nach dem, was ich bis jetzt von ihm kennengelernt habe, kann ich nur sagen, daß ich bis jetzt nichts zu klagen habe. Zwei weitere Kollegen sind von Baden. Einer in meinem Rang ist aus Mosbach und der andere ist noch so eine Stufe höher, der kommt von Freiburg. Weiter haben wir noch vier Mann, die dem Verwaltungstrupp angehören, die kommen alle von Schlesien. Ein anderer Herr ist aus Pommern und einer aus Kiel. Das wären so bald alle. Verschiedene waren davon in Verwaltungen tätig, andere sind nur aus verwandten Betrieben. Wir bilden hier so eine kleine Gemeinschaft, die nun ihre Stärken und ihre Schwächen hat. Über die Schwächen muß man ja meistens hinwegsehen. Das Schreibfräulein ist eine Elsässerin, die mit einem Franzosen verheiratet ist. Sie weiß allerdings über den Aufenthalt ihres Mannes noch keinen Bescheid, weil er mit gegen  uns gekämpft hatte. Sie wurde unserer Verwaltung von der franz. Bürgermeisterei zur Verfügung gestellt, weil sie deutsch und franz. beherrscht. Dass wir hier dem französischen Bürgermeister vor die Nase gesetzt worden sind um die Arbeiten, die wir für wichtig halten zu überwachen, habe ich Dir ja schon einmal mitgeteilt.
Zu der Karte, die ich meinem gestrigen Brief beigefügt hatte, muß ich noch bemerkten, daß von dem hohen Turm nach jeder Seite hin die Fahnen des Reiches wehen. Als ich hier in den Bahnhof einfuhr konnte ich diese Fahnen schon beobachten und es hatte mich seinerzeit sehr gefreut das zu sehen. Daß das nun gerade unser Dienstgebäude war, konnte ich ja noch nicht wissen, jetzt freut es mich ja um so mehr, vor allem, wenn man bedenkt, wie diese Gesellschaft gegen uns gehetzt hat und nun müssen sie es doch dulden, daß das Hakenkreuz von ihrem Turm weht.
Dir sende ich diesmal wieder viele Grüße und Küsse und bitte Dich, gib jedem unserer Borzels einen kräftigen Kuß. In treuer Verbundenheit denkt vielmals an Dich Dein Ernst.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Brief 28 vom 15./16.7.1940


Meine liebe Annie!                                                            L., den 15.7. 1940

Es ist also wirklich nicht leicht, wochenlang jeden Tag nur von sich selbst und seinen Eindrücken zu schreiben, ohne dabei einmal aus Mangel an Gelegenheit auf die Gedanken des Partners eingehen zu können. Wie ich Dir schon letzthin schrieb, werde ich mich zu gedulden wissen. Mich freut bei dieser Angelegenheit nur das eine, daß Du wenigstens so ziemlich laufend von mir mit Post versorgt worden bist. Ich habe ja meiner bisherigen Gewohnheit keinen Abbruch getan und habe weiterhin jeden Tag, außer Samstag, geschrieben.
Heute kann ich Dir nun eine Mitteilung machen, die Dich sicher freuen wird. Ich habe heute, allerdings noch inoffiziell, erfahren, daß wir ab 20.7. wieder in Urlaub gehen können. Der Urlaub ist für jeden auf etwa drei Wochen bemessen. Ich bin mir nur noch nicht ganz im Klaren, soll ich, wenn ich ja die Wahl haben sollte, bis zu Deinem Geburtstag warten, oder soll ich, wenn ich für früher eingeteilt werde, früher fahren. Gib mir doch umgehend Deine Ansicht bekannt. Freust Du Dich darüber, wenn ich in absehbarer Zeit heimkommen kann? Außerdem habe ich Dir noch mitzuteilen, daß ich mir hier einen Anzug bauen lasse, zum Preise von 65,-RM. Für die Kosten komme ich selbstverständlich selbst auf. Wie ich ihn heimbringe macht mir zwar einige Gedanken, doch ein Weg wird sich schon finden.
Auf den Inhalt meiner Päckchen, die ich jetzt im Laufe der Zeit absenden werde, möchte ich, soweit ich noch alle in Erinnerung habe, kurz eingehen. Es sind dabei für Dich zwei Trikotgarnituren in blau und rosa, ein Kragen für eine Bluse, verschiedene Taschentücher, ein Schal, eine Kombination in Seide, ebenfalls in blau. Ein Paar Handschuhe. Ich kann ja nicht sagen, ob ich immer das richtige getroffen habe, ich hoffe aber, daß Du alles richtig verwerten wirst. Heute habe ich nun noch Stoff zu je einem Kleid für Dich und Helga gekauft. Hier habe ich noch einen Schal und ein Nachthemd für Dich liegen. Ich habe nur noch den Wunsch, alles richtig heimzubringen und daß alles richtig ist. Ein Paar Strümpfe sind auch noch dabei. Jetzt bin ich auch ziemlich blank nach diesen Käufen.
Heute Abend war ich wieder im Kino. „Das Paradies der Junggesellen“ mit dem bekannten “Das kann doch einen Seemann“ usw. Ich habe mich dabei wieder ganz gut unterhalten für 20 Pfennig. Man vergißt sich dabei und merkt gar nicht mehr, daß man in Frankreich ist.
Fast jeden Tag findet sich in meinem Zimmer etwas Neues ein. Vorgestern kam  ein weiterer Teppich ins Zimmer. Gestern befanden sich zur vorschriftsmäßigen Abdunkelung dicke Vorhänge an den Fenstern. Wenn ich noch eine Weile hier bleiben sollte, wird es sogar wohnlich hier werden. Überlassen wir aber alles der Zukunft.
Hoffentlich seid Ihr alle gesund. Ich grüße und küsse Euch drei recht herzlich und wünsche nur, daß Du auch immer an Deinen Ernst denktst.
Grüße Vater von mir.


Meine liebe Annie!                                                                 L., den 16.7. 1940

Wieder habe ich heute vergebens auf einen Brief von Dir gewartet und doch habe ich wenigstens einen Gruß aus der Heimat erhalten. In unserer Tageszeitung, die wir  hier bekommen, war heute ein Bild vom Konzil vom Stadtgarten aus zu sehen. Es war ja gewissermaßen auch ein Gruß, wenn zwar nicht der, den ich erwartete.
Heute herrschte hier Liller Wetter. Den ganzen Tag trüb, zwischendrin immer einmal wieder Regen. Weiter sind hier noch in der Nacht sehr unangenehm zu vermerken die Schnaken. Man kann abends kaum einschlafen und wenn  man sich nicht ganz fest vermummt, so ist man frühmorgens ganz zerstochen.
Postkarten sind zwar keine schönen aufzutreiben, dafür sind sie sehr billig, das Stck. 2 1/2 Pfg.
Die beigefügte Karte zeigt einen Teil unseres Rathauses, damit du wenigstens annähernd einen Eindruck davon bekommst.
Über Mangel an Arbeit kann ich mich ja nicht beklagen. Vorteilhaft dabei ist nur, daß der Tag schnell herumgeht.
Heute habe ich die zweite Päckchensendung an Dich abgehen lassen. Es sind diesmal zwei größere Kartons. Im Ganzen sind von mir vier Stücke abgesandt. Ich hoffe nun, daß alles richtig ankommt. Die restlichen zwei, die noch zu meinem Kontingent für diesen Monat gehören, werde ich bald abgehen lassen.
Heute früh hatten wir wieder einmal Fliegerbesuch, was man durch heftige Flakabwehr feststellen konnte. Weiter kann ich Dir noch mitteilen, daß wir aus der Beschlagnahmung eine große Tüte Bohnenkaffee erhalten haben. Es ist also immer wieder einmal etwas umsonst zu erhalten.
Dich grüßt und küßt vielmals herzlich Dein Ernst.
Unseren Gören gib einen herzhaften Kuß und sagen ihnen, daß ich sie grüßen lasse. Sie sollen nur brav sein und Dich nicht ärgern.
Meine Hosenträger, die ich übrigens vergessen hatte, kannst Du mir vielleicht einmal mit zusenden, weil meine jetzigen , die ich mir noch in Köln gekauft hatte, den Dienst schon versagen.

Brief 27 vom 14.7.1940


Meine liebe Frau!                                                  Lille, den 14.Juli 1940

Ich hatte die Absicht, Dir einen langen Brief heute zu schreiben.
Die Zeit ist nun doch wieder herumgegangen und nun wird es doch nicht soviel werden, wie ich eigentlich vor hatte. Ich habe einige Päckchen für Dich fertig gemacht und das ist nicht so einfach, weil das Gewicht von 250 Gramm nicht überschritten werden darf.
Ich schicke morgen zwei von hier weg. In etwa 2 - 3 Tagen wieder 2 und nach diesem Zeitabstand werde ich die restlichen 2, die mir diesen Monat zugelassen sind, abschicken. Für den kommenden Monat habe ich dann wieder ein paar Sachen noch da liegen.
Nachdem diese Gewichtsbeschränkung besteht, hat man eben sehr mit Schwierigkeiten zu kämpfen, weil ich einige Artikel da habe, die an sich am Stück schon schwerer sind, als das, was zugelassen ist. Du wirst mir ja dann Bescheid geben, ob alle seine Ordnung hat. Was ich etwa geschickt habe, werde ich Dir dann in einem anderen Brief mitteilen.
 Heute ist nun Sonntag. Am Vormittag habe ich gearbeitet und heute Nachmittag habe ich mich rein privat hier auf dem Amt betätigt. Es ist ja nicht so einfach, sich in einer fremden Stadt so über den Sonntag hinwegzubringen, ohne immer viel Geld auszugeben. Ich war, das kann ich wohl sagen, ohne dabei rot zu werden, die letzten Tage sehr solid und bin auch gestern wieder 1/2 9 Uhr daheim gewesen. Ich habe dann meine Sachen gerichtet und die Päckchen an Dich vorbereitet. Ich habe immer geglaubt, heute vielleicht zum Sonntag von Dir Post zu erhalten, doch auch diesmal mußte ich mich wieder gedulden. Ich nehme an, daß nun in den nächsten Tagen bald etwas kommen wird. Man wird mit der Zeit ungeduldig und glaub es erzwingen zu können. Man muß sich eben darein finden und abwarten.
Solange ich noch keine Briefe von Dir beantworten muß, will ich Dir noch etwas von meinen Endrücken schildern, die ich hier so jeden Tag gewinnen kann. Vorher möchte ich Dich aber noch um verschiedenes bitten. Einige Herren, die hier als Dolmetscher wirken, haben mich um deutsche Zeitungen gebeten. Ich bitte Dich, sende mir doch einige der I.B und auch sonstige Zeitungen, die wir von den Eltern erhalten. Vielleicht kann man damit etwas aufklärend wirken. Ein anderer Herr hat danach gefragt, ob uns Hans Fritsche (Zeitungs- und Rundfunkschau) die Reden die er jede Woche gehalten hat, im Buchhandel zu erhalten wären. Wenn Du so etwas  in Konstanz bekommen kannst, so kaufe es doch und sende mir dies ebenfalls zu. Wenn Du damit einige Auslagen haben solltest, werde ich Dich schon irgendwie wieder entschädigen.
Den Gesamteindruck, den die Stadt hier auf mich gemacht hat, habe ich Dir ja schon geschildert. Über das Rathaus habe ich ja auch schon geschrieben, daß dies ein ganz neuer Bau ist. Eine Karte werde ich Dir demnächst mit beifügen, damit alles etwas anschaulicher wirkt. Stil ist zwar keiner dabei, aber dafür hat es ja auch viel Geld gekostet.
Die Leute schimpfen jetzt über die Sozis, die dafür soviel Geld verschwendet haben. Die Innenausstattung ist auch in keiner Weise kleinlich ausgefallen, so daß wir uns mit unseren Büromöbeln in Konstanz dagegen wirklich nicht sehen lassen können. Was die Außenansicht selbst noch anbelangt, so fällt ein ganz besonders hoher Turm auf, der ganz unmotiviert daneben steht. Er paßt zwar zu allem nicht dazu, doch wie gesagt, auf die Schönheit kam es dabei wahrscheinlich nicht besonders an.
Die halb abgebrochenen Häuser und die noch da stehenden sind vollkommen verrußt und verdreckt. Die Seitenfronten der Häuser und die Bauzäune sind mit schreienden Aufschriften oder Plakaten versehen, so daß man sagen könnte, ein Stadtbaumeister hätte hier eine sehr dankbare Aufgabe.
Die Lebensverhältnisse der Bevölkerung sind nach meiner Feststellung, die ich bis jetzt treffen konnte, nicht gerade überragend. Die durch die Deutschen eingesetzten Hilfsmaßnahmen werden wohl in Anspruch genommen, doch von einer ausgesprochenen Dankbarkeit kann wohl keine Rede sein.
Die Leute stehen schon stundenlang, bevor die Ausgabestellen geöffnet werden, Schlage und warten ebenso lange, bis sie an die Reihe kommen. Bei den Franzosen scheint man wahrscheinlich sehr viel Zeit zu haben. Unser Tempo ist ihnen nicht so bekannt und auch nicht so geläufig. Es kann ja sein, daß auch hier noch manche Änderung eintreten wird.
Wenn man das den Leuten hier sagt, daß wir anderes Arbeiten gewöhnt sind oder daß bei uns dies oder das besser sein, so bekommt man hier kaum eine zustimmende Antwort, und wenn, dann nur zögernd. 
Man merkt aber auch in allem, daß diese Herrschaften sich immer noch in ihrem alten Fahrwasser befinden. Man wird wohl nicht alles verallgemeinern können, doch für den Durchschnitt wird dies doch zutreffen. Das war uns ja auch schon früher bekannt. daß sich die französischen Frauen gerne anmalen und gerne neue Kleider anziehen. Dabei kann man aber oft beobachten, daß soweit auch alles in Ordnung ist, aber die Strümpfe sind entweder nicht gestopft oder nicht gewaschen. Weiterhin habe ich hier Kinder gesehen, die tatsächlich vor Schmutz starren, dabei bin ich noch nicht einmal so in die richtige Vorstadt und die Arbeiterviertel hineingekommen.
Wiederholt haben uns schon Kinder angehalten, sie möchten „Money“ oder „Sou“. In dieser Beziehung kann ich nun kein Verständnis aufbringen. Vor allem soll die französische Bevölkerung, die dazu in der Lage ist, dafür aufkommen, denn warum soll denn der deutsche Soldat noch für die Fehlpolitik der französischen Wirtschaft herhalten.
Im Übrigen haben wir ja durch den Einsatz der NSV gewiß schon viel getan. Aber gerade die besser situierten Leute scheinen hier nicht viel für ihre armen Volksgenossen übrig zu haben (bei uns soll es ja auch so etwas geben).
Wir haben uns bis jetzt aus aller Not selbst herausgeholfen, so kann ich auch grundsätzlich und aus diesen Gesichtspunkten heraus mich nicht dazu entschließen, hier etwas zu tun.
Was werdet Ihr wohl heute am Sonntag unternommen haben. Ich glaube kaum, daß Ihr so wechselhaftes Wetter habt, wie es hier bei uns der Fall ist. Meine Haushälterin sagt mir fast jeden morgen „il pluie“ es regnet.
Ja diese Frau macht mir schon einige Sorge, denn die will mir unbedingt französisch  beibringen und ich bin eigentlich gar nicht so scharf darauf. Wenn die Leute was von uns wollen, sollen sie deutsch lernen.
Gestern hat sie mir in meinem  Zimmer einen weiteren großen, zwar älteren Teppich herein gelegt. Sie will mir das wohnen scheinbar etwas angenehmer machen. Eigentlich komme ich ja nur zum schlafen dahin.
Euch alle grüße ich heute wieder recht herzlich. Gib unseren beiden Kerlchen einen herzhaften Kuß. Du sei aber von mir wieder besonders gegrüßt und geküßt. Ich bin auch in der Ferne immer noch Dein Ernst.

Sonntag, 12. Juli 2015

Brief 26 vom 11./12.7.1940


Meine liebe Annie!                                                          Lille, den 11.Juli 1940

Nachdem ich nun auch gestern um 9 Uhr, also anschließend nach dem Essen heimgekommen bin, ist heute dieser Fall schon wieder eingetreten. Meine „bonne“ fragt schon immer, ob sie die Türe schließen kann. Sie erwartet also doch normalerweise, daß man um diese Zeit noch gut ausgehen kann. Da ich nun aber noch die Aufgabe habe, Dir zu schreiben, so habe ich es doch vorgezogen, heimzugehen. Du siehst ja dabei wieder, welch erzieherischen Einfluß Du auch noch in der Ferne auf mich ausübst. Ich tröste mich aber trotzdem noch mit einem Schluck Cherry Brandy, den ich mir zugelegt habe, damit ich daheim an solchen Abenden nicht ganz trocken sitzen muß. Ich habe Dir ja schon einmal geschrieben, aus welchem Grunde man hier diese Getränke zu sich nimmt. Bei unseren Verhältnissen daheim werde ich dann diese Mätzchen wieder ganz von selbst bleiben lassen.
Einer Sache bin ich jetzt so ziemlich auf die Spur gekommen. Mein Einsatz hier ist mit aller Wahrscheinlichkeit darauf zurückzuführen, daß ich mich seinerzeit nach Polen gemeldet hatte. Es ist zwar etwas anderes daraus geworden, doch vielleicht habe ich noch das Glück, nachdem wir Soldaten ja doch nicht heimkönnen, mit nach England dann zu kommen.
Bei der Stärke des Reichs und der Schlagkraft unserer Wehrmacht fängt man auf einmal anders zu denken an. Man weiß nur noch eins, daß wir über England siegen werden und daß dieser Sieg nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.
Heute beim Mittagessen ist uns wieder ganz Besonderes serviert worden. Die Vorspeisen, bestehend aus Pilzen und Kartoffelbrei wurde in Muscheln wie wir sie als Aschenbecher kennen, aufgetragen. Ja, für Abwechslung wird gesorgt.
Eine weitere Kleinigkeit habe ich Dir heute wieder gekauft; ich glaube aber, ich muß diese Andeutungen ganz weglassen, sonst wirst Du in Deiner Neugier ja ganz ungenießbar. Wie gesagt, Sorge macht nur die Übersendung. Doch da wird auch noch ein Weg und ein Rat zu finden sein. Post habe ich ja immer noch nicht von Dir erhalten, doch das kann ja auch noch nicht möglich sein.
An Nanni werde ich auch noch schreiben, damit ich einmal meine Schreibverpflichtung wieder erledige. An den Kamerad Gloger werde ich auch demnächst schreiben. Hast Du inzwischen die Schuhe schon erhalten und wenn ja, ist es das richtige? Du wirst mir ja zu gegebener Zeit berichten.
Nimm Du liebes Mädel wieder viele herzliche Grüße und Küsse entgegen von Deinem Ernst.
Küsse unsere beiden Strolche in meinem Auftrag herzlich. Vater grüße bitte von mir. –


Meine liebe Frau!                                                                 L., den 12.7.1940

Seit meinem kurzen Besuch bei Euch sind nun wieder 14 Tage verstrichen und annähernd 2 Monate, seit ich überhaupt einziehen mußte.
Wie lange mir nun die Zeit erscheint, dabei gehen doch im sonstigen Alltag diese Tage nur so dahin, ohne daß man  groß Notiz davon nimmt.
Seit diesen 14 Tagen habe ich nur einmal Post von Dir erhalten. Obwohl ich genau weiß, daß Du nicht daran schuldig bist, weil es durch die Änderung, die  nun einmal eingetreten ist, sich ergibt, so würde ich mich doch wieder freuen, wenn ich wüßte, wie alles bei Euch daheim steht.
Ich stelle mir wohl vieles vor, was Ihr wohl macht oder wie es sonst gehen wird, aber dabei fehlt mir doch die Gewißheit über alles, die ich dann aus Deinen Briefen herauslese.
In dieser Beziehung bist Du ja entschieden besser dran, denn den größten Teil meiner Briefe wirst Du wohl schon haben.
Der Dienst geht nun tagaus tagein seinen üblichen Gang mit den verschiedenen Abwechslungen. Eine Unterbrechung unseres Tagesprogramms ist nur dadurch eingetreten, daß wir heute Abend eine Theatervorstellung hatten, wie Du aus den beigefügten Eintrittskarten ersehen kannst. Es war nun nicht gerade überragend, aber immerhin haben wir uns heute Abend billig unterhalten. Durch diese Vorstellung ist es schon 1/2 12 Uhr geworden und ich bin heute auch nicht eher zum Briefschreiben gekommen. Du wirst daher für heute entschuldigen, daß ich schon Schluß mache.
Wahrscheinlich werde ich am Sonntag Dienst haben, wobei ich wahrscheinlich wieder etwas länger schreiben werde, vorausgesetzt, daß ich sonst nicht daran gehindert werde.
Gute Nacht liebes Mädel, küsse unsere beiden Stromer herzlich von mir und sie sollen nur ja brav bleiben. Du selbst sei aber vielmals und herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst.

Freitag, 10. Juli 2015

Brief 25 vom 10.7.1940


Meine liebe gute Frau!                                                          Lille, den 10.Juli 1940

 Einen Teil meiner Post wirst Du ja inzwischen schon erhalten haben.
Wie ich Dir gestern schon schrieb, wollte ich ja heute ins Bad gehen oder ins Kino. Nun ist aus beidem nichts geworden. Ich habe zwar dienstlich das Bad besichtigt und habe mir die eigentliche Ausnutzung dieser Besichtigung für die nächsten Tage vorgesehen.
Den Dienst kann man so im Allgemeinen aushalten. Ich habe bis jetzt die Ausstellung von Passierscheinen bezw. die Genehmigung von Weiterreisen von hier nach auswärts zu bearbeiten. Die Unterschriftbefugnis ist mir für einen gewissen Teil auch übertragen worden, so daß ich bis jetzt ziemlich selbständig arbeiten kann.
Es sind dabei verschiedene Franzosen zur Vorbearbeitung dieser Sachen beigegeben. Ich muß nun sehen, wie sich alles hier weiter entwickelt.
Ich hatte Dir ja schon in Konstanz gesagt, daß man mir dort die Schönheit dieser Stadt gepriesen hat. Als ich nun hierher kam, war ich ja sichtlich enttäuscht. Diese Stadt zeigt noch ziemlich Spuren des Weltkrieges auf und man gewinnt teilweise den Eindruck, als ob die Bevölkerung oder die sonst zuständige Stelle kein Interesse an dem Wiederaufbau hat. Es kann ja auch sein, daß einige Leute mit diesem Boden spekulieren wollen, jedenfalls erscheint alles sehr ungepflegt.
Stellenweise sind mitten im bewohnten und bebauten Gebiet halb abgerissene Häuser oder die stehengebliebenen Reste sind durch Balken abgestützt. Da nun dies alles sehr verrußt ist, sieht man ohne weiteres, daß dieser Zustand schon ziemlich lange besteht. Bretterzäune sperren teilweise auch diese Stellen ab. Wie gesagt, es sieht alles sehr verwahrlost aus.
Am Denkmal für die gefallenen Soldaten aus dem Weltkrieg hat man den Rest einer zerschossenen Kirche stehen lassen. Man wollte damit die Deutschen wahrscheinlich für ihre Barbarei  für immer festnageln. Wir sind ja auch hier dabei, sämtliche Denkmäler, die einen für uns beleidigenden oder herabsetzenden Inhalt ihrer Inschriften haben, zu überprüfen. Was dann damit geschieht, wird man ja dann sehen.
Von der Dienerin meines Hauswirts habe ich ja neulich auch schon geschrieben. Gestern habe ich wieder feststellen müssen, daß dieses Fräulein, denn ich nehme an, daß es noch eins ist, sehr um mein Wohl und Wehe besorgt ist. Mein Zimmer konnte bis jetzt noch nicht abgedunkelt werden. Weil nun nach Eintritt der Dunkelheit hier auf alle Fenster von der Feldgendarmerie geschossen wird, hat sie jetzt alles mit Papier abgedichtet, damit ich mich auch abends, wenn ich heimkomme, ungehindert bewegen kann.
Da wir uns nun durch unsere verschiedenen Sprachen nur sehr schlecht verständigen können, hatte ich sie falsch verstanden, denn sie hatte mir das gleich an der Haustüre mitgeteilt, daß sie die Veränderung vorgenommen hatte. Ich hatte nun verstanden, daß sie jetzt Klosettpapier hingetan hätte. Es hat sich ja dann herausgestellt, daß es Papier für Fenster war.
Im Großen und Ganzen verkehre, oder besser gesagt, esse ich in den gleichen Lokalen und dort wissen sie meistens schon, was ich haben will. Es ist eben nicht so einfach, wenn man für sein eigenes Essen sich selbst umtun muß.
Wie ich Dir ja auch schon schrieb, haben wir von der Oberfeldkommandantur, der wir ja angehören, in einem der größten Hotels gemeinsames Mittagessen. Meistens bewegen sich ja in diesem erlauchten Kreise nur Offiziere und es ist also für die Beamten das Kasino. Da nun ein General mit dabei ist, so geht dort alles nach Etikette, doch an das habe ich mich genau so gewöhnt wie an das Essen aus dem Kochgeschirr beim Kommis. Man sieht daraus wieder, daß der Mensch sich an alles gewöhnt.
Gestern habe ich Dir ja schon geschrieben, daß ich Dir einige nette Sachen gekauft habe. Heute habe ich wieder einiges dazu gekauft, doch mache ich mir Gedanken, wie ich das Dir nun übermitteln kann, da Feldpostpäckchen  nur bis 250 Gr. gehen. Ich hoffe aber, daß sich im Laufe der Zeit eine Gelegenheit geben wird.
Ich möchte Dir heute wiederum noch einmal mitteilen, daß ich hier wirklich vollauf und genügend zu essen habe und ich bitte Dich, schickt mir von dem wenigen was Ihr habt, nichts hierher. Ich kann mir bei meinem jetzigen Einkommen immer wieder etwas dazu kaufen.
Sei nun wiederum herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem oft an Dich denkenden Ernst.
Gib den Kindern wieder einen recht herzlichen Kuß und sage ihnen, daß ich sie herzlich grüßen lasse.
Richte auch Vater viele Grüße von mir aus.


Brief 24 vom 7./8.7.1940


Meine liebe Annie!                                                          Lille, den 7.7.1940                

Morgen früh geht wieder Post fort und ich möchte Dir gleich wieder schreiben, wie es mir geht und was ich erlebt habe. Voraus möchte ich gleich nehmen, daß es mir wirtschaftlich in meinem Leben noch nie besser gegangen ist wie jetzt hier.
Ich kann schon sagen, daß ich z.Zt. lebe wie der liebe Gott in Frankreich. Im essen und trinken geht mir aber auch gar nichts ab und die Kameraden, die ich bis jetzt getroffen habe, waren soweit auch sehr nett zu mir.
Eines fehlt mir aber trotzdem, und das ist meine Familie und die Ordnung, die ich damit habe. Die Verhältnisse verlangen es aber, daß ich mich auf sie umstelle.
Ganz so poplig bin ich ja jetzt nicht mehr dran, weil ich rein äußerlich nicht mehr der Rekrut oder der einfache Soldat bin wie die vorhergehenden Wochen, denn allein durch den einen Stern sieht das nach außen hin schon ganz anders aus; zudem beziehe ich jetzt am Wehrsold in 10 Tagen nicht 10,-RM, sondern 18,-RM. Das Schlafen wird ja von irgendeiner Stelle übernommen, darum brauche ich mich nicht kümmern und Verpflegungsgeld bekomme ich tägl. 5,50RM. Ja, da staunst Du.
Aber es ist so, daß ich an dem gemeinsamen Mittagstisch der Oberfeldkommandantur, zu der wir auch gehören, teilnehmen muß, und das kostet 1,50 RM pro Mittag.
Heute war ich zum ersten Mal dabei. Es gab hors d`oeuvre(Vorspeise), Sardellen, Kartoffelsalat und ein paar Radieschen. Dann gab´s ein halbes Hühnchen mit Gemüse(Erbsen und junge Bohnen) und gekochte überbackene Kartoffeln. Als Nachtisch ein Stückchen Torte. Außer Verpflegung franz. Rot- und Weißwein (Beutewein)soviel man will. Ein echt französisches Essen, aber auch gut. Sonst habe ich hier schon woanders gegessen für zusammen 70 Pfennig einschließlich eine Bouteille Wein (etwa 1/2 l). Daß man hier noch so billig leben kann  kommt ja daher, weil der Franken nur 5 Pfennig gilt.
Eine Bitte hätte ich heute noch an Dich, sende mir doch baldmöglichst ein deutsch-französiches Wörterbuch. Ich habe doch noch so etwas daheim gehabt (Taschenformat) vielleicht findest Du das. Außerdem hatte ich noch ein gelbes und ein rotes englisches Buch; wenn Du das findest, kannst du mir das auch mit senden.  
Wie ich schon erfahren habe, muß man sich mit Geduld wappnen, bis man von daheim Post erhält. Hoffentlich ist es umgekehrt nicht auch so, daß Du solange warten mußt.
Sei Du von mir herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst. Küsse die Kinder auch vielmals.


 Meine liebe Frau!                                                                       Lille, den 8.Juli 1940

Wie ich Dir schon schrieb, bin ich ja nun schon einige Tage hier in Lille.
Es drängt mich nun fast dazu, Dir von den vielen Ereignissen zu berichten, die hier auf mich so eingestürmt sind.
Es ist einfach etwas ganz großes, wenn man den Apparat sieht, mit dem unsere Wehrmacht läuft und wenn man da mit eingeschaltet wird. Was man hier allein an Kraftfahrzeugen, geschweige denn an allem anderen sehen kann, so kann man ermessen, daß unsere Wehrmacht den Feind nicht hat zur Ruhe kommen lassen brauchen, denn da läuft alles nur so.
Von meiner Fahrt von Köln nach Brüssel und dann weiter hierher nach Lille habe ich ja schon so einiges berichtet. Bei der Grenzüberschreitungsstelle hatten wir unser sonst landläufiges Geld in Wehrmachtsgeld , das ausschließlich hier im besetzten Gebiet neben der landesüblichen Währung in Zahlung gegeben wird, umgetauscht.
Wir fuhren dann über die Grenze. An unserem Haltepunkt kamen dann gleich die Einwohner und wollten alles Mögliche an uns verkaufen.
Du weißt ja, daß ich in dieser Hinsicht sehr zurückhaltend und sogar berechnend bin. Ich habe mir auf der Fahrt nichts weiter gekauft, sondern habe mich dann gegen 10 Uhr in den Speisewagen gesetzt, um mir etwas zukommen zu lassen. Ich habe also dort Kaffee getrunken und dort konnte ich dann auch erfahren. wann wir in Brüssel sind.
Wir kamen dann über die ersten Eisenbahnbrücken, die gesprengt waren. Das war noch in Holland. Jede Brücke, die wir passieren mußten, war dann mehr oder weniger beschädigt.
Überall war aber alles wieder provisorisch hergerichtet worden, damit die Hauptstrecken wieder befahrbar waren.
Als wir dann ins belgische Gebiet rein kamen, war die Sache dann schon bedeutend schlimmer. Wie ich Dir schon berichtete, fuhren wir über Hasselt und dann Löwen, nach Brüssel.
Hasselt wurde ja seinerzeit auch im Heeresbericht erwähnt, wenn Du Dich noch erinnern kannst. In Löwen waren dann die stärkeren Beschädigungen so von der Bahn aus festzustellen.
Alles im Einzelnen so genau zu beschreiben ist ja fast nicht möglich. Im Bild sieht manches noch ganz anders aus, als man das in der Natur dann selbst sehen kann. Die Bahnhöfe hatten fast alle keine Fenster mehr, das war ja gleich sehr auffallend, die Dächer waren von vielen Häusern zerschossen oder allein vom Luftdruck heruntergeschleudert.
Wenn man das alles so niederschreibt, kann man es ja gar nicht so schildern wie es in Wirklichkeit aussieht. Eines freut einen aber doch, wenn man sich sagen kann, diese Zerstörungen sind von unserer Heimat von den einzelnen Fliegerangriffen abgesehen, ferngehalten worden.
In Brüssel kam ich ja etwa gegen 5 Uhr abends an. Dort ging ich dann gleich zum Quartieramt und besorgte mir eine Schlafgelegenheit. Sie war fast am entgegen gesetzten Ende. Das eine gute war aber doch dabei, daß ich mich so durch die Stadt lotsen mußte und gleichzeitig einen großen Teil kennenlernte.
Der Verkehr  ist ja auch dort wieder ganz gewaltig und es stellt schon ein Erlebnis dar, wenn man sich zum ersten Mal in einem fremden Land in einer so großen Stadt befindet.
Ich habe mir, das schrieb ich Dir ja schon,  ein Abendbrot geleistet und bin dann durch die Stadt gebummelt. Die Läden haben nun noch ausgezeichnete Auslagen und man hätte vieles kaufen können, wenn man nur das nötige Kleingeld gehabt hätte. Etwas Schokolade zum Verzehr für unterwegs und auch einige Briefmarken hatte ich mir gekauft.
Ich habe mich dann ins Kino gesetzt, worüber ich Dir ja auch schon berichtete. Anschließend war es immer noch so hell, daß ich meinen Bummel noch weiter ausdehnte.
So kam ich auch noch an das Grabmal des unbekannten Soldaten und auch andere Gebäude habe ich gesehen. Die hereinbrechende Dunkelheit zwang mich dann tatsächlich zum Heimgehen. Wenn auch die Stadt  Brüssel auf mich den Eindruck nicht gemacht hat, wie eine deutsche Stadt (z.B. Stuttgart), so hat es doch einen besonderen Reiz, dort sich einmal umgesehen zu haben.
Am anderen Morgen bin ich ja dann wieder weiter gereist. Interessant war dann noch in der Frühe, dass auf der Hauptverkehrsstraße der ganze Markthallenverkehr abgewickelt wurde. Da konnte man alles Gemüse und auch neue Kartoffeln in rauen Mengen kaufen.
Die Weiterfahrt durch den Rest von Belgien und dann durch Frankreich bot dann das gleiche Bild wie ich schon oben geschildert habe. Hin und wieder befand sich noch eine Linie von Schützengräben längs der Bahnlinie, oder vereinzelt auch ein Bunker, der den Eisenbahnverkehr im Kriegsfalle überwachen sollte.
Was man so feststellen konnte, war der Widerstand dieser Besatzungen nicht gerade von langer Dauer, denn meistens sind sie, fall sie sich nicht rechtzeitig ergeben haben, ausgeräuchert worden.
Zusammenfassend kann man sagen, daß diese Dinge unseren Sieg nur um kurze Zeit aufhalten, aber nicht verhindern konnten, weil bei uns alles bis ins kleinste durchdacht war. Weiter wird man auch hier wieder in dem Glauben an Deutschlands Größe nur bestätigt.
Gegen Mittag traf ich ja dann hier in Lille ein. Ich bin dann mit meinem Koffer gleich losgezogen, um mich hier auf dem Rathaus zu melden. Auffallenderweise war der Bahnhof (in Brüssel ja auch) vollkommen in Ordnung. Alles ist hier im Aufbau begriffen und keiner hat so richtig Bescheid gewußt.
Ich habe mich dann bei so verschiedenen Instanzen durchgefragt und bin dann am Ende doch noch richtig gelandet. Ich wurde noch unserem Chef vorgestellt und hatte dann noch Gelegenheit, die einzelnen Herren kennenzulernen, die bis jetzt hier ihren Dienst versehen.
Der Einsatz von deutschen Beamten ist ja nun nicht gerade überwältigend, aber mit Hilfe des hier bestehenden französischen Apparates wird ja die ganze anfallende Arbeit geschafft. Wir führen so gewissermaßen hier die Oberaufsicht und nach unseren Anordnungen, d.h. nach deutschem Muster, muß dann alles durchgeführt werden.
Mit ziemlich gemischten Gefühlen steht man der Bevölkerung gegenüber.
Wenn sie auch nach außen hin äußerst entgegen kommend erscheint, so gewinnt man doch den Eindruck, daß vieles nur Tünche ist. Die ärmere Bevölkerung denkt vielleicht da etwas anders, doch das kommt daher, ich denke hierbei an die Mädchen, daß der deutsche Soldat jetzt Geld in der Hand hat und sich vieles leisten kann, was diese Menschen nicht können. Hier erweisen sich diese Menschen als sehr zugänglich und stecken in ihrem Nationalgefühl manchen Pflock zurück.
Wenn das die meisten Soldaten vielleicht auch nicht von dieser Seite sehen, so ist diese Tatsache doch nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen.
Ein Teil der gut betuchten Bevölkerung ist ja noch nicht nach Lille zurück gekehrt und deren Wohnungen sind z.T. durch die Wehrmacht beschlagnahmt worden. Ich hatte Gelegenheit, mir die eine oder andere Wohnung anzusehen, aber ich muß feststellen, die behagliche Gemütlichkeit, wie wir sie bei uns kennen, fehlte hier vollkommen. Das zeigt wieder, wie verschieden die beiden Völker in ihrer Lebensweise doch sind. Vieles was man hier bei den Franzosen sieht und was einem neu erscheint, beachtet man, vielleicht ist das eine oder andere sogar brauchbar um nicht zu sagen besser, aber die deutsche Art zu leben und zu arbeiten ziehe ich mir denn dann doch vor.
Das Dienstgebäude ist nun ein ganz neuer Bau und ich werde Dir einmal eine Ansichtskarte demnächst mit zusenden, wie es aussieht. Im Weltkrieg soll ja das andere zerschossen worden sein und wie ich gehört habe, auch z.T. mit deutschen Arbeitern diesen Bau erstellt. Alles ist sehr komfortabel hergerichtet worden. Die Ironie des Schicksals hat es aber gewollt, daß der deutsche Mensch auch darin arbeiten kann.
Z.Zt. werden uns einige Büros hergerichtet, damit wir nicht mehr so aufeinander sitzen, wie bisher. Weil unser Stab nicht gerade so groß ist, sind wir, wie ich bis jetzt feststellen konnte, ganz gut beieinander.
Ein eigentliches Arbeitsgebiet habe ich ja bis jetzt noch nicht, denn ich helfe gerade dem Herrn mit, der am meisten Arbeit daliegen hat. Ich hoffe allerdings, daß das dann in einiger Zeit anders wird. Es ist ja auch so, hier leiste ich wenigstens positiv zur Zeit mehr, als wenn ich auf dem Kasernenhof immer rechts und links mache.
Von der Kaufkraft unseres Geldes habe ich Dir ja auch schon geschrieben und auch davon, was uns so zur Verfügung steht. Nun brauchst Du nicht etwa zu denken ich verjubele alles. Nein, dem ist nun nicht so. Ich habe mir jetzt verschiedenes angeschafft. Ich möchte es Dir der Reihe nach aufzählen, aber lache nicht, wenn Du liest, auf was für Sachen ich alles gekommen bin.
Erstens ein Paar Schuhe für mich, Preis 5,50RM. Dann ein Paar Socken, später habe ich mir noch ein weiteres Paar zugelegt. Also solche, die ich für die gekauften Halbschuhe gebrauchen kann. Taschentücher , das halbe Dutzend für 1 RM, damit Du nicht immer welche waschen mußt. Heute habe ich mir 2 Schlafanzüge für zusammen 7,50RM und einen Badeanzug aus Wolle für 3,-RM gekauft. (Hier gibt´s nämlich ein Hallenbad). Ein Paar Hausschuhe aus Lackleder , etwas ganz vornehmes für 2,8o RM habe ich mir heute ebenfalls zugelegt. Es sind dies alles Dinge, die ich hier noch tragen kann, und die ich dann gewiß auch mit heim nehmen kann.
Einige Hemden werde ich mir auch noch kaufen. Du kennst mich schon gar nicht mehr wieder, wie ich mich auf einmal aufs Kaufen umgestellt habe, aber warum soll ich diese Gelegenheit nicht ausnutzen. Es ist in einigen Tagen bald soweit, daß ganz Lille durch die Soldaten ganz ausgekauft ist, wenn es dann soweit ist, fange ich an mit sparen.
Bald hätte ich es vergessen, eine Geldtasche für Papiergeld aus sehr feinem Leder, sie hat allerdings 9,-RM gekostet, ist auch noch in meinen Besitz übergegangen. Wenn Du also wirklich einmal Geld brauchen solltest, so schreib mir dies nur, dann werde ich Dir umgehend welches zukommen lassen.
Im übrigen Leben lasse ich mir auch nichts abgehen. Gestern habe ich Dir ja auch schon geschrieben, wie wir hier zu Mittag essen, und die übrigen Mahlzeiten kann ich auch nicht gerade als schlecht bezeichnen, die ich hier einnehme. Was es zu essen zu kaufen gibt, das hole ich mir.
Heute haben wir wieder eine Sonderzulage bekommen und zwar eine Literflasche Weißwein, etwas ganz ausgezeichnetes, ja, das weiß ich ganz genau, daß es so ist, denn ich beflügle während des Schreibens ab und zu meinen Geist damit, und jeder hat noch 4 Pfd. Würfelzucker erhalten.
Ich würde mich freuen, wenn ich Euch dies alles zur Verfügung stellen könnte, damit Ihr auch an dem teilhaben könntet, was ich zur Zeit habe. Beim Abendessen trinke ich ja zumeist auch einen halben Liter Wein, der hier 21 Pfg. kostet.
Du brauchst nun nicht etwa Angst zu haben, daß ich mich hier zum Säufer ausbilden will, aber das ist eigentlich das einzige, was einem über das Getrenntleben von der Familie hinweghilft. Gut ist es auch, wenn man tagsüber seine Arbeit hat, damit man nicht daran denken muß, was einem eigentlich hier fehlt, doch es ist ja schließlich so, daß man an dem Ort seine Pflicht tun muß, wo man  hingestellt ist.
Ich habe schon die letzten Tage gedacht, daß es vielleicht durch Zufall möglich sein könnte, daß ich einmal mit Siegfried zusammentreffe, wenn er sowieso zwischen Frankreich und Deutschland verkehrt. Wenn Du ihm schreibst, kannst du diese vielleicht mit anregen. Ich weiß ja nicht, ob ihn ein Brief von mir eher erreicht als einer von Dir.
Deine Eltern sowie auch Nanni, denen ich bereits von Köln aus geschrieben hatte, werde ich dieser Tage auch noch schreiben. An das Hotel in Köln wird von Dir auch noch ein Brief gegangen sein. Ich werde morgen früh eine Karte mit meiner Feldpostnummer an das Hotel absenden, damit ich diese Briefe noch bekomme, die von Dir noch eingegangen sind, soweit sie nicht schon an Dich zurückgegangen sind.
Was machen denn unsere beiden Strolche, sind sie denn auch brav. Ich glaube aber annehmen zu müssen, daß sich seit früher nicht viel geändert hat. Soweit es in Deinen Kräften steht, nimm sie nur richtig ran.
Mit dem Garten wirst du auch viel arbeiten müssen. Auch heute bitte ich Dich wieder, übernimm Dich bei dieser Arbeit nicht.
Gespannt bin ich ja, wann ich hierher Deinen ersten Brief bekomme. Meine Hoffnung ist ja nur die, daß es nicht solange dauert, wie bei den Kollegen, die hier sind. Eines freut mich ja heute noch, daß ich Gelegenheit hatte, zu Euch zu kommen und Euch, wenn auch nur kurze Zeit, zu sehen.
Wenn ich allerdings gewußt hätte, wie es in Köln aussieht, wäre ich noch einen Tag länger bei Euch geblieben.
Ärgere Dich aber nicht darüber, denn es läßt sich ja leider nicht ändern und dann war ja alles so unklar.
Sind wir froh um die Stunden und auch über die Überraschung, die ich Euch bereiten konnte. Leider ist ja in Kriegszeiten mit der Freude der Überraschung auch der Trennungsschmerz verbunden.
Ich hoffe, daß Ihr auch diesen, nachdem ja nun wieder etliche Tage darüber hin sind, überwunden habt. Ich kenne Dich ja als tapferen Kerl und Du wirst Dich ja auch hier wieder so verhalten haben.
Ein Kollege, dem ich dieser Tage meine Bilder von Euch zeigte, sagte zu mir, als er Dein Bild sah, man kann ja nicht sagen, daß Du der Typ des westlichen Menschen darstellen würdest, sondern schon den der deutschen Frau. Ist das nicht ein Kompliment?
Jedenfalls kann ich Dir sagen, daß ich mich im Stillen sehr darüber gefreut habe. Auch die Bilder von unseren Kindern finden überall guten Anklang und mit Stolz betone ich jedes Mal, daß Du sie gemacht hast.
Gestern war ich hier wieder im Kino und dabei hatte ich Gelegenheit, die Wochenschau von Dünkirchen mit zu sehen. Für mich war dies auch wieder ein großes Erlebnis, zudem, wo man jetzt selbst mitten im Feindesland lebt. Ich hoffe, daß ich während der Zeit meines hiesigen Aufenthalts Gelegenheit haben werde, auch diesen Schauplatz der Kämpfe mit ansehen zu können.
Hier ist ja auch noch einiges zu sehen. So u.a. einige zerschossene Kraftwagen der Engländer, die auf der Strecke geblieben sind. Außerdem haben die Englänger in einem Kanal, der hier nahe der Stadt liegt, verschiedene Schlepper versenkt, um die Schiffahrt darauf zu sperren.
Außerdem sind verschiedene Brücken gesprengt worden und eine Schleuse ist auch nicht mehr ganz in Ordnung. Auch darüber habe ich Dir ja schon geschrieben, daß verschiedene Gräber in den Anlagen sind, von Soldaten, die hier gefallen sind.
Gestern konnten wir nun beobachten, daß zu einem Grab eines englischen Offiziers die reinste Prozession stattfindet, während zu den Gräbern der deutschen Soldaten nur die Kameraden gingen. An einem anderen Platz, wo auch deutsche Soldaten liegen, konnte ich wohl verschiedene Personen der Bevölkerung sehen, doch Blumen haben sie keine hingelegt wie bei ihren Bundesgenossen. Ich möchte keinem Haß über´s Grab hinaus noch das Wort reden, doch als Deutschem fällt einem das auf und berührt einen auch entsprechend.
Kriegsgefangene Franzosen,  heller und dunkler Hautfarbe, habe ich hier ja auch schon gesehen. Der Eindruck war auch nicht gerade glänzend, wenn ich in diesem Falle überhaupt so ein Wort anwenden und gebrauchen soll. Mit Uniform und Strohhüten sind sie im Zuge gelaufen. Mit oder ohne verdreckten Mantel. Bewaffnet zum Teil mit Spazierstöcken. Jedenfalls ganz bunt durcheinander gewürfelt. Du wirst ja die verschiedenen Bilder aus den Wochenschauen noch in bester Erinnerung haben.
Die Bevölkerung versucht mit den Gefangenen Fühlung aufzunehmen, um zu erfahren, welchen Truppenteilen sie angehören. Es ist ja z.T. verständlich, daß sich diese Leute darum kümmern, denn mancher hat doch auch Verwandte dabei, die im Kriege gegen uns gestanden sind und nun gefangen sind oder verwundet, wenn nicht gar gefallen.
Von deutscher Seite aus kann man aber auch beobachten, daß die Gefangenen nicht gerade hart angefaßt werden und daß sie, obwohl wir uns ja in ihrem Lande befinden, ziemliche Freiheiten genießen.
Dies zeigt wieder einmal richtig unser deutsches Wesen, das in dem Feind auch den tapferen Kämpfer erkennt. Verwundete, die aus der Schlacht von Dünkirchen kommen und in die verschiedenen Lazarette verbracht wurden, konnte ich hier auch schon sehen. Es handelt sich ja in diesen Fällen meistens um solche Menschen, deren Hauptbehandlung ja schon abgeschlossen ist und die zur weiteren Genesung weiter transportiert werden.
Vom Amt selber könnte ich noch als Besonderheit berichten, daß hier an jeder Ecke und fast vor jedem Dienstzimmer ein Polizist der Stadtpolizei steht. Sie begegnen uns wohl mit besonderer Achtung, mehr oder weniger wohl auch darum, weil sie müssen. Viel zu tun haben diese Kerle ja gerade nicht, aber das viele Publikum gibt ihnen schon Gelegenheit, sich den Tag über zu unterhalten und somit auch den Tag rumzubringen. Wenn man etwas von ihnen verlangt, sind sie sehr dienstbeflissen und sie tun auch alles. Ich habe aber sonst den Eindruck, als wenn es so richtige Radfahrernaturen sind. Du weißt ja, was man darunter bei uns im Reich versteht.
Es kann ja sein, daß ich mich in dieser Beziehung täusche, die Zukunft wird es ja zeigen, ob meine Annahme in dieser Richtung stimmt. Einen Personalaufwand, wie man ihn hier treibt, kennt man jedenfalls bei uns nicht und es hat schon bei uns immer geheißen, wir seien ein Beamtenstaat. Die Überzeugung will bei mir auch nicht Platz greifen, daß diese Herrschaften hier schneller schaffen wie wir.
Über alles und auch sonst über meine Eindrücke, die ich bis jetzt hier gewonnen habe, habe ich Dir nun in meinem heutigen Brief berichtet. Ich nehme an, daß Dich verschiedenes interessiert hat. Vieles wäre noch zu erzählen, doch vielleicht kann ich dies ein andermal tun.
Ich glaube, daß Ihr alle gesund seid und daß auch sonst alles bei Euch in Ordnung ist. Heute hoffe ich, daß Du mit meinem ausführlichen Schreiben zufrieden bist. Eines möchte ich aber gleich sagen, jeden Tag kannst Du von mir solche Briefe nicht erwarten, denn es ist nun schon 23 Uhr vorbei und es wird Zeit, daß ich mich langsam auf den Heimweg begebe.
Ein Kamerad ist auch gerade dabei, seiner Frau zu schreiben, somit bin ich wenigstens nicht allein. Die Flasche Wein ist ja nur z.T. alle geworden, aber dem Inhalt des Briefes hat dies doch gewiß keinen Abbruch getan. Hoffentlich kann ich gut nach diesem kräftigen Schluck schlafen.
Sei Du nun recht herzlich gegrüßt. Viele Küsse übersende ich Dir gleichfalls und hoffe, daß es Euch allen gut geht. Dich grüße ich aber besonders und bitte Dich, den Kindern einen recht herzlichen Kuß zu geben.
Ich bin auch in der Ferne in Treue Dein Ernst.